Buchrezension: Caroline Kepnes – YOU – Du wirst mich lieben

caroline-kepnes-you-du-wirst-mich-liebenInhalt:

Als die Studentin und angehende Schriftstellerin Guinevere Beck, die der Einfachheit halber nur Beck genannt wird, die kleine Buchhandlung betritt, in der Joe Goldberg arbeitet, spürt er sofort eine besondere Verbindung zu dieser jungen Frau, ist vollkommen hingerissen und weiß augenblicklich, dass sie geradezu perfekt für ihn ist. Sie ist wunderschön, sexy und intelligent, sodass er schon nach wenigen Minuten sicher ist, endlich sein passendes Gegenstück gefunden zu haben.
Da sie ihren Einkauf mit ihrer Kreditkarte bezahlt, kennt er ihren Namen, googelt nach ihr und findet schnell heraus, wo Beck wohnt. Außerdem hat sie einen öffentliches Facebook-Profil und einen Twitter-Account, auf dem sie die Welt an ihrem Leben teilhaben lässt. Jeden Abend bezieht Joe seinen Posten auf der gegenüberliegenden Straßenseite ihrer Wohnung und beobachtet sie. Er ist geradezu besessen von ihr und versucht alles, um immer in ihrer Nähe zu sein und ein vermeintlich zufälliges Wiedersehen zu arrangieren.
Beck merkt nicht, dass sie beobachtet wird, aber als sie sich in einer lebensgefährlichen Situation befindet, erweist sich der charmante Buchhändler, der gerade ‚zufällig‘ in der Nähe ist, als ihr Lebensretter. Sie ahnt nicht, dass Joe längst die Kontrolle über ihr Leben übernommen hat und ist sehr angetan von dem charismatischen Mann, der Bücher liebt und immer für sie da ist. Doch damit gibt sich Joe nicht zufrieden, denn er will Beck voll und ganz besitzen und ist bereit, alle Hindernisse aus dem Weg zu räumen, die zwischen ihm und seiner Angebeteten stehen – auch wenn er dafür töten muss…

Meine persönliche Meinung:

Ich habe You – Du wirst mich lieben von Caroline Kepnes im Rahmen einer Leserunde gelesen. Ich habe schon so viel Gutes von diesem Roman gehört, dass ich ihn nun unbedingt lesen wollte. Hätte ich dieses Buch alleine gelesen, hätte ich es vermutlich nach 100 Seiten abgebrochen, denn teilweise war es wirklich eine Zumutung. Dabei waren die ersten Kapitel noch außerordentlich spannend, und die Erzählung begann auch zunächst äußerst vielversprechend.
Das ganze Buch wird aus der Ich – Perspektive von Joe Goldberg erzählt, der einen inneren Monolog führt, bei dem er auch immer wieder das Wort an Beck richtet. Diese Form des Selbstgesprächs ermöglicht sehr tiefe Einblicke in die Gedankenwelt dieser gestörten Persönlichkeit und schafft eine Intimität, die ich als sehr unangenehm empfand, denn man will einem solchen Psychopathen eigentlich gar nicht so nahe kommen. Dennoch hat mir diese Form des Erzählens sehr gut gefallen und ist auch sehr raffiniert gewählt, denn obwohl sich Joe keineswegs als Identifikationsfigur eignet, ist man hin und wieder geneigt, sich auf seine Seite zu stellen und beginnt irgendwann seiner wahnhaften Logik zu folgen. Es ist äußerst verstörend, gezwungen zu sein, sich in diesen psychopathischen Charakter hineinzuversetzen und so unmittelbar in die Abgründe seiner Seele zu blicken. Leider waren seine Phantasien häufig so abstoßend, dass diese Nähe meistens nur schwer zu ertragen war.
Verliebte Menschen neigen ja häufig dazu, nach versteckten Botschaften zu suchen, mit denen das Objekt der Begierde ebenfalls Interesse signalisiert, aber aus welch banalen Verhaltensweisen Joe abzuleiten versucht, dass auch Beck sofort von ihm hingerissen ist, ist geradezu lächerlich und absurd. So ist er zum Beispiel davon überzeugt, dass sie ihren Einkauf in seiner Buchhandlung nur mit ihrer Kreditkarte bezahlt, damit er ihren Namen erfährt. Wenn man das liest und seinen Gedankengängen folgt, würde man am liebsten in jedem Ladengeschäft nur noch bar bezahlen. Sofort googelt er nach ihrem Namen, stößt auf ihr Twitter-Profil und ist verwundert, dass sie dort noch nicht die ganze Welt an ihrer geradezu magischen Begegnung mit dem charmanten Buchhändler teilhaben ließ. Den Gedanken, dass sie ihn längst wieder vergessen hat und diese alltägliche Begegnung für sie vollkommen bedeutungslos war, lässt er jedoch erst gar nicht zu und kommt deshalb schon im nächsten Augenblick zu der Überzeugung, dass sie über Dinge, die ihr besonders wichtig sind, ohnehin nie twittert, es also gerade ein Zeichen ihrer Liebe ist, dass sie die Begegnung mit ihm vor der Öffentlichkeit verbirgt. Da er auch herausfindet, wo sie wohnt, beobachtet er sie von nun an jeden Abend, dringt in ihrer Abwesenheit auch in ihre Wohnung ein und durchschnüffelt ihren Computer. Da er immer weiß, wo sie sich aufhält, gelingt es ihm auch, sie wieder zu treffen und es wie eine zufällige Begegnung aussehen zu lassen.
Bis zu diesem Moment war das Buch noch überaus spannend, denn in die Gedanken eines Stalkers einzudringen und hautnah mitzuerleben, wie er sich seinem Opfer nähert, war wirklich beängstigend. Allerdings handelt es sich dabei nur um die ersten 50 Seiten des Buches. Da Beck seine Annäherungsversuche gar nicht abwehrt, überhaupt nicht merkt, wie gestört ihr neuer Verehrer ist, sondern sich sogar noch zu ihm hingezogen fühlt, ist die Spannung danach nahezu dahin. Auch die Stalking-Thematik tritt vollkommen in den Hintergrund, denn Beck zeigt ja durchaus Interesse an Joe und sucht auch seine Nähe. Was Joe an dieser Frau findet, war mir jedoch ein Rätsel, denn sie hat nicht einen einzigen liebenswerten Charakterzug. Immer wieder lässt sie sich mit Joe ein, um ihn dann wieder am langen Arm verhungern zu lassen. Seine Besitzansprüche sind zwar äußerst bedenklich und die Mittel, zu denen er greift, um Beck an sich zu binden, sind beängstigend, aber sie merkt es eben nicht einmal. Hinzu kommt, dass Beck so selten dämlich, selbstverliebt, oberflächlich, sprunghaft und unsympathisch ist, dass man ohnehin nicht mit ihr mitfiebern kann und manchmal fast Mitleid für Joe empfindet. Obwohl man sie nur aus seiner Sicht kennenlernt und Joe natürlich stets ihre Vorzüge in den Mittelpunkt rückt, konnte ich nicht erkennen, was an dieser Frau so unwiderstehlich sein soll. Das Eigenartige ist jedoch, dass ihr offenbar niemand widerstehen kann, denn jeder in ihrem Umfeld vergöttert Beck.
Joe merkt jedenfalls recht schnell, dass er nicht der Einzige ist, der in sie verliebt ist und beschließt deshalb, jeden aus dem Weg zu räumen, der ihm gefährlich werden könnte. Da aber auch diese Personen so gestört, dämlich und unsympathisch sind, dass man sich geradezu wünscht, dass sie schnell wieder von der Bildfläche verschwinden, kann man mit Becks anderen Verehrern keinerlei Mitleid empfinden.
Völlig beiläufig und ohne lange Planung räumt Joe also alle Hindernisse aus dem Weg, um Beck endlich ganz für sich allein zu haben. Ein Mord wird in wenigen Sätzen abgehandelt, niemand stellt hinterher lästige Fragen oder scheint diese Morde mit Joe in Verbindung zu bringen, sodass es weder schockierend noch spannend ist, wenn wieder jemand zu Tode kommt. Leider wird die Geschichte damit auch vollkommen unglaubwürdig und geradezu lächerlich. Ich konnte das Buch jedenfalls nicht mehr ernstnehmen, sondern musste häufig einfach nur noch lachen. Ich glaube allerdings nicht, dass die Autorin beabsichtigte, eine schwarze Komödie zu schreiben, die den Leser amüsiert, sondern vermute, dass dieses Buch als ernsthafter und spannender Roman mit Thriller-Elementen gedacht war. Falls das beabsichtigt gewesen sein sollte, ist es jedenfalls gründlich missglückt, aber vermutlich habe ich auch einfach einen recht seltsamen Humor. Die Geschichte tritt leider ewig auf der Stelle, der Plot ist einfach nur langweilig, handlungsarm und auch vollkommen vorhersehbar. Ein Thriller ist dieses Buch jedenfalls nicht und auch als Roman ein äußerst zähes Lesevergnügen.
Eigentlich habe ich nur noch weitergelesen, weil es mir recht gut gefallen hat, wie Joe seine Mitmenschen analysiert. Seine Gedanken über Literatur, seine Liebe zu Büchern und seine zynischen Bemerkungen über manche Autoren, Leser und die Kunden in seiner Buchhandlung sind wirklich herrlich, denn sie strotzen nur so vor bösem Sarkasmus, waren äußerst amüsant und häufig auch sehr treffend. Da er sehr intelligent ist und eigentlich sehr hohe Ansprüche an seine Mitmenschen stellt, war mir noch schleierhafter, was er überhaupt an Beck findet.
Geradezu enttäuschend und leider auch sehr ekelerregend ist allerdings, dass er zwar immer von Liebe spricht und sich absurderweise auch für Becks Retter und Beschützer hält, aber sein eigentliches Interesse rein sexueller Natur zu sein scheint. Seine sexuelle Besessenheit, seitenlange Masturbationsphantasien und auch die recht ausführlichen Schilderungen seiner sexuellen Erlebnisse mit Beck nehmen leider einen sehr breiten Raum ein und sind ausgesprochen unappetitlich. Mit Erotik haben diese Passagen jedenfalls nicht das Geringste zu tun, und das Kopfkino, das beim Lesen unwillkürlich anspringt ist so abstoßend, dass ich manche Seiten nur noch überflogen habe und ganz froh bin, dass diese Bilder in meinem Kopf allmählich wieder verblassen. Auf blutige Details verzichtet Caroline Kepnes zwar in diesem Roman, aber ein solches Übermaß an anderen Körperflüssigkeiten ist wirklich eine Zumutung für jeden empfindlichen Magen. Leider ist das Buch auch sprachlich häufig kaum zu ertragen, denn die verwendete Vulgärsprache ist auf Dauer einfach anstrengend und auch nicht besonders erquicklich.
Bis auf die ersten Kapitel, die noch recht spannend waren und auf eine beklemmende Geschichte hoffen ließen, war dieser Roman leider sehr zäh und langatmig. Auch das Ende ist bedauerlicherweise schon sehr früh vorhersehbar. Die recht gut gewählte Erzählform des inneren Monologs hat mir allerdings gut gefallen. Auch die zynischen Gedanken von Joe, wenn er sich über den Literaturbetrieb und diverse Bücher äußert, sowie ein paar recht amüsante Textpassagen, die vielleicht auch nur unfreiwillig komisch waren, fand ich durchaus gelungen, aber ansonsten war dieser Roman leider eine ziemliche Enttäuschung.

© Claudia Bett

Meine Bewertung: ⭐⭐ (2 von 5 Sternchen)

Buchdetails:

Caroline Kepnes: You – Du wirst mich lieben
Verlag: LYX
Ersterscheinungsdatum: 07. Mai 2015
512 Seiten
ISBN 978-3-86396-079-7

Cover: Bastei Lübbe

Mein Monatsrückblick November 2016

Gelesen:

Mein Lesemonat November war eher durchwachsen, begann und endete leider ein bisschen zäh, sodass ich häufig einfach keine Lust zum Lesen hatte und an manchen Büchern ewig festklebte.

Ich habe im vergangenen Monat fünf Bücher gelesen – das waren 2052 Seiten, also durchschnittlich ca. 68 Seiten pro Tag (mit einem Klick auf das Cover oder den Buchtitel gelangt Ihr zu meinen Rezensionen)

Maedchentod von Julia HeaberlinIch bin mit Mädchentod von Julia Haeberlin in den November gestartet, einen Psychothriller, der wirklich hervorragend recherchiert, aber leider furchtbar langweilig war. Zwischendurch musste ich immer wieder zu einem anderem Buch greifen, um nicht in eine Leseflaute zu geraten und brauchte ewig, um Mädchentod endlich zu beenden.

 

Under Ground von SL GreyWeitaus spannender ging es dann weiter mit Under Ground von S. L. Grey, einem äußerst beklemmenden Thriller, der sich mit der Frage beschäftigt, wie sich Menschen in Extremsituationen verhalten. Leider waren die Protagonisten teilweise zu klischeeüberladen, zu typenhaft dargestellt und hatten nicht die nötige Tiefe, aber was die Spannung und das klaustrophobische Setting anbelangt, konnte mich dieser Thriller vollkommen überzeugen.

patricia-walter-kalte-erinnerungAn Kalte Erinnerung von Patricia Walter hatte ich allerdings gar nichts auszusetzen, denn ich habe selten ein so durchgehend spannendes Buch gelesen, das so raffiniert komponiert, gut durchdacht und gleichzeitig so unglaublich fesselnd war. Ein wirklich grandioses Debüt, das mich so in seinen Bann gezogen hat, dass ich es in einem Rutsch durchlesen musste, weil ich es einfach nicht aus der Hand legen konnte.

 

Girl on the TrainDu kennst sie nicht aber sie kennt dich von Paula HawkinsFast hätte es Kalte Erinnerung geschafft, mein Lesehighlight des Monats zu werden, doch dann habe ich Girl on the Train von Paula Hawkins gelesen, ein Buch, das sehr kontrovers diskutiert wird und man offenbar entweder hasst oder liebt. Ich habe es jedenfalls geliebt, denn es ist nicht nur spannend, sondern auch psychologisch ausgefeilt, teilweise sehr erschütternd und ergreifend und überzeugte mich nicht zuletzt aufgrund der großartig ausgearbeiteten Charaktere.

caroline-kepnes-you-du-wirst-mich-liebenUnd zuletzt habe ich dann You – Du wirst mich lieben von Caroline Kepnes gelesen. Das Buch wird als Thriller beworben, aber abgesehen von den ersten Seiten konnte ich leider nicht einmal ansatzweise erkennen, was an dieser Geschichte spannend sein soll. Hin und wieder fand ich den Zynismus des Hauptprotagonisten sehr amüsant, manche Passagen waren auch recht lustig, obwohl das vermutlich eher an meinem etwas seltsamen Humor lag und ich das Buch einfach nicht mehr ernstnehmen konnte. Auch der auf dem Klappentext angekündigte Schauer wollte sich bei mir nicht einstellen. Dafür war die im Überfluß verwendete Vulgärsprache äußerst unangenehm zu lesen und das Kopfkino bei den wirklich ekelerregenden pornografischen Szenen und den seitenlangen Masturbationsphantasien hätte ich auch nicht zwingend gebraucht.

Gehört:

Ich habe ja hier (klick!) schon von meinem Konzertbesuch bei Angelo Branduardi am 5. November in Tuttlingen berichtet. Ich bin noch immer so beseelt von diesem Abend, dass ich die Erinnerung daran möglichst lange festhalten möchte. Seine Musik erwärmt mein Herz, spendet Trost und Lebensfreude und inspiriert mich so sehr, dass ich momentan einfach nichts anderes hören möchte. Sie ist auch so facettenreich, dass ich ihrer niemals überdrüssig werde, auch wenn mich meine Mitmenschen mitunter für etwas eigentümlich halten, denn Angelo weckt mich morgens, trällert bei jedem Anruf aus meinem Handy und begleitet mich natürlich auch bei jeder Autofahrt. Beifahrer müssen das entweder aushalten oder eben laufen😉

Gesehen:

Seit ich die letzte Staffel von Downton Abbey gesehen habe, suche ich verzweifelt nach einer Serie, die auch nur annährend an Game of Thrones oder Downton Abbey heranreicht, bin aber bislang nicht fündig geworden. Ich habe es im letzten Monat mit Die Tudors versucht, habe mich aber nur gelangweilt und nach der ersten Staffel abgebrochen. Outlander konnte ich leider überhaupt nicht aushalten und habe noch schneller aufgegeben. Das ist nicht erstaunlich, denn ich bin vor einigen Jahren schon an der Buchvorlage von Diana Gabaldon gescheitert, fand den ersten Band einfach nur langweilig und Claire und Jamie unerträglich. Nun wurde mir von allen Seiten mehrfach Lost empfohlen, eine Serie, die wirklich sehr spannend und vielversprechend klingt, und ich hoffe, dass sie mich begeistern kann. Kennt Ihr diese Serie und könnt sie ebenfalls empfehlen?

Auf diese Neuerscheinungen freue ich mich im Dezember 2016

Das erste Adventswochenende ist nun vorüber und Weihnachten nähert sich mit großen Schritten. Es wird also höchste Zeit einen Blick in die Verlagsvorschauen zu werfen, um nach der richtigen Lektüre für lange Winterabende zu suchen oder den Weihnachtswunschzettel mit Büchern zu füllen. Ich bin ehrlich gesagt ein ziemlicher Weihnachtsmuffel und kann mit all dem Kitsch, den Glöckchen, Sternchen und der aufgesetzten Harmonie, von der man das ganze Jahr über leider recht wenig spürt, nicht viel anfangen. Deshalb steht mir auch in dieser Jahreszeit der Sinn nach spannenden und verstörenden Thrillern. Ich habe wieder fünf interessante Neuerscheinungen gefunden, die im Dezember erscheinen werden und ich gerne lesen möchte.

c-l-taylor-detoxJane Hughes ist eine ganz normale Frau. Sie lebt in einem kleinen Haus, arbeitet in einem Tierheim und ist in einen netten Mann verliebt. Doch ihr Leben ist eine Lüge. Jane Hughes gibt es nicht. Ihre wahre Identität hat sie begraben, zusammen mit der Schuld und den Erinnerungen daran, was vor fünf Jahren in dem Wellness-Resort in Nepal geschah. Mit ihren drei besten Freundinnen wollte sie die Reise ihres Lebens machen – doch nur zwei von ihnen kamen lebend zurück. Jetzt will jemand Rache. Und wird nicht ruhen, bis er Janes Leben und alles, was sie liebt, zerstört hat. (Klappentext: Piper Verlag)

 

 

C. L. Taylor – Detox
Verlag: Piper
Ersterscheinungstermin: 01. Dezember 2016
Taschenbuch – 464 Seiten – 9,99 €
ISBN 978-3-492-30381-1


sophie-kendrick-das-gesicht-meines-mordersSie muss sich erinnern, um zu überleben.
Als Clara aus dem Koma erwacht, ist ihr bisheriges Leben wie ausgelöscht. Sie erinnert sich weder ihren eigenen Namen noch an ihren Ehemann, den Schriftsteller Roland Winter. Auch nicht an den Einbrecher, der sie niedergeschlagen haben soll. Freunde scheint sie keine zu haben – Roland ist ihre einzige Verbindung zur Vergangenheit. Mit seiner Hilfe wagt Clara einen Neuanfang. Bis jemand versucht, sie umzubringen. Und die junge Frau begreift, dass sie sich erinnern muss, um zu überleben. Schritt für Schritt rekonstruiert Clara ihr Leben und stößt auf eine geheimnisvolle Frau, mit der sie am Tag des Unglücks verabredet war. Und die seither spurlos verschwunden ist. (Klappentext: Rowohlt Verlag)

 

Sophie Kendrick – Das Gesicht meines Mörders
Verlag: rororo
Ersterscheinungstermin: 16. Dezember 2016
Taschenbuch – 320 Seiten – 9,99 €
ISBN 978-3-499-27273-8


Ich vergebe nicht von Mark HillEin Killer mit einer Botschaft aus der Vergangenheit. Und ein Ermittler, der alles zu verlieren hat.

Detective Ray Drake hat alles dafür getan, seine Vergangenheit hinter sich zu lassen und ein normales Leben zu führen. Niemand weiß von seiner Kindheit in einem Londoner Waisenhaus und von den schrecklichen Geschehnissen, die dreißig Jahre zurückliegen. Doch dann wird eine Familie brutal ermordet, und Hinweise tauchen auf, die in Drakes Richtung deuten. Er weiß, dass er sie vertuschen muss, um sein Geheimnis weiterhin zu schützen. Der Täter jedoch scheint fest entschlossen, die Wahrheit ans Licht zu bringen – und sein Rachefeldzug hat gerade erst begonnen … (Klappentext: Blanvalet)

 

Mark Hill – Ich vergebe nicht
Verlag: Blanvalet
Ersterscheinungsdatum: 19. Dezember 2016
Taschenbuch – 480 Seiten – 9,99 €
ISBN 978-3-7341-0329-2


Fuerchte den Schlaf von Stevan MenaEin Arztbesuch bringt traurige Gewissheit: Detective Jack Ridge hat nicht mehr lange zu leben. In der kurzen Zeit, die ihm noch bleibt, will er den Fall lösen, der ihn schon seit Jahren verfolgt: Drei junge Frauen wurden grausam ermordet, der Täter nie gefasst. Dann wird die 18-jährige Angelina vermisst, und alles deutet auf Jacks Serienmörder hin. Erst der Anruf eines befreundeten Psychologen bringt Jack auf eine ungewöhnliche Spur: Die neunjährige Rebecca hat schreckliche Albträume und sieht Details zu Jacks Fall, die sie unmöglich wissen kann. Da Jack nichts mehr zu verlieren hat, geht er ihren Hinweisen nach – und bringt damit schließlich auch das kleine Mädchen in größte Gefahr … (Klappentext: Goldmann)

 

Stevan Mena – Fürchte den Schlaf
Verlag: Goldmann
Ersterscheinungsdatum: 19. Dezember 2016
Taschenbuch – 384 Seiten – 9,99 €
ISBN 978-3-442-48489-8


alex-lake-es-beginnt-am-siebten-tagDer Albtraum einer jeden Mutter: Die fünfjährige Anna ist verschwunden, als Rechtsanwältin Julia sie von der Schule abholen will. Wurde sie entführt? Ist sie tot? Sechs Tage und Nächte voller Angst, sechs Tage voller Selbstvorwürfe. Am siebten Tag taucht das Mädchen wieder auf. Es scheint unverletzt und hat keine Erinnerung an das, was geschah. Julia und ihr Mann Brian sind unendlich erleichtert. Bis Julia merkt, dass das Schlimmste für sie nun erst beginnt. Denn wer auch immer ihre Tochter in der Gewalt hatte und wiedergebracht hat, will nicht das Kind vernichten … Ein Mädchen verschwindet. Doch der wahre Albtraum beginnt, als sie wieder auftaucht – am siebten Tag. (Klappentext: HarperCollins)

 

Alex Lake – Es beginnt am siebten Tag
Verlag: HarperCollins
Ersterscheinungsdatum: 05. Dezember 2016
Klappenbroschur – 472 Seiten – 15,00 €
ISBN 978-3-959-67055-5

Buchrezension: S. L. Grey – Under Ground

Under Ground von SL GreyInhalt:

Ein tödliches Grippevirus breitet sich rasend schnell in Amerika aus und versetzt das ganze Land in große Panik. Doch ein paar betuchte Familien haben bereits für diesen Ernstfall vorgesorgt und sich ein Appartement im Sanctum gekauft – einem unterirdischen Luxusbunker, in dem sie im Fall einer Apokalypse Zuflucht finden können. Sie haben viel Geld in diese Sicherheitsanlage investiert, um sich zu schützen und Katastrophen jeder Art zu überleben. Fünf Familien gelingt es, rechtzeitig im Sanctum anzukommen und sich einzurichten, bevor die Luke geschlossen wird und sie von der Außenwelt abgeschottet sind. Nun wähnen sie sich in Sicherheit vor dem Virus, das bereits die ersten Todesopfer gefordert hat.
Doch schon bald kommt es in der Gruppe zu ersten Spannungen. Durch die Enge und die vollkommene Abgeschnittenheit treten immer wieder Konflikte und Aggressionen zutage. Die Situation eskaliert vollends, als Greg Fuller, der Sicherheitsexperte, der die Luxusbunkeranlage geplant und erbaut hat, tot aufgefunden wird. Unter den Bewohnern des Sanctums bricht Panik aus, denn Greg war der Einzige, der den Code zum Öffnen der Luke kannte. Einen anderen Weg zurück an die Erdoberfläche gibt es nicht. Allmählich gehen nicht nur die Nahrungsmittelvorräte, sondern auch die Wasserreserven zur Neige und der Sauerstoff wird knapp. Außerdem stellt sich die Frage, wie Fuller ums Leben kam, und der Verdacht liegt nahe, dass einer aus der Gruppe ein grausamer Mörder ist. Es beginnt ein unerbittlicher Kampf ums Überleben, bei dem den Bewohnern des Sanctums allmählich bewusst wird, dass ihr größter Feind nicht das Virus ist, sondern mit ihnen unter der Erde lauert.

Meine persönliche Meinung:

Hinter dem Pseudonym S. L. Grey verbergen sich die beiden Autoren Louis Greenburg und Sarah Lotz. Sarah Lotz ist für viele Thrillerleser keine Unbekannte, denn aus ihrer Feder stammen die beiden Thriller Die Drei und Tag Vier. Mit Das Labyrinth der Puppen legte das Autorenduo bereits 2011 sein Debüt vor und schrieb seitdem noch weitere erfolgreiche Horrorthriller, die jedoch bislang nicht alle ins Deutsche übersetzt wurden. In Under Ground, ihrem neusten Thriller, beschäftigen sie sich nun mit der Frage, wie sich Menschen in Extremsituationen verhalten. Da auch ich mir diese Frage schon häufig gestellt habe, war ich sehr gespannt auf dieses Buch.
Die Ausgangssituation ist durchaus realistisch und nicht gerade unwahrscheinlich – ein Grippevirus, das zahlreiche Todesopfer fordert und sich rasend schnell ausbreitet. Ob es Sinn macht, sich aus Angst vor einem Virus in einen unterirdischen Bunker zu flüchten, wage ich zu bezweifeln, da es eigentlich auch vollkommen ausreichen würde, sich mit genügend Vorräten in seinen eigenen vier Wänden zu verbarrikadieren und den Kontakt zu Menschen möglichst zu vermeiden. Nun denn, die Protagonisten in Under Ground sind wahre Weltuntergangsfanatiker, teilweise sehr paranoid und auch wohlhabend genug, um sich auf jede Art von Katastrophe perfekt vorbereiten zu können. Sie haben sich eine Wohnung in der luxuriösen unterirdischen Bunkeranlage Sanctum gekauft, um Schutz zu finden, falls die Apokalypse hereinbricht. Damit die Bewohner des Bunkers auch unter der Erde auf keine Annehmlichkeiten verzichten müssen, hat Greg Fuller, der das Sanctum geplant und erbaut hat, scheinbar an alles gedacht. Die Wohnungen sind exquisit ausgestattet, die Sicherheitsanlage verfügt über einen Swimming-Pool sowie einen Fitnessraum, und da das Leben unter der Erde und ohne Tageslicht recht trist ist, wurden Bildschirme an die Wände montiert, auf denen Videoaufnahmen von Wasserfällen, schneebedeckten Bergen und tropischen Stränden zu sehen sind. Damit die Nahrungsmittelvorräte nicht knapp werden, verfügt der Bunker auch über riesige Vorratskammern und Kühlräume, einen Hühnerstall und Hydrokulturen. Für ihre Survival-Luxuswohnungen haben diese reichen Paranoiker ein halbes Vermögen bezahlt, um jede Apokalypse entspannt überleben zu können. Damit man sich diese Bunkeranlage ungefähr vorstellen kann und den Überblick über die Bewohner nicht verliert, befindet sich auf der ersten Seite des Buches eine Skizze des Sanctums, die diesbezüglich sehr hilfreich ist.
Fünf Familien gelingt es, das Sanctum rechtzeitig zu erreichen, bevor Greg Fuller die Luke schließt. Was auf den ersten Blick noch äußerst luxuriös schien, entpuppt sich allerdings schnell als reine Fassade. Offenbar hat Fuller beim Bau der Anlage an allen Ecken und Enden gespart – der Aufzug funktioniert nicht, trotz seiner Zusicherung gibt es keine ärztliche Versorgung und die Bunkeranlage ist nicht annährend so betriebsbereit, wie sie im Ernstfall sein sollte.
Sechszehn Menschen und ein Hund leben nun zusammen in diesem unterirdischen Bunker, zwar in getrennten Wohnungen, aber dennoch auf engstem Raum. Die Kapitel werden abwechselnd aus der Perspektive von sechs Bewohnern des Sanctums geschildert. Da der Leser nur diese Personen näher kennenlernt, bleiben alle anderen Figuren recht konturlos und sind teilweise auch so klischeeüberladen, dass man sie eher als Typen und nicht als Individuen wahrnimmt. Doch selbst die Protagonisten, aus deren Perspektive berichtet wird, blieben mir bis zum Schluss seltsam fremd, obwohl es sich dabei um die einzigen Sympathieträger in diesem Thriller handelt. Für besonderen Zündstoff sorgt ein reaktionärer Waffennarr nebst seinem rassistischen, sexistischen Sohn und seiner Frau, die einem religiösen Wahn verfallen ist. Allein die Tatsache, dass sie nun mit einem koreanischen Einwanderer und dessen Familie zusammenleben müssen, lässt die Emotionen dieses ausgesprochen widerlichen Mannes, seinem nicht minder ekelhaften Sohn und dieser schizophrenen Religionsfanatikerin ziemlich hochkochen. Lediglich die sehr eingeschüchterte und verängstigte Tochter vermochte es, noch ein paar Sympathiepunkte einzuheimsen. Doch auch die meisten anderen Protagonisten sind recht gestörte Persönlichkeiten oder schlicht unangenehme Zeitgenossen und teilweise leider auch etwas überzeichnet.
Schon am ersten Tag kommt es aufgrund der Enge und auch der recht ungünstigen Personenkonstellation zu ersten Spannungen zwischen den Bewohnern, die jedoch erst dann vollkommen eskalieren, als Greg Fuller tot aufgefunden wird. Mit ihm stirbt auch jede Hoffnung, jemals wieder an die Erdoberfläche zurückkehren zu können, denn nur er kannte den Code, um die Luke zur Außenwelt wieder zu öffnen. Nicht nur die Tatsache, dass unter ihnen offenbar ein Mörder ist, sondern auch die recht knappen Nahrungsmittelvorräte lassen diese ohnehin paranoiden Menschen nun in Panik ausbrechen. Nun offenbaren sich auch all die Mängel des Sanctums, die Fuller ihnen verschwiegen hat. Die Lage des Bunkers ist geheim, die Internetverbindung ist abgerissen und auch mit dem Handy kann keine Hilfe geholt werden. Nur die Fernsehgeräte funktionieren noch. Schnell stellt sich heraus, dass das Grippevirus, vor dem sie sich eigentlich in Sicherheit bringen wollten, zwar Todesopfer forderte, aber keineswegs zu der befürchteten Pandemie führte. Es ist also geradezu grotesk, dass sich nun ausgerechnet der Ort als tödliche Falle entpuppt, an dem sich diese Paranoiker sicher wähnten. Da mir viele Protagonisten sehr unsympathisch waren und ihre Überheblichkeit teilweise ekelerregend und mehr als anstrengend war, konnte ich mir eine gewisse Schadenfreude nicht verkneifen. Lediglich mit einem kleinen Mädchen sowie dessen Aupairmädchen, das keineswegs freiwillig im Sanctum eingezogen ist, konnte ich mitfiebern und hoffte, dass sie wohlbehalten an die Erdoberfläche zurückkehren können.
Den beiden Autoren ist es ausgesprochen gut gelungen, die überaus klaustrophobische Atmosphäre in diesem Bunker sehr nachvollziehbar und eindrücklich zu schildern, sodass ich die Beklemmung geradezu körperlich spüren konnte. Gekonnt spielen sie mit den Ängsten des Lesers, denn die Vorstellung, mit einer Gruppe von fremden und überwiegend recht absonderlichen Menschen unter der Erde gefangen zu sein, ist ja schon mehr als beängstigend. Der Gedanke, dass Lebensmittel- und Wasservorräte zur Neige gehen, man um die letzten Reserven kämpfen muss, einer aus der Gruppe ein Mörder ist und man weder fliehen noch auf Hilfe hoffen kann, ist eine geradezu alptraumhafte Vorstellung. Aber wie verhalten sich Menschen in solchen Extremsituationen? Im Grunde wäre es sinnvoll, zusammenzuhalten, gemeinsam zu überlegen, wie man sich aus dieser Lage befreien kann und die Vorräte gerecht aufzuteilen. Doch das Wissen, dass sich innerhalb der Gruppe ein Mörder befindet, lässt das Zusammenleben von Misstrauen, Argwohn und Angst beherrschen, denn jeder verdächtigt jeden. Selbst innerhalb der Familien und Paarbeziehungen eskalieren Konflikte, die schon lange unter der Oberfläche brodelten. Schnell ist ein Hauptverdächtiger ausgemacht, gegen den sich nun der Hass aller richtet, den man aus der Gruppe ausschließt und isolieren will. Aber ist der Verdächtige wirklich für den Tod Fullers verantwortlich? Manche Protagonisten haben da ihre Zweifel, versuchen dem Ausgestoßenen zu helfen und ziehen damit wiederrum den Hass der anderen auf sich. Auch ohne zu viel verraten zu wollen, aber es wird nicht bei einem Toten bleiben und die Lage spitzt sich immer mehr zu.
Leider haben die Autoren sehr viel Potenzial verschenkt, denn gerade diese zwischenmenschlichen Konflikte, die angesichts dieser Extremsituation zutage treten, und die Abgründe, die sich in diesem erbitterten Kampf ums Überleben auftun, wären viel erschreckender und vor allem nachvollziehbarer, wenn die Charaktere differenzierter gezeichnet worden wären und etwas mehr Tiefe hätten. Das ist sehr bedauerlich, denn gerade die psychologischen Komponenten, die zu Beginn dieses Thrillers noch in Erscheinung treten, verlieren sich im Verlauf der Erzählung und geraten mit der zunehmenden Anzahl an Leichen immer mehr in den Hintergrund. Viele Protagonisten blieben mir einfach bis zum Schluss vollkommen fremd, sodass mir ihr Verhalten häufig nicht plausibel schien. Die Eskalation der Konflikte mutete zunächst noch durchaus realistisch an, denn dass Menschen in solchen Ausnahmesituationen die Kontrolle verlieren und auf geradezu erschreckende Weise alle moralischen Hemmschwellen über Bord werfen, scheint mir keineswegs abwegig zu sein. Die Glaubwürdigkeit ging jedoch im weiteren Handlungsverlauf immer mehr verloren.
Trotzdem war Under Ground überaus spannend, erschreckend und vor allem äußerst beklemmend. Der Schreibstil lässt sich sehr flüssig und schnell lesen und dieser Thriller weist keine Längen auf. Immer wieder hatte ich einen anderen Bewohner des Sanctums im Verdacht, der Mörder zu sein und fieberte mit den wenigen Sympathieträgern mit, diesem Alptraum doch noch entkommen und aus diesem unterirdischen Gefängnis fliehen zu können. Da es vor unberechenbaren und schwer durchschaubaren Protagonisten nur so wimmelt, ist die Anzahl der Verdächtigen entsprechend hoch. Umso schockierter war ich, als der Mörder dann feststand, denn mit dieser Auflösung hätte ich niemals gerechnet. Leider blieben die genauen Beweggründe des Täters im Dunkeln, sodass das Ende trotzdem nicht zufriedenstellend war und gerade an der recht schwammigen Ausarbeitung der Protagonisten scheiterte. Das ist wirklich bedauerlich, denn dieser Thriller war geradezu atemlos spannend und hätte mich durch tiefere Einblicke in die Psyche der Figuren vollkommen überzeugen können.
Dennoch kann ich Under Ground jedem empfehlen, der spannende Thriller zu schätzen weiß, sich auch vor blutigen und unappetitlichen Szenen nicht abschrecken lässt und sich schon die Frage gestellt hat, wie Menschen in Extremsituationen und unter Todesangst reagieren können.

© Claudia Bett

Meine Bewertung: ⭐⭐⭐⭐ (4 von 5 Sternchen)

Herzlichen Dank an den Heyne Verlag, der mir das Rezensionsexemplar zur Verfügung stellte!

Buchdetails:

S. L. Grey: Under Ground
Verlag: Heyne
Ersterscheinungsdatum: 14. November 2016
384 Seiten
ISBN 978-3-453-43810-1

Cover: Heyne Verlag

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Buchrezension: Paula Hawkins – Girl on the Train

Girl on the TrainDu kennst sie nicht aber sie kennt dich von Paula HawkinsInhalt:

Obwohl die 34-jährige Rachel wegen ihrer Alkoholsucht längst ihren Job verloren hat, pendelt sie jeden Morgen mit dem Zug nach London und abends wieder zurück. Sie will den Schein wahren, dass sie ihr Leben noch immer im Griff hat, obwohl es ihr längst aus den Händen geglitten ist. Der Zug hält jeden Tag für mehrere Minuten an der gleichen Stelle an. Rachel nutzt diese Zeit, um aus dem Zugfenster heraus die Bewohner eines Hauses zu beobachten und sich in deren Leben zu träumen. In dem Haus an der Bahnstrecke wohnt ein kinderloses Paar, das ein perfektes und glückliches Leben zu führen scheint – ein Leben, das Rachel schmerzlich vermisst, denn ihres liegt längst in Trümmern. Sie kennt dieses Paar nicht, nennt sie in ihren Gedanken Jason und Jess und fantasiert sich täglich in deren scheinbar harmonisches Idyll. Auch Rachel war einst glücklich und lebte bis vor ein paar Jahren mit ihrem Mann Tom ganz in der Nähe dieses Hauses, dessen Bewohner sie nun beobachtet.

Die beiden sind wirklich füreinander geschaffen, sie sind ein gutes Gespann. Sie sind glücklich, das sehe ich ihnen an. Sie sind das, was ich früher war. Sie sind Tom und ich vor fünf Jahren. Sie sind, was ich verloren habe; alles, was ich gerne wäre.

Zu ihrem Entsetzen sieht sie jedoch eines Tages, wie ihre vermeintlich perfekte „Jess“ im Garten einen fremden Mann küsst. Rachel ist schockiert, nimmt diesen Betrug, der ihren Traum jäh zerstört, so persönlich, dass sie sich wieder einmal betrinkt. Wenn sie betrunken ist, tut sie häufig Dinge, die ihr hinterher peinlich sind, kann sich jedoch oft gar nicht mehr an die Details erinnern. Ständig traktiert sie ihren Exmann und dessen neue Ehefrau Anna mit Anrufen oder taucht vor ihrem ehemaligen Zuhause auf, um das Gespräch mit Tom zu suchen.
Ein Tag, nachdem sie ihre „Jess“ mit dem fremden Mann beobachtet hatte, verschwindet diese Frau plötzlich spurlos. Aus der Zeitung erfährt Rachel, dass die Frau Megan heißt und vermisst wird. Just am Abend ihres Verschwindens hatte sich Rachel wieder einmal vollkommen betrunken in der Gegend aufgehalten, erwachte am nächsten Tag verkatert und mit einer Platzwunde über dem Auge, hat aber einen Filmriss und kann sich nicht mehr erinnern, was in der Nacht zuvor passiert war. Da sie von Anna in der Nähe von Megans Zuhause gesehen wurde, steht bald die Polizei vor ihrer Tür. Rachel wird zwar nicht verdächtigt, aber als sie den Beamten erzählt, am Tag zuvor gesehen zu haben, dass Megan einen fremden Mann geküsst hat, will man den Beobachtungen der offenbar schwer alkoholkranken und psychisch instabilen Frau keinen Glauben schenken. Doch Rachel lässt Megans Verschwinden keine Ruhe, sie will wissen, was in jener Nacht vorgefallen ist und versucht, aus ihren vagen und alkoholumnebelten Erinnerungen Stück für Stück die Wahrheit zu rekonstruieren…

Meine persönliche Meinung:

Seit mehr als einem Jahr liegt Girl on the Train nun schon auf meinem Stapel ungelesener Bücher. Inzwischen wurde der Roman verfilmt und der Film startete am 27. Oktober 2016 in den deutschen Kinos. An diesem Buch scheinen sich die Geister wahrlich zu scheiden – die einen finden es todlangweilig, die anderen mitreißend und ergreifend und während die einen von der Hauptprotagonistin genervt, teilweise sogar angeekelt waren, fanden die anderen ihr Schicksal erschütternd. Es war also an der Zeit, mir nun endlich ein eigenes Urteil zu bilden, denn je kontroverser ein Buch diskutiert wird, umso gespannter bin ich darauf.
Paula Hawkins macht es dem Leser wirklich nicht gerade sehr leicht, ihre Hauptprotagonistin Rachel zu mögen. Sie ist schon etwas anstrengend und man möchte sie manchmal einfach schütteln, ihr die Flasche wegnehmen und sie bitten, endlich mit der Sauferei aufzuhören. Ihre Alkoholexzesse werden häufig sehr drastisch geschildert, und es ist wirklich erschütternd, wie ihr Umfeld darauf reagiert. Niemand scheint Rachel noch ernst zu nehmen, niemand glaubt ihr, als sie ihre Beobachtungen schildert, teilweise sind die Menschen regelrecht angewidert von ihr, aber das Schlimmste ist, dass sie auch ihre Selbstachtung und den Respekt vor sich selbst verloren hat. Da sie ihre Erlebnisse aus der Ich-Perspektive schildert, kommt ihr der Leser sehr nahe und kennt all ihre Gedanken und Emotionen. Sie hat die Trennung von ihrem Mann nie überwunden und liebt ihn immer noch, obwohl er sie betrogen hat. Sie kann und will nicht akzeptieren, dass Tom nun mit seiner neuen Frau und seinem Kind in dem Haus lebt, in dem sie einst mit ihm glücklich war. Getrunken hat sie jedoch schon während ihrer Ehe, da ihr geradezu zwanghafter Kinderwunsch unerfüllt blieb und sie in die Depression trieb. Einerseits war ich sehr ergriffen und hatte Mitleid mit Rachel, konnte ihr Verzweiflung und Einsamkeit sehr gut nachfühlen, aber andererseits war ihr selbstzerstörerisches Verhalten manchmal nur schwer zu ertragen.
All ihre eigenen Sehnsüchte und Träume von Glück und Harmonie überträgt sie nun auf das Paar, das sie jeden Morgen vom Zug aus beobachtet und ist natürlich umso schockierter, als sie feststellen muss, dass diese Frau, die sie „Jess“ nennt und in der sie sich selbst wiederzuerkennen glaubte, ihren Mann ganz offensichtlich betrügt. Als diese Frau plötzlich verschwindet, will Rachel herausfinden, was in der Nacht ihres Verschwindens passiert ist und verstrickt sich dabei in geradezu hanebüchene Lügen. Da sie eigentlich nur selten nüchtern ist, sind ihre Handlungen häufig sehr schwer nachvollziehbar, auch wenn sie in ihrem Kopf durchaus Sinn zu machen scheinen. Ihre Gedankengänge wirken oft sehr abstrus, und manchmal hätte ich sie am liebsten aufgehalten und gebeten, sich einfach aus den Angelegenheiten dieser ihr vollkommen fremden Menschen herauszuhalten. Trotzdem war ich natürlich gespannt darauf, zu erfahren, welches Geheimnis hinter Megans Verschwinden steckt.
Die Spannung dieses Romans beruht nicht zuletzt auf der unzuverlässigen Erzählweise, bei der das, was Rachel denkt und zu wissen glaubt, immer wieder in Frage gestellt werden muss. Allerdings werden die Geschehnisse nicht nur aus Rachels, sondern auch aus der Ich-Perspektive von Megan und Anna, Toms neuer Ehefrau, geschildert. Dabei wird der Handlungsverlauf nicht chronologisch-linear erzählt, denn während man die Ereignisse der Gegenwart aus der Perspektive von Rachel und Anna erfährt, wirft man mit Megan einen Blick in die Vergangenheit und in die Wochen vor ihrem Verschwinden. Jedes Kapitel beginnt mit einer Datumsangabe, die man im Auge behalten sollte, denn sonst ist es kaum möglich, den Überblick zu behalten. Diese Erzählweise ist sehr raffiniert und gut durchdacht, denn auch Megan und Anna haben keineswegs einen unvoreingenommenen Blick auf die Ereignisse, sodass der Leser an der Glaubwürdigkeit aller drei Protagonistinnen zweifeln muss und aufgrund ihrer unterschiedlichen Beurteilungen immer wieder neue Vermutungen anstellt. Die männlichen Protagonisten bleiben allerdings recht konturlos und auch rätselhaft, da man sie nur aus der Perspektive der drei Frauen kennenlernt und jede von ihnen eben einen anderen Eindruck vermittelt. Obwohl das Personal in diesem Roman und damit der Kreis der Verdächtigen recht überschaubar ist, wusste ich bis zum Schluss nicht, wer hinter Megans Verschwinden steckt, wie die Ereignisse nun zusammenhängen und musste alle Mutmaßungen, die ich anhand der widersprüchlichen Wahrnehmungen der Protagonistinnen angestellt hatte, wieder verwerfen. Von der Auflösung war ich mehr als überrascht, aber am Schluss ergibt sich trotz aller Verwirrspiele ein logisches und schlüssiges Ganzes.
Ich kann verstehen, dass all jene, die einen temporeichen Thriller erwartet haben, etwas enttäuscht sind, denn Paula Hawkins Erzählstil ist eher gemächlich. Auf dem Cover wird Girl on the Train jedoch auch nicht als Thriller, sondern als Roman bezeichnet, und gemächlich bedeutet nicht, dass das Buch jemals langweilig geworden wäre. Auch die düstere und triste Grundstimmung dieses Romans ist sicher Geschmacksache, hat mir allerdings ausgesprochen gut gefallen. Paula Hawkins beweist in diesem Roman, ein enormes Einfühlungsvermögen in ihre wirklich brillant ausgearbeiteten Figuren und schafft es, eine subtile, psychologische Spannung aufzubauen, die mich bis zum Schluss fesseln konnte. Für mich war Girl on the Train ein anspruchsvolles, tiefgründiges und dennoch packendes Leseerlebnis. Da ich von Romanverfilmungen meistens enttäuscht bin, weiß ich allerdings noch nicht, ob ich mir nun auch den Film anschauen werde.

© Claudia Bett

Meine Bewertung: ⭐⭐⭐⭐⭐ (5 von 5 Sternchen)

Buchdetails:

Paula Hawkins: Girl on the Train. Du kennst sie nicht, aber sie kennt dich
Verlag: Blanvalet
Ersterscheinungsdatum: 15. Juni 2015
448 Seiten
ISBN 978-3-7645-0522-6

Cover: Blanvalet Verlag

Buchrezension: Patricia Walter – Kalte Erinnerung

patricia-walter-kalte-erinnerungInhalt:

Als Zoe eines Morgens schweißgebadet aus einem schrecklichen Albtraum erwacht und ihr ein stechender Schmerz durch alle Glieder fährt, stellt sie zu ihrem Erstaunen fest, dass ihr ganzer Körper mit frischen Wunden, blauen Flecken und Schnitten übersät ist. Allerdings kann sie sich nicht erklären, woher diese Verletzungen stammen, denn ihr fehlt jegliche Erinnerung an die vergangenen zwei Tage. Auch ihr Mann David ist spurlos verschwunden, und obwohl sein Handy sonst immer angeschaltet ist, kann sie ihn telefonisch nicht erreichen. Sie hinterlässt ihm eine Nachricht, aber er ruft sie nicht zurück und scheint wie vom Erdboden verschluckt zu sein.
Noch während die sich fragt, woher sie diese Verletzungen hat und wo ihr Mann David ist, klingelt ihr Telefon. Doch statt der vertrauten Stimme ihres Mannes, meldet sich eine verzerrte, metallisch klingende Stimme und bedroht sie. Der unbekannte Anrufer scheint Zoe gut zu kennen, will die Wahrheit über die Geschehnisse der vergangenen Nacht wissen und droht, sie und ihren geliebten Kater Plinky zu töten, falls sie ihm nicht erzählt, was sie weiß oder mit irgendjemand anderem darüber redet. Doch so sehr sich Zoe auch bemüht – ihre Erinnerungen kehren nicht zurück. Aber sie muss sich erinnern, falls sie überleben will. Bei der Suche nach ihrer Erinnerung ist sie vollkommen auf sich allein gestellt, denn sie weiß nicht mehr, wer überhaupt noch auf ihrer Seite steht und erlangt zunehmend die Gewissheit, dass sie niemandem vertrauen kann. Stück für Stück kommt sie der Wahrheit allmählich näher, doch das, was sie herausfindet, ist schlimmer als alles, was sie sich jemals vorgestellt hatte.

Meine persönliche Meinung:

Ich habe mich sehr gefreut, als mich Patricia Walter anschrieb und anfragte, ob ich ihr Thrillerdebüt Kalte Erinnerung lesen möchte, da die Inhaltsbeschreibung überaus spannend klang. Zugegebenermaßen scheint die Grundidee des Buches auf den ersten Blick nicht besonders originell zu sein, ist aber durchaus solide und hat Potenzial für einen packenden Thriller, sodass ich sehr gespannt war, ob es der Autorin gelingt, diese Idee innovativ und fesselnd umzusetzen. Soviel sei vorneweg gesagt – es ist ihr ausgesprochen gut gelungen. Ich habe diesen Thriller innerhalb weniger Stunden in einem Rutsch durchgelesen, regelrecht verschlungen und erst wieder aus der Hand gelegt, als ich wusste, wie diese packende und beklemmende Geschichte endet. Die Autorin versteht es, von der ersten Seite an eine enorme Spannung aufzubauen, diese durchgängig auf einem hohen Level zu halten und am Ende sogar noch zu steigern. Durch die kurzen Kapitel und den flüssigen Schreibstil, der sich angenehm und zügig lesen lässt, fliegt man förmlich durch die Seiten, und da jedes Kapitel mit einem Cliffhanger endet, konnte ich gar nicht aufhören zu lesen.
Patricia Walter hat die Protagonisten ihres Psychothrillers sehr gut ausgearbeitet und präzise gezeichnet. Das ganze Buch ist aus der Perspektive der Hauptprotagonistin Zoe erzählt, sodass man ihr natürlich besonders nahekommt und ihre Ängste hautnah miterlebt. Diese sind so authentisch und nachvollziehbar geschildert, dass ich mich sehr gut in diese Frau hineinversetzen konnte und natürlich auch mit ihr mitfieberte. Die bedrohliche Situation, in der sie sich befindet, war auf jeder Seite spürbar und sorgte für beklemmende Momente und eine nicht nachlassende Spannung.
Alle anderen Figuren lernt man nur aus Zoes Perspektive kennen und bleiben bis zum Schluss äußerst rätselhaft und mysteriös. Man weiß, dass der unbekannte Anrufer, der Zoe mit verzerrter Stimme bedroht, jemand sein muss, der sie offenbar gut kennt und aus ihrem beruflichen oder privaten Umfeld stammen muss. Der Verdacht wird sehr geschickt immer wieder auf eine andere Person gelenkt, sodass ich bis zum Schluss keine Ahnung hatte, wer dahinterstecken könnte. Da ein klassischer Bösewicht oder ein Protagonist, der gänzlich unsympathisch wäre, vollkommen fehlt, war ich, ebenso wie Zoe, immer wieder hin- und hergerissen und fragte mich, ob sie manchen Personen nicht vielleicht doch vertrauen könnte, denn viele Verdächtige hatten auch sehr liebenswürdige Charakterzüge, sodass ich geneigt war, jeden Verdacht wieder zu verwerfen. Nur eine Figur war mir nahezu durchgängig suspekt, aber ich konnte beim besten Willen kein Motiv erkennen. Anhand dieses Charakters wird auch sehr gut deutlich, dass man sich häufig zu vorschnell eine Meinung von einem Menschen bildet, ohne die Hintergründe seines Verhaltens zu kennen.
Die Autorin hat es äußerst geschickt verstanden, mich stets aufs Neue in die Irre zu führen und auf falsche Fährten zu locken. Allerdings hatte ich gegen Ende des Buches die Befürchtung, dass der ganze Plot nun so verzwickt ist, dass er sich gar nicht mehr logisch und nachvollziehbar auflösen lässt, ohne dass ein an den Haaren herbeigezogener Zufall oder eine bisher gar nicht in Erscheinung getretene Figur aus dem Ärmel gezaubert wird. Sowas macht mich immer ziemlich wütend, denn dann fühle ich mich von einem Autor hinters Licht geführt, und auch Logikbrüche verzeihe ich im Krimi- und Thrillergenre nicht. Aber all meine Befürchtungen haben sich glücklicherweise als unbegründet herausgestellt. Als ich dann wusste, wer der Täter ist, war ich sehr überrascht, denn mit dieser Auflösung hätte ich niemals gerechnet. Trotzdem hatte ich noch viele offene Fragen, da vieles für mich noch immer keinen Sinn ergab. Aber auch hier hat mich die Autorin nicht enttäuscht, denn am Schluss wurden all meine Fragen logisch und schlüssig beantwortet. Ich habe im Thrillergenre wirklich selten eine so gut durchdachte und bis ins kleinste Detail ausgefeilte Geschichte gelesen, die gleichzeitig auch durchgehend spannend war und keine Längen aufwies. Patricia Walter verzichtet vollkommen auf blutige und brutale Szenen, sondern setzt vielmehr auf psychologische Spannung, sodass auch zartbesaitete Gemüter ihre Freude an diesem Buch haben werden.
Ich kann Kalte Erinnerung von Patricia Walter jedem ans Herz legen, der gut durchdachte und raffiniert komponierte Psychothriller mag und spannend und intelligent unterhalten werden möchte und würde mich nach diesem großartigen Debüt freuen, bald noch mehr von dieser Autorin lesen zu dürfen.

© Claudia Bett

Meine Bewertung: ⭐⭐⭐⭐⭐ (5 von 5 Sternchen)

Herzlichen Dank an Patricia Walter für ihre freundliche Anfrage und an den Bastei Lübbe Verlag, der mir das Rezensionsexemplar zusandte!

Buchdetails:

Das Buch ist derzeit nur als E-Book erhältlich, erscheint am 01. März 2017 jedoch auch als Taschenbuch bei Bastei Lübbe

Patricia Walter: Kalte Erinnerung
Verlag: Bastei Entertainment
Ersterscheinungsdatum: 31. Oktober 2016
260 Seiten
ISBN 978-3-7325-3150-9

Cover: Bastei Lübbe

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Buchrezension: Julia Heaberlin – Mädchentod

Maedchentod von Julia HeaberlinInhalt:

Tessa Cartwright wurde kurz vor ihrem 17. Geburtstag entführt und auf einem Feld inmitten von Knochen und neben der Leiche eines anderen Mädchens lebendig begraben. Sie ist kaum noch am Leben als sie wie durch ein Wunder in letzter Minute gefunden wird. An die Geschehnisse der letzten zweiunddreißig Stunden hat sie keine Erinnerungen mehr und würde selbst das Wenige, an das sie sich noch erinnern kann, am liebsten aus ihrem Gedächtnis verbannen. Den Anblick der erwürgten Collegestudentin und der Knochen der anderen unbekannten Mädchen, mit denen sie begraben wurde, sowie die Blumen, die Schwarzäugigen Susannen, die an ihrem Grab lagen und den namenlosen Opfern ihren Namen gaben, konnte sie allerdings nie vergessen. Tessa ist die einzige Überlebende des Serienmörders, die einzige Schwarzäugige Susanne, die gerettet werden konnte, und erlangte damit traurige Berühmtheit.
Auch siebzehn Jahre später wird sie aufgrund einer halbmondförmigen Narbe, die der Ring eines der anderen Opfer unter ihrem Auge hinterlassen hat, noch immer erkannt. Trotz diverser Therapien sind Tessas Erinnerungen nie zurückgekehrt, aber sie hört noch immer die Stimmen der anderen Schwarzäugigen Susannen, mit denen sie gemeinsam im Grab gelegen hatte. Der Täter konnte allerdings inzwischen gefasst werden und wartet nun im Todestrakt auf seine bevorstehende Hinrichtung. Jedoch hat jemand Schwarze Susannen vor Tessas Fenster gepflanzt und sie erhält außerdem immer wieder rätselhafte Nachrichten, die eigentlich nur vom Täter stammen können. Der vermeintliche Serienmörder soll in wenigen Wochen hingerichtet werden, aber Tessa beschleicht immer mehr der Verdacht, dass ein Unschuldiger verhaftet wurde, der wahre Täter noch immer auf freiem Fuß ist und sein Werk vollenden will. Gemeinsam mit einer Therapeutin, dem Anwalt Bill, der das Wiederaufnahmeverfahren des zum Tode Verurteilten betreibt, und einer Forensikerin begibt sie sich wieder auf die Spurensuche in ihre Vergangenheit, denn sie spürt, dass der wahre Mörder ganz in ihrer Nähe ist.

Meine persönliche Meinung:

Ich habe dieses Buch schon vor ein paar Monaten beim Stöbern in der Verlagsvorschau entdeckt und war so gespannt darauf, dass ich den Erscheinungstermin kaum abwarten konnte. Und so habe ich mich natürlich gefreut, dass ich Mädchentod gleich am Ersterscheinungstag in den Händen hielt und mit dem Lesen beginnen konnte. Nun ja, ein Buch dieses Umfangs lese ich in der Regel sehr schnell, aber der Einstieg in die Geschichte fiel mir recht schwer und war leider auch so langatmig, dass ich nicht so recht in Lesefluss kam, das Buch immer wieder zur Seite legte, mich zwischendurch anderen Büchern zuwandte und mehrere Wochen brauchte, um es zu beenden. Dies lag allerdings vor allem am Schreibstil bzw. an der Übersetzung des Textes, denn die Sprache ist so holprig und sperrig, dass das Lesen für mich recht anstrengend war und ich einige Kapitel brauchte, um mich daran zu gewöhnen. Außerdem passiert zu Beginn dieses Psychothrillers einfach recht wenig, sodass es ziemlich lange dauert, bis die Geschichte in Fahrt kommt.
Mädchentod wird abwechselnd in zwei Zeitebenen erzählt und die Kapitel wechseln zwischen den Geschehnissen der Gegenwart, kurz vor der Hinrichtung des vermeintlichen Täters, und den Ereignissen des Jahres 1995, kurz nachdem Tessie gerettet wurde. Beide Zeitebenen werden aus der Ich-Perspektive des Opfers geschildert, sodass man nicht nur der damals siebzehnjährigen Tessie, sondern auch der heutigen Tessa sehr nahekommt. Dennoch fiel es mir mitunter recht schwer, mich in die Hauptprotagonistin einzufühlen und ihre Gedankengänge und Handlungen nachzuvollziehen. Dabei ist es der Autorin zunächst wirklich sehr gut gelungen, die traumatischen Erinnerungen, die Tessa an die Stunden kurz vor ihrer Rettung hat, sehr eindrücklich zu beschreiben. Sie erinnert sich nicht an ihre Entführung, sondern nur daran, auf dem Feld inmitten von Knochen und neben der Leiche eines anderen Mädchens begraben worden zu sein, an die Insekten, Ratten und Krähen sowie an die Schwarzäugigen Susannen, also die Blumen, die an ihrem gemeinsamen Grab verstreut wurden. Diese Erinnerungen verfolgen Tessa noch heute, und noch immer träumt sie von den anderen den anderen Opfern des Serienmörders, ihren Schwarzäugigen Susannen, und hört ihre Stimmen. Es war für mich durchaus nachvollziehbar, dass sie diese traumatischen Erlebnisse niemals vergessen konnte, denn Julia Heaberlin hat Tessa sehr fein gezeichnet und gewährt durch die gewählte Ich-Perspektive tiefe Einblicke in ihr Gedanken- und Gefühlswelt.
In den Kapiteln, die im Jahre 1995 spielen, begleitet man Tessa während der Therapiestunden mit ihrem Psychologen und erfährt auch, dass sie bereits mehrere Therapeuten hatte, diese jedoch bisher alle ablehnte. Sie leidet an einer posttraumatischen Belastungsstörung, was angesichts ihres Schicksals nicht verwunderlich ist, und einige Zeit auch an einer hysterischen Blindheit, also einer dissoziativen Sehstörung, bei der sich das Unterbewusstsein weigert, etwas zu sehen, obwohl die Augen gesund sind. Schwer nachvollziehbar war für mich, dass das Mädchen während dieser Therapiesitzungen so flapsig und aggressiv ist und wirklich nichts auslässt, um ihren Therapeuten zu provozieren. Für ein schwer traumatisiertes Mädchen fand ich ihr Verhalten nicht nur unangebracht, sondern auch nicht besonders glaubwürdig. Ich konnte zwar noch nachvollziehen, dass sie sich einerseits erinnern und ihre Erlebnisse verarbeiten will, andererseits lieber alles verdrängen und vergessen möchte, aber ihre Aggressionen und Provokationen waren für mich unverständlich.
Noch unverständlicher war für mich jedoch ihr Verhalten in der Gegenwart. Der vermeintliche Täter wurde bereits kurz nach ihrer Entführung verhaftet und zum Tode verurteilt. Schon wenige Wochen nach dem Prozess erhält Tessa zum ersten Mal Schwarzäugige Susannen, aber erst siebzehn Jahre später, kurz bevor der Mann, der seit Jahren unschuldig im Todestrakt sitzt, hingerichtet werden soll, kommt sie auf die Idee, dass diese Blumenbotschaften vom wahren Täter stammen könnten. Und nicht nur das, denn selbst nachdem sie endlich beschlossen hat, mit dem Anwalt des offenbar unschuldig Verurteilten den wahren Mörder zu finden, spricht sie mit niemandem über diese Schwarzäugigen Susannen, die über mehrere Jahre hinweg, wo immer sie auch gewohnt hat, vor ihrem Fenster gepflanzt wurden. Das mag verstehen, wer will, aber einleuchtend war dies für mich nicht, zumal sie immer wieder betont, dass sie sehen will, dass ihr „Monster“ stirbt und für seine grauenhaften Taten bestraft wird. Der Spannung des Plots ist dieses fragwürdige Verhalten der Protagonistin natürlich zuträglich, denn die Tage bis zur Hinrichtung sind inzwischen gezählt und so ist der Leser logischerweise sehr gespannt, wie und ob es überhaupt noch gelingen kann, das Leben des unschuldig Inhaftierten rechtzeitig zu retten. Dass er unschuldig ist, steht jedenfalls von Anfang an außer Frage. Obwohl man über diesen Mann, der seit mehr als einem Jahrzehnt unschuldig im Gefängnis sitzt, nur sehr wenig erfährt, war es sein Schicksal, das mich irgendwann am meisten berührte, während Tessa mir häufig ziemlich auf die Nerven ging. Julia Heaberlin erwähnt im Nachwort ihres Thrillers, dass sie sich bei ihren Recherchen nicht nur mit Psychologen und Anwälten, sondern auch mit einem ehemals zu Unrecht inhaftierten Strafgefangenen in Verbindung gesetzt hat, was man in einigen Passagen deutlich merkt und mich sehr beeindruckt und bewegt hat.
Nun, immerhin konnte ich mit der erwachsenen Tessa doch deutlich mehr anfangen, als mit der siebzehnjährigen Tessie. Die Kapitel, bei denen man einen Blick in das Jahr 1995 zurückwirft waren leider auch furchtbar langweilig, haben den Spannungsbogen immer wieder unterbrochen, denn außer den recht sinnlosen und wenig fruchtbaren Gesprächen mit ihrem Therapeuten passiert in diesen Passagen leider absolut nichts. Im Nachhinein betrachtet machen diese Kapitel zwar durchaus Sinn, aber da sich in ihnen dasselbe Szenario unendlich wiederholt, hätten sie nicht in dieser Ausführlichkeit und Regelmäßigkeit den gegenwärtigen Handlungsverlauf unterbrechen müssen.
Die Kapitel, die in der Gegenwart spielen waren nämlich durchaus spannend, da man die bedrohliche Situation, in der sich Tessa und ihre Tochter befinden, spürbar war und man eben auch hofft, dass der unschuldig zum Tode Verurteilte noch rechtzeitig gerettet werden kann.
Sehr interessant war hierbei auch, wie die Arbeit der Forensikerin geschildert wurde, die die sterblichen Überreste der anderen Opfer untersucht und versucht, den Schwarzäugigen Susannen, die bereits vor siebzehn Jahren ermordet wurden, eine Identität und einen Namen zu geben. Man merkt deutlich, dass die Autorin für diesen Thriller sehr akribisch recherchiert und sich umfassend über Methoden der Identifizierung von Leichen- und Knochenfunden informiert hat. Ich bin immer sehr beeindruckt, wenn sich Autoren die Mühe machen, für ihre Bücher gut zu recherchieren, denn das macht einen Thriller einfach glaubwürdiger.
Trotzdem war Mädchentod nur leidlich spannend und nahm erst gegen Ende richtig Fahrt auf. Die Auflösung des Falls war durchaus überraschend und nicht vorhersehbar, da die Autorin immer wieder falsche Fährten streut und der Leser eben nur die Perspektive der Hauptprotagonistin kennt, die ebenfalls im Dunkeln tappt und keine Erinnerungen mehr an die Geschehnisse hat. Leider bleiben auch am Ende noch zu viele Fragen offen, sodass mich dieses Buch mit einem ziemlich unbefriedigenden Gefühl zurückließ.
Die gute Recherchearbeit und die Einblicke in die Forensik sowie die teilweise sehr tiefgründigen Gedanken zur Rechtspraxis der Todesstrafe haben mich wirklich überzeugt. Auch die bedrohliche Situation, in der sich Tessa befindet, wurde sehr eindrücklich und nachvollziehbar geschildert. Die Idee, die diesem Psychothriller zugrunde liegt, hatte durchaus Potenzial, aber leider konnte mich die Umsetzung nicht so recht überzeugen und in weiten Teilen hat mir leider auch die Spannung gefehlt.

© Claudia Bett

Meine Bewertung: ⭐⭐⭐ (3 von 5 Sternchen)

Mein herzlichster Dank geht an den Goldmann Verlag, der mir das Rezensionsexemplar freundlicherweise kostenlos zur Verfügung stellte.

Buchdetails:

Julia Heaberlin: Mädchentod
Verlag: Goldmann
Ersterscheinungsdatum: 17. Oktober 2016
448 Seiten
ISBN 978-3-442-48398-3

Cover: Goldmann Verlag

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Buchrezension: Zoran Drvenkar – Sorry

Zoran Drvenkar - SorryInhalt:

Bislang waren Kris, sein Bruder Wolf, Frauke und Tamara in ihrem Leben nicht sehr erfolgreich, hangelten sich von Job zu Job, sind immer wieder gescheitert und haben es nie geschafft, beruflich richtig Fuß zu fassen. Doch als sie eines Abends zusammensitzen und über den Sinn des Lebens philosophieren, hat Kris eine neue Geschäftsidee. Tagtäglich wird gelogen und betrogen, Menschen werden erniedrigt, verletzt und beleidigt, aber kaum jemand ist in der Lage, sich zu entschuldigen. Selbst wenn man sich seines Fehlverhaltens bewusst wird und einsieht, dass man sich falsch verhalten hat, schafft man es nicht, um Verzeihung zu bitten, sodass die Schuld für immer am Gewissen nagt. Und so beschließen die vier Freunde, eine Agentur für Entschuldigungen zu gründen und sich im Namen ihrer Klienten zu entschuldigen. Sie schalten eine Anzeige und schon kurz darauf melden sich die ersten Interessenten.

SORRY

WIR SORGEN DAFÜR,
DASS IHNEN NICHTS MEHR PEINLICH IST.
FEHLTRITTE, MISSVERSTÄNDNISSE,
KÜNDIGUNGEN; STREIT & FEHLER.

WIR WISSEN, WAS SIE SAGEN SOLLTEN.
WIR SAGEN, WAS SIE HÖREN WOLLEN.
PROFFESSIONELL & DISKRET

Die vier Freunde haben mit ihrer Geschäftsidee erstaunlich schnell Erfolg, denn offenbar haben viele Menschen das Bedürfnis, auf diese Weise ihr Gewissen zu erleichtern. Schon bald können sie eine alte Villa am Kleinen Wannsee kaufen, gemeinsam dort einziehen und ihre florierende Agentur betreiben. Doch ihre Glückssträhne reißt ab, als sie eines Tages von einem Klienten gebeten werden, sich in seinem Namen bei einer Toten zu entschuldigen, der unsägliche Qualen zugefügt wurden, bevor sie starb. Er geht mit seiner Forderung noch weiter, denn er beauftragt die Agentur „Sorry“ auch, die Leiche zu entsorgen. Kris, Wolf, Frauke und Tamara bleibt nichts anderes übrig, als sich seinem Willen zu beugen, denn ihr Kunde lässt sie wissen, dass er alles von ihnen weiß und nicht davor zurückschrecken wird, ihre Familien zu besuchen. Sie müssen sich auf sein perfides Spiel einlassen, wenn sie ihre Liebsten beschützen wollen – und dieses grausame Spiel ist noch lange nicht vorbei.

Meine persönliche Meinung:

Ich habe erst vor ein paar Monaten Zoran Drvenkars Thriller Still gelesen, ein Buch, das mich zwar häufig an die Grenzen dessen brachte, was ich ertragen kann, aber mir noch lange im Gedächtnis bleiben wird und in jeder Hinsicht grandios, originell und innovativ war. Da Still vor allem sprachlich und stilistisch wirklich herausragend war und man im Thriller-Genre nur sehr selten Bücher findet, die literarisch so hochwertig sind, war ich nun auch sehr gespannt auf Sorry, das Buch, für das Drvenkar 2010 mit dem renommierten Friedrich-Glauser-Preis in der Sparte Roman ausgezeichnet wurde.
Ich habe bereits auf den ersten Seiten gemerkt, dass es sich auch bei Sorry um einen Thriller handelt, der sich deutlich von anderen Büchern dieses Genres abhebt. Außergewöhnlich ist nicht nur das hohe sprachliche Niveau, sondern auch die formale und stilistische Originalität. Das mag zunächst etwas verwirren, weil man es eben nicht gewohnt ist, aber dennoch war ich sofort von diesem Buch gefangen, was nicht zuletzt an Drvenkars Sprachstil liegt, der zwar äußerst poetisch, aber auch so knapp, eindringlich und ungemein intensiv ist, dass man sich seinem Sog kaum entziehen kann und in die Abgründigkeit der Geschichte förmlich hineingezogen wird. Ich bin nach wie vor ein großer Anhänger der alten deutschen Rechtschreibung, fand es sehr sympathisch, dass Drvenkars 2014 erschienenes Buch Still auf ausdrücklichen Wunsch des Autors in der alten deutschen Rechtschreibung gesetzt wurde und er bereits 2009 in Sorry an dieser Schreibweise festhielt. Eine weitere Eigenheit des Autors besteht darin, wörtliche Rede nicht in Anführungszeichen zu setzen, sondern sie mit Spiegelstrichen kenntlich zu machen, was zunächst allerdings etwas gewöhnungsbedürftig ist.
Ungewöhnlich ist aber vor allem die formale Struktur des Textes, denn die Kapitel sind mit „Dazwischen“, „Davor“, „Danach“, „Du“, „Kris“, „Tamara“, „Frauke“, „Wolf“ und „Der Mann, der nicht da war“ überschrieben, wechseln also zwischen mehreren Zeitebenen und werden abwechselnd aus der Sicht der vier Freunde, des Mörders und einer weiteren unbekannten Person geschildert. Bis zum Schluss weiß man nicht, wer sich hinter „Du“ und dem „Mann, der nicht da war“ verbirgt. Allerdings weiß man, dass es sich bei den Du-Kapiteln nur um die Perspektive des Mörders handeln kann. Besonders verstörend an diesen Kapiteln ist, dass sie in der zweiten Person Singular geschrieben sind, der Mörder den Leser also direkt anspricht. Damit wird eine äußerst unbehagliche Nähe und Vertrautheit zu dem unbekannten und brutalen Mörder erzeugt, was überaus irritierend und befremdlich ist.
Da ich ja bereits Still gelesen hatte, wusste ich ungefähr, worauf ich mich einlasse, und da der Autor zugibt, beim Schreiben selbst Angst vor seinem Buch gehabt zu haben, ist es nicht verwunderlich, dass auch ich bereits auf den ersten Seiten von Sorry schockiert war. Drvenkars Thriller sind wirklich nur für äußerst nervenstarke Leser geeignet, denn im weiteren Verlauf der Erzählung sollte es noch weitaus schlimmer kommen als bei dem Mord, der zu Beginn des Buches geschildert wird. Zweifellos ist Kindesmissbrauch eine der schlimmsten Perversionen, zu der Menschen fähig sind. Es ist ein Thema, das nur schwer zu ertragen ist, über das aber eben auch so eindrücklich geschrieben werden muss, dass es unerträglich ist. Es muss geradezu wehtun und aufs Äußerste erschüttern, wenn man sich mit dieser Thematik literarisch auseinandersetzt, denn nur so kann das unsägliche Leid, das diesen Kindern angetan wurde, deutlich werden. Drvenkar verzichtet darauf, Gewalt und Missbrauch detailliert zu beschreiben, setzt nicht auf effekthascherische Brutalität, die allenfalls platt, aber keineswegs erschütternd wäre. Stattdessen schafft er es mit seiner intensiven Sprache, mit der er fast beiläufig Einblicke in die schlimmsten Abgründe der menschlichen Seele gewährt, dass das Erzählte umso verstörender und schockierender wirkt. Das Grauen, das häufig nur angedeutet wird und zwischen den Zeilen steht, sich wie ein Film im Kopf des Lesers abspielt, ist viel ergreifender und wirkungsvoller als es detaillierte Gewaltbeschreibungen jemals sein könnten. Das muss man aushalten können, weshalb ich zartbesaiteten Gemütern eher abraten würde, Drvenkars Bücher zu lesen.
Da die Perspektive des Mörders in der zweiten Person erzählt wird und er dem Leser damit unangenehm nahekommt, begleitet man ihn nicht nur bei der Durchführung seiner Morde, sondern assistiert ihm geradezu, was auch mehr als verstörend ist. Besonders irritierend ist jedoch, dass die Grenzen zwischen Opfern und Tätern, zwischen Gut und Böse immer wieder verschwimmen und man die abscheulichen Taten des Mörders am Ende des Buches auf erschreckende Weise verstehen und nachvollziehen kann.
Während der Täter mit der Agentur „Sorry“ sein perfides Spiel spielt, wird jeder der vier Freunde auch mit seinen eigenen Abgründen und auch immer wieder mit dem Thema Schuld konfrontiert. Wirklich sympathisch war mir leider keiner dieser vier Hauptprotagonisten. Bereits ihre hirnrissige Geschäftsidee fand ich schon von Anfang an sehr fragwürdig, da Vergebung meiner Meinung nach nur persönlich und niemals über Dritte erfolgen kann und wahre Reue auch auf innerer Einsicht und aufrichtigem Eingeständnis der Schuld beruht und deshalb keine Dienstleistung sein kann, für die man einen Außenstehenden bezahlt. Ich fand es äußerst anmaßend, dass sich die vier Freunde als Vermittler zwischen Schuld und Reue verstehen und aus dem schlechten Gewissen anderer ihren Profit ziehen wollen. Manchmal war ich mir auch nicht sicher, ob nicht einer von ihnen der Täter sein könnte. Der Autor hat jeden der vier Freunde zwar sehr präzise gezeichnet, aber dennoch blieben sie bis zum Schluss undurchschaubar und waren mir stets ein wenig suspekt. Leider waren auch ihre Handlungen manchmal weder logisch noch nachvollziehbar. Der ständige Zeit- und Perspektivwechsel führt auch dazu, dass der Plot häufig etwas konfus wirkt. Doch am Ende fügen sich alle Puzzleteile zu einem schlüssigen Ganzen zusammen.
Im Zentrum der Handlung steht immer wieder die Frage um Schuld, Strafe, Reue und Vergebung, und am Ende stand für mich die Erkenntnis, dass es Taten gibt, für die es keine Entschuldigungen geben kann und die niemals vergeben werden können.
Für mich war Sorry ein in jeder Hinsicht herausragender und innovativer Thriller von hoher literarischer Qualität, den man nicht mehr vergessen wird, auch wenn oder gerade weil er dem Leser einiges abverlangt und ihn aufs Äußerste erschüttert.

© Claudia Bett

Meine Bewertung:⭐⭐⭐⭐⭐ (5 von 5 Sternchen)

Buchdetails:

Zoran Drvenkar – Sorry
Verlag: Ullstein
Ersterscheinungsdatum: 11. Februar 2009
400 Seiten
ISBN 978-3-548-28183-4

Cover: Ullstein Buchverlage

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Ein Abend mit Angelo Branduardi

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Angelo Branduardi bei einem Konzert im März 2012 in Trient (Foto: Niccolò Caranti) (1)

Heute soll es auf meinem Blog mal nicht um Bücher, sondern um Musik gehen. Keine Sorge, es wird eine Ausnahme bleiben, aber ich war gestern wieder einmal auf einem Konzert von „meinem“ Barden Angelo Branduardi und muss nun meine Begeisterung einfach teilen. Aber Vorsicht – es wird sehr pathetisch und auch ein wenig emotional! Wer seine Musik liebt und diesen grandiosen Künstler schon live gesehen, gehört und erlebt hat, wird mich sicher verstehen.
Meine erste Schallplatte des italienischen Ausnahmemusikers habe ich Anfang der 1980er-Jahre gekauft, weil mir sein Hit La pulce d’acqua, mit dem ihm auch außerhalb Italiens der Durchbruch gelang, ausgesprochen gut gefallen hat. Europaweite Bekanntheit erlangte er 1986 auch durch seine Komposition der Filmmusik zu Momo, der Verfilmung des gleichnamigen Romans von Michael Ende.
Branduardi spielt seit seinem fünften Lebensjahr Geige, hat in Genua sein Violindiplom erworben und versteht sich noch heute in erster Linie als Geiger und nicht als Sänger. Auf der Bühne überzeugt der Vollblutmusiker jedoch neben seinem virtuosen Geigenspiel vor allem mit seiner unverwechselbaren und warmen Stimme, mitunter aber auch auf der Gitarre, Laute oder Flöte. Seine Liedtexte schreibt er manchmal selbst, die meisten verfasst jedoch seine Ehefrau Luisa Zappa. Ein paar stammen auch aus der Feder seines inzwischen verstorbenen Freundes, dem Komponisten und Autor Giorgio Faletti.
Ich bin nun seit mehr als drei Jahrzehnten ein großer Fan von Angelo Branduardi, denn seine Musik inspiriert mich und spendet mir häufig sehr viel Kraft und Trost. Seine Lieder sind voller Poesie, Melancholie und auch Lebensfreude; seine Musik und das Repertoire, aus dem er schöpft, sind so vielfältig und originell, dass er sich in keine Schublade pressen lässt. So adaptiert er in seinen Liedern nicht nur Gedichte des mittelalterlichen Minnesangs, sondern auch diverse Sagen und Märchen sowie Texte der jüdischen und christlichen Tradition. In seinem Album L’infinitamente piccolo, das auf franziskanischen Quellen basiert, widmet er sich den wichtigsten Lebensstationen des Franz von Assisi und vertonte auch dessen Sonnengesang. Branduardis Musik ist einzigartig, unkonventionell und jenseits musikalischer Modetrends, denn in ihr verschmelzen die unterschiedlichsten musikalischen Einflüsse verschiedener Epochen und Musikrichtungen. Sie beinhaltet Elemente der Musik des Mittelalters und der italienischen Renaissance, der irischen Folklore, des amerikanischen Folks, des französischen Chansons oder auch des modernen Jazz und Pop. Diese Melange von klassischen, sakralen, traditionellen und modernen Elementen macht seinen Stil unverwechselbar und sein musikalisches Programm ungeheuer vielseitig und außergewöhnlich. Er selbst vergleicht seine Musik mit Knoblauch, dessen markanter Geschmack ebenfalls sehr eigentümlich ist und den man entweder liebt oder verabscheut. Angelo Branduardi weiß, dass er polarisiert, aber ihm ist nicht daran gelegen, den Mainstream zu bedienen, sondern ist der Ansicht, wer allen gefiele, sei ohnehin kein wahrer Künstler.
Meine italienischen Sprachkenntnisse sind äußerst rudimentär, reichen allenfalls aus, um in Italien nicht zu verhungern und nach dem Weg zu fragen, aber ich kann alle Lieder Branduardis auswendig mitträllern und habe mir alle Übersetzungen durchgelesen. Viele seiner Hits hat er selbst ins Englische und Französische übersetzt und auch in diesen Sprachen gesungen. Das erleichtert mir zwar das Verständnis, aber der unverwechselbare Klang seiner Lieder kommt nur in seiner Muttersprache richtig zur Geltung. Er ist ohnehin in der Lage, Sprachbarrieren zu überwinden, denn die Botschaft seiner Lieder, die wunderbare Symbiose aus Poesie und Musik wird überall verstanden. Man versteht sie mit dem Herzen – oder man versteht sie eben gar nicht.
Mich begleitet Branduardis Musik nun also schon seit mehr als dreißig Jahren, aber erst 2011 hatte ich das Glück, diesen grandiosen Musiker auch live auf der Bühne erleben zu dürfen. Er ist ein moderner Minnesänger, bezeichnet sich auch selbst als Troubadour, der durch die Welt zieht, um die Menschen mit seiner Musik zu erfreuen, was ihm auch immer wieder gelingt. Es ist eigentlich unmöglich, die richtigen Worte zu finden, um die Emotionen zu beschreiben, die ich bei seinen Konzerten habe. Live-Konzerte sind ja generell ein ganz besonderes Erlebnis, aber bei Angelo Branduardi ist es vollkommen anders als bei jedem anderen Künstler, den ich bislang live gesehen habe. Bei meinem ersten Konzertbesuch war ich so hingerissen, dass ich selbst ein wenig erschrocken bin, denn ich hatte Tränen in den Augen und durchgehend Gänsehaut. Es hat mich im wahrsten Sinne des Wortes umgehauen. Das passiert mir selten, eigentlich nie, und außerdem bin ich kein Teenager mehr. Aber meine Begeisterung hat auch nichts mit pubertären Schwärmereien zu tun. Abgesehen von seinem virtuosen Geigenspiel und dem unverwechselbaren Klang seiner warmen Stimme, die es vermag, meine Seele zu berühren und mein Herz zu erwärmen, ist es bei seinen Konzerten eben auch seine Ausstrahlung, die mich geradezu verzaubert. Angelo Branduardi hat nichts vom Gehabe eines Stars. Es scheint fast so, als sei es ihm unangenehm, einer zu sein. Bescheiden wirkt er, fast ein wenig demütig und voller aufrichtiger Herzlichkeit und Güte. Auf der Bühne sind seine Augen meistens geschlossen. Er ist eins mit seiner Musik und seiner Geige, ganz bei sich und den Klängen, die tief aus seiner Seele zu kommen scheinen. Das zu erleben ist sehr berührend und auch inspirierend.

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Momentan ist Branduardi in Deutschland auf seiner Greatest Hits Tour und gastierte dieses Mal sogar in meiner Heimatstadt Tuttlingen. Ich hatte das Glück, eine Karte in der ersten Reihe zu ergattern und habe mich seit Monaten auf den gestrigen Abend gefreut. Das klingt jetzt furchtbar pathetisch – ist es auch – aber dieses wunderbare Konzert war für mich wieder voller magischer und emotionaler Momente.
Angelo begrüßte sein Publikum mit der deutschen Übersetzung von Der Geiger von Dooney von William Butler Yeats: „Wie die Wellen auf dem Meer tanzen die Leute, wenn ich auf meiner Geige spiele…“, einem Gedicht, das ihm aus der Seele zu sprechen scheint. Diese Liebe zur Musik, die Wärme und Leidenschaft, die er mit ihr zum Ausdruck bringt, überträgt sich auch auf das Publikum – zumindest auf die, die in der Lage sind, nicht nur mit den Ohren zu hören.
Branduardi ist älter geworden, seine markante Lockenmähne ergraut und sein schelmischer Humor, der mir bei seinem letzten Konzert auffiel, habe ich nun ein wenig vermisst. Bei seinem gestrigen Konzert schien er mir melancholischer, nachdenklicher und etwas gebrechlich, aber als er die Geige in der Hand hielt, spielte und sang, spürte man die Energie, die auf das Publikum übergeht und es verzaubert. Seine einfühlsamen Balladen stimmen nachdenklich, seine temperamentvollen Stücke stecken voller Kraft und Lebensfreude. Und so war ich auch gestern wieder hin- und hergerissen zwischen bewegenden Momenten, in denen mir vor Rührung die Tränen in den Augen standen, wie etwa bei seiner Interpretation des Sonnengesangs des Franz von Assisi, musste mich aber auch beherrschen, ruhig sitzen zu bleiben bei seinen lebendigen und fröhlichen Titeln. Ich fand es fast ein bisschen schade, dass er nur seine größten Hits gespielt hat, denn ich hätte auch gerne ein paar seiner neueren und eher unbekannten Stücke gehört. Aber meine Lieblingslieder Gulliver und Ballo in Fa diesis minore waren dabei, und es gibt ohnehin kein einziges Lied von ihm, das mir nicht gefällt.

Überaus grandios waren wieder einmal die brillanten Musiker, die ihn auf seiner Tour begleiten, allen voran Davide Ragazzoni am Schlagzeug.
Schade nur, dass der Veranstaltungsort den eher nüchternen Charme einer Lagerhalle hat und nicht gerade das passende Ambiente für ein so wunderbares Konzert liefert, aber die Akustik war gut. Ich würde Angelo Branduardi ohnehin überall zuhören und kann das ganze Drumherum ausblenden, sobald die ersten Töne erklingen. Zu gerne hätte ich 2014 ein Konzert seiner Kirchentour besucht, denn es muss großartig sein, ihn in einer Kirche zu hören.
Das Konzert ging gestern viel zu schnell vorüber und ich verließ nach zwei Stunden ganz beseelt den Konzertsaal. Ein kleiner Wermutstropfen wartete dann im Parkhaus des Veranstaltungsorts, denn wenn mehr als 200 Fahrzeuge nahezu gleichzeitig aus einer einzigen Ausfahrt wollen, kommt es logischerweise zum Stau. Ich vermute, dass niemand auf der Flucht war und man am Samstagabend auch nicht zum nächsten Termin hetzen muss, aber selbst wenn, beschleunigt aggressives Hupen das Ganze wohl kaum und trägt auch nicht wesentlich zur guten Stimmung aller Anwesenden bei. Ich hatte noch immer Angelos Stimme und die wunderbaren Klänge seiner Musik im Ohr, die jedoch durch das dröhnende Gehupe (ja, im Parkhaus ist das noch lauter) jäh übertönt wurden, und fragte mich, ob diese Menschen, die da hupen, tatsächlich auch auf diesem Konzert waren und von der fast meditativen Stimmung überhaupt irgendetwas mitgenommen haben. Aber auch das konnte mir den Abend nicht langfristig vermiesen, denn das Konzert war viel zu schön und ließ auf meiner Seele und in meinem Herzen ein warmes Gefühl zurück, das noch lange anhalten wird. Ich bin sehr dankbar für diesen Abend und übertreibe nicht, wenn ich sage, dass es der schönste seit mehr als einem Jahr war, denn ich wurde diesbezüglich in der letzten Zeit nicht gerade verwöhnt. Ich schöpfe viel Kraft, Trost und Inspiration aus Angelo Branduardis Musik – live noch viel mehr als nur aus dem Kopfhörer.

Mille grazie für diesen wunderbaren Abend und die vielen schönen Momente und Eindrücke, die noch lange nachhallen werden! ❤

20161105_203731-1Ich habe nur ein paar Fotos gemacht, denn ich kann ein Konzert nicht genießen, wenn ich dabei fotografiere. Und die, die ich gemacht habe, sind, wie man deutlich sieht, natürlich nichts geworden, weil meine Handykamera nicht unbedingt geeignet ist für Konzertfotos.

© Claudia Bett

 

 

 

(1) Titelbild: von Niccolò Caranti (Eigenes Werk) [CC BY-SA 3.0], via Wikimedia Commons

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Buchrezension: Anna Snoekstra – Ihr letzter Sommer

anna-snoekstra-ihr-letzter-sommerInhalt:

Im Sommer 2003 verschwand die damals sechzehnjährige Rebecca Winters und konnte trotz einer großangelegten Suchaktion nie gefunden werden. Elf Jahre später greift die Polizei bei einem Ladendiebstahl eine junge Rumtreiberin auf, die vorgibt, die verschwundene Rebecca zu sein. Da sie einer Bestrafung entgehen will und weiß, dass sie der Vermissten zum Verwechseln ähnlich sieht, erzählt sie den Beamten, sie sei damals entführt worden und wolle nun wieder nach Hause zu ihrer Familie. Ihr Plan scheint aufzugehen, denn Rebeccas Familie empfängt sie mit offenen Armen und ist froh, die verloren geglaubte Tochter endlich wiederzuhaben.
Die junge Frau schlüpft nun in die Rolle des vermissten Mädchens, trägt ihre Kleidung, trifft sich mit Rebeccas alten Freunden, lebt allerdings auch in der ständigen Angst, dass ihr falsches Spiel auffliegen könnte. Doch je länger sie im Haus der Familie lebt und je mehr sie sich mit der tatsächlich Vermissten zu identifizieren versucht, umso rätselhafter erscheint ihr das Verhalten der Familienmitglieder und Freunde. Sie versucht mehr über das Mädchen herauszufinden, dessen Leben sie jetzt lebt und kommt allmählich hinter das erschreckende Geheimnis um Rebeccas Verschwinden.

Meine persönliche Meinung:

Thriller über verschwundene Kinder gibt es wie Sand am Meer, und auch die Idee, dass sich Jahre nach dem Verschwinden, ein anderer für das vermisste Kind ausgibt, ist nicht gerade neu, sodass ich gespannt war, wie innovativ Anna Snoekstra diese Thematik in ihrem Thrillerdebüt Ihr letzter Sommer umsetzen wird. Neu war für mich nämlich, dass man als Leser schon von vornherein weiß, dass es sich bei der jungen Frau nicht um das seit elf Jahren vermisste Mädchen handelt. Und so war ich natürlich neugierig, ob es diese Rumtreiberin schaffen wird, die Polizei und vor allem die Familie der Vermissten davon zu überzeugen, wirklich Rebecca zu sein. Besonders spannend war jedoch die Frage, was der Sechszehnjährigen damals passiert ist, warum sie verschwand und ob sie überhaupt noch am Leben ist.
Der Thriller wird in zwei Handlungssträngen erzählt, denn man begleitet nicht nur diese namenlose junge Frau, die nun die Identität des vermissten Mädchens annimmt, sondern wirft auch einen Blick in die Vergangenheit und zu den Ereignissen, die sich elf Jahre zuvor kurz vor Rebeccas Verschwinden zugetragen haben. Während die aktuellen Geschehnisse aus der Ich-Perspektive der vermeintlich zurückgekehrten Vermissten geschildert werden, werden die zurückliegenden Ereignisse aus der personalen Perspektive von Rebecca erzählt. Trotz der Ich-Perspektive, die eigentlich eine besondere Nähe zur Hauptprotagonistin schaffen müsste, eignet sich diese junge Frau kaum als Identifikationsfigur. Da die Autorin ihr keinen Namen gegeben hat und auch ihre Herkunft nur sehr schwammig beschrieben wird, blieb sie mir über das ganze Buch hinweg fremd. Man lernt sie im Grunde nur in ihrer Rolle als Rebecca Winters kennen, die sie allerdings nicht gerade überzeugend spielt. Anfangs hatte ich noch ein wenig Verständnis für diese Frau, da sie sich offenbar nach der Liebe einer Mutter sehnt und nun bei Rebeccas Familie Geborgenheit zu finden glaubt, aber im weiteren Verlauf der Erzählung wurde sie mir zunehmend unsympathischer. Sie entpuppt sich nämlich nicht als eine liebesbedürftige junge Frau, sondern als äußerst oberflächliche, egozentrische und einfältige Person, die ihr bisheriges Leben offenbar nur mit Partys und diversen Männerbekanntschaften verbracht hat und sehr unbedarft durchs Leben ging. Schon kurz nachdem sie zu Rebeccas Familie gebracht wird, begibt sie sich auf die Suche nach einem adäquaten Liebhaber. Besonders wählerisch ist sie dabei nicht, denn eigentlich kommt für sie jedes männliche Wesen, dem sie in ihrer neuen Umgebung begegnet, hierfür in Betracht, selbst Rebeccas Brüder. Immerhin sieht sie ein, dass es eine schlechte Idee wäre, sich ausgerechnet mit einem ihrer vermeintlich leiblichen Brüdern einzulassen, aber ansonsten denkt sie recht wenig über ihre vorgetäuschte Identität nach. Sieht man davon ab, dass es äußerst geschmacklos ist, sich für ein seit Jahren vermisstes Mädchen auszugeben, stellt sie sich dabei auch unglaublich dämlich an. Auf die Idee, sich etwas eingehender mit dem Leben der Person zu befassen, in deren Rolle sie geschlüpft ist, kommt sie erst, als sie befürchtet, dass ihr falsches Spiel auffliegen könnte. Es dauert jedenfalls recht lange bis sich dann doch die ersten Skrupel regen und sie allmählich eine innere Wandlung vollzieht.
Doch auch die wahre Rebecca, die man während der Rückblenden in die Vergangenheit kennenlernt, wollte mir nicht so recht ans Herz wachsen. Ihr kann man immerhin zugutehalten, dass sie zum damaligen Zeitpunkt erst sechszehn Jahre alt war, aber besonders liebenswürdig ist sie nicht. Auch unter ihren Freunden und Familienmitgliedern konnte ich keinen einzigen Sympathieträger ausmachen. Ich finde es nicht tragisch, wenn Romanfiguren unsympathisch sind, denn wenn sie gut ausgearbeitet sind, sind gerade das häufig die interessantesten Charaktere. Allerdings nehme ich es einem Autor ein wenig übel, wenn seine Protagonisten unglaubwürdig sind, ihr Verhalten keinen Sinn macht und nicht nachvollziehbar ist. Wenn jemand verschwindet und elf Jahre später wieder auftaucht, würde vermutlich irgendjemand aus dem Familien- oder Freundeskreis irgendwann auf die Idee kommen, mal nachzufragen, wo diese Person in all den Jahren war und was ihr damals zugestoßen ist. Selbst wenn man das Ende dieses Thrillers kennt, macht das Verhalten einiger Protagonisten keinen Sinn und ist weder logisch noch nachvollziehbar, denn kein Mensch würde sich so verhalten. Dieser jungen Frau kommt es natürlich gelegen, dass sich niemand für ihre vermeintliche Entführung und ihren Aufenthaltsort der letzten Jahre interessiert, sondern man sie einfach in Ruhe lässt und zum Alltag übergeht, aber glaubwürdig ist das nicht. Außer dem Polizisten, der bereits elf Jahre zuvor in dem Vermisstenfall ermittelte, stellt jedenfalls niemand lästige Fragen und selbst er gibt entnervt auf, als sie einfach behauptet, sich an nichts mehr erinnern zu können, was für mich ebenfalls etwas unglaubwürdig war. Auch als sie sich weigert, sich wegen ihrer vorgetäuschten Amnesie in ärztliche Behandlung zu begeben oder einem DNA-Test zuzustimmen, wird niemand stutzig, obwohl sich ein Entführungsopfer diesbezüglich sicher kooperativer zeigen würde.
Allerdings trägt das rätselhafte, mitunter auch absurde Verhalten der Figuren enorm zum Spannungsaufbau bei, denn ich hätte wirklich jedem Protagonisten zugetraut, an Rebeccas Verschwinden schuld zu sein, sie entführt oder gar ermordet zu haben. Immer wieder wird der Verdacht also auf eine andere Person gelenkt, sodass ich bis zum Ende der Geschichte keine Ahnung hatte, was dem Mädchen zugestoßen sein könnte oder ob es womöglich gar nicht mehr am Leben ist. Eines muss man diesem Thriller nämlich lassen – die Spannungskurve steigt von Seite zu Seite kontinuierlich an und reißt bis zum Schluss nicht ab. Immer wieder kommt es zu überraschenden Wendungen, sodass ich jeden Verdacht erneut verwerfen musste und das Ende für mich wirklich vollkommen unvorhersehbar war. Leider war es auch sehr überkonstruiert, und wenn man den Ausgang der Geschichte dann kennt, offenbaren sich im Nachhinein bedauerlicherweise auch ein paar kleine Logikbrüche.
Anna Snoekstras Debüt ließ sich jedoch sehr schnell und flüssig lesen, denn der Schreibstil der Autorin ist sehr angenehm und es gelingt ihr auch, die Spannung stets aufrechtzuerhalten. Und so war Ihr letzter Sommer für mich ein fesselnder, durchaus solider und unterhaltsamer Thriller für Zwischendurch, dem es jedoch leider an psychologischer Tiefe und Glaubwürdigkeit fehlte.

© Claudia Bett

Meine Bewertung: ⭐⭐⭐ (3 von 5 Sternchen)

Herzlichen Dank an NetGalley und den Verlag HarperCollins, der mir das Buch freundlicherweise als Rezensionsexemplar zur Verfügung stellte!

Buchdetails:

Anna Snoekstra – Ihr letzter Sommer
Verlag: HarperCollins
Ersterscheinungsdatum: 15. August 2016
304 Seiten
ISBN 978-3-959-67035-7

Cover: Verlag HarperCollins

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Mein Monatsrückblick Oktober 2016

Gelesen:

Der Monat Oktober stand bei mir anlässlich der #Halloweenwochen ganz im Zeichen besonders gruseliger Bücher. Beklemmende Psychothriller lese ich ohnehin das ganze Jahr über gerne, aber im Herbst darf es durchaus noch etwas schauriger und düsterer sein. Der Gruselfaktor eines Buches hängt für mich ganz entscheidend vom Schauplatz der Geschichte ab. Damit mir ein eisiger Schauer über den Rücken läuft, sollte die Handlung an einem Ort angesiedelt sein, der mir von vornherein ein wenig Angst macht und Beklemmungen hervorruft. Diesbezüglich hatte ich bei einigen Büchern, die ich mir im Oktober vorgenommen hatte, ein wirklich glückliches Händchen.

Insgesamt blicke ich – bis auf eine kleine Ausnahme – auf einen sehr spannenden, durchaus gruseligen und zufriedenstellenden Lesemonat zurück. Ich habe im Oktober sieben Bücher gelesen – das waren 3276 Seiten, also ca. 106 Seiten pro Tag (mit einem Klick auf das Cover oder den Buchtitel gelangt Ihr zu meinen Rezensionen; die noch ausstehenden Rezensionen folgen in den nächsten Tagen)

Ruth Ware - Im dunklen dunklen WaldDichte, dunkle Wälder sind wunderschön und geheimnisvoll zugleich. Obwohl ich den Wald eigentlich mag, ist mir dort immer ein wenig unbehaglich zumute. Wie der Titel schon sagt, spielte der erste Thriller, den ich im vergangenen Monat gelesen habe, Im dunklen, dunklen Wald von Ruth Ware in einem abgelegenen Haus inmitten eines dunklen Waldes. Mir hat dieses Buch ausgesprochen gut gefallen, denn es war durchgehend spannend und sorgte auch für den ein oder anderen schaurigen Moment.

david-morrell-creepersRichtig gruselig ging es dann mit David Morrells Creepers weiter, denn es gibt eigentlich kaum etwas Gruseligeres als verlassene Gebäude, die seit Jahrzehnten leerstehen und noch immer die Spuren des Lebens tragen, das einst in ihnen herrschte. Der morbide Charme dieser sogenannten „Lost Places“ fasziniert mich sehr, ist allerdings auch ziemlich schaurig. David Morrell ist es wirklich überaus gut gelungen, die düstere und geheimnissvolle Atmosphäre, die dem Schauplatz seines Thrillers innewohnt, sehr bildgewaltig zu beschreiben. Leider treten die Gruselelemente nach einer Wendung vollkommen in den Hintergrund und werden durch einen rasanten und actiongeladenen Plot ersetzt, der Actionfans sicher begeistern wird, mir allerdings nicht mehr gefallen wollte.

stephen-king-das-madchenWas wäre ein gruseliger Lesemonat ohne ein Buch von Stephen King, dem „Meister des Grauens“? Nahezu undenkbar! Noch einmal ließ ich mich im vergangenen Monat von einem Buch in einen dunklen Wald entführen und irrte dieses Mal mit einem kleinen Mädchen, das bei einer Wanderung vom Weg abkam, durch einen einsamen Wald. Atmosphärisch dicht und unglaublich fesselnd erzählt Stephen King in Das Mädchen den Überlebenskampf der neunjährigen Trisha, die sich nicht nur gegen wilde Tiere und Schwärme blutsaugender Insekten zur Wehr setzen muss, sondern auch mit erdrückender Einsamkeit und quälendem Hunger und Durst zu kämpfen hat. Ein großartiger und überaus eindrücklicher Roman, der wieder einmal von Kings erstaunlichem erzählerischen Talent zeugt und auch zeigt, wie gut er sich darauf versteht, mit den Urängsten seiner Leser zu spielen.

Der Uebergang von Justin Cronin

Ich war schon lange gespannt auf Der Übergang von Justin Cronin, aber auch ein wenig skeptisch, nachdem mir jemand (der das Buch offensichtlich nicht gelesen oder nicht verstanden hat) erzählte, es handle sich dabei um eine „Vampirgeschichte“. Es ist mitnichten eine „Vampirgeschichte“, sondern ein dramatisches, düsteres, überaus vielschichtiges und komplexes Endzeit-Epos, das sich nur schwer mit wenigen Worten beschreiben lässt. Um es kurz zu machen – es ist grandios und mein absolutes Lesehighlight des Monats. Ich habe jede Seite des mehr als 1000 Seiten umfassenden Auftakts der Passage-Trilogie genossen, inzwischen schon mit dem zweiten Band begonnen und freue mich, dass mit Die Spiegelstadt kürzlich auch der dritte Band erschienen ist und ich somit alle drei Bücher nacheinander lesen kann, ohne auf das Erscheinen des Folgebands warten zu müssen.

Chris-carter-der-kruzifix-killerWeiter ging es mit Der Kruzifix-Killer von Chris Carter, einem Buch, von dem ich mir sehr viel versprochen hatte, weil es mir von allen Seiten empfohlen wurde und der Autor zweifellos zu den wohl beliebtesten und erfolgreichsten Thriller-Autoren gehört. Erwartet hatte ich einen spannenden und psychologischen Thriller eines Bestseller-Autors, der selbst jahrelang als Kriminalpsychologe gearbeitet hat, und bekommen habe ich das, was Denis Scheck vermutlich als „Leichenporno“ bezeichnen würde – eine sehr detaillierte Aneinanderreihung brutalster Folter- und Mordmethoden, ohne Tiefgang und leider auch nahezu vollkommen ohne Spannung. Auch die beiden sympathischen Ermittlerfiguren konnten diesen Thriller nicht mehr retten.

jutta-maria-herrmann-hotline

Ich bin nicht gerade ein Glückspilz, wenn es um Gewinnspiele geht, aber ich habe im vergangenen Monat tatsächlich ein Buch gewonnen. Katja vom Blog WortGestalt hat gemeinsam mit der Thriller-Autorin Jutta Maria Herrmann drei signierte Taschenbücher verlost, und ich hatte das Glück, unter den Gewinnern zu sein. Da ich mir ein Buch aussuchen durfte, fiel meine Wahl auf Jutta Maria Herrmanns Thrillerdebüt Hotline, das auch schon nach ein paar Tagen mit einer persönlichen Signierung in meinem Briefkasten lag. Ich habe mich sehr über meinen Gewinn gefreut und der Klappentext von Hotline klang so spannend, dass ich sofort mit dem Lesen beginnen musste und das Buch dann nicht mehr aus der Hand legen konnte, bis ich wusste, wie die diese packende Geschichte endet. Bei einigen Passagen dieses psychologisch ausgefeilten und hervorragend erzählten Psychothrillers lief mir ein eisiger Schauer über den Rücken, aber er hat mich häufig auch sehr berührt und nachdenklich gestimmt.

anna-snoekstra-ihr-letzter-sommerGeendet hat der Lesemonat für mich mit Ihr letzter Sommer, dem Debüt von Anna Snoekstra. Auch dieser Thriller war durchgehend spannend, allerdings häufig zu überkonstruiert. Auch die Protagonisten konnten mich nicht überzeugen, denn sie waren allesamt unsympathisch und ihre Handlungen leider auch oft nicht nachvollziehbar. Dennoch war Ihr letzter Sommer ein durchaus solider und lesenswerter Thriller für Zwischendurch.

 

Gesehen:

Weil mir so nach Gruseln zumute war, wollte ich im Oktober auch mal wieder einen richtig gruseligen Film schauen und bin auf der Suche nach einem düsteren Thriller auf The Others gestoßen, einen Film, der bereits 2002 in die deutschen Kinos kam, den ich allerdings zu meiner Schande noch nicht kannte. Zweifellos handelt es sich bei diesem Mysterythriller des spanischen Regisseurs Alejandro Amenábar inzwischen um einen Genreklassiker.
Ich fand diesen Film großartig, denn ich liebe solche ruhigen Filme, in denen vollkommen auf Monster und blutige Gewaltszenen verzichtet wird und in denen auch ohne Spezialeffekte eine so gewaltige Spannung erzeugt wird, dass mir förmlich das Blut in den Adern gefriert.
Bereits das Setting, ein einsam gelegenes herrschaftliches Landhaus auf der britischen Insel Jersey, ist grandios gewählt. Hier lebt die etwas neurotische Grace, die von Nicole Kidman hervorragend dargestellt wird, gemeinsam mit ihren beiden Kindern und drei neuen Dienstboten. Da ihre Kinder unter einer tödlichen Sonnenlichtallergie leiden, müssen die Vorhänge im Haus immer zugezogen sein. Dunkel ist es also ohnehin ständig in diesem Gebäude, und so reichen ein bisschen Nebel, knarrende Dielen und drei geheimnisvolle Gräber im Garten schon vollkommen, um eine gruselige Atmosphäre zu erzeugen. Nur die von Alejandro Amenábar komponierte Filmmusik vermag es, den Gruselfaktor in manchen Szenen noch zu steigern. Nur selten hatte ich bei einem Film eine solche Gänsehaut.

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Auf diese Neuerscheinungen freue ich mich im November 2016

Ich kann es manchmal gar nicht fassen, wie schnell ein Monat vergeht. Erst heute ist mir aufgefallen, dass sich der Oktober schon seinem Ende nähert und es an der Zeit wäre, mal wieder in den Verlagsvorschauen zu stöbern und zu schauen, welche Bücher im kommenden Monat erscheinen werden. Wie nicht anders erwartet, bin ich natürlich wieder fündig geworden und habe fünf Bücher entdeckt, die mein Interesse geweckt haben:

sabine-kornbichler-wie-aus-dem-nichtsLügen können Leben zerstören, die Wahrheit aber auch …

Lügen können Leben zerstören, die Wahrheit aber auch. Das weiß Dana Rosin nur zu gut. Die Inhaberin einer Alibi-Agentur hat schon vor langer Zeit einen Pakt mit der Lüge geschlossen. Ihr neuer Freund Alex – ein Enthüllungsjournalist und Verfechter der Wahrheit – lehnt ihre Einstellung allerdings strikt ab. Doch dann wird er eines Morgens erschossen, während sich Dana in letzter Sekunde vor dem Mörder verstecken kann. Bei den polizeilichen Ermittlungen stellt sich schnell heraus, dass Alex nicht der war, als der er sich ausgegeben hat. Wer aber war er dann? Und warum musste er sterben? Fragen, die Dana nicht loslassen – und ihr Leben in Gefahr bringen. (Klappentext: Piper)


Sabine Kornbichler – Wie aus dem Nichts
Verlag: Piper
Ersterscheinungstermin: 02. November 2016
Klappenbroschur – 368 Seiten – 12,99 €
ISBN 978-3-492-30873-1


rosamund-lupton-lautlose-nachtEine Frau, die alles riskiert. Ein Kind, das über sich hinauswächst. Eine lebensgefährliche Fahrt durch die arktische Nacht.
Die britische Physikerin Yasmin fliegt mit ihrer zehnjährigen Tochter Ruby nach Alaska, um ihren Mann Matt zu treffen, der dort einen Dokumentarfilm dreht. Doch die Polizei empfängt sie mit der Nachricht, dass Matt weit oben im Polarkreis umgekommen ist. Yasmin will das nicht glauben. Sie ist überzeugt, dass Matt am Leben ist und ihre Hilfe braucht. Zusammen mit Ruby macht sie sich auf eine lebensgefährliche Reise durch ewiges Eis und ewige Nacht, um ihn zu finden. Und irgendwann bemerkt sie, dass jemand sie verfolgt. Jemand, der ihnen Böses will…
Atmosphärisch, hochspannend – mit einem spektakulären Plot: der neue Roman von Bestsellerautorin Rosamund Lupton.
(Klappentext: dtv)

Verlag: dtv Premium
Ersterscheinungstermin: 11. November 2016
Klappenbroschur – 384 Seiten – 14,90 €
ISBN 978-3-423-26121-0


Saving GraceBis dein Tod uns scheidet von BA ParisNiemand glaubt dir. Niemand hilft dir. Du gehörst ihm …

Grace und Jack Angel sind das perfekte Paar. Die dreiunddreißigjährige Grace ist warmherzig, liebevoll, bildhübsch. Jack sieht gut aus, ist charmant und kämpft als renommierter Anwalt für die Rechte misshandelter Frauen. Aber sollte man Perfektion jemals trauen? Warum zum Beispiel kann Grace auf Dinnerpartys so viel essen und nimmt doch niemals zu? Warum umgibt ein hoher Zaun Jacks und Graces wunderschönes Haus? Doch wenn man Grace danach fragen möchte, stellt man fest, dass sie nie allein ist. Denn Jack ist immer – wirklich immer – an ihrer Seite … (Klappentext: Blanvalet)

 

B. A. Paris – Saving Grace. Bis dein Tod uns scheidet
Verlag: Blanvalet
Ersterscheinungstermin: 21. November 2016
Klappenbroschur – 352 Seiten – 9,99 €
ISBN 978-3-7341-0263-9


sofie-rathjens-aschenkindMörderisches Land.
Leonie ist heilfroh, als sie in dem verschlafenen Dorf im hohen Norden ankommt. Hier will sie endlich Abstand zu ihrer Scheidung gewinnen und in Ruhe als Lehrerin arbeiten. Bald jedoch stößt sie auf einem Acker über ein brutal ermordetes Mädchen. Zusammen mit dem kauzigen Dorfpolizisten Wahnknecht begibt sie sich auf die atemlose Jagd nach einem Mörder, der sich wie ein Phantom wieder und wieder entzieht. Dann kommt auch noch eine alte Dorflegende ins Spiel. Und obwohl Leonie nicht an Geister glaubt, wird das Ganze immer rätselhafter für sie …
Eine wunderbare Landschaft und eine eigenwillige Frau, die zur Detektivin wider Willen werden muss. (Klappentext: Aufbau Verlag)

 

Sofie Rathjens – Aschenkind
Verlag: Aufbau Taschenbuch
Ersterscheinungstermin: 14. November 2016
Taschenbuch – 400 Seiten – 9,99 €
ISBN 978-3-7466-3283-4


lucy-atkins-an-jenem-dunklen-tagAls Tess den erfolgreichen Kinderherzchirurgen Greg kennenlernt, ist es bei beiden Liebe auf den ersten Blick. Schon bald wird Tess schwanger, und ohne zu zögern folgt sie Greg von London in die USA, wo er einen wichtigen Posten annimmt. Doch für Tess fühlt sich ab dem ersten Moment alles falsch an: Der stille Vorort wirkt feindselig, das Haus viel zu groß, die Nachbarn abweisend – und Tess wird das Gefühl nicht los, dass jemand sie verfolgt. Das Schlimmste ist jedoch, dass Greg sich völlig verändert und ihr plötzlich wie ein Fremder erscheint. Dann trifft der erste Drohbrief ein. Und Tess muss sich fragen, wer es auf sie abgesehen hat – und warum Greg von alldem nichts wissen will … (Klappentext: Bastei Lübbe)

 

Lucy Atkins – An jenem dunklen Tag
Verlag: Bastei Lübbe
Ersterscheinungstermin: 11. November 2016
Taschenbuch – 413 Seiten – 11,00 €
ISBN 978-3-404-17434-8

Buchrezension: Chris Carter – Der Kruzifix-Killer

Chris-carter-der-kruzifix-killerInhalt:

Als Detektive Robert Hunter an einen Tatort gerufen wird und im Nacken der grausam verstümmelten Frauenleiche ein eingeritztes Kreuz mit zwei Querbalken entdeckt, ist er schockiert. Er kennt dieses Zeichen nur allzu gut, denn es ist das Markenzeichen des Kruzifix-Killers, der sieben Menschen auf grausamste Weise gefoltert und ermordet hatte und im Nacken seiner Opfer dieses markante Doppelkreuz hinterließ. Vor anderthalb Jahren konnte dieser religiöse Fanatiker allerdings gefasst werden, hat die Morde auch gestanden, wurde zum Tode verurteilt und hingerichtet. Da die Informationen über das Symbol, mit dem er seine Opfer gekennzeichnet hatte, unter Verschluss gehalten wurden und nie an die Öffentlichkeit gelangten, kann es sich bei dem aktuellen Mordfall auch kaum um einen Nachahmungstäter handeln. Robert Hunter hat den Verdacht, dass vor anderthalb Jahren der falsche Täter festgenommen und hingerichtet wurde. Aber warum hat dieser die Taten damals gestanden? Gemeinsam mit seinem neuen Partner Carlos Garcia begibt er sich auf die Jagd nach dem grausamen Mörder, und nachdem ein weiterer Mord geschieht, ist Hunter sicher – der Kruzifix-Killer lebt!

Meine persönliche Meinung:

Sobald es um Thriller geht und man mit Menschen, die dieses Genre gerne lesen, ins Gespräch kommt, fällt der Name Chris Carter. Ich hatte fast den Eindruck, dass ich der einzige Mensch auf diesem Planeten bin, der bislang noch kein Buch dieses Stars am Thrillerhimmel gelesen hatte. Zunehmend wurde mir das Gefühl vermittelt, etwas wirklich Geniales verpasst zu haben, sodass meine Neugierde auf Chris Carters Robert-Hunter-Reihe nun doch immer größer wurde, obwohl mich bislang schon allein die reißerischen Titel abgeschreckt hatten. Da ich Thriller-Reihen immer in der richtigen Reihenfolge lesen möchte, startete ich nun also erwartungsvoll mit Der Kruzifix-Killer, dem ersten Band der Robert-Hunter-Reihe.
Um es kurz zu machen – mir ist nicht klar, was an diesem Buch nun so besonders sein soll. Wirklich besonders waren eigentlich nur die recht detaillierten Beschreibungen diverser Folter- und Mordmethoden, mit denen der Täter seine Opfer übergebührlich lange quält, bevor sie schließlich den erlösenden Tod finden. Ich kann das alles zwar durchaus aushalten, aber Spaß macht dieses effekthascherische Gemetzel nun nicht gerade und trägt leider auch nicht zur Spannung dieses Thrillers bei. Chris Carter hat in diesem Buch wirklich keine Perversion ausgelassen, zu der Menschen fähig sind. Ich mag es einfach lieber, wenn die Abgründe der menschlichen Seele psychologisch ausgefeilt dargestellt werden, denn das was zwischen den Zeilen steht und sich dann nur in meinem Kopf abspielt, ist häufig einfach viel schockierender als die Aneinanderreihung blutiger Details, die mich allenfalls abstumpfen lassen und irgendwann langweilen. Sie sind im besten Fall einfach nur unappetitlich, aber schockierend oder gar spannend sind sie für mich leider nicht. Ich hatte beim Lesen auch häufig den Eindruck, das alles, wenn auch nicht so geballt, schon einmal gelesen zu haben, denn innovative Ideen konnte ich keine ausmachen.
Das letzte Fünkchen Spannung hatte aber bereits der Klappentext gekillt, denn wenn man diesen aufmerksam gelesen hat, weiß man spätestens nach der Hälfte dieses Thrillers, wer der Täter ist. Ich habe bei meiner eigenen Zusammenfassung des Inhalts jedenfalls auf diesen Hinweis verzichtet und würde jedem, der das Buch lesen möchte, raten, den Klappentext nicht zu lesen. Nun, diesen Fauxpas kann man dem Autor jedenfalls schwerlich anlasten, denn er hat den Klappentext sicher nicht geschrieben.
Eine Überraschung war es jedenfalls nicht, als der Täter am Ende feststand, und der Weg zur Auflösung des Falls war auch nicht wendungsreich. Ich mag es eigentlich, wenn mich ein Autor immer wieder auf die falsche Fährte lockt und geschickt Spuren legt, die in die Irre führen, aber auch das hat in diesem Thriller vollkommen gefehlt. Wer der Täter ist, wusste ich jedenfalls sehr schnell, kam diesbezüglich auch nie ins Straucheln, sodass ich mir eigentlich nur noch die Frage nach seinem Motiv gestellt habe. Diese ließ mich das Buch dann auch bis zur letzten Seite durchhalten und wurde am Ende auch zu meiner Zufriedenheit gelöst, denn hier liefert der Autor erstmals tiefe Einblicke in die kranke Seele dieses psychopathischen Serienmörders. Chris Carter hat forensische Psychologie studiert und jahrelang als Kriminalpsychologe gearbeitet, was am Ende dieses Thrillers auch deutlich zutage tritt und mich wirklich beeindruckt hat, aber das ganze Buch über war davon leider recht wenig zu spüren.
Der Autor gibt sich im Auftakt seiner Thriller-Reihe jedoch sehr viel Mühe, die beiden Ermittlerfiguren Robert Hunter und seinen Partner Carlos Garcia sehr gut auszuarbeiten, wobei sein besonderes Augenmerk auf Robert Hunter liegt, der mir auch sehr sympathisch war. Dabei ist es ziemlich schwierig, es mir diesbezüglich noch recht zu machen, denn sowohl die unbesiegbaren Superhelden als auch die vollkommen gebrochenen und depressiven Ermittlercharaktere habe ich inzwischen satt, aber mit Robert Hunter hat Chris Carter einen Protagonisten geschaffen, der mir gut gefallen hat, da er eine gelungene Mischung aus beidem ist– gebildet, klug und attraktiv, aber durchaus mit Ecken, Kanten und so einigen Schwächen, die ihn nicht unfehlbar und deshalb eben auch sympathisch machen.
Trotzdem werde ich es wohl bei Hunters erstem Fall belassen, weil mich einfach zu vieles an diesem Thriller gestört hat. Ich muss zugeben, dass er sich sehr schnell lesen ließ, was aber schon allein der recht einfach gehaltenen Sprache geschuldet ist. Nun ja, ich hatte jetzt auch kein sprachliches Meisterwerk erwartet, aber auch sonst war der Kruzifix-Killer nicht gerade überragend, sondern bestenfalls durchschnittliche, wenn auch überdurchschnittlich brutale Massenthrillerware und nichts, was im Gedächtnis bleibt.

© Claudia Bett

Meine Bewertung: ⭐⭐ (2 von 5 Sternchen)

Buchdetails:

Chris Carter: Der Kruzifix-Killer
Verlag: Ullstein
Ersterscheinungsdatum: 10. Juni 2009
480 Seiten
ISBN 978-3-548-28109-4

Cover: Ullstein Buchverlage

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Buchmesseblues-Challenge

14625795_10202355977777694_546269252_oDie Frankfurter Buchmesse ist vorbei und viele leiden nun unter dem Messeblues, da die Monate bis zur nächsten Buchmesse fast endlos scheinen. Ich habe auch einen kleinen Messeblues, weil ich es dieses Jahr gar nicht zur Frankfurter Buchmesse geschafft habe, obwohl ich es mir fest vorgenommen hatte, und die vielen Berichte über die Messe mich schon ein bisschen neidisch werden lassen.

Für alle, die nun etwas traurig sind, weil die erlebnisreichen Messetage wie im Flug vergingen und nun hinter ihnen liegen, aber auch für die frustriert Daheimgebliebenen haben sich Anabelle von Stehlblüten und Philip von Book Walk eine Challenge ausgedacht, um den Blues zu vertreiben, die Wochen bis Weihnachten mit schönen Lesestunden zu überbrücken und gemeinsam mit anderen buchverrückten Menschen eine kleine Leseparty zu feiern.

Da nach der Buchmesse immer etwas Ebbe im Portemonnaie herrscht, weil man ja so viele neue Bücher entdeckt hat, die man sich unbedingt zulegen musste, geht es bei der Challenge darum, vom 24. Oktober 2016 bis zum 17. Dezember 2016 so viele Aufgaben wie möglich zu erfüllen und dabei nur die Bücher zu lesen, die ungelesen in den Regalen schlummern und darauf warten, entdeckt zu werden. Auch ohne auf der Buchmesse gewesen zu sein, hat sich bei mir in der letzten Zeit ein ordentlicher Stapel ungelesener Bücher angesammelt, denn einen guten Grund, mir ein neues Buch zu kaufen, finde ich eigentlich immer. Es macht also durchaus Sinn, meinem SuB auf den Leib zu rücken und von Neuanschaffungen erstmal abzusehen. Außerdem finde ich die Aufgaben interessant und denke auch, dass ich einige davon bewältigen kann.

Hier nun die Aufgaben: (erfüllte Aufgaben werden hier im Beitrag laufend ergänzt)

  •     Lies ein Buch, das sich schon mehr als ein Jahr auf dem SuB befindet.⇒ Paula Hawkins – Girl on the Train
  •     Beende eine angefangene Reihe.
  •     Lies einen Einzelband.⇒ Patricia Walter – Kalte Erinnerung
  •     Lies ein Buch, dessen Genre du sonst nicht so oft liest.
  •     Lies ein Buch mit über 500 Seiten.
  •     Lies ein Buch, das du dir nicht selbst gekauft hast. ⇒ Anna Snoekstra – Ihr letzter Sommer
  •     Lies ein Buch, das du aufgrund einer Rezension/eines Bookstagram-Posts gekauft hast.⇒ Caroline Kepnes – You. Du wirst mich lieben
  •     Lies ein Buch, dessen Titel nur aus einem Wort besteht.⇒ Jutta Maria Herrmann – Hotline
  •     Lies ein Buch von einem Autor, den du noch nicht kennst. ⇒ S. L. Grey – Under Ground
  •     Lies ein Buch von einem Autor, von dem du am meisten Bücher im Regal hast.
  •     Lies ein Buch mit einem gelben oder orangen Cover. ⇒ Julia Heaberlin – Mädchentod
  •     Lies ein fremdsprachiges Buch.

Das Tolle an dieser Challenge ist aber auch, dass es auch etwas zu gewinnen gibt – nämlich ein Buch😉

Aus diesem Grund sollte jeder Teilnehmer auch 5 Bücher von seiner Wunschliste nennen und kurz erzählen, warum er sich dieses Buch wünscht.

Hier also meine Wunschliste:

  1. Justin Cronin – Die Spiegelstadt (weil ich Der Übergang in den letzten Wochen regelrecht verschlungen habe, inzwischen mit Die Zwölf, dem zweiten Band der Reihe, gestartet bin und bislang so begeistert bin von diesem grandiosen Epos, dass ich das Ende dieser Trilogie schon jetzt kaum abwarten kann)
  2. Emma Cline – The Girls (weil ich von diesem Buch inzwischen so viel Gutes gehört habe, mich die Thematik sehr interessiert und es deshalb unbedingt lesen möchte)
  3. Wolfgang Hohlbein – Mörderhotel (weil ich den Autor schon bei einer Lesung kennenlernen durfte, ihn sehr sympathisch fand, aber trotzdem noch nie ein Buch von ihm gelesen habe, weil ich kein sehr großer Fan von Fantasy-Romanen bin. In Mörderhotel bedient Hohlbein jedoch gleich mehrere Genres, in denen ich mich zuhause fühle, denn es ist historischer Roman, Krimi und Horrorthriller zugleich und klingt einfach super spannend)
  4. Stephen King – Revival (weil ich ein großer Fan von Stephen King bin, er ein großartiger Erzähler ist und mir Revival in meiner Stephen-King-Sammlung noch fehlt)
  5. Thomas Finn – Dark Wood (weil ich das Buch vor Monaten in einer Verlagsvorschau entdeckt habe, seither ständig in Buchhandlungen um das Buch schleiche und der Klappentext einfach unglaublich spannend und vielversprechend tönt)

Die genauen Teilnahmebedingungen findet Ihr bei Anabelle von Stehlblüten sowie bei Philip von Book Walk und dort könnt Ihr Euch zu der Challenge auch anmelden.

Ich wünsche allen Teilnehmern spannende und schöne Lesestunden!

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Buchrezension: David Morrell – Creepers

david-morrell-creepersInhalt:

Der Geschichtsprofessor Robert Conklin und drei seiner ehemaligen Studenten sind sogenannte „Creepers“ bzw. „Urban Explorers“, also Menschen, die heimlich in verlassene und dem Verfall preisgegebene Gebäude eindringen, um die Relikte der Vergangenheit zu erkunden und sie zu dokumentieren. Ihre aktuelle Expedition, zu der Conklin auch den Reporter Frank Balenger eingeladen hat, führt sie nach Asbury Park ins Paragon Hotel. Dieses ehemals pompöse Luxushotel wurde vor mehr als hundert Jahren erbaut, steht seit über dreißig Jahren leer und soll nun bald abgerissen werden. Streng nach der Devise, nichts am Zustand des einst belebten Hotels zu verändern, sondern seinen Verfall nur zu dokumentieren, dringen die fünf eines Nachts durch einen unterirdischen Tunnel in das heruntergekommene Gebäude ein. Gemeinsam erkunden sie nun die Räume, die noch immer die Spuren der letzten Hotelgäste und auch die des recht skurrilen Erbauers und Hotelbesitzers Morgan Carlisle tragen, der nach der Schließung weiterhin in seinem Hotel gelebt hat, es nie verließ und schließlich Selbstmord beging. Der marode Zustand des Gebäudes macht die Entdeckungstour zu einem sehr gefährlichen Unterfangen. Doch die eigentliche Gefahr lauert nicht hinter den bröckelnden Wänden, unter einstürzenden Decken und auf morschen Treppen, denn die fünf Creepers müssen zu ihrem Entsetzen feststellen, dass sie nicht alleine sind. Das Gebäude wird zur tödlichen Falle, und die Expedition entwickelt sich zu einem grauenhaften Alptraum, aus dem es kein Entrinnen mehr zu geben scheint.

Meine persönliche Meinung:

Verlassene und vergessene Gebäude, sogenannte „Lost Places“ finde ich unglaublich interessant und spannend. Der morbide Charakter, der diesen verfallenen Gemäuern innewohnt, fasziniert mich sehr, denn der Verfall dieser Häuser, die sich die Natur Stück für Stück zurückerobert und in denen trotzdem noch immer die Reste des Lebens, das einst in ihnen herrschte, zu sehen sind, ist nicht nur geheimnisvoll und mystisch, sondern teilweise auch sehr ästhetisch. Da sogar das Inventar häufig zurückgelassen wurde, scheint es fast, als würden die Menschen, für die diese Gegenstände einst eine Bedeutung hatten, noch immer an diesen Orten leben und seien nur kurz gegangen. Und so bieten diese verlassenen Gebäude, seien es Wohnhäuser, Villen, Industrieanlagen oder Kliniken, einen viel authentischeren, ehrlicheren und vor allem unmittelbareren Blick auf die Vergangenheit, als es Museen oder sanierte Bauwerke jemals könnten. Leider werden viele solcher Lost Places durch Vandalismus zerstört und aus ihrem Dornröschenschlaf gerissen. Sobald sie zum Ausflugsziel erkoren werden, wie etwa die Beelitz-Heilstätten – der wohl berühmteste Lost Place in Deutschland – oder die ersten Archäologen und Denkmalschützer diese Gebäude erforschen, ist der Charme dieser Orte natürlich dahin, denn dieser beruht eben gerade darauf, dass diese Bauten verlassen, vergessen und sich selbst überlassen wurden. Menschen, die von solchen Gebäuden fasziniert sind, sie aus historischem Interesse erkunden und dokumentieren oder die Ästhetik des Verfalls und die verblassende Schönheit einstiger Prachtbauten auf Fotografien festhalten wollen, nennt man „Urban Explorers“ oder „Creepers“. Die goldene Regel der Urban Explorers ist es, den verlassenen Ort genau in dem Zustand zu belassen, in dem er vorgefunden wurde, also nichts zu verändern, zu zerstören oder gar mitzunehmen, sondern sich die Relikte der Vergangenheit nur anzuschauen und sie zu fotografieren. Trotzdem ist Urban Exploration eigentlich illegal, da es sich dabei – zumindest wenn keine offizielle Genehmigung vorliegt – um Hausfriedensbruch handelt. Außerdem ist es auch nicht ganz ungefährlich, denn die Decken können einstürzen, Treppen und Fußböden einbrechen. Obwohl mich solche Gebäude faszinieren, ist diese Freizeitbeschäftigung für Angsthasen wie mich eher ungeeignet, sodass ich es dabei belasse, mir die teilweise wirklich wunderschönen Bildbände anzusehen oder eben Bücher wie Creepers von David Morrell zu lesen.
Als ich den Klappentext gelesen hatte, musste ich das Buch einfach lesen. Ich habe einen gruseligen Thriller mit Mystery-Elementen erwartet, denn zweifellos sind solche verlassenen Gebäude natürlich nicht nur historisch interessant, sondern vor allem sehr geheimnisvoll und gruselig, zumal sich um viele verlassene Häuser düstere und schaurige Geschichten ranken. Im Nachwort seines Thrillers berichtet der Autor, dass auch er ein Creeper sei und ihn Lost Places schon seit seiner Kindheit magisch anziehen. Diese Faszination spürt man auch deutlich im ersten Drittel dieses Buches. Ich hätte problemlos weitere tausend Seiten an der Seite von Professor Conklin und seinen vier Begleitern durch das verlassene Paragon Hotel wandeln können. David Morrell versteht es wirklich ausgezeichnet, dieses Gebäude vor den Augen des Lesers Gestalt annehmen zu lassen und die gruselige Atmosphäre, die ihm innewohnt, perfekt zu inszenieren. Man kann den modrig faulen Geruch förmlich riechen und spürt, wie der aufgewirbelte Staub, der sich seit Jahrzehnten auf dem Inventar angesammelt hat, im Hals kratzt. Der Autor hat dieses Haus auch mit einer interessanten und bizarren Vergangenheit versehen, die eng mit der Geschichte des ehemaligen Hotelbesitzers verwoben ist, der eine äußerst skurrile Persönlichkeit war. Er hat dieses Hotel erbaut und aufgrund einer Krankheit bis zu seinem Tod niemals verlassen. Das Hotel war seine Möglichkeit, trotzdem am Leben anderer Menschen teilzuhaben, indem er seine Hotelgäste genauestens beobachtete und so zum Zeuge ihrer Schicksale, Geheimnisse und Perversionen wurde. Als er die Pforten seines Hotels schloss, ließ er die Hotelzimmer in dem Zustand, in dem die letzten Gäste sie verließen, sodass die fünf Creeper dort einige überaus verstörenden Entdeckungen machen. Ich erwischte mich dabei, dass ich vor jeder Tür, die sie öffneten, den Atem anhielt, weil ich es kaum erwarten konnte, zu erfahren, was sich dahinter verbergen mag und gleichzeitig auch Angst hatte, welche schrecklichen Dinge sie dort erwarten werden. Hinzu kommt, dass das Gebäude so marode ist, dass jeder Schritt gefährlich werden kann, da die Fußböden und Treppen von Fäulnis zerstört wurden und einstürzen können.
Nun war mir schon klar, dass irgendetwas passieren wird und es der Autor sicher nicht dabei bewenden lässt, den Leser an der Seite dieser fünf Protagonisten einfach nur durch dieses verwunschene Hotel zu führen. Irgendwann merken sie jedenfalls, dass sie durchaus nicht allein in diesem verlassenen Gebäude sind, und die Handlung nimmt eine überraschende Wendung. Das Hotel wird zur tödlichen Falle, als sie sich gegen andere Eindringlinge zur Wehr setzen müssen, die sich keineswegs aufgrund ihrer Faszination für verlassene Gebäude in das Haus geschlichen haben. Auch innerhalb der Gruppe treten nun plötzlich völlig andere Motive zutage, als nur historisches Interesse an der Vergangenheit. Und nicht nur das – sie müssen auch feststellen, dass das Hotel seit dem Tod des Erbauers keineswegs unbewohnt war und jemand weder sie noch die anderen Eindringlinge lebend aus dem Gebäude lassen wird. Nun geht es nur noch darum, in diesem Labyrinth voller Geheimgänge einen Weg nach draußen zu finden, sich gegen alle Feinde erfolgreich zur Wehr zu setzen und diesem Alptraum zu entkommen.
Es wäre vielleicht schlau gewesen, wenn ich mich im Vorfeld über den Autor informiert hätte, denn mir sagte sein Name bislang leider gar nichts. David Morrell gilt als der Vater des modernen Actionthrillers und hat auch die Figur Rambo erfunden. Hätte ich das vorher gewusst, hätte ich mich auch nicht gewundert, dass sich das Buch von einem anfänglich schaurigen Mysterythriller zum rasanten Actionthriller mit viel Krawumm entwickelt. Zweifellos ist der Autor ein Meister dieses Genres und versteht es, Spannung aufzubauen und einen turbulenten, actiongeladenen Plot zu konstruieren, denn ich fühlte mich wie im Kinosessel, während ein brutaler Actionfilm über die Leinwand rauscht. Leider kann ich weder diesen Filmen noch solchen Büchern viel abgewinnen. Obwohl die Kulisse natürlich nach wie vor großartig war, blieben die gruseligen und düsteren Momente nach der ersten Wendung einfach aus und wurden durch ein temporeiches Action- und Katastrophenszenario ersetzt. Wie es bei diesem Genre wohl üblich ist, gibt es einen Helden, der nahezu unbesiegbar ist, während die anderen Protagonisten blass bleiben. Außer zu Frank Balenger, der keineswegs Reporter, sondern wie Rambo Kriegsveteran und somit natürlich kampferfahren ist, konnte ich zu keinem der Protagonisten eine Bindung aufbauen. Auch die anderen Eindringlinge sind vollkommen konturlos und so klischeeüberladen, dass sie, obwohl der Autor jeden mit einem Namen und einem recht auffälligen Äußeren ausgestattet hat, kaum zu unterscheiden sind. Einen wahren Sympathieträger auszumachen, wollte mir jedenfalls nicht gelingen. Nun gut, man muss die Protagonisten eines Romans auch nicht mögen, aber dies führte eben dazu, dass mir nahezu egal war, ob sie diese Nacht im Paragon Hotel nun überleben oder nicht. Logischerweise überstehen nicht alle diesen brutalen Alptraum, aber an Leichen hat David Morrell in seinem Thriller ohnehin nicht gespart. Ich muss allerdings zugeben, dass Creepers von der ersten bis zur letzten Seite spannend war und ich in Höchstgeschwindigkeit durch das Buch geflogen bin, da einfach auf jeder Seite etwas Unerwartetes passiert und der Autor zahlreiche, wenn auch sehr überkonstruierte Wendungen eingebaut hat. Mir fehlte in der zweiten Hälfte lediglich die düstere Gruselatmosphäre, die David Morrell am Anfang seines Thrillers so gekonnt aufgebaut hat und mir häufig Gänsehaut bescherte. Was den Schauplatz anbelangt, war dieses Buch wirklich grandios, wer rasante und brutale Actionthriller mag, wird Creepers sicher lieben, aber mir wäre etwas weniger Action und etwas mehr Grusel einfach lieber gewesen.

© Claudia Bett

 Meine Bewertung: ⭐⭐⭐ (3 von 5 Sternchen)

Buchdetails:

David Morrell: Creepers
Verlag: Knaur
Ersterscheinungsdatum: 01. Dezember 2006
428 Seiten
ISBN 978-3-426-63447-9

Cover: Knaur Verlag

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Buchrezension: Vincent Kliesch – Die Reinheit des Todes

Die Reinheit des Todes von Vincent KlieschInhalt:

Eine grausame Mordserie erschüttert Berlin und stellt die Beamten des LKAs vor ein unlösbares Rätsel. Ein Serienmörder, den die Ermittler nur den „Putzteufel“ nennen, hat nun schon zum dritten Mal zugeschlagen und hinterließ nach jedem Mord einen so akribisch gereinigten Tatort, dass es der Spurensicherung nicht möglich ist, brauchbare Spuren zu finden, die Rückschlüsse auf den Täter zuließen.
Quirin Meisner, der Leiter der Mordkommission, ist mit seinem Latein am Ende und bittet deshalb seinen ehemaligen Kollegen Julius Kern um Hilfe, denn ihm war es mit seinen recht außergewöhnlichen Ermittlungsmethoden drei Jahre zuvor gelungen, den brutalen Massenmörder Tassilo Michaelis aufzuspüren. Allerdings leidet Kern noch heute unter diesem Fall, da Tassilo die Taten nicht nachgewiesen werden konnten und er deshalb vor Gericht freigesprochen wurde.
Nach Tassilos Freispruch ließ sich Kern nach Brandenburg versetzen, lässt sich allerdings nun doch überreden, das LKA Berlin zu unterstützen und setzt alles daran, den „Putzteufel“ zu fassen. Er weiß, dass ihm die Zeit davonläuft, denn während er mit seinen Ermittlungen noch ganz am Anfang steht, hat der geheimnisvolle Serienmörder bereits sein nächstes Opfer im Visier. Zu seinem Entsetzen muss Julius Kern erkennen, dass er dem „Putzteufel“ nur mit Hilfe des Mannes auf die Spur kommen kann, den er am meisten verabscheut und eigentlich nie wieder sehen wollte.

Meine persönliche Meinung:

Die Reinheit des Todes von Vincent Kliesch lag nun schon seit geraumer Zeit auf meinem Stapel ungelesener Bücher und fiel mir neulich beim Aufräumen meiner Bücherregale wieder in die Hände – ein Zeichen also, das Buch nun endlich zu lesen. Es handelt sich dabei um den ersten Band der inzwischen abgeschlossenen Trilogie um den Ermittler Julius Kern und seinen Widersacher Tassilo Michaelis.
Nach einem sehr rätselhaften und kurzen Prolog, ist man schon auf den ersten Seiten mitten im Geschehen und begleitet Julius Kern und die Ermittler des LKAs am Tatort des dritten Opfers des „Putzteufels“. Wie bereits bei den beiden vorangegangenen Morden wurde die Leiche in ein weißes Hemd gehüllt und das Zimmer geradezu klinisch gereinigt. Der Mörder muss sich nach der Tat noch stundenlang in der Wohnung aufgehalten haben, um zu putzen, denn nicht einmal vom Opfer sind noch Fingerabdrücke zu finden und selbst die Bilderrahmen wurden akribisch gesäubert. Alles spricht dafür, dass der Täter die Morde präzise geplant und seine Opfer ganz bewusst ausgewählt hat, obwohl es zunächst keine Verbindung zwischen ihnen zu geben scheint.
Julius Kern versucht, sich in Psyche des Serienmörders hineinzuversetzen, indem er zum Beispiel eine Nacht damit verbringt, sein Wohnzimmer ebenso sorgfältig zu putzen wie der „Putzteufel“ die Wohnung seiner Opfer. Außerdem sucht er einen Religionswissenschaftler auf, um herauszufinden, ob die Morde eventuell einen religiösen Hintergrund haben könnten. Mit solch ungewöhnlichen Methoden war es ihm bereits drei Jahre zuvor gelungen, Tassilo Michaelis aufzuspüren, der fünf Menschen auf grausame Weise getötet hatte. Allerdings wurde Tassilo vor Gericht freigesprochen, weil ihm die Morde nicht nachgewiesen werden konnten. Der Gedanke, dass Tassilo noch immer ein freier Mann ist, inzwischen sogar zum Medienstar avancierte, fast heroisch verehrt wird und nun ein Buch über die Ereignisse von damals veröffentlichen möchte, beschert Kern noch jede Nacht Alpträume. Weil er von diesem Fall geradezu besessen ist, ging auch seine Ehe in die Brüche.
Die Handlung dieses Thrillers folgt drei Erzählsträngen, denn der Leser begleitet nicht nur Kern bei seinen aktuellen Ermittlungen im Fall des „Putzteufels“, sondern wirft auch einen Blick in die Vergangenheit und erfährt so ganz allmählich die Wahrheit über Tassilos Taten. In einem weiteren Erzählstrang lernt man Raphael kennen, einen gut situierten, gebildeten und überaus attraktiven Mann, und weiß schon nach wenigen Seiten, dass es sich dabei nur um den „Putzteufel“ handeln kann. Nun könnte man meinen, dass ein Thriller einiges an Spannung einbüßt, wenn man schon nach 40 Seiten weiß, wer der Mörder ist, aber Vincent Kliesch gelingt es, den Leser dennoch zu fesseln, denn die Frage, warum dieser engelsgleiche Mann diese grausamen Morde begeht, steht nach wie vor im Raum und wird erst ganz am Ende beantwortet. Man begleitet Raphael von Bergen durch seinen Alltag, erhält Einblicke in seine Gedanken sowie seine Kindheitserinnerungen und ist auch hautnah dabei, wenn er sich seinen nächsten potentiellen Opfern nähert. Lediglich sein Motiv liegt lange im Dunkeln, sodass die Spannung nie abreißt, zumal man sich auch fragt, ob es Julius Kern gelingt, diesen geheimnisvollen Serienmörder zu fassen, bevor er erneut zuschlagen kann. Die Kapitel, die aus Raphaels Perspektive erzählt werden, waren für mich die spannendsten, denn in die Gedankenwelt eines Serienmörders einzudringen, ist überaus verstörend, zumal er zwar unheimlich und rätselhaft, aber nicht unsympathisch oder gar abstoßend, sondern ein äußerst interessanter Charakter war. Nur scheibchenweise nähert man sich dem Motiv dieses Mörders, weiß als Leser aber trotzdem von Anfang an mehr, als der Ermittler Julius Kern.
Gleiches gilt auch für die Rückblicke in die Vergangenheit, denn während Kern nach wie vor nicht weiß, was drei Jahre zuvor in einer abgelegenen Scheune geschehen ist, erfährt der Leser in diesen Rückblenden auch, was Tassilo Michaelis seinen fünf Opfern damals dort angetan hat. Auch Tassilo ist ein überaus facettenreich angelegter Charakter, den der Autor sehr präzise ausgearbeitet hat. Man erhält sehr tiefe Einblicke in die Gedankenwelt dieser beiden psychopathischen Mörder, und obwohl es im Thrillergenre Serienmörder wie Sand am Meer gibt, ist es dem Autor gelungen, mit Tassilo und Raphael zwei Charaktere zu zeichnen, die aus der Masse sonstiger Mörderfiguren herausstechen. Letztendlich beruht die Faszination dieses Thrillers vor allem auf diesen beiden überaus vielschichtig gestalteten Protagonisten.
Lediglich mit dem Ermittler Julius Kern konnte ich recht wenig anfangen, weil mir die depressiven, dem Alkohol zugeneigten, beziehungsgestörten und gebrochenen Ermittlerfiguren, die die Krimilandschaft bevölkern, allmählich einfach etwas zu viel werden. Die Methoden, mit denen er versucht, sich in die Psyche eines Serienmörders hineinzuversetzen, fand ich allerdings sehr interessant.
Zu Beginn des Romans war ich zwar etwas verwirrt, weil dem drei Jahre zurückliegenden Fall von Julius Kern ein so breiter Raum eingeräumt wird, aber die Handlungsstränge nähern sich im weiteren Verlauf immer weiter an und laufen zu einem schlüssigen, überraschenden und wirklich gut durchdachten Ende zusammen.
Vincent Kliesch hat sein Thrillerdebüt all denen gewidmet, die im Service arbeiten, was ich zunächst etwas eigenartig fand, aber am Ende durchaus Sinn macht.
Mir hat Die Reinheit des Todes sehr gut gefallen, denn Klieschs Schreibstil lässt sich sehr flüssig lesen und seine Erzählweise ist innovativ. Obwohl der Leser dem Ermittler einiges an Wissen voraushat, wird er über die Zusammenhänge und Motive so lange im Unklaren gehalten, dass der Spannungsbogen bis zum Ende nicht abreißt und das Buch mit vielen überraschenden Momenten aufwarten kann. Ich bin jedenfalls schon sehr gespannt auf Kerns nächsten Fall, in dem er ebenfalls wieder auf seinen Gegner Tassilo treffen wird.

© Claudia Bett

Meine Bewertung:⭐⭐⭐⭐ (4 von 5 Sternchen)

Buchdetails:

Vincent Kliesch: Die Reinheit des Todes
Verlag: Blanvalet
Ersterscheinungsdatum: 07. Juli 2010
317 Seiten
ISBN 978-3-442-37492-2

Cover: Blanvalet

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Buchrezension: Ruth Ware – Im dunklen, dunklen Wald

Ruth Ware - Im dunklen dunklen WaldInhalt:

Die sechsundzwanzigjährige Schriftstellerin Nora erwacht schwerverletzt im Krankenhaus und hat keine Erinnerungen mehr an das, was in den letzten Stunden passiert ist. Sie weiß nur, dass sie das vergangene Wochenende auf dem Junggesellinnenabschied ihrer ehemals besten Freundin Clare verbracht hat und dort etwas Schreckliches vorgefallen sein muss. Sie hatte bereits ein ungutes Gefühl, als sie die Einladung zu diesem Partywochenende erhielt, denn seit mehr als zehn Jahren hatte sie keinen Kontakt mehr zu Clare. Nora hatte jede Brücke zu ihrer Vergangenheit abreißen lassen, um nicht mehr an die schmerzhaften Erlebnisse in ihrer Jugend zurückdenken zu müssen, über die sie bis heute nicht hinwegkam. Allerdings hatte sie Clare eigentlich nichts vorzuwerfen, sodass sie sich schließlich doch überreden lässt, an dem Junggesellinnenabschied in Northumberland teilzunehmen. Doch schon als sie in dem abgeschiedenen Haus inmitten des dunklen Waldes ankommt, bereut sie diese Entscheidung. Allerdings ahnt sie zu diesem Zeitpunkt noch nicht, dass sich das geplante Partywochenende zu einem mörderischen Alptraum entwickeln wird…

Meine persönliche Meinung:

In der Buchhandlung wäre ich sicher an diesem Buch vorbeigelaufen, denn das Cover finde ich leider nicht besonders ansprechend, aber die Buchbeschreibung in der Verlagsvorschau klang sehr verlockend und die Leseprobe war so spannend, dass ich am liebsten sofort weitergelesen hätte. Umso mehr habe ich mich gefreut, dass ich bei vorablesen.de ein Leseexemplar von Ruth Wares Debüt Im dunklen, dunklen Wald gewonnen habe und schnell herausfinden konnte, wie dieser packende Thriller nun weitergeht.
Das Buch setzt ein, als Nora schwerverletzt im Krankenhaus aufwacht, aber nicht mehr weiß, was passiert ist. Die ganze Geschichte wird aus der Ich-Perspektive der Hauptprotagonistin erzählt, die nun ihre Erinnerungen an die Geschehnisse der letzten Tage zurückgewinnen will. Nora weiß nur noch, dass sie das vergangene Wochenende in einem einsam gelegenen Haus im Wald verbracht hat, um dort in einer kleinen Gruppe den Junggesellinnenabschied ihrer Jugendfreundin Clare zu feiern und dort etwas Schreckliches vorgefallen sein muss. Gemeinsam mit Nora wirft der Leser nun einen Blick zurück und versucht die Ereignisse Stück für Stück zu rekonstruieren. Man weiß, dass Noras Jugend von einem traurigen Erlebnis überschattet wurde, das sie unbedingt vergessen wollte. Doch nun wurde sie wieder von ihrer Vergangenheit eingeholt, als sie mit ihrer ehemals besten Freundin aus Jugendtagen zusammentrifft. Als Clare ihr gleich bei ihrer Ankunft mitteilt, wen sie heiraten möchte, ahnt man, dass ihre traumatischen Jugenderinnerungen mit diesem Mann in Verbindung stehen müssen, aber was Nora vor mehr als zehn Jahren passiert ist, erfährt man zunächst nicht. Man weiß nur, dass sie über diesen Mann offenbar nie hinweggekommen ist, und obwohl man erst am Ende erfährt, was vorgefallen ist, fand ich ihre Erinnerungen an ihre Jugendliebe sehr berührend und konnte den Schmerz, den sie noch immer empfindet, sehr gut nachvollziehen.
Nicht nachvollziehen konnte ich jedoch, warum sie sich diesen Qualen überhaupt aussetzt, nicht einfach wieder abreist oder sich gegen die ständigen Sticheleien der anderen Partygäste nicht wenigstens zur Wehr setzt. Stattdessen lässt sie alle unsinnigen und teilweise auch erniedrigenden Spielchen über sich ergehen und verhält sich weitgehend passiv. Nachdem Clare ihr verkündet, wen sie heiraten wird, ist ein unbeschwertes Partywochenende ohnehin nicht mehr möglich, aber die anderen Anwesenden machen den Aufenthalt an diesem unwirtlichen Ort für Nora geradezu unerträglich. Immer wieder muss sie sich gegen die Sticheleien der anderen durchsetzen. Vor allem Flo, Clares beste Freundin, verhält sich sehr eigenartig, ist völlig überspannt und neigt zu hysterischen Ausbrüchen. Sie scheint Clare zu vergöttern, hat sich in den Kopf gesetzt, ein perfektes Wochenende für sie zu organisieren und verliert vollkommen die Fassung, wenn ihren Plänen etwas zuwiderläuft. Clares Verhalten ist auch äußerst rätselhaft, sodass sich Nora immer wieder fragt, warum sie überhaupt eingeladen wurde. Selbst die schlagfertige Nina, die Nora noch aus Schulzeiten kennt und deren Sarkasmus eigentlich recht liebenswürdig ist, versucht immer wieder Zwietracht zu säen und schmerzhafte Erinnerungen heraufzubeschwören. Und dann ist da noch Clares schwuler Freund Tom, der recht eigentümliche Vorstellungen von Humor und einer gelungenen Party hat, und die etwas dümmliche Melanie, die den Junggesellinnenabschied vorzeitig verlassen will, weil sie sich Sorgen um ihr Baby macht. Diese sechs Menschen sind nun dazu verdonnert, gemeinsam ein paar Tage in einem abgelegenen Haus zu verbringen, und man ahnt schnell, dass diese Party aus dem Ruder laufen wird. Die Autorin hat alle Charaktere sehr gut ausgearbeitet, wobei der Leser durch die gewählte Ich-Perspektive nur Nora wirklich nahekommt. Gemeinsam mit ihr durchlebt man dieses Wochenende nun noch einmal, erfährt schon zu Beginn des Buches, dass sich die Situation im Haus offenbar immer mehr zuspitzte und es schließlich sogar einen Toten gab, aber wer dieses dramatische Wochenende nicht überlebt hat und warum, entschlüsselt sich erst ganz am Ende dieses Thrillers. Man tappt also ebenso im Dunkeln wie Nora, wird immer wieder gekonnt auf die falsche Fährte gelockt und kann die bedrohliche Atmosphäre, die in diesem Haus geherrscht hat, sehr gut nachvollziehen.
Auch das Setting sorgt für beklemmende und wirklich gruselige Momente. Natürlich ist die Idee, die Handlung eines Thrillers in einem abgelegenen Haus im Wald anzusiedeln, nicht gerade innovativ, aber die Autorin hat dieses Haus noch mit ein paar architektonischen Besonderheiten ausgestattet, die es noch unheimlicher erscheinen lassen. Es entbehrt jeglicher Gemütlichkeit und ist vollkommen aus Glas, sodass man, wenn es dunkel wird und im Haus Licht brennt, ständig das Gefühl hat, beobachtet zu werden. Nora fühlt sich abends ausgestellt wie ein Tier im Zoo, denn nachts sieht man nicht nach draußen. Selbstverständlich gibt es keinen Handyempfang und auch die Festnetzleitung ist tot. Hinzu kommt, dass sie vor dem Haus rätselhafte Spuren im frischen Schnee findet, obwohl offenbar niemand das Haus verlassen hat. Die Autorin greift also auf bekannte und bewährte Zutaten zurück, um die Atmosphäre so bedrohlich wie möglich zu gestalten. Dies mag abgedroschen sein, funktioniert aber dennoch, denn ich hielt beim Lesen häufig den Atem an und konnte die Beklemmung, die von diesem Gebäude und auch den anwesenden Personen ausgeht, förmlich spüren.
Ruth Ware überzeugte mich jedoch nicht nur mit ihren gelungenen Charakterzeichnungen und der klaustrophobischen Stimmung, sondern auch mit einem raffiniert ausgeklügelten Plot, der sich am Ende stimmig und vollkommen überraschend auflöst. Sie baut gekonnt eine subtile Spannung auf, kann sie durchweg halten und lässt das Tempo dieses ansonsten eher ruhigen Thrillers auf der Zielgeraden ordentlich ansteigen. Obwohl die Autorin auf brutale, actionreiche und blutige Szenarien vollkommen verzichtet, kann dieser Thriller mit einigen Schockmomenten aufwarten und bereitete mir sehr spannende und zuweilen auch recht gruselige Lesestunden.

© Claudia Bett

Meine Bewertung:⭐⭐⭐⭐⭐ (5 von 5 Sternchen)

Der dtv Verlagsgesellschaft und vorablesen.de danke ich recht herzlich für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!

Buchdetails:

Ruth Ware: Im dunklen, dunklen Wald
Verlag: dtv
Ersterscheinungsdatum: 23. September 2016
384 Seiten
ISBN 978-3-423-26123-4

Cover: dtv

Buchrezension: Steinar Bragi – Hochland

Hochland von Steinar BragiInhalt:

Zwei befreundete junge Paare aus Reykjavík unternehmen mit ihrem Jeep einen Kurztrip in die abgeschiedene Einöde des isländischen Hochlands. Als dichter Nebel aufzieht, kommen sie von der Piste ab und rammen mit ihrem Wagen ein Haus, das plötzlich in der sandigen Geröllwüste vor ihnen aufragt. Das entlegene Haus wird von einem seltsamen älteren Paar bewohnt, und da ihr Jeep nicht mehr fahrtauglich ist, bleibt den vier Freunden nichts anderes übrig, als die Nacht im Haus dieses verschrobenen Paares zu verbringen. Obwohl sie spüren, dass sie nicht willkommen sind, werden sie von ihren wortkargen Gastgebern eingeschlossen und können das Haus, das einer Festung gleicht, erst am nächsten Morgen wieder verlassen. Das Paar stellt ihnen sogar ihren alten Jeep zur Verfügung, damit sie wieder in die Stadt zurückkehren können. Allerdings kommen sie nicht weit, denn auf der Piste gerät der Wagen in ein so tiefes Schlagloch, dass die Achse bricht und sie zum Haus des Paares zurückkehren müssen. Ihre seltsamen Gastgeber werden ihnen immer unheimlicher, denn sie verhalten sich sehr eigenartig. Die vier Freunde machen in dem Haus, das ihnen immer mehr zum Gefängnis wird, auch einige verstörende Entdeckungen. Warum dürfen sie nicht mehr vor die Tür, sobald es dunkel wird? Wieso brennt nachts eine Laterne vor dem Haus? Wer lebt in dem kleinen abgedunkelten Raum, den sie hinter einer Bücherwand im Arbeitszimmer entdecken? Warum stapeln sich in der Scheune so viele Heuballen, obwohl kein einziges Tier in dem angrenzenden Stall lebt? Welche seltsamen Wesen schleichen nachts um das Gebäude und lauern in dieser kargen Sandwüste? Obwohl die beiden Bewohner des Hauses deutlich zeigen, dass sie den vier Freunden nur unfreiwillig Zuflucht gewähren und sehr abweisend sind, helfen sie ihnen nicht, dieser Einöde zu entkommen. Es scheint, als wolle sie irgendeine unsichtbare Macht davon abhalten, diese menschenfeindliche Gegend jemals wieder zu verlassen, denn jeder Versuch, zurück in die Zivilisation zu gelangen, scheitert kläglich. Können die vier Freunde jemals wieder in ihr altes Leben zurückkehren?

Meine persönliche Meinung:

Schon beim Stöbern in der Verlagsvorschau bin ich auf Hochland von Steinar Bragi aufmerksam geworden und konnte es kaum erwarten, dass dieses Buch endlich erscheint. Ich liebe Bücher, die in Island spielen und das isländische Hochland eignet sich ja hervorragend als Kulisse für einen düsteren und beklemmenden Thriller. Ich habe bislang noch kein Buch von Steinar Bragi gelesen, aber da der Autor mit Stephen King verglichen wird, war ich sicher, dass mir Hochland gefallen wird. Außerdem klingt der Klappentext mehr als spannend, der Schauplatz ist faszinierend und wenn über einen Autor gesagt wird „dieser Mann beherrscht alle Schattierungen des Horrors“ (Zitat Gomorron Sverige) kann ja eigentlich nichts mehr schiefgehen. Bedauerlicherweise ist es aber gründlich schiefgegangen, denn mich hat Hochland leider sehr enttäuscht.
Doch kommen wir zunächst zu den positiven Aspekten des Buches, denn die ersten Kapitel haben mir durchaus gefallen und waren auch sehr spannend. Steinar Bragi hat das bedrohliche Setting wirklich hervorragend beschrieben. Die beklemmende Stimmung, die dieser menschenfeindlichen Landschaft des isländischen Hochlands innewohnt, hat der Autor grandios eingefangen, sodass man diese karge Sand- und Geröllwüste geradezu bildlich vor Augen sieht und während der Sandstürme den feinen Sand in jeder Pore zu spüren glaubt. Und inmitten dieser abgelegenen Einöde steht nun ein einsames Haus, das einer Festung gleicht und dessen Bewohner mehr als eigentümlich sind. Auch die Beschreibung dieses Hauses ist Bragi wirklich sehr gut gelungen, denn es ist kein sehr einladender Zufluchtsort, an dem man sich sicher fühlen könnte, sondern sehr düster und beklemmend. Das Gebäude ist sehr herunterkommen und verwittert, die Fenster im Erdgeschoss wurden zugemauert und die Entdeckungen, die die vier Freunde im Haus machen, sind mehr als verstörend und gruselig. Dem Autor ist es gelungen, diesen Schauplatz anschaulich und sehr bildgewaltig zu beschreiben und eine klaustrophobische Atmosphäre zu erzeugen, die mir zu Beginn des Buches das Blut in den Adern gefrieren ließ. Ich war nach den ersten Seiten wirklich beeindruckt und sicher, dass mir dieser Thriller gefallen wird, denn inmitten dieser abgeschiedenen Landschaft gefangen zu sein und keine Möglichkeit zu haben, wieder in die Zivilisation zurückzukehren, ist wirklich mehr als beklemmend. Das verschrobene ältere Paar, das dieses Haus bewohnt, macht die bedrohliche Situation noch perfekt, denn die beiden sind nicht nur äußerlich abstoßend, sondern verhalten sich auch sehr eigenartig. Während die Frau wenigstens hin und wieder spricht, aber ansonsten sehr abweisend ist, sagt der Mann kein einziges Wort, sondern lächelt nur dumpf vor sich hin. In welcher Verbindung die beiden zueinander stehen, ob sie verheiratet oder Geschwister sind, bleibt unklar, interessiert allerdings auch die vier Freunde brennend, weshalb sie im Haus immer wieder nach Hinweisen über das Leben ihrer Gastgeber suchen. Diese Entdeckungstouren durch das Haus und die umliegende Landschaft, fand ich anfangs wirklich sehr spannend, auch wenn ich nicht ganz verstand, warum sie so viel Energie darauf verwenden, denn sinnvoller wäre es sicher, sich zu überlegen, wie man diesen unwirtlichen Ort so schnell wie möglich wieder verlassen kann.
Und gerade das hat mich dann das ganze Buch hinweg gestört – das Verhalten der vier Hauptprotagonisten macht überhaupt keinen Sinn. Sie versuchen zwar hin und wieder, zu entkommen, aber sie scheitern nicht zuletzt häufig daran, dass sie sich immer wieder von ihrem Vorhaben abbringen lassen, indem sie eigentlich primär damit beschäftigt sind, über ihre Vergangenheit und ihr recht verkorkstes Leben nachzudenken und Konflikte untereinander auszutragen. Grundsätzlich finde ich es ja gut, wenn ein Autor seine Protagonisten präzise ausarbeitet, aber die Einblicke in die problematische Jugend und das Leben jedes Einzelnen sowie die zwischenmenschlichen Auseinandersetzungen innerhalb dieser Gruppe nehmen einen so breiten Raum ein, dass die bedrohliche Situation, in der sie sich gerade befinden, fast in Vergessenheit gerät und der Spannungsbogen immer wieder abreißt. Diese Charakterstudien sind weder tiefgründig noch berührend, sondern einfach nur ermüdend. Ich mag es, wenn ein Autor Einblicke in die Abgründe menschlicher Seelen gewährt, aber diese vier Menschen sind einfach nur komplett zerstörte und fehlgeleitete Persönlichkeiten und leider auch so unsympathisch, dass mir ihr Schicksal wirklich gleichgültig war. Jeder von ihnen hat mit seinen eigenen Dämonen der Vergangenheit zu kämpfen, und während sie nun in dieser Einöde gefangen sind, brechen die alten Wunden wieder auf. Die beiden Männer sind im Grunde schon seit ihrer Jugend Rivalen, und die beiden Frauen kennen sich zwar kaum, mögen sich aber auch nicht unbedingt. Wie man unter solchen Voraussetzungen überhaupt auf die Idee kommen kann, gemeinsam einen Kurztrip zu unternehmen, ist mir vollkommen schleierhaft. Es ist also nicht verwunderlich, dass die Emotionen hochkochen und die unterschwellige Feindseligkeit immer wieder zutage tritt. Die Idee, wie sich Menschen in einer solchen Extremsituation verhalten, bietet ja ausreichend Stoff für eine psychologisch ausgefeilte Studie, aber leider hat der Autor dieses Potenzial vollkommen verschenkt.
Besonders gestört hat mich der übermäßige Alkohol- und Drogenkonsum der Protagonisten, der eine sinnvolle Planung ihrer Rückkehr in die Zivilisation ohnehin nicht gerade vereinfacht. Häufig fragte ich mich, ob sich das, was sie im isländischen Hochland erleben, nicht einfach nur in ihren drogenumnebelten Köpfen abspielt. Erstaunlicherweise wirkt sich die ausweglose Situation, in der sie sich befinden, auch nicht negativ auf ihre Libido aus, denn vor allem die Frauen scheinen in dieser nicht gerade erotisch aufgeladenen Atmosphäre ein unstillbares Verlangen nach Sexualität zu verspüren. Aber auch die Männer denken bei jeder unpassenden Gelegenheit an Sex. Bei ihren diversen Ausbruchsversuchen und Erkundungstouren machen sie einige verstörende und wirklich ekelerregende Entdeckungen, denn an Blut, Knochen und halbverwesten Kadavern hat der Autor nicht gerade gespart, aber selbst in solchen Momenten denken die Protagonisten an ihre sexuellen Erfahrungen in der Vergangenheit zurück oder machen sich zum Beispiel Gedanken, wie und ob es zur weiblichen Ejakulation kommen kann.
Der Autor bedient sich billigster und teilweise abstoßendster Horrorelemente, reiht ein absurdes Szenario an das andere, nimmt viele Handlungsfäden auf, führt aber keinen einzigen zu Ende, sodass das Buch leider nichts anderes ist, als die Aneinanderreihung von ekelerregenden Entdeckungen und den vollkommen verwirrten Gedanken der Protagonisten. Irgendwann hat mich auch der Schauplatz nicht mehr fasziniert, denn nichts von dem, was sie während ihres Aufenthalts im isländischen Hochland und im Haus ihrer unheimlichen Gastgeber entdecken, wird aufgelöst oder ergibt einen Sinn. Falls es sich dabei um Metaphern handeln sollte, die für etwas besonders Gehaltvolles stehen, hat sich mir ihre Bedeutung leider nicht erschlossen.
Warum dieses Buch als Thriller bezeichnet wird, ist mir auch vollkommen schleierhaft, denn nach den ersten Kapiteln ist von Spannung nichts mehr zu spüren, und die endlosen Charakterstudien der vier Hauptprotagonisten und ihre Konflikte untereinander sind nicht berührend oder psychologisch tiefgründig, sondern einfach nur langweilig.
Hätte mir der Verlag das Buch nicht als Rezensionsexemplar zugeschickt, hätte ich es nach 100 Seiten abgebrochen, aber um es zu rezensieren, musste ich bis zum Ende durchhalten. Gerne hätte ich noch irgendetwas gefunden, das mir gefallen hätte, aber ich habe mich auf jeder weiteren Seite nur geärgert, denn dieses groteske Horrorszenario ergab für mich bis zum Schluss keinen Sinn. Eigentlich mag ich Horrorthriller, bin auch nicht zartbesaitet und kann abstoßende Passagen durchaus ertragen, wenn mich die Geschichte fesselt, aber selbst die beklemmenden Momente blieben irgendwann aus, weil ohnehin kein roter Faden mehr erkennbar war und die Geschichte immer absurder wurde. Leider war das Buch auch sprachlich und stilistisch nicht besonders eindrucksvoll, sodass ich mich wirklich nur noch durch die Seiten gequält habe und am Ende froh war, dass es einfach nur vorbei ist.

© Claudia Bett

Meine Bewertung:⭐ (1 von 5 Sternchen)

Herzlichen Dank an den DVA Verlag, der mir das Buch als Rezensionsexemplar zur Verfügung stellte!

Buchdetails:

Steinar Bragi: Hochland
Verlag: DVA
Ersterscheinungsdatum: 12. September 2016
304 Seiten
ISBN 978-3-421-04697-0

Cover: DVA

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Halloween-Tag [#Halloweenwochen]

halloweenwochentag

Ich habe ja beschlossen, dass mein Lesemonat Oktober besonders düster und gruselig werden soll und nehme deshalb an den Halloween-Wochen teil. Im Rahmen dieser Blog-Aktion hat sich nun Neyla Kunta einen Tag ausgedacht und ein paar Fragen gestellt, die ich gerne beantworten möchte.

1. Was ist dein liebster Krimi/Thriller?

Da ich schon so viele Krimis und Thriller gelesen habe, fällt es mir sehr schwer, mich auf einen einzigen festzulegen. Ich entscheide mich jetzt einfach für den ersten Krimi, den ich überhaupt gelesen habe und der mich so begeistert hat, dass ich ihn nach wie vor für einen der besten Kriminalromane halte und dem Genre nun seit Jahrzehnten treu geblieben bin – Im Eishaus von Minette Walters

2. Wenn du Teil, eines solchen Buches wärst, welche Rolle würdest du einnehmen? (Mörder, Ermittler, Opfer, … )

Nun ja, realistisch wäre es, wenn ich das Opfer wäre, aber interessanter und spannender wäre es natürlich, in die Rolle des Mörders zu schlüpfen.

3. Was denkst du, wie weit du kommen würdest?

Das Opfer kommt ja meistens nicht besonders weit, also stellt sich wohl eher die Frage, wie weit ich als Mörder kommen würde – vermutlich auch nicht viel weiter. Ich lese zwar seit Jahren Krimis, sodass ich nahezu jede Tötungsart kenne, aber ich habe überhaupt keine kriminellen Ambitionen und auch Gewaltphantasien sind mir vollkommen fremd. Logisches Denken gehört auch nicht unbedingt zu meinen Stärken, sodass es schon an der Planung scheitern würde. Ich wäre gar nicht in der Lage, ein perfektes Verbrechen zu begehen und würde deshalb als Täter nicht allzu weit kommen.

4. Was ist dein Lieblingshorrorfilm?

Nicht nur bei Büchern, sondern auch bei Filmen bevorzuge ich psychologischen Horror, der ohne viel Blutvergießen auskommt. Psycho von Alfred Hitchcock, mit Anthony Perkins in der Rolle des Norman Bates habe ich unzählige Male gesehen und ist noch immer mein Lieblingsfilm in diesem Genre.

5. Hast du schon mal ein Horrorvideospiel gespielt? Wenn ja, welches? Wenn nein, warum nicht?

Nein, weil ich überhaupt keine Videospiele spiele. Das liegt jetzt nicht etwa daran, dass ich solche Spiele generell verteufle oder blöd finde, sondern weil ich unter einem Phänomen leide, das sich Gaming-Sickness nennt und der klassischen Reise- oder Seekrankheit ähnelt. Mir wird schon nach wenigen Minuten schwindlig und furchtbar schlecht, was das Spielvergnügen leider extrem mindert. Bei Spielen, in denen ich die Perspektive des Spielecharakters einnehme und mein Gehirn jede Bewegung nachempfinden muss, obwohl mein Körper eigentlich regungslos im Sessel sitzt, ist es besonders schlimm, aber auch bei anderen Spielen habe ich schon nach kürzester Zeit ein flaues Gefühl im Magen.

6. Wovor hast du Angst? Und warum?😉

Ach herrje, alle meine Ängste aufzuzählen, sprengt vermutlich den Rahmen dieses Beitrags. Besonders große Angst habe ich in großen Menschenmengen, weshalb große Konzerte, Festivals oder andere Massenveranstaltungen nichts für mich sind. Enge Räume machen mir keine Angst, solange ich alleine bin, aber sobald andere Menschen anwesend sind, wie etwa in Aufzügen, bekomme ich Panik. Von vielen Menschen umringt zu sein, macht mir immer Angst. Die Frage nach dem Warum ist durchaus angemessen, kann ich allerdings nicht beantworten, denn eigentlich ist diese Angst ja nicht rational erklärbar. Außerdem habe ich extreme Flug- und Höhenangst. Ich bin noch nie geflogen, weil ich mich niemals dazu überwinden könnte. Höhenangst habe ich selbst auf Brücken und sogar auf meinem eigenen Balkon. Ich kann zwar in die Ferne, aber nie nach unten schauen. Und ich habe Angst auf Schiffen, obwohl ich eigentlich keine Angst vor Wasser habe. Ich bin einfach lieber im Wasser als auf dem Wasser. Sicher hängt das auch damit zusammen, dass mir immer schlecht wird, sobald es schaukelt, aber selbst auf kleinen und ruhigen Gewässern habe ich Angst. Meistens setze ich mich dann irgendwo hin und schaue gebannt auf einen Punkt am anderen Ufer – bloß nie aufs Wasser. Ich habe einige Zeit am Bodensee gelebt und musste dort hin und wieder auf die Autofähre, um lange Umwege zu vermeiden, aber ein Vergnügen war das nie, obwohl es nicht schaukelt. Ich blieb immer im Auto sitzen und vermied jeden Blick nach draußen. Von wegen „eine Seefahrt, die ist lustig“ – ich finde daran jedenfalls nichts lustig, und es wird auch nicht besser, wenn ich es öfter mache. Früher hatte ich auch Angst vor manchen Insekten und vor Spinnen, aber diese Angst bin ich inzwischen los. Die Erfahrung hat mir eben gezeigt, dass manche dieser Tierchen zwar nicht unbedingt hübsch, aber trotzdem harmlos sind. Vor manchen Insekten ekle ich mich immer noch, aber Angst würde ich das nicht nennen. Vor Tieren habe ich generell keine Angst, weder vor Mäusen, Ratten noch vor Schlangen oder anderem Getier.

7. Wenn du an Halloween denkst, was fällt dir dazu zuallererst ein?

Seltsamerweise Kürbisse, obwohl ich sie nicht mag.

8. Magst du Halloween überhaupt?

Eigentlich finde ich Halloween eine recht alberne und vor allem unnötige Veranstaltung, der ich nicht viel abgewinnen kann. Ich mag den Herbst, finde es schön, wenn es nicht mehr so warm, aber auch noch nicht bitterkalt ist, sich das Laub färbt und herabfällt und die Stimmung ein wenig düster ist, aber Halloween selbst finde ich eigentlich reichlich überflüssig.

9. Dein bestes Halloweenkostüm!

Logischerweise verkleide ich mich nicht an Halloween, da ich ohnehin nicht zu irgendwelchen Halloween-Veranstaltungen gehe. Was den Kleidungsstil anbelangt, ist bei mir ohnehin das ganze Jahr Halloween, denn ich trage aus Prinzip nur Schwarz😉

10. Erschrickst du leicht? Oder erschreckst du lieber andere?😉

Ich bin nicht besonders schreckhaft, aber wenn ich mich erschrecke, finde ich das nicht unbedingt angenehm, weshalb ich auch darauf verzichte, andere zu erschrecken

11. Was ist gruseliger?

Werwölfe oder Vampire?

Vampire, weil sie Menschengestalt haben, während Werwölfe ja eigentlich Tiere sind. Außerdem hasse ich diese romantisch verklärten Vampire, denen man auch noch einen erotischen Touch verpasst – wie albern ist das denn? Wenn schon Vampire, dann müssen sie richtig böse und diabolisch sein.

Geister oder Zombies?

Zombies, denn sie sehen einfach eklig aus und ich könnte mir vorstellen, dass sie auch unangenehm riechen, während Geister, zumindest in meiner Vorstellung, eine gewisse Anmut und Noblesse haben.

Puppen oder Clowns?

Clowns, weil sie lebendig sind, während Puppen ja leblos und somit harmlos sind. Ich fand Clowns übrigens als Kind schon angsteinflößend, obwohl ich damals Pennywise aus Stephen Kings Es noch gar nicht kannte. Ich finde allerdings auch den Weihnachtsmann und den Nikolaus gruselig.

Morgens, wenn du schlecht geschlafen hast oder abends nach der Arbeit/Schule?

Weder noch, denn ich finde keine Tageszeit besonders gruselig. Ich bin allerdings ein furchtbarer Morgenmuffel, weshalb ich den frühen Vormittag einfach nicht mag. Aber ich liebe die Nacht, denn wenn es draußen still und dunkel ist, laufe ich zur Höchstform auf.

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Falls Ihr diese Fragen nun auch beantworten wollt, dann fühlt Euch von mir getaggt, denn jeder, der Lust hat, darf mitmachen. Ich bin gespannt auf Eure Antworten!

Halloween-Wochen vom 01.10. bis 31.10.2016 [#Halloweenwochen]

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Der Oktober wird düster, unheimlich und gruselig! Nomnivor vom Blog Bücher verschlingen hat eine tolle Aktion ins Leben gerufen, die mir wie gerufen kommt, denn auch ich habe gerade richtig Lust auf Bücher, die mich das Fürchten lehren. Wenn es draußen kühler, stürmischer und wieder früher dunkel wird, gibt es doch nichts Schöneres, als es sich zuhause richtig gemütlich zu machen und ein richtig gruseliges Buch zu lesen.

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Leider habe ich das Horrorgenre einige Jahre sehr vernachlässigt und bin erst vor ein paar Monaten wieder auf den Geschmack gekommen. Nichtssagenden Splatter, blutiges Gemetzel und ekelerregende, unappetitliche Szenarien mag ich nicht, aber Autoren wie Stephen King, die alle Schattierungen des Grauens perfekt beherrschen und spannende und gleichzeitig tiefgründige Geschichten erzählen können, die mich erschauern und frösteln lassen, mit meinen verborgenen Ängsten spielen und mich in unheimliche Situationen versetzen, die meinen Adrenalinspiegel in ungeahnte Höhen treiben, weiß ich durchaus zu schätzen.

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Für alle, die ebenfalls gerne düstere, beklemmende und hochspannende Bücher mit hohem Gruselfaktor lesen, die ohne Blutvergießen auskommen und dennoch das Blut in den Adern gefrieren lassen, hätte ich bereits einen erstklassigen BuchtippBird Box. Schließe deine Augen von Josh Malerman. Das Buch ist erst kürzlich als Taschenbuch erschienen, allerdings unter dem Titel Der Fluss. Deine letzte Hoffnung, was ich ein wenig verwirrend finde, da ich es zunächst für die Fortsetzung von Bird Box hielt. Ich habe diesen faszinierenden Horrorthriller bereits im Mai gelesen und er gehört für mich zweifellos zu meinen bisherigen Lesehighlights des Jahres. Mit einem Klick auf das Cover gelangt Ihr übrigens zu meiner Rezension von Bird Box.

Bird BoxSchliesse deine Augen von Josh Malerman