Buchrezension: Chris Carter – Der Kruzifix-Killer

Chris-carter-der-kruzifix-killerInhalt:

Als Detektive Robert Hunter an einen Tatort gerufen wird und im Nacken der grausam verstümmelten Frauenleiche ein eingeritztes Kreuz mit zwei Querbalken entdeckt, ist er schockiert. Er kennt dieses Zeichen nur allzu gut, denn es ist das Markenzeichen des Kruzifix-Killers, der sieben Menschen auf grausamste Weise gefoltert und ermordet hatte und im Nacken seiner Opfer dieses markante Doppelkreuz hinterließ. Vor anderthalb Jahren konnte dieser religiöse Fanatiker allerdings gefasst werden, hat die Morde auch gestanden, wurde zum Tode verurteilt und hingerichtet. Da die Informationen über das Symbol, mit dem er seine Opfer gekennzeichnet hatte, unter Verschluss gehalten wurden und nie an die Öffentlichkeit gelangten, kann es sich bei dem aktuellen Mordfall auch kaum um einen Nachahmungstäter handeln. Robert Hunter hat den Verdacht, dass vor anderthalb Jahren der falsche Täter festgenommen und hingerichtet wurde. Aber warum hat dieser die Taten damals gestanden? Gemeinsam mit seinem neuen Partner Carlos Garcia begibt er sich auf die Jagd nach dem grausamen Mörder, und nachdem ein weiterer Mord geschieht, ist Hunter sicher – der Kruzifix-Killer lebt!

Meine persönliche Meinung:

Sobald es um Thriller geht und man mit Menschen, die dieses Genre gerne lesen, ins Gespräch kommt, fällt der Name Chris Carter. Ich hatte fast den Eindruck, dass ich der einzige Mensch auf diesem Planeten bin, der bislang noch kein Buch dieses Stars am Thrillerhimmel gelesen hatte. Zunehmend wurde mir das Gefühl vermittelt, etwas wirklich Geniales verpasst zu haben, sodass meine Neugierde auf Chris Carters Robert-Hunter-Reihe nun doch immer größer wurde, obwohl mich bislang schon allein die reißerischen Titel abgeschreckt hatten. Da ich Thriller-Reihen immer in der richtigen Reihenfolge lesen möchte, startete ich nun also erwartungsvoll mit Der Kruzifix-Killer, dem ersten Band der Robert-Hunter-Reihe.
Um es kurz zu machen – mir ist nicht klar, was an diesem Buch nun so besonders sein soll. Wirklich besonders waren eigentlich nur die recht detaillierten Beschreibungen diverser Folter- und Mordmethoden, mit denen der Täter seine Opfer übergebührlich lange quält, bevor sie schließlich den erlösenden Tod finden. Ich kann das alles zwar durchaus aushalten, aber Spaß macht dieses effekthascherische Gemetzel nun nicht gerade und trägt leider auch nicht zur Spannung dieses Thrillers bei. Chris Carter hat in diesem Buch wirklich keine Perversion ausgelassen, zu der Menschen fähig sind. Ich mag es einfach lieber, wenn die Abgründe der menschlichen Seele psychologisch ausgefeilt dargestellt werden, denn das was zwischen den Zeilen steht und sich dann nur in meinem Kopf abspielt, ist häufig einfach viel schockierender als die Aneinanderreihung blutiger Details, die mich allenfalls abstumpfen lassen und irgendwann langweilen. Sie sind im besten Fall einfach nur unappetitlich, aber schockierend oder gar spannend sind sie für mich leider nicht. Ich hatte beim Lesen auch häufig den Eindruck, das alles, wenn auch nicht so geballt, schon einmal gelesen zu haben, denn innovative Ideen konnte ich keine ausmachen.
Das letzte Fünkchen Spannung hatte aber bereits der Klappentext gekillt, denn wenn man diesen aufmerksam gelesen hat, weiß man spätestens nach der Hälfte dieses Thrillers, wer der Täter ist. Ich habe bei meiner eigenen Zusammenfassung des Inhalts jedenfalls auf diesen Hinweis verzichtet und würde jedem, der das Buch lesen möchte, raten, den Klappentext nicht zu lesen. Nun, diesen Fauxpas kann man dem Autor jedenfalls schwerlich anlasten, denn er hat den Klappentext sicher nicht geschrieben.
Eine Überraschung war es jedenfalls nicht, als der Täter am Ende feststand, und der Weg zur Auflösung des Falls war auch nicht wendungsreich. Ich mag es eigentlich, wenn mich ein Autor immer wieder auf die falsche Fährte lockt und geschickt Spuren legt, die in die Irre führen, aber auch das hat in diesem Thriller vollkommen gefehlt. Wer der Täter ist, wusste ich jedenfalls sehr schnell, kam diesbezüglich auch nie ins Straucheln, sodass ich mir eigentlich nur noch die Frage nach seinem Motiv gestellt habe. Diese ließ mich das Buch dann auch bis zur letzten Seite durchhalten und wurde am Ende auch zu meiner Zufriedenheit gelöst, denn hier liefert der Autor erstmals tiefe Einblicke in die kranke Seele dieses psychopathischen Serienmörders. Chris Carter hat forensische Psychologie studiert und jahrelang als Kriminalpsychologe gearbeitet, was am Ende dieses Thrillers auch deutlich zutage tritt und mich wirklich beeindruckt hat, aber das ganze Buch über war davon leider recht wenig zu spüren.
Der Autor gibt sich im Auftakt seiner Thriller-Reihe jedoch sehr viel Mühe, die beiden Ermittlerfiguren Robert Hunter und seinen Partner Carlos Garcia sehr gut auszuarbeiten, wobei sein besonderes Augenmerk auf Robert Hunter liegt, der mir auch sehr sympathisch war. Dabei ist es ziemlich schwierig, es mir diesbezüglich noch recht zu machen, denn sowohl die unbesiegbaren Superhelden als auch die vollkommen gebrochenen und depressiven Ermittlercharaktere habe ich inzwischen satt, aber mit Robert Hunter hat Chris Carter einen Protagonisten geschaffen, der mir gut gefallen hat, da er eine gelungene Mischung aus beidem ist– gebildet, klug und attraktiv, aber durchaus mit Ecken, Kanten und so einigen Schwächen, die ihn nicht unfehlbar und deshalb eben auch sympathisch machen.
Trotzdem werde ich es wohl bei Hunters erstem Fall belassen, weil mich einfach zu vieles an diesem Thriller gestört hat. Ich muss zugeben, dass er sich sehr schnell lesen ließ, was aber schon allein der recht einfach gehaltenen Sprache geschuldet ist. Nun ja, ich hatte jetzt auch kein sprachliches Meisterwerk erwartet, aber auch sonst war der Kruzifix-Killer nicht gerade überragend, sondern bestenfalls durchschnittliche, wenn auch überdurchschnittlich brutale Massenthrillerware und nichts, was im Gedächtnis bleibt.

© Claudia Bett

Meine Bewertung: ⭐ ⭐ (2 von 5 Sternchen)

Buchdetails:

Chris Carter: Der Kruzifix-Killer
Verlag: Ullstein
Ersterscheinungsdatum: 10. Juni 2009
480 Seiten
ISBN 978-3-548-28109-4

Cover: Ullstein Buchverlage

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14 Gedanken zu “Buchrezension: Chris Carter – Der Kruzifix-Killer

    • Ich habe eben Deine Rezension gelesen – wir sind uns also einig. Platt, langweilig, zu brutal und ab der Mitte weiß man, wer der Täter ist 😀 Ich dachte schon, ich werde gesteinigt, ans Kreuz genagelt, gehäutet und gevierteilt, wenn ich was Schlechtes über Chris Carter sage. Ich verstehe echt nicht, warum dieser Autor so vergöttert wird. Er scheint sehr sympathisch zu sein auf Lesungen. Mag ja sein, aber das macht seine Bücher trotzdem nicht besser. Vielleicht sind die anderen aus der Reihe ja besser, aber ich habe jedenfalls keine Lust mehr auf dieses platte Gemetzel.

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      • Um Himmels Willen, also wenn ich an Laymon denke, bekomme ich wegen Carter fast ein schlechtes Gewissen, denn im Vergleich zu Laymon ist Carter fast ein Poet. Ich habe Laymon drei Chancen gegeben, aber kein einziges Buch bis zum Ende durchgehalten. Glücklicherweise waren diese Bücher geliehen, denn wenn ich dafür Geld ausgegeben hätte, wäre ich ausgerastet. Keine Ahnung, was man diesem Autor abgewinnen kann. Laymons Bücher sind unerträglich platt, sprachlich eine absolute Zumutung und außerdem sexistisch, frauenfeindlich und extrem widerlich.

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      • Ich habe ihm nur eine Chance gegeben, danach war für mich alles klar.

        Aber ganz offensichtlich verkaufen sich seine Bücher. Für mich ist er das Paradebeispiel dafür, dass auf dem Buchmarkt etwas so richtig schief läuft.

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  1. Oh je, also 2/5 Pünktchen ist schon sehr gemein für das Büchlein 😦
    Ich fand es gut, aber mehr auch nicht. Ich mag es auch sehr viel lieber, wenn psychologische Fakten als Ursache/Auslöser der Handlung fungieren.
    Allerdings mochte ich das Buch trotzdem. Du kannst ja gerne mal meine Rezi dazu durchlesen 🙂
    Aaaaaber: Der 2. Teil ist wirklich absolut genial! Viel besser, als der erste und total spannend!
    Ich kann dir nur raten, Carter noch eine Chance zu geben! 🙂
    Liebe Grüße 🙂

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