Montagsfrage: Wie kommst du mit Gewalt in Büchern zurecht? Magst du blutige Szenen oder lehnst du sie ab?

Montagsfrage

Eine Aktion von Buchfresserchen

Ich lese überwiegend Krimis und Thriller, zwei Genres also, bei denen meist ein Verbrechen im Zentrum der Handlung steht, Gewalt eine große Rolle spielt und auch die ein oder andere blutige Szene vorkommt. Meistens wird in diesen Büchern gemordet, hin und wieder auch bestialisch hingerichtet, aber ich kann das auch recht gut aushalten, weil es dabei um eine Form von Gewalt geht, der ich im realen Leben glücklicherweise noch nicht begegnet bin.
Dennoch verabscheue ich Bücher, bei denen kübelweise Blut und Eingeweide aus den Seiten strömen, denn blutige Massaker und Gewaltorgien sind meist nichtssagend, platt, langweilig und tragen nicht zur Spannung, geschweige denn zur Handlung bei. Einen guten Spannungsroman erkennt man meiner Meinung nach gerade daran, dass auf blutige Details und Gewaltszenen verzichtet wird. Edgar Allan Poe, der als Meister des Grauens und Begründer der modernen Kriminalliteratur gilt, kam jedenfalls vollkommen ohne Blutbäder aus.
Leider werden Thriller, vor allem die von amerikanischen Autoren, immer blutiger, brutaler und damit auch plumper und nichtssagender. Statt eines gut durchdachten, raffinierten Plots und fein gezeichneten Charakteren wird der Leser mit sinnlosem Gemetzel, seitenlangen Beschreibungen von Leichenteilen und ekligem Getier zu Tode gelangweilt. Ich habe Richard Laymon mehrere Chancen gegeben, aber ich halte seine Bücher einfach nicht aus, denn die sind reinster Splatter – schlecht konstruiert, sprachlich eine Katastrophe und inhaltlich flach. Ein paar deutschen, skandinavischen und auch britischen Autoren gelingt es aber ganz gut, eine düstere Atmosphäre zu erzeugen, Beklemmung hervorzurufen, den Leser zu fesseln und ihn dennoch weitgehend mit blutigen Details zu verschonen. Håkan Nesser, Minette Walters, Petra Busch und Petra Hammesfahr können das jedenfalls ganz gut.
Das Spannende an Krimis und Thrillern ist für mich nicht, wie jemand ermordet wird, sondern warum. Es ist, wenn man so will, die Faszination des Bösen und die Frage, was jemanden zum Gewalttäter werden lässt, die mich immer wieder zu diesen Genres greifen lassen. Ich interessiere mich vielmehr für die Abgründe menschlicher Seelen, die psychologischen Hintergründe und menschlichen Schicksale, die hinter einer Gewalttat stecken, als für das blutige Gemetzel, mit der sie begangen wurde, denn das ist meiner Meinung nach pure Effekthascherei.

© Claudia Bett

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9 Gedanken zu “Montagsfrage: Wie kommst du mit Gewalt in Büchern zurecht? Magst du blutige Szenen oder lehnst du sie ab?

  1. Hallo Claudia. Da stimme ich dir bei: ein reines Gemetzel in einem Krimi/Thriller ist nun wahrhaftig nicht animierend, um zu solch einem Buch zu greifen. Besonders spannend finde ich solche Bücher, bei denen bis (fast) zum Ende die Frage offen bleibt „wer war es?“, allerdings sind diese äußerst selten. Beste Grüße

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  2. Ich brauche auch nicht literweise Blut. Ich mag es viel mehr wenn ein Krimi oder Thriller mit der Psyche des Menschen spielt, ganz subtil und banal, da braucht es manchmal gar kein Blut. Dennoch habe ich gegen ein bisschen Gewalt und Blut generell nichts einzuwenden, wenn es zur Handlung passt. Wird es mir zu arg, ziehe ich in der Bewertung des Buches allerdings auch Punkte ab, wie zum Beispiel beim „Kinderdieb“ von Brom. Tolles Buch wirklich!! Aber definitiv zu brutal und blutig, da wäre weniger mehr gewesen!!

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    • „Kinderdieb“ kannte ich gar nicht und habe auch nie davon gehört. Jetzt habe ich aber mal geschnüffelt, weil mich das natürlich neugierig macht, aber ob Gewalt oder nicht, Fantasy geht bei mir ganz grundsätzlich nicht, weshalb ich in den Genuss von „Kinderdieb“ also auch nie kommen werde 😉

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    • In gut gemachten, spannenden Filmen macht mir das eigentlich auch nichts aus, aber diese bluttriefenden Splatter-Streifen sind ja auch meistens so vollkommen inhaltsleer und öde. Handlung wäre eben schöner 😉

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  3. Da kann ich nur zustimmen! Ich lese zwar gezielt lieber Fantasy oder Mystik Romane, hier und da auch mal einen Thriller, aber auch in diesen Büchern mag ich es lieber, wenn jede Handlung gut durchdacht ist und etwas beiträgt, was einem das Geschehen erklärt. Bei Thrillern greife ich gerne zu dem Jugendthriller „Der Erdbeerpflücker“. Hier gefällt mir besonders gut, dass auch aus der Sicht eines Polizisten berichtet wird und man so auch die Ermittlungen und Spuren der Polizei mitbekommt!

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    • „Der Erdbeerpflücker“ liegt auch noch auf meinem Stapel ungelesener Bücher. Ich dachte, ich sei mit meinen 45 Lenzen eigentlich zu alt für ein Jugendbuch, aber ich habe schon so oft gehört, dass das Buch gut ist und für Leser jeden Alters geeignet sein soll, dass ich ihm doch eine Chance geben werde 😉

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