Buchrezension: Astrid Plötner – Todesgruß

Astrid Plötner - TodesgrußInhalt:

Maike Graf, Hauptkommissarin bei der Kriminalpolizei Unna, erhält eines Tages einen mysteriösen Anruf von einem Mann, der anonym bleiben möchte und ihr erzählt, er habe in einem Café zufällig ein Gespräch belauscht, in dem der Mord an einer Frau geplant wurde und der Name Schönfeld gefallen sei. In Unna gibt es zwar eine Zahnärztin namens Heinemann-Schönfeld, aber Maike ist dennoch skeptisch, ob sie dem anonymen Anrufer Glauben schenken kann, denn wer würde in einem gut besuchten Café die Ermordung eines Menschen planen? Trotzdem schickt sie eine Streife in die Zahnarztpraxis von Judith Heinemann-Schönfeld; doch auch die Zahnärztin nimmt die Warnung nicht allzu ernst.
Am nächsten Morgen wird im Stadtpark von Unna die Leiche von Dr. Judith Heinemann-Schönfeld gefunden. Die Tote war vor dem Kriegerdenkmal regelrecht in Szene gesetzt worden. Die Zahnärztin wurde offensichtlich erdrosselt, hat kleine Schnitte an der Innenseite der Handgelenke und trägt ein Lebkuchenherz mit der Aufschrift „Ein letzter Gruß, G.“ um ihren Hals.
Die Kriminalhauptstelle Dortmund bildet sofort eine Mordkommission, die gemeinsam mit Maike Graf und ihren Kollegen in Unna die Ermittlungen aufnimmt. Der Ehemann der Toten und ein dubioser Immobilienmakler, der den Verkauf der Villa der Schönfelds plante, verhalten sich äußerst verdächtig, und auch Judiths beste Freundin hätte durchaus ein Motiv gehabt, die Zahnärztin zu ermorden. Doch obwohl es zahlreiche Verdächtige gibt und die Tote offenbar nicht nur Freunde hatte, fehlt es an Beweisen, sodass die Ermittler vollkommen im Dunkeln tappen.
Doch dann wird vor dem Amtsgericht in Unna wieder eine Leiche gefunden. Auch sie trägt ein Lebkuchenherz mit dem Schriftzug „Ein letzter Gruß, G.“ um den Hals. Offenbar treibt ein grausamer Serientäter sein Unwesen in dem beschaulichen westfälischen Städtchen Unna. Aber welche Verbindung bestand zwischen den Opfern? Gelingt es den Ermittlern, den „Kirmesmörder“ zu stoppen, bevor dieser erneut zuschlägt?

Meine persönliche Meinung:

Bei Todesgruß handelt es sich um den ersten Kriminalroman von Astrid Plötner im Gmeiner-Verlag und um den Auftakt einer neuen Krimireihe um Kommissarin Maike Graf und ihren Kollegen Max Teubner von der Kriminalpolizei Unna. Ich habe mich sehr gefreut, als mich die Autorin anschrieb und anfragte, ob ich ihren Kriminalroman Todesgruß lesen und rezensieren möchte, denn der Klappentext klang äußerst spannend. Dennoch war ich ein wenig skeptisch, da in manchen Rezensionen von einem „Regionalkrimi“ die Rede ist und der Gmeiner-Verlag für dieses Subgenre des deutschen Kriminalromans auch bekannt ist. Erstaunlicherweise erfreuen sich Regionalkrimis ja großer Beliebtheit, aber für mich gibt es kaum etwas Langweiligeres als Kriminalromane, bei denen man den Eindruck gewinnt, man läse eigentlich einen Reiseführer. Selbst wenn ich die Region kenne, in der der Schauplatz angesiedelt ist, reagiere ich auf Regionalkrimis ein wenig allergisch, weil die örtlichen Eigenheiten häufig viel zu sehr ins Zentrum gerückt werden und die eigentliche Krimihandlung dabei fast in Vergessenheit gerät. Gut recherchierte und authentische Schauplätze sind durchaus wichtig und machen auch Sinn, wenn sie für die erzählte Geschichte notwendig sind oder das Setting eine bestimmte Stimmung erzeugen soll, aber häufig zielt der Lokalkolorit nur darauf ab, dass der Leser – sei er nun Einheimischer oder Tourist – die ihm bekannten Örtlichkeiten wiedererkennt und sich Klischees über die schrulligen Eigenheiten der Bewohner einer bestimmten Region in den Köpfen festfressen. Mir gehen Krimis, in denen die eigentliche Handlung vor den örtlichen Gegebenheiten vollkommen in den Hintergrund rückt allerdings ziemlich auf die Nerven, weshalb ich um Bücher, die als Bodensee-, Eifel- oder Alpenkrimi beworben werden, einen großen Bogen mache. Sie sind schon ermüdend, falls man sich in der Region auskennt, aber wenn man noch nie an diesen Orten war, sind solche Krimis geradezu unlesbar. Da ich noch nie in Unna war, war ich also doch ein bisschen skeptisch. Glücklicherweise waren meine Bedenken bei Astrid Plötners Kriminalroman Todesgruß völlig unberechtigt. Auch wenn Einheimische und Kenner der Stadt Unna die Schauplätze, von denen im Buch die Rede ist, sicherlich wiedererkennen, muss man kein Insider sein, um sich die Örtlichkeiten vorzustellen. Diese liefern auch lediglich die Kulisse für die Romanhandlung. Die Geschichte würde auch in jeder anderen Kleinstadt funktionieren, denn im Zentrum des Romans stehen nicht die regionalen Gegebenheiten oder Eigentümlichkeiten der Stadtbewohner, sondern ein überaus spannender Kriminalfall, der sich überall zugetragen haben könnte.
Schon allein die Idee des Mörders, bei den Leichen einen letzten Gruß in Form eines Lebkuchenherzes zu hinterlassen, ist ja recht skurril und hat mir sehr gut gefallen. Warum tut ein Mörder so etwas? Wohl kaum, um seinen Opfern eine letzte Ehre zu erweisen. Die Lebkuchenherzen tragen die Aufschrift „Ein letzter Gruß, G.“, und so stellt sich natürlich die Frage, ob der Vor- oder Nachname des Täters wirklich mit G beginnt oder ob der Mörder die Ermittler damit auf eine falsche Spur lenken will? Vermutlich wird sich das jeder Leser fragen, weshalb Astrid Plötner eine ganze Reihe ihrer Romanfiguren mit Namen ausgestattet hat, die mit G beginnen – Guido, Gero, Grabowski, Gröning, Gieske… Sobald ein Protagonist mit dem verräterischen Buchstaben im Namen auftauchte, habe ich überlegt, ob er vielleicht für die Morde verantwortlich sein könnte.
Da es in diesem Kriminalroman von unsympathischen Protagonisten, denen man eine solche Tat durchaus zutrauen würde, ohnehin nur so wimmelt, hatte ich im Verlauf der Handlung aber nahezu jeden einmal im Verdacht, hinter den Morden zu stecken, denn auch Charaktere ohne ein verräterisches G im Namen, verhalten sich häufig verdächtig oder hätten ein plausibles Motiv. Somit wurde ich immer wieder auf die falsche Fährte gelockt, rätselte natürlich immer mit und war sehr gefesselt von diesem Buch, da ich ja wissen wollte, ob ich mit einer meiner Theorien vielleicht richtig liege.
Die Autorin hat alle Figuren ihres Romans, auch die Nebenfiguren, sehr präzise, authentisch und glaubwürdig ausgearbeitet. Der Leser begleitet nicht nur Maike Graf und ihre Kollegen bei den Ermittlungen, sondern wird in einem weiteren Handlungsstrang auch mit einem der Hauptverdächtigen, dem äußerst dubiosen Immobilienmakler Gero Krüger konfrontiert. Ich kann nicht behaupten, dass ich diesen Mann mochte, aber er ist zweifellos der interessanteste Charakter dieses Romans. Er ist dem Alkohol sehr zugetan und hoch verschuldet, würde über Leichen gehen, um an Geld zu kommen und greift auch zu ungesetzlichen Methoden und verabscheuungswürdigen Druckmitteln, um seine Immobiliengeschäfte voranzutreiben. Besonders erfolgreich ist er dabei allerdings nicht und im Grunde ein bedauernswerter Versager. Wäre er nicht so skrupellos, könnte man fast ein wenig Mitleid mit dieser in jeder Hinsicht gescheiterten Existenz haben.
Die männlichen Kollegen von Hauptkommissarin Maike Graf, Max Teubner und Sören Reinders, waren mir sehr sympathisch. Ein kleiner Nebenstrang, in dem Kommissar Max Teubner von einem Jugendlichen verfolgt wird, war leider nicht besonders spannend, da mir sehr schnell klar war, warum es der junge Mann auf Teubner abgesehen hat, und ich war doch ein wenig erstaunt, dass er selbst so lange nicht dahinterkam. Nur mit Maike Graf wollte ich nicht so recht warm werden. Es ist zwar ganz erfrischend in einer Krimireihe eine Ermittlerfigur anzutreffen, die nicht latent depressiv, vollkommen verschroben oder schrullig ist, aber mir war sie fast ein wenig zu glatt und leblos. Ich fand es allerdings sehr rührend, wie sie ihre eigenen Bedürfnisse hintenanstellt, um sich um ihre pflegebedürftige Nachbarin zu kümmern, deren Sohn mit der Betreuung seiner Mutter vollkommen überfordert ist. Maike Graf hat im Grunde sehr positive und löbliche Charaktereigenschaften, ist selbstlos, arbeitet professionell, ist klug und besonnen, aber ein paar Ecken und Kanten, etwas mehr Temperament und Emotionalität hätten dieser Figur sicher gutgetan.
Doch auch wenn mir diese Hauptprotagonistin nicht so recht ans Herz wachsen wollte, hat mir Astrid Plötners Kriminalroman überaus gut gefallen. Überzeugt hat mich vor allem ihr Geschick, den Leser immer wieder auf die falsche Fährte zu locken und einen gut durchdachten Plot zu konstruieren. Das Ende hat mich vollkommen überrascht, denn mit dieser Auflösung des Falls hätte ich niemals gerechnet. Sehr schön war, dass das Ende trotz aller Unvorhersehbarkeit, schlüssig, logisch und nicht überkonstruiert war.

Todesgruß ist ein spannender, intelligenter und wendungsreicher Kriminalroman, der zum Miträtseln einlädt und mich aufgrund seiner glaubwürdigen Figuren und eines raffinierten Plots überzeugen konnte. Ich bin jedenfalls schon sehr gespannt auf den nächsten Fall für Kommissarin Maike Graf und ihren Kollegen Max Teubner.

© Claudia Bett

Meine Bewertung: ⭐ ⭐ ⭐ ⭐ ⭐ (5 von 5 Sternchen)

Ich danke Astrid Plötner herzlich für das Rezensionsexemplar sowie den freundlichen Email-Kontakt und freue mich, dass ich ihren Kriminalroman Todesgruß lesen durfte!

Buchdetails:

Astrid Plötner: Todesgruß
Verlag: Gmeiner
Ersterscheinungsdatum: 06. Juli 2016
407 Seiten
ISBN 978-3-8392-1949-2

Cover: Gmeiner Verlag

Merken

Merken

Ein Gedanke zu “Buchrezension: Astrid Plötner – Todesgruß

  1. Wie immer sehr schön und überzeugend geschrieben. Ich selbst habe mich mit den „Regio“-Krimis halbwegs ausgesöhnt: Wie in jedem anderen Subgenre gibt’s da eben gute und schlechte. Die schlechten stellen – wie Du ja anschaulich beschreibst – die Region in den Vordergrund und leiden noch dazu meist unter so einem merkwürdigen Slapstick-Humor. Die guten schreiben eine interessante, berührende Geschichte, die halt an einem bestimmten Ort spielt. Ich werde mir den Todesgruß auf jeden Fall vormerken – meinen Dank!

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s