Montagsfrage: Besitzt du Bücher, die hinten im Regal stehen, weil du dich insgeheim für sie schämst?

Montagsfrage

Eine Aktion von Buchfresserchen

Heute möchte ich die interessante und auch lustige Montagsfrage von Buchfresserchen beantworten, die sich in dieser Woche Aequitas et Veritas ausgedacht hat.

In meinen Bücherregalen stehen sehr viele Bücher in der hinteren Reihe, was schon alleine daran liegt, dass ich zu wenig Platz für all meine Bücher habe und sie deshalb zweireihig ins Regal stellen muss. Bei vielen Büchern finde ich das sehr schade, denn sie sind mir durchaus nicht peinlich, aber ich muss zugeben, dass ich manche Bücher auch ganz bewusst weit nach hinten verbannt habe, damit man sie nicht auf den ersten Blick sieht.
Eigentlich ist es ja reichlich bekloppt, mich für etwas zu schämen und dann ausgerechnet auf meinem Blog, also einem Medium, wie es öffentlicher kaum sein kann, etwas preiszugeben, was mir so peinlich ist, dass ich es selbst vor den wenigen Menschen zu verbergen versuche, die zu dem erlauchten Kreis derer gehören, denen ich den Zugang zu meinen Privatgemächern gewähre. Aber was soll’s…? So spannend bin ich vermutlich gar nicht, wirklich schämen muss ich mich dafür auch nicht und außerdem gibt es weitaus Peinlicheres, als etwas eigentümliche Bücher zu besitzen. Eigentlich verberge ich diese Bücher auch nicht nur vor den Blicken anderer, sondern will sie selbst einfach nicht ständig sehen.
Es gab unterschiedliche Phasen in meinem Leben, in denen mir ganz verschiedene Themen und damit auch Bücher wichtig waren. Somit erzählt mein Bücherregal also im Grunde die Geschichte all dieser Lebensphasen, die mir auch durchaus nicht alle peinlich sind. Manche Themen haben für mich einfach nur an Bedeutung verloren, sodass ich die Bücher nicht mehr ständig griffbereit und sichtbar im Regal stehen haben muss. Besonders verhasste Objekte, die mich an Phasen oder Menschen erinnern, die ich lieber vergessen würde, landeten erbarmungslos im Altpapier, aber an manche Zeiten erinnere ich mich auch sehr gerne, weshalb diese Bücher einfach bleiben dürfen, wenn auch nur im Geheimen.
Brantenberg - Die Töchter EgaliasGegen Ende der 80er- und zu Beginn der 90er-Jahre war ich zum Beispiel in meiner extrem feministischen Phase, las zu dieser Zeit alle Bücher von Anja Meulenbelt, Gerd Brantenberg, Alice Schwarzer und Simone de Beauvoir, wobei sich letztere den Platz in der vordersten Reihe meines Bücherregals bewahren konnte, während Brantenberg, Schwarzer und Meulenbelt nun etwas weiter hinten im Verborgenen schlummern. Männer rennen in der Regel weg und suchen das Weite, wenn sie im Regal einer Frau diese Bücher finden. Eigentlich sollten sie gerade deshalb deutlich sichtbar in Augenhöhe platziert werden, damit frau sofort die Spreu vom Weizen trennen kann (wieso fällt mir das erst jetzt ein?). Die Töchter Egalias und Die Scham ist vorbei sind außerdem wahre Klassiker der feministischen Literatur, und noch während ich diese Zeilen schreibe, habe ich beschlossen, dass sie eigentlich dringend wieder in die vordere Buchreihe umziehen müssten 😉

ALFEs gibt allerdings auch Bücher, die mir in der Tat ein wenig peinlich sind und die wohl in der hinteren Reihe bleiben werden. Kennt ihr noch ALF, den knuffigen Außerirdischen vom Planeten Melmac? 1988 flimmerte diese Serie erstmals über die Fernsehbildschirme und ich habe sie von der ersten Folge an geliebt. Man bedenke allerdings, dass ich 1988 bereits 18 war – achtzehn! Ich muss wohl nicht betonen, dass man in diesem Alter definitiv zu alt für ALF war und nicht mehr zur Zielgruppe gehörte. Während meine Klassenkameradinnen also Bobby Ewing von Dallas anschmachteten, schaute ich ALF und lachte mich schlapp. Ich schaute nicht nur jede Folge – nein – als richtiges Fangirl las ich natürlich auch alle Bücher zur Serie. Die besitze ich immer noch, würde mich niemals von ihnen trennen, aber irgendwie scheue ich mich doch ein wenig, sie an vorderster Front in mein Regal zu stellen. Ich muss zu meinem Erstaunen übrigens gerade feststellen, dass sich meine ALF– und meine Feminismus-Phase zeitlich überschnitten haben und suche nun verzweifelt nach inhaltlich-thematischen Ähnlichkeiten, die das erklären könnten.

Es ist ja nicht gerade schwer zu erraten, dass ich sehr gerne Thriller und Krimis lese. Ich John Saul - Bestienmag allerdings keine allzu blutigen, grausamen oder ekligen Horror- und Splatter-Romane, sondern lege Wert auf einen guten Plot, Glaubwürdigkeit, interessante Charaktere und etwas Tiefgang. Es gab jedoch Phasen in meinem Leben, in denen mir das alles vollkommen egal war und Bücher gar nicht brutal, blutig und flach genug sein konnten. Aus dieser Zeit besitze ich noch viele Bücher von Dean Koontz und alle Werke von John Saul, einem Horror-Autor, dessen Bücher inzwischen gar nicht mehr aufgelegt werden. Ich fand sie vor ca. 20 Jahren aber einfach nur großartig und habe sie alle verschlungen. Die Cover sind so unglaublich hässlich, dass mir wirklich die Augen schmerzen, wenn ich sie heute sehen muss, aber weggeben will ich sie auch nicht, weil ich einst so stolz war, dass ich all seine Bücher besitze und auch gelesen habe.

Meulenbelt - Die Scham ist vorbeiSo,  jetzt kennt Ihr also all meine Buchgeheimnisse, die mir ein wenig peinlich sind. Aber nun kann ich die oben gestellte Frage getrost mit den Worten des Titels eines der Bücher beantworten, die NOCH in den hinteren Reihen meiner Bücherregale verborgen sind – DIE SCHAM IST VORBEI 😉

© Claudia Bett

5 Gedanken zu “Montagsfrage: Besitzt du Bücher, die hinten im Regal stehen, weil du dich insgeheim für sie schämst?

  1. Schon interessant, welche persönlichen Entwicklungen an anhand der Bücher, die man zu bestimmten Zeiten gelesen hat, ablesen kann. Leider habe ich vor Jahren mal ganz radikal aussortiert, sonst wären bei mir auch viel mehr Bücher zu finden, über die ich heute den Kopf schütteln würde, die ich früher aber heiß und innig geliebt habe. Solche Entwicklungen sind sehr spannend und überhaupt kein Grund, sich dafür zu schämen. Gut, dass die Geheimnisse nun alle offenbart sind 🙂
    LG Gabi

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    • Ja, ich fühle mich jetzt auch fast ein bisschen befreit 😉 Ich habe neulich auch erst ganz kräftig und radikal ausgemistet und bin dabei auf diese Schätzchen gestoßen, aber von diesen Büchern konnte ich mich einfach nicht trennen.

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      • Ich wünschte auch, ich hätte einige von den Büchern behalten, die ich im Aussortier-Wahn weggegeben habe. Nicht alle, aber einigen trauere ich schon ein bisschen nach, eben weil sie ein Teil meiner Entwicklung waren.

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