Buchrezension: Jamie Mason – In guten wie in bösen Tagen

Jamie Mason - In guten wie in bösen TagenInhalt:

Die Kindheit von Dee und ihrem Bruder Simon war in jeder Hinsicht unkonventionell. Ihre Mutter Annette war alleinerziehend, arbeitete als Geheimagentin, erzog ihre Kinder zu ständiger Wachsamkeit und schärfte ihnen ein, niemandem zu vertrauen und immer auf das Schlimmste gefasst sein zu müssen. Spielerisch brachte sie ihnen bei, wie man Menschen und Situationen genauestens beobachtet und richtig einschätzt, um Gefahren rechtzeitig erkennen zu können. Obwohl Dee mit viel Liebe und Fürsorge aufgewachsen ist und ihre Mutter sich stets bemühte, den Alltag ihrer Kinder so normal wie möglich zu gestalten, wünscht sich Dee nichts sehnlicher, als endlich ein ruhiges und beschauliches Leben führen zu können. Als sie während ihres Studiums Patrick kennenlernt, ist sie sicher, nun einen Mann gefunden zu haben, an dessen Seite sie in behaglicher Normalität leben kann, ohne jeden Tag mit bösen Überraschungen rechnen zu müssen.
Dee ist nun seit fast zehn Jahren glücklich mit Patrick verheiratet; ihre Mutter ist inzwischen verstorben und hat ihr ein beträchtliches Vermögen hinterlassen. Seit einiger Zeit verhält sich ihr Mann plötzlich recht eigenartig und hat offenbar Geheimnisse vor ihr. Außerdem spürt sie, dass sie ständig beobachtet und von jemandem verfolgt wird. Es scheint sich nun doch als recht nützlich zu erweisen, dass ihre Mutter ihr bereits in frühster Kindheit beigebracht hat, Warnsignale rechtzeitig zu erkennen, denn Dee ahnt, dass sie in Gefahr ist und ihr Mann ein neues Leben plant – ein Leben ohne sie…

Meine persönliche Meinung:

Es fällt mir nicht leicht, In guten wie in bösen Tagen von Jamie Mason zu rezensieren und diesem Buch mit wenigen pauschalisierenden Worten gerecht zu werden, denn es war gänzlich anders als ich es mir anhand des Klappentextes vorgestellt hatte. Teilweise war ich enttäuscht, weil meine Erwartungen nicht erfüllt wurden, aber manche Aspekte haben mich auch sehr positiv überrascht. Erwartet hatte ich einen fesselnden Psychothriller, der mich in die Abgründe menschlicher Seelen führen würde und bekommen habe ich das erschütternde Psychogramm einer Ehe und die Verarbeitung einer problematischen Kindheit.
Das ganze Buch wird aus der Ich-Perspektive der Hauptprotagonistin Dee erzählt. Somit erhält der Leser natürlich sehr tiefe Einblicke in Dees Gedanken- und Gefühlwelt. Der Autorin ist es sehr gut gelungen, eine äußerst vielschichtige und dreidimensionale Protagonistin zu gestalten, in die ich mich sehr gut einfühlen konnte. Der Leser begleitet Dee während der Autofahrt zu einem Ort, an dem sie sich erhofft, endlich herauszufinden, warum und von wem sie seit Monaten verfolgt wird und weshalb ihr Leben vollkommen aus den Fugen zu geraten scheint. Während der Fahrt führt sie eine Art inneren Dialog mit ihrer verstorbenen Mutter, reflektiert über die Ereignisse der letzten Monate, ihre Vergangenheit und lässt ihr ganzes bisheriges Leben noch einmal Revue passieren. Sie erinnert sich an ihre unkonventionelle Kindheit, ihren Wunsch, dieses gefahrenvolle Leben an der Seite ihrer Mutter endlich hinter sich zu lassen und ihre Hoffnung, in Patrick einen soliden Mann gefunden zu haben, mit dem sie ein ruhiges Leben führen kann, ohne ständig mit dem Schlimmsten rechnen zu müssen. Doch als sie über die Geschehnisse der jüngsten Vergangenheit nachdenkt, erkennt sie, dass sich ihre Hoffnungen nicht erfüllt haben und erlangt auch die Gewissheit, dass sie es den ungewöhnlichen Erziehungsmaßnahmen ihrer Mutter und ihrer Kindheit in ständiger Alarmbereitschaft zu verdanken hat, dass sie Warnsignale und Gefahren frühzeitig erkennen kann. Dabei kommt sie auch zu der sehr schmerzhaften Überzeugung, dass ihr Ehemann Patrick nicht der ist, der er vorgab zu sein und gelangt auch zu der ernüchternden Erkenntnis, dass ihre Ehe ganz grundsätzlich auf falschen und vollkommen unterschiedlichen Erwartungen beruhte.

Ich hatte Patrick ausgewählt, weil er für etwas stand, nicht wegen dem, der er war.

So wie Dee ihren Mann beschreibt, würde ich ihn als furchtbaren Langweiler bezeichnen, aber Dee sehnte sich geradezu nach etwas Langeweile oder zumindest nach Beständigkeit, Sicherheit, Ruhe und vorhersehbaren und zuverlässigen Strukturen, denn all das kannte sie vor ihrer Begegnung mit Patrick nicht. Während dieser Autofahrt erkennt sie, dass die Wahl ihres Ehemannes im Grunde eine Art Rebellion gegen ihre Mutter war, muss aber auch zugeben, dass ihre Mutter ihr sehr wertvolle Ratschläge auf den Weg gab und die erlernten Fähigkeiten ihr nun geholfen haben, herauszufinden, was ihr Mann im Schilde führt. Und so verarbeitet sie bei dieser Fahrt auch ihre mitunter schwierige Kindheit, schließt Frieden mit ihrer verstorbenen Mutter und nimmt innerlich Abschied. Mich haben Dees Gedanken tief berührt, denn auch wenn ihre Kindheit nicht einfach war und die Geheimnisse, die ihre Mutter umgaben, Dee sehr belastet haben, klagt sie ihre Mutter nicht an, sondern ist erfüllt von Dankbarkeit und auch sehr schönen und liebevollen Kindheitserinnerungen.
Ich muss zugeben, dass es mir nicht leichtfiel, mich in dieses Buch einzufinden, denn es dauert recht lange, bis die Geschichte in Gang kommt. Allerdings hat mich das hohe sprachliche Niveau schon auf den ersten Seiten sehr beeindruckt. Der Schreibstil der Autorin ist für dieses Genre sehr außergewöhnlich, denn er ist teilweise fast poetisch. Allerdings hat mir die Spannung fast vollständig gefehlt. Der Leser begleitet Dee während dieser Autofahrt, erfährt, wie sich ihr Leben in den letzten Wochen verändert hat und wirft einen Blick zurück in ihre Vergangenheit, aber es passiert eben leider nichts. Ich würde dieses Buch keineswegs als Psychothriller, sondern einfach als Roman bezeichnen, denn er weist nahezu keine Thrillerelemente auf. Erst ganz am Ende des Buches, als Dee das Ziel ihrer Fahrt erreicht, kommt es zu einem überraschend actionreichen Showdown, aber ansonsten war dieses Buch leider sehr vorhersehbar und auch ziemlich langweilig.
Für mich war In guten wie in bösen Tagen ein überaus einfühlsames, psychologisch ausgefeiltes Buch, das mich zwar emotional sehr tief berührte, aber leider nicht fesseln konnte.

© Claudia Bett

Meine Bewertung: ⭐ ⭐ ⭐ (3 von 5 Sternchen)

Herzlichen Dank an NetGalley und den Bastei Lübbe Verlag, der mir das Buch freundlicherweise als Rezensionsexemplar zur Verfügung stellte!

Buchdetails:

Jamie Mason: In guten wie in bösen Tagen
Verlag: Bastei Lübbe
Ersterscheinungsdatum: 10. Juni 2016
318 Seiten
ISBN 978-3-404-17371-6

Cover: Bastei Lübbe

4 Gedanken zu “Buchrezension: Jamie Mason – In guten wie in bösen Tagen

    • Der Klappentext passt schon, denn er stimmt mit dem Inhalt des Buches wirklich überein. Es gibt ja Klappentexte, bei denen man den Eindruck hat, dass derjenige, der sie geschrieben hat, das Buch gar nicht kennt. Nee, hier stimmt das schon alles überein – nur die Umsetzung ist eben sehr langweilig 😉

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