Buchrezension: Matt Dickinson – Die Macht des Schmetterlings

Matt Dickinson - Die Macht des SchmetterlingsInhalt:

In Großbritannien schlägt ein frisch geschlüpfter Schmetterling zum ersten Mal mit den Flügeln und versetzt damit ein kleines Kaninchen in so große Panik, dass es vollkommen orientierungslos flüchtet und dabei ein Pferd erschreckt, das daraufhin seinen Reiter abwirft, stürzt und sich verletzt. Aber wie hängen diese Ereignisse mit dem Schicksal einer japanischen Bergsteigerin auf dem Mount Everest, einer britischen Pilotin und einem kleinen Jungen in Afrika zusammen? Der Flügelschlag dieses Schmetterlings setzt eine ganze Kette von Ereignissen in Gang, die das Schicksal vieler Menschen auf vier verschiedenen Kontinenten miteinander verbindet und für immer verändern wird.

Meine persönliche Meinung:

Ich habe dieses Jugendbuch im Rahmen einer Leserunde gelesen, die auf Facebook stattfand und von drei Booktubern ins Leben gerufen wurde. Das Lesen in der Gruppe hat sehr viel Spaß gemacht, denn es war interessant, sich mit anderen Lesern auszutauschen, mit ihnen zu diskutieren und zu sehen, wie unterschiedlich die Meinungen zu einem Buch ausfallen können.
Als ich den Klappentext gelesen hatte, beschloss ich, an dieser Leserunde teilzunehmen, denn obwohl es sich um ein Jugendbuch handelt, klang die Thematik von Die Macht des Schmetterlings äußerst interessant. Die Geschichte, die diesem Buch zugrunde liegt, baut auf der Chaostheorie auf. Diese besagt, dass eine winzig kleine Veränderung der Anfangsbedingungen zu völlig unvorhersehbaren Kettenreaktionen führen und somit weitreichende Auswirkungen auf das ganze System haben kann. Das Phänomen des Schmetterlingseffekts geht auf den Meteorologen und Chaosforscher Edward N. Lorenz zurück. Er versuchte die Theorie, dass kleinste Ursachen mitunter sehr große Wirkung haben können, anhand eines Wettermodells zu bekräftigen und vertrat die These, dass der Flügelschlag eines Schmetterlings in Brasilien einen Wirbelsturm in Texas hervorrufen könne.
Das Grundkonzept, auf dem Matt Dickinson seinen Roman aufbaut, nämlich anhand einer fiktionalen Geschichte zu zeigen, inwiefern eine minimale Veränderung der ursprünglichen Bedingungen an anderen Orten auf der Welt unvorhersehbare und dramatische Folgen haben kann, klang für mich äußert vielversprechend und spannend. Auch Dickinsons Geschichte beginnt mit dem Flügelschlag eines harmlosen Schmetterlings. Dieser löst jedoch eine Reihe von Kettenreaktionen aus, die das Schicksal vieler Menschen, die zunächst nichts miteinander zu tun zu haben scheinen, miteinander verbindet und für einige von ihnen dramatische und fatale Folgen haben wird.
Gleich zu Beginn des Romans konfrontiert der Autor den Leser mit zahlreichen verschiedenen Handlungssträngen und einer Vielzahl an Protagonisten. Anfangs war dies für mich etwas verwirrend, da ich keinen Zusammenhang erkennen konnte und es nicht ganz einfach war, den Überblick zu behalten.
Die Kapitel sind auffallend kurz und umfassen maximal ein bis zwei Seiten. Dies führt zu einem sehr schnellen und rasanten Lesefluss, aber leider auch dazu, dass man sich in keinen der vielen Erzählstränge richtig einlesen und zu keinem der Protagonisten eine Verbindung aufbauen kann. Bedauerlicherweise bleiben alle Figuren recht konturlos und haben keine Tiefe. Für das Konzept des Romans ist dies allerdings auch nicht erforderlich, denn es geht weniger um die Figuren selbst als vielmehr um die Wechselbeziehungen, die zwischen ihnen bestehen. Mein Hauptproblem bestand also nicht darin, dass mir alle Protagonisten seltsam fremd blieben, sodass ich mit keinem von ihnen mitfiebern konnte, sondern dass ich noch nie ein Buch gelesen habe, in dem ausnahmslos alle Figuren so unglaublich einfältig und dumm waren wie in diesem Roman. Mit unsympathischen Charakteren kann ich ganz gut leben, denn auch absolute Scheusale haben häufig durchaus ihren Reiz; ich weiß auch, dass ich nicht erwarten kann, dass die Protagonisten eines Romans so agieren, wie ich es tun würde, aber eine solche Ansammlung von so unfassbar dämlichen Personen ist mir noch in keinem Buch begegnet. Kein annährend normaler Mensch würde sich so verhalten oder einen solchen Unsinn absondern. Manche Protagonisten scheinen auch über nahezu übernatürliche Kräfte zu verfügen, was ihre Glaubwürdigkeit nicht unbedingt fördert.
Sieht man von den völlig unrealistischen und nicht nachvollziehbaren Handlungen der Protagonisten ab, war dieses Buch aber leider auch völlig überkonstruiert. Das ist umso fataler, weil dadurch das Konzept, das dem Roman zugrunde liegt, einfach nicht mehr aufgeht. Dem Autor geht es ja eigentlich darum, zu zeigen, auf welche Weise die Lebenswege der verschiedenen Protagonisten miteinander verbunden sind. Idealer- und logischerweise müsste also jeder Handlungsstrang, wenn auch über Umwege, mit dem Flügelschlag des Schmetterlings in Verbindung gebracht werden können. Manche Erzählstränge sind aber gänzlich losgelöst von der ursprünglichen Ausgangssituation und werden erst im Nachhinein auf geradezu aberwitzige Weise mit ihr verflochten. Natürlich beruht das Konzept des Romans auf der Verkettung von Zufällen; dass Zufälle nicht zwingend einer bestimmten Logik folgen, ist mir vollkommen klar, aber sie müssten zumindest möglich sein. Leider hat der Autor aber auch die Gesetze von Raum und Zeit mitunter völlig außer Acht gelassen, sodass sein Konzept am Ende des Romans völlig aus dem Ruder läuft. Auf den letzten Seiten musste ich wirklich herzlich lachen, denn das Romanende ist vollkommen überkonstruiert und auf geradezu lächerliche Weise absurd.
Selten hat mich ein Buch so geärgert und enttäuscht wie dieses. Leider ist es auch sprachlich vollkommen unterkomplex und wirklich eine Zumutung. Unfassbar, welche Worte der Autor seinen Protagonisten in den Mund legt und welche strategischen Überlegungen er manche Tiere anstellen lässt. Hätte ich das Buch alleine gelesen, hätte ich es vermutlich nach den ersten 50 Seiten abgebrochen, aber das Lesen in der Gruppe und die lebendige Diskussion über die unterschiedlichsten Leseeindrücke ließen mich durchhalten und machten die Lektüre dennoch zu einem recht unterhaltsamen Erlebnis. Stellenweise war das Buch sogar recht spannend, selbst wenn ich häufig nur deshalb mitfieberte, weil ich hoffte, so manchen Protagonisten einfach kläglich scheitern zu sehen.
Wie man es schafft, eine wirklich gute Grundidee, die Potential für eine überaus spannende und verzwickte Geschichte haben könnte, so zu verhunzen, ist aber schon bedauerlich. Das war wohl nix – schade!

© Claudia Bett

Meine Bewertung: (1 von 5 Sternchen)

Buchdetails:

Matt Dickinson: Die Macht des Schmetterlings
Verlag: Baumhaus Verlag
Ersterscheinungsdatum: 21. Juni 2013
351 Seiten
ISBN 978-3-8339-0169-0

Cover: Baumhaus Verlag

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6 Gedanken zu “Buchrezension: Matt Dickinson – Die Macht des Schmetterlings

      • Ich habe festgestellt, dass wir den gleichen Geschmack haben. Bücher, die dir gefallen haben, haben mir auch Gefallen. Deswegen vertau ich da schon deinen Rezensionen. Ist ja nicht so, als ob mein Sub nicht klein ist.;)

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  1. Mit den letzten Büchern hattest du generell nicht so viel Glück, oder?
    Ich bin mittlerweile so weit, dass ich Bücher, die mir nicht gefallen, in aller Regel nicht zu Ende lese. Früher hab ich mich oft noch durchgequält, aber das krieg ich nicht mehr hin.

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    • Ja, ich hatte wirklich ein bisschen Pech im vergangenen Monat. In der Regel breche ich Bücher ab, die mir nicht gefallen, weil mir die Zeit einfach zu schade ist, aber bei Reziexemplaren fühle ich mich irgendwie verpflichtet, bis zum Schluss durchzuhalten, hoffe, vielleicht doch noch positive Aspekte zu finden oder meine Kritik wenigstens begründen zu können. Das kann ich nur, wenn ich das ganze Buch gelesen habe. „Die Macht des Schmetterlings“ war kein Reziexemplar, aber die Leserunde machte Spaß und allein der recht lebhaften Diskussion wegen, wollte ich einfach durchhalten 😉 Ansonsten breche ich Bücher gnadenlos ab, wenn sie mich auf den ersten 100 Seiten nicht begeistern konnten. Das kommt sogar recht häufig vor, denn eigentlich ist das Leben zu kurz, um sich durch schlechte Bücher zu quälen. Über meine abgebrochenen Bücher berichte ich allerdings nie auf meinem Blog, denn das wäre irgendwie unfair. Man kann nur etwas bewerten, was man auch wirklich kennt. Ich hoffe, im kommenden Monat habe ich mehr Glück. Bis jetzt sieht es jedenfalls gut aus 😉

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      • „Über meine abgebrochenen Bücher berichte ich allerdings nie auf meinem Blog, denn das wäre irgendwie unfair.“
        Das mach ich auch nicht. Allerdings schreib ich in der Regel nur über die zu Ende gelesenen Bücher, die mir gefallen haben und die ich – zumindest mit Einschränkungen – empfehlen kann oder mag. Aber mein Blog ist auch kein Rezensionsblog im eigentlichen Sinn.

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