Auf diese Neuerscheinungen freue ich mich im Januar 2017

Das Jahr 2016 neigt sich seinem Ende und deshalb wurde es nun Zeit, einen Blick ins kommende Jahr zu werfen und nachzuschauen, welche Bücher 2017 erscheinen werden. Der Januar startet gleich mit einer ganzen Reihe von spannenden Neuerscheinungen, die mich neugierig machen und auf die ich mich freue.

Da ich fast alle Bücher von Sabine Thiesler gelesen habe und sie mir sehr gut gefallen haben, freue ich mich, dass am 9. Januar nun ihr neuster Roman erscheinen wird, zumal der Klappentext bereits äußerst vielversprechend klingt:

Sabine Thiesler - Nachts in meinem HausMord und Intrige in der Toskana

Tom ist ein anerkannter Kunstmaler, dazu reich und glücklich verheiratet. Alles läuft perfekt für ihn. Bis eines Nachts in seinem Haus etwas Schreckliches passiert. Unter Schock flieht er in ein toskanisches Bergdorf. Doch was ihm zunächst wie das Paradies erscheint, entpuppt sich schnell als Hölle. Tom hält das Alleinsein nicht aus, fühlt sich eingesperrt und verfolgt. Als er begreift, dass er niemandem mehr vertrauen kann, auch seinen Freunden nicht, ist es zu spät: Er trifft eine verhängnisvolle Entscheidung … (Klappentext: Heyne Verlag)

 

Sabine Thiesler – Nachts in meinem Haus
Verlag: Heyne
Ersterscheinungstermin: 9. Januar 2017
Hardcover – 512 Seiten – 19,99 €
ISBN 978-3-453-26969-9


Jenny Milewksi - AngstmädchenDie junge, schüchterne Malin zieht in ein Studentenwohnheim ein. Zu ihrer großen Freude bekommt sie das einzige Zimmer, das über eine Badewanne verfügt. Doch dann erfährt sie, dass sich darin ein Mädchen namens Yuko die Pulsadern aufgeschnitten hat. Kurz darauf findet Malin Haarbüschel, die nicht von ihr stammen können, und als sie eines Nachts eine blasse Gestalt sieht, wird ihr klar, dass etwas in ihr Leben getreten ist, das sie nicht mehr loswird. Etwas, das ihr Angst macht – das auf sie wartet – wo immer sie auch hingeht … (Klappentext: Heyne Verlag)

 

 

Jenny Milewski – Angstmädchen
Verlag: Heyne
Ersterscheinungstermin: 9. Januar 2017
Klappenbroschur – 336 Seiten – 13,99 €
ISBN 978-3-453-43880-4


arno-strobel-tiefe-narbe»Im Kopf des Mörders – Tiefe Narbe« ist der Auftakt einer spannenden Thriller-Trilogie um Oberkommissar Max Bischoff in Düsseldorf

Max Bischoff, Oberkommissar, Anfang dreißig, ist der Neue bei der Düsseldorfer Mordkommission. Er ist hoch motiviert und schwört auf moderne Ermittlungsmethoden, was nicht immer auf Gegenliebe bei den Kollegen stößt. Sein erster Fall beim KK11 hat es in sich. Auf dem Polizeipräsidium taucht eines Morgens ein Mann auf, der völlig verstört und von oben bis unten mit Blut besudelt ist. Er weiß weder, was in der Nacht zuvor geschehen ist, noch hat er eine Erklärung für das Blut auf seiner Kleidung. Wie sich bald herausstellt, stammt es nicht von ihm selbst, sondern von einer Frau. Einer Frau, die vor über zwei Jahren spurlos verschwand. Die für tot gehalten wird. War sie all die Zeit über noch am Leben und ist erst vor kurzem getötet worden? Und was hat der Mann mit der Sache zu tun? Ist er Täter oder Opfer?

Als kurz darauf eine Leiche am Rheinufer gefunden wird, verstricken Max Bischoff und sein Partner Horst Böhmer sich immer tiefer im Dickicht der Ermittlungen, um einen Fall zu lösen, in dem lange nichts zusammenzupassen scheint …
Ein echter »Strobel« mit einer gewohnt starken psychologischen Komponente und dem toughen jungen Ermittler Max Bischoff, der sich in einem Fall beweisen muss, der ihn vor die größte Herausforderung seiner bisherigen Karriere stellt. (Klappentext: S. Fischer Verlage)

Arno Strobel: Im Kopf des Mörders – Tiefe Narbe
Verlag: FISCHER Taschenbuch
Ersterscheinungstermin: 26. Januar 2017
Taschenbuch – 368 Seiten – 9,99 €
ISBN 978-3-596-29616-3


Clare Mackintosh - Alleine bist du nieZoe Walker führt ein komplett durchschnittliches Leben in einem Londoner Vorort: Sie ist geschieden, hat zwei Kinder und einen langweiligen Job. Eines Tages entdeckt sie auf dem sonst so ereignislosen Heimweg ein Foto von sich in der U-Bahn, daneben eine ihr unbekannte Telefonnummer. Bloß eine harmlose Verwechslung? Zoe ahnt, dass es hier um mehr gehen muss. Doch noch weiß sie nicht, in welcher Gefahr sie schwebt – und wie bald sie alles zu verlieren droht, was sie liebt … (Klappentext: Bastei Lübbe)

 

 

Clare Mackintosh – Alleine bist du nie
Verlag: Bastei Lübbe
Ersterscheinungstermin: 13. Januar 2017
Taschenbuch – 447 Seiten – 10,90 €
ISBN 978-3-404-17470-6


Sarah Pinborough - Sie weiß von dirDieses Ende dürfen Sie niemandem verraten.
Beinahe wäre Louisa mit dem netten Mann aus dem Pub im Bett gelandet. Ein paar Tage später dann der Schock: David ist ihr neuer Chef. Und verheiratet.
Kurz darauf lernt Louisa auf der Straße durch Zufall eine Frau kennen. Seine Frau. Bald sind die beiden Freundinnen. Keine gute Idee.
Adele ist sehr schön und sie wirkt sehr verletzlich. Nach und nach verrät sie Luisa Erschreckendes über ihre Ehe. Und Louisa spürt: Sie hat sich in eine heikle Lage gebracht. Was sie nicht weiß: Die Begegnung mit Adele war kein Zufall. Adele hat einen Plan. Doch es ist keine Intrige aus Eifersucht. Es ist viel, viel schlimmer. (Klappentext: Rowohlt Verlag)

 

Sarah Pinborough – Sie weiß von dir
Verlag: rororo
Ersterscheinungstermin: 20. Januar 2017
Taschenbuch – 448 Seiten – 9,99 €
ISBN 978-3-499-27265-3


Helen Callaghan - Dear AmyDie Opfer: 15 Jahre jung und verschwunden, für immer
Der Täter: zu allem fähig und niemals zufrieden
Die Erzählerin: psychisch labil und höchst unzuverlässig …

Die Lehrerin Margot Lewis ist extrem beunruhigt, als ein 15-jähriges Mädchen aus ihrer Klasse verschwindet. Sie ist überzeugt, dass Katie entführt wurde, auch wenn die Polizei dafür noch keinerlei Beweise hat. Dann erhält Margot, die nebenbei die Ratgeber-Kolumne „Dear Amy“ führt, einen unheimlichen Brief: Darin fleht ein Mädchen um Hilfe, das vor 15 Jahren spurlos verschwand. Ein Graphologe bestätigt die Echtheit des Briefes – und dass er nagelneu ist.
Margot, deren Gemütszustand sich rapide verschlechtert, verbeißt sich regelrecht in die Fälle, will unbedingt helfen. Doch was verschweigt sie selbst? (Klappentext: Droemer Knaur)

Helen Callaghan – DEAR AMY – Er wird mich töten, wenn Du mich nicht findest
Verlag: Droemer Knaur
Ersterscheinugstermin: 10. Januar 2017
Klappenbroschur – 400 Seiten – 14,99 €
ISBN 978-3-426-65420-0

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Frohe Weihnachten!

frohe-weihnachen

Ich wünsche Euch allen ein frohes und besinnliches Weihnachtsfest und viele schöne und spannende Buchgeschenke unterm Weihnachtsbaum. Aber vergesst nicht, dass die wertvollsten und wichtigsten Geschenke von Herzen kommen und nichts kosten. Also schenkt einfach mal ein Lächeln, eine Umarmung oder ein gutes Gespräch, nehmt Euch Zeit für andere, hört ihnen zu und schenkt kleine Momente des Glücks – und das nicht nur an Weihnachten.

 Herzliche Weihnachtsgrüße

Eure Claudia 

Als kleines Schmankerl möchte ich noch meine liebste Weihnachtsgeschichte und einen absoluten Klassiker der Weihnachtsliteratur mit Euch teilen – Erna, der Baum nadelt. Ein botanisches Drama am Heiligabend von dem unvergesslichen Robert Gernhardt. Gelesen von dem ebenso unvergesslichen und wunderbaren Harry Rowohlt, der den hessischen Originaltext ins Hamburgerische übersetzt hat und ein grandioser Vorlesekünstler war, ist diese herrliche Geschichte einfach ein Genuss. Hört sie Euch an – es lohnt sich!

Buchrezension: Jane Harper – The Dry

jane-harper-the-dryInhalt:

Seit mehr als einem Jahr hat es nicht mehr geregnet, der Fluss ist versiegt, Ernten blieben aus und das Vieh hungert. Die sengende Hitze und die langanhaltende Dürre treiben die Einwohner des kleinen australischen Städtchens Kiewarra zur Verzweiflung. Vor allem die Farmer leiden unter dieser schweren Dürreperiode und stehen vor den Trümmern ihrer Existenz. Einer von ihnen, der Farmer Luke Hadler, sah offenbar keinen anderen Ausweg, als seine Frau, seinen sechsjährigen Sohn und dann sich selbst zu erschießen – zumindest sieht auf den ersten Blick alles nach dem erweiterten Suizid eines verzweifelten Familienvaters aus. Aber warum hat er seine erst wenige Monate alte Tochter verschont?
Lukes Eltern wollen nicht glauben, dass ihr Sohn tatsächlich zu einer solchen Tat fähig war und bitten seinen Jugendfreund Aaron Falk, den Fall zu untersuchen.
Aaron und sein Vater hatten Kiewarra bereits vor mehr als zwanzig Jahren den Rücken gekehrt, nachdem sie verdächtigt worden waren, etwas mit dem ungeklärten Tod der damals sechzehnjährigen Ellie zu tun gehabt zu haben, mit der Aaron befreundet war. Eigentlich wollte Aaron in Kiewarra nur der Beerdigung seines ehemals besten Freundes Luke beiwohnen und den Ort, in dem er zwar seine Kindheit und Jugend verbracht hat, man ihm aber noch immer mit Misstrauen und unverhohlener Feindseligkeit gegenübertritt, so schnell wie möglich wieder verlassen. Aaron arbeitet inzwischen bei der Polizei in Melbourne, ist dort allerdings bei der Steuerfahndung tätig. Dennoch lässt er sich nun von Lukes Eltern überreden, die Umstände dieser Familientragödie zu untersuchen. Gemeinsam mit Sergeant Raco, dem örtlichen Polizisten, der ebenfalls Zweifel an der Theorie eines erweiterten Suizids hat, nimmt er die Ermittlungen auf.
War Luke tatsächlich fähig, sich und seine Familie zu töten? Hat er vielleicht früher schon einmal einen Menschen umgebracht?

Meine persönliche Meinung:

Bei The Dry handelt es sich um den Debütroman der australischen Journalistin Jane Harper, der schon kurz nach seinem Erscheinen die australischen Bestsellerlisten erklomm. Ich war sehr gespannt auf dieses Buch, denn der Klappentext klingt äußerst spannend und ein Thriller, dessen Schauplatz im australischen Outback angesiedelt ist, habe ich bislang noch nie gelesen und machte mich deshalb sehr neugierig.
Warum The Dry auf dem Cover als „Thriller“ bezeichnet wird, ist mir vollkommen schleierhaft, denn das Buch ist mitnichten ein Thriller, sondern meiner Meinung nach ein ganz klassischer Kriminalroman. Selbst als solcher lässt die Spannung leider sehr zu wünschen übrig. Auch auf die im Klappentext angekündigten beklemmenden Momente wartete ich vergeblich, sodass ich von The Dry doch etwas enttäuscht bin und die begeisterten Stimmen zu diesem Buch nicht ganz nachvollziehen kann.
Es fällt mir nicht leicht, diesen Roman zu bewerten, denn einerseits war er großartig geschrieben und in mehrfacher Hinsicht wirklich herausragend, andererseits war er leider so langatmig, dass ich mich häufig zum Weiterlesen zwingen musste. Eigentlich mag ich solche leisen Töne und Bücher, die etwas gemächlicher erzählt werden und ohne Schockmomente auskommen, aber abgesehen von dem außerordentlich bedrückenden Setting sorgt in diesem Roman leider nichts für Beklemmung oder gar Spannung.
Im Zentrum der Geschichte stehen gleich zwei Kriminalfälle – der ungeklärte Tod von Ellie, die vor mehr als zwanzig Jahren ertrunken aufgefunden wurde, und der angeblich erweiterte Suizid von Luke, der – so sieht es zumindest auf den ersten Blick aus – offenbar nicht nur sich selbst, sondern auch seine Frau und seinen kleinen Sohn erschossen hat.
Nach einem wirklich fulminanten Prolog verläuft der Einstieg in die Geschichte allerdings schon äußerst zäh. Als Aaron Falk in seine Heimatstadt zurückkehrt, um der Beerdigung seines Jugendfreundes Luke beizuwohnen, spürt er bereits während der Trauerfeier die argwöhnischen Blicke der Bewohner des kleinen Städtchens, die ihn daran erinnern, warum er und sein Vater Kiewarra vor mehr als zwanzig Jahren verlassen haben. Beide wurden damals mit dem ungeklärten Tod von Ellie in Verbindung gebracht, mit der Aaron befreundet war, und offenbar halten ihn die Menschen noch immer für einen Mörder. Nur Lukes Eltern und Gretchen, die damals ebenfalls zu Aarons Clique gehörte, scheinen sich zu freuen, ihn nach so langer Zeit wiederzusehen. Er würde nach der Beerdigung am liebsten sofort wieder abreisen, und man kann es ihm kaum verdenken, denn Kiewarra ist alles andere als ein einladender Ort. Jane Harper ist es ausgesprochen gut gelungen, diese fiktive Kleinstadt im australischen Outback sehr bedrückend zu gestalten. Anders als der Titel vermuten ließe, steht die Dürre nicht im Zentrum der Erzählung, sondern liefert nur Hintergrund, vor dem die Geschehnisse stattfinden. Die flirrende Hitze und die Trockenheit sind beim Lesen geradezu spürbar und schlagen den Bewohnern von Kiewarra schwer aufs Gemüt. Bereits Aarons bloße Anwesenheit löst in dieser verschworenen Gemeinschaft Misstrauen aus und lässt alte Wunden wieder aufbrechen. Als er dann die Ermittlungen aufnimmt und Fragen stellt, stößt er nur auf feindselige Ablehnung und eine Mauer des Schweigens. Die Ermittlungen gestalten sich äußerst zäh und langwierig – und das sind sie eben leider auch beim Lesen. Es scheint fast so, als würde die drückende Hitze auch die Spannung lähmen. Obwohl der Verdacht immer wieder auf eine andere Person gelenkt wird, ist die Suche nach dem Täter nicht sehr spannend. Auch wenn dieser Kriminalroman häufig die Züge eines klassischen Whodunits trägt, lädt er leider auch nicht zum Miträtseln ein, da der Protagonist viele der Puzzleteilchen, die es zusammenzutragen gilt, für sich behält.
Während seinen gegenwärtigen Ermittlungen, erinnert sich Aaron rückblickend immer wieder an seine Jugend, seine erste große Liebe, kleine Jugendsünden, die Erlebnisse mit seinem Freund Luke und auch an den rätselhaften Tod seiner Freundin Ellie. Die Rückblenden in die Vergangenheit sind in kursiver Schrift gedruckt und fügen sich nahtlos in die gegenwärtige Handlung ein. Diese Erzähltechnik hat mir ausgesprochen gut gefallen, denn auf diese Weise werden die beiden Kriminalfälle sehr geschickt miteinander verwoben.
Erst gegen Ende nimmt die Erzählung dann ein wenig an Fahrt auf und überzeugt mit einer logischen und schlüssigen Auflösung der beiden Fälle, die mich sehr überrascht hat.
Jane Harper hat ihren Hauptprotagonisten sehr fein gezeichnet und gut ausgearbeitet. Trotzdem wollte er mir nicht so recht ans Herz wachsen und hatte für mein Empfinden zu wenig Ecken und Kanten. Er ist sehr bescheiden, klug und auch besonnen, durchaus sympathisch, aber eben leider keine besonders interessante Persönlichkeit. Die verschworene Gemeinschaft der Stadtbewohner, die von Engstirnigkeit und Misstrauen geprägt ist, hat die Autorin ebenfalls sehr gut skizziert.

Jane Harper konnte mich mit ihrem Debüt leider nicht vollkommen überzeugen. Obwohl ihre Erzählweise für einen Debütroman sehr ausgereift ist, The Dry mit einem großartigen Setting, glaubwürdigen Charakteren und einem gut durchdachten Plot aufwarten kann, mangelt es diesem Kriminalroman leider nahezu durchgehend an Spannung.

© Claudia Bett

Meine Bewertung: ⭐ ⭐ ⭐ (3 von 5 Sternchen)

Herzlichen Dank an und den Rowohlt Verlag, der mir das Rezensionsexemplar zur Verfügung stellte!

Buchdetails:

Jane Harper: The Dry
Verlag: Rowohlt Polaris
Ersterscheinungsdatum: 21. Oktober 2016
384 Seiten
ISBN 978-3-499-29026-8

Cover: Rowohlt Verlag

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Buchrezension: B. A. Paris – Saving Grace. Bis dein Tod uns scheidet

Saving GraceBis dein Tod uns scheidet von BA ParisInhalt:

Als Grace an einem Sonntagnachmittag im Londoner Regent’s Park den attraktiven und erfolgreichen Anwalt Jack Angel kennenlernt, ist sie sofort verliebt und kann es kaum fassen, dass sich dieser charmante Mann offensichtlich auch zu ihr hingezogen fühlt. Grace ist zwar bildschön, klug und warmherzig, hatte aber bislang wenig Glück mit Männern. Ihre Schwester Millie hat das Down-Syndrom, und da ihre Eltern mit der Behinderung ihrer jüngsten Tochter vollkommen überfordert sind, fühlt sich Grace für ihre kleine Schwester verantwortlich. Momentan lebt Millie in einem Internat, aber Grace möchte sie zu sich nehmen, sobald Millie volljährig ist und das Internat verlassen muss. Ihre bisherigen Partner hatten immer ein Problem mit Millie und wollten nicht akzeptieren, dass sie in Grace‘ Leben einen so hohen Stellenwert einnimmt und sogar bald bei ihr leben soll. Doch Jack ist vollkommen anders als alle anderen Männer – er ist liebevoll, warmherzig und hat Millie sofort ins Herz geschlossen.
Auf diesen Mann hat Grace ein Leben lang gewartet, sodass sie keinen Augenblick zögert, als Jack ihr schon nach wenigen Monaten einen Heiratsantrag macht. Alle Frauen beneiden sie um diesen gutaussehenden, liebenswürdigen und verständnisvollen Mann, der sich als Anwalt vor allem für die Rechte misshandelter Frauen einsetzt. Außerdem ist Jack sehr vermögend und lässt für Grace ein wunderschönes Traumhaus bauen, das ganz ihren Vorstellungen entspricht.
Niemand aus dem Bekanntenkreis zweifelt daran, dass Grace und Jack das perfekte Paar sind und ein perfektes Leben führen – fast ein wenig zu perfekt, um wahr zu sein. Doch was sich hinter dieser perfekten Fassade verbirgt, ahnt niemand…

Meine persönliche Meinung:

Ich habe das Buch schon vor einigen Monaten in der Verlagsvorschau entdeckt und war sehr gespannt auf das Debüt der britischen Autorin B. A. Paris. Zweifellos war Saving Grace – Bis dein Tod uns scheidet eines der spannendsten Bücher, das ich in diesem Jahr gelesen habe und überraschte mich gleich in mehrfacher Hinsicht, denn was zunächst nach einem Psychothriller nach bekanntem Strickmuster klingt, entpuppte sich als außergewöhnlich beklemmend und furchteinflößend.
Die Geschichte wird aus der Ich-Perspektive von Grace geschildert und auf zwei Zeitebenen erzählt. Der Leser begleitet Grace nicht nur durch ihr Martyrium in der Gegenwart, kurz vor dem bevorstehenden Einzug ihrer Schwester Millie, sondern wirft mit ihr auch einen Blick zurück in die Vergangenheit, in die Zeit, als sie Jack kennenlernte und schon kurz darauf heiratete. Beide Zeitebenen liegen zunächst nur achtzehn Monate auseinander und näheren sich im weiteren Handlungsverlauf dann immer näher an.
Die Anzahl der Protagonisten ist sehr überschaubar, und die Handlung fokussiert sich vollkommen auf Jack und Grace. Ein paar Nebenfiguren, wie Millie, Menschen aus dem Freundeskreis und sogar George Clooney kommt zwar eine Schlüsselrolle zu, jedoch ohne dass man diese Personen näher kennenlernt oder sie überhaupt in Erscheinung treten. Nur Millie, Grace‘ siebzehnjährige Schwester, die am Down-Syndrom leidet, lernt man etwas besser kennen, ist mir auch sofort ans Herz gewachsen und hat es immer wieder geschafft, mich zu überraschen.
Das Buch setzt während einer Dinner-Party in der Gegenwart ein, auf der Grace und Jack vor ihren Gästen das perfekte Ehepaar mimen und die Perfektion ihres Liebesglücks grandios inszenieren. Auch ohne den Klappentext gelesen zu haben, spürt man, dass an dieser Perfektion etwas nicht stimmen kann, denn jedes Wort, jedes Lächeln und jede noch so banale Geste wirkt einstudiert und aufgesetzt, sodass man sich sofort fragt, was sich hinter dieser makellosen Fassade verbergen mag.
Im nächsten Kapitel schildert Grace dann, wie sie den charmanten und attraktiven Jack kennengelernt hat, und man kann sehr gut verstehen, dass sie sich in diesen Mann sofort verliebt hat, denn es ist geradezu rührend und herzerwärmend, wie liebevoll er sich gegenüber ihrer Schwester Millie verhält. Jack ist so warmherzig, charmant und einfühlsam, dass Grace ihr Glück kaum fassen kann und schon nach wenigen Monaten, ohne zu zögern, seinen Heiratsantrag annimmt.
Doch schon am Tag der Hochzeit lässt Jack seine Maske fallen und zeigt sein wahres Gesicht, sagt auch unverblümt, wie er sich die Zukunft mit ihr vorstellt und gibt Grace unmissverständlich zu verstehen, dass sie sich seinen Wünschen beugen muss und ihm niemals mehr entkommen wird. Seine Zukunftspläne sind so unfassbar grausam und abgrundtief böse, dass mir das Blut in den Adern gefror. Grace ist fassungslos, als sie erkennt, dass sie sich in ihm getäuscht hat, versucht mehrfach, ihm zu entkommen, stellt allerdings schnell fest, dass er alles bis ins kleinste Detail geplant, jeden ihrer Schritte vorhergesehen und einkalkuliert hat und jeder weitere Fluchtversuch ihre Lage nur noch verschlimmert.
Das Erschreckende ist, dass Jack überaus intelligent und seine Vorgehensweise so perfide und durchdacht ist, dass es für Grace kein Entkommen zu geben scheint. Wer nun denkt, Jack würde seine Frau misshandeln oder körperlich verletzen, liegt falsch. In diesem Psychothriller, fließt kein Tropfen Blut, denn Jack krümmt Grace kein Haar, aber dennoch ist das, was er ihr immer wieder antut, unfassbar grausam. Er hält sie auch nicht vollkommen fern aus der Öffentlichkeit, sodass man sich fragen könnte, warum sie nie zu fliehen versucht oder jemanden um Hilfe bittet, wenn sie sich mit Freunden treffen oder Millie im Internat besuchen, aber Jack ist immer an ihrer Seite, lässt Grace nie aus den Augen und hat auch dafür gesorgt, dass ihr ohnehin niemand glauben wird – sein Image ist einfach zu lupenrein und seine Inszenierungen sind perfekt. Obwohl er Grace keine sichtbaren Fesseln angelegt hat, ist sie jede Sekunde ihres Lebens gefangen in Fesseln aus Angst. Jack ist ein Kontrollfreak und überlässt nichts dem Zufall. Wenn sie sich mit Freunden treffen, ist jedes Wort und jedes Lächeln genau einstudiert. Grace weiß genau, was passieren wird, wenn sie etwas tut, was seinen Vorstellungen zuwiderläuft, sie an der falschen Stelle lächelt oder nur den Blick senkt. Als besonders perfide empfand ich vor allem seine scheinbar harmlosen Äußerungen, die für jeden Außenstehenden wie liebevolle Schmeicheleien klingen. Der Leser weiß allerdings, was es bedeutet, wenn Jack in der Öffentlichkeit Grace‘ künstlerisches Talent lobt oder erwähnt, dass sie sich selbst ein schönes Kleid genäht hat. Er ist immer in ihrer Nähe, es gibt keinen unbeobachteten Moment, und falls sie versehentlich doch einen kleinen Fehler macht, weiß sie auch, dass sie dafür büßen muss. Sie weiß allerdings auch, dass das, was sie täglich erlebt, nur ein kleiner Vorgeschmack auf das ist, was ihr noch bevorsteht und sie um jeden Preis verhindern muss.
Die Idee, dass sich ein vermeintlicher Traummann als gefährlicher Psychopath entpuppt, ist nicht gerade neu, aber B. A. Paris hat mit Jack Angel einen so furchteinflößenden und abgrundtief bösen Protagonisten erschaffen, wie er mir in diesem Genre nur selten begegnet ist. Die Ausweglosigkeit, in der sich Grace befindet, ist so beklemmend, nachvollziehbar und eindrücklich geschildert, dass es mir häufig eiskalt den Rücken hinunterlief. Man kann ihre Angst, das Grauen und die Bedrohung, die von ihrem Mann ausgeht, in jeder Zeile spüren und hofft, es gäbe eine Möglichkeit, diesem Monster zu entkommen. Das Buch ist von der ersten bis zur letzten Seite unglaublich fesselnd, enthält keine überflüssigen Dialoge oder gar Längen. Außerdem ist der Erzählstil der Autorin sehr eindringlich, flüssig und mitreißend.
Saving Grace ist ein Psychothriller im wahrsten Sinne des Wortes und hat mich in jeder Hinsicht überzeugt. Ich hoffe, dass man von B. A. Paris nach diesem großartigen Debüt bald noch mehr lesen darf.

© Claudia Bett

Meine Bewertung: ⭐ ⭐ ⭐ ⭐ ⭐ (5 von 5 Sternchen)

Herzlichen Dank an den Blanvalet Verlag, der mir das Rezensionsexemplar freundlicherweise zur Verfügung stellte!

Buchdetails:

B. A. Paris: Saving Grace. Bis dein Tod uns scheidet
Verlag: Blanvalet
Ersterscheinungsdatum: 21. November 2016
352 Seiten
ISBN 978-3-7341-0263-9

Cover: Blanvalet Verlag

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Buchrezension: Jutta Maria Herrmann – Hotline

jutta-maria-herrmann-hotlineInhalt:

Die vier Freunde, Chris, Paula, Konrad und Rick wohnen zusammen in einer WG in Berlin und haben gemeinsam eine Beicht-Hotline ins Leben gerufen. Die Geschäftsidee stammt von Chris und startete bereits sehr vielversprechend. In den ersten Wochen standen die Telefone nie still, und auch wenn der erste Ansturm sich inzwischen wieder gelegt hat, hat sich gezeigt, dass viele Menschen das Bedürfnis haben, sich die Last ihrer großen und kleinen Sünden und Verfehlungen von der Seele zu reden. Allerdings versteht sich die Beicht-Hotline nicht als moralische Instanz, die Absolution erteilt, richtet oder verurteilt. Ihre oberste Maxime ist nicht nur absolute Verschwiegenheit, sondern auch niemals die Polizei einzuschalten, ganz egal wie schlimm die Vergehen, die die Anrufer am Telefon gestehen, auch sein mögen.
Doch als eines Tages eine Anruferin ankündigt, sie wolle auf dem Friedhof am Friedrichshain ein neugeborenes Kind lebendig begraben, wendet sich Rick trotzdem an die Polizei, obwohl Chris strikt dagegen ist. Die Polizei sieht jedoch keine Veranlassung einzuschreiten, da kein tatsächliches Verbrechen vorliegt. Doch der Anruf lässt Rick keine Ruhe und auch der hochschwangeren Paula geht der Gedanke, dass eine Frau ein neugeborenes Baby lebendig begraben will, nicht mehr aus dem Kopf. Als die mysteriöse Frau erneut anruft und Rick ausrichten lässt, dass sie in der kommenden Nacht ihren Plan in die Tat umzusetzen wird, beschließen Rick und Paula, auf dem Friedhof nach der unbekannten Anruferin zu suchen, um sie rechtzeitig von ihrem Vorhaben abzubringen. Allerdings finden sie dort nur noch ein frisch ausgehobenes Grab, in dem sich aber glücklicherweise nur eine lebensgroße Puppe befindet. Doch dann meldet sich die rätselhafte Anruferin wieder und lässt die vier Freunde wissen, dass dies erst der Anfang sei, denn einer von ihnen habe eine schwere Schuld auf sich geladen, für die sie nun alle büßen sollen…

Meine persönliche Meinung:

Ich bin schon lange neugierig auf die Bücher von Jutta Maria Herrmann und habe mich deshalb sehr gefreut, dass ich bei einem Gewinnspiel ihr Debüt Hotline mit einer persönlichen Widmung der Autorin gewonnen habe.
Ich konnte es kaum erwarten, endlich mit dem Lesen zu beginnen und war von der Geschichte schon von der ersten Seite an so gefangen, dass ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen konnte. Anfangs hat mich dieser Thriller ein bisschen an Sorry von Zoran Drvenkar erinnert. Die Beicht-Hotline hat durchaus ein paar Parallelen zu der Agentur für Entschuldigungen in Drvenkars Thriller, unterscheidet sich allerdings in einem ganz entscheidenden Punkt und war mir deshalb ein bisschen sympathischer, da es den vier Freunden eben nicht darum geht, die Vergehen ihrer Klienten zu entschuldigen, sondern ihnen nur daran gelegen ist, dass sich die Anrufer ihre Sünden von der Seele reden können. Im Grunde handelt es sich dabei um eine Art Telefonseelsorge, denn Chris, der die Idee zu dieser Beicht-Hotline hatte, ist davon überzeugt, dass jedes Vergehen seine Ungeheuerlichkeit verliert, wenn man versucht, es in Worte zu fassen und dies der erste Schritt zur Einsicht sei. Da sich die vier Freunde aber immerhin nicht anmaßen, Absolution zu erteilen, konnte ich diesen Grundgedanken durchaus nachvollziehen. Fragwürdig ist jedoch der unumstößliche Grundsatz, niemals die Polizei einzuschalten, selbst wenn die Anrufer schwerste Verbrechen gestehen. Damit befinden sie sich jedoch in Übereinstimmung mit der nicht minder fragwürdigen Beichtpraxis der Kirche, denn nach geltendem Kirchenrecht darf das Beichtgeheimnis selbst dann nicht gebrochen werden, wenn ein Mord oder eine andere schwere Straftat gebeichtet wurde. Aber es soll ja nicht um theologische Grundsatzdiskussionen oder um meine Vorstellungen von Schuld und Sühne gehen, sondern um das Buch.
Was mich ebenfalls sehr an Drvenkars Sorry erinnert und mir ausgesprochen gut gefallen hat, ist, dass die Kapitel, die aus der Sicht der unbekannten Anruferin erzählt werden, in der zweiten Person Singular geschrieben sind, der Leser also direkt angesprochen wird. Da es sich dabei um die Täterin handelt, also um eine Frau, die nicht nur ankündigt, ein neugeborenes Kind lebendig begraben zu wollen, sondern noch weitaus Schlimmeres vorhat, ist es für den Leser äußerst befremdlich, von ihr direkt angesprochen zu werden, denn diese vertraute Anrede erzeugt eine Intimität, die etwas irritierend ist. Noch verstörender war für mich, dass ich ihre Gedanken, ihren Hass und ihre Wut manchmal geradezu erschreckend nachvollziehbar fand. Durch die Vertrautheit und diese unmittelbare Nähe erhält man tiefe Einblicke in ihre Psyche, spürt die Verletzungen und Demütigungen, die ihr zugefügt wurden und kann auch nachfühlen, warum sie ihren Schmerz niemals abstreifen konnte. Trotzdem spürt man natürlich auf jeder Seite die Bedrohung, die von dieser Frau ausgeht, sodass diese Nähe zur Antagonistin mitunter auch als sehr unbehaglich ist, denn man ahnt recht schnell, dass ihr Hass auf einen der vier Freunde geradezu bizarre Formen annehmen wird.
Die Geschehnisse werden aus der Sicht der Täterin und abwechselnd aus der Perspektive jeder der vier Hauptprotagonisten erzählt. Dabei wird die Lebensgeschichte jedes einzelnen beleuchtet, was mir sehr gut gefallen hat, denn die Autorin hat sehr interessante und vielschichtige Figuren geschaffen und sie sehr präzise und psychologisch tiefgründig ausgearbeitet. Jeder der vier Freunde hat mit seinen eigenen Dämonen der Vergangenheit zu kämpfen und steckt in einer recht schwierigen Familien- oder Beziehungskonstellation. Die individuellen Schicksale der Akteure waren teilweise sehr ergreifend und auch ihre Beziehungen untereinander bergen enormes Konfliktpotential. Das heißt jedoch nicht, dass sie mir alle gleichermaßen sympathisch waren. Nur Rick und Paula vermochten es, mir so ans Herz zu wachsen, dass ich mit ihnen mitfühlen konnte und hoffte, wenigstens sie blieben von den perfiden Racheplänen der mysteriösen Anruferin verschont. Doch die versteht es äußerst geschickt, die wunden Punkte jedes Einzelnen aufzuspüren und sich für ihre Zwecke zu Nutze zu machen. Obwohl sich ihr Hass eigentlich nur auf einen der vier Freunde richtet, sollen nun alle für seine Verfehlungen büßen.
Leider war mir recht früh klar, wer von ihnen dieser Frau in der Vergangenheit so viel Leid zugefügt hatte und auch, wer die Täterin ist. Allerdings war nicht vorhersehbar, welch grausame Formen ihr Plan noch annehmen wird und ob es ihr gelingt, ihn bis zum Ende auszuführen, sodass die Spannung trotzdem auf einem hohen Level gehalten werden konnte. Auch die Arglosigkeit der vier Freunde, die sich der Gefahr, in der sie schweben, häufig gar nicht bewusst sind, trägt dazu bei, dass die Geschichte bis zum Ende fesseln kann.
Allerdings ist es ein sehr ruhiges Buch. Die Spannung resultiert nicht aus brutalen oder tempogeladenen Szenen, sondern aus der atmosphärisch dichten Erzählweise der Autorin, dem psychologisch ausgefeilten Plot und den verstörenden Einblicken in die Seele einer zutiefst verletzten Frau, die vor nichts zurückschreckt, um sich für ihr verlorenes Lebensglück zu rächen.
Mir hat Hotline sehr gut gefallen, weil ich die eher gemächlichen und dafür tiefgründigen Psychothriller den brutalen und actiongeladenen vorziehe und mich die gut ausgearbeiteten Charaktere und Jutta Maria Herrmanns Erzählstil absolut überzeugen konnten.

© Claudia Bett

Meine Bewertung: ⭐ ⭐ ⭐ ⭐ (4 von 5 Sternchen)

Buchdetails:

Jutta Maria Herrmann: Hotline
Verlag: Knaur
Ersterscheinungsdatum: 03. November 2014
336 Seiten
ISBN 978-3-426-51456-6

Cover: Droemer Knaur

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Buchrezension: Caroline Kepnes – YOU – Du wirst mich lieben

caroline-kepnes-you-du-wirst-mich-liebenInhalt:

Als die Studentin und angehende Schriftstellerin Guinevere Beck, die der Einfachheit halber nur Beck genannt wird, die kleine Buchhandlung betritt, in der Joe Goldberg arbeitet, spürt er sofort eine besondere Verbindung zu dieser jungen Frau, ist vollkommen hingerissen und weiß augenblicklich, dass sie geradezu perfekt für ihn ist. Sie ist wunderschön, sexy und intelligent, sodass er schon nach wenigen Minuten sicher ist, endlich sein passendes Gegenstück gefunden zu haben.
Da sie ihren Einkauf mit ihrer Kreditkarte bezahlt, kennt er ihren Namen, googelt nach ihr und findet schnell heraus, wo Beck wohnt. Außerdem hat sie einen öffentliches Facebook-Profil und einen Twitter-Account, auf dem sie die Welt an ihrem Leben teilhaben lässt. Jeden Abend bezieht Joe seinen Posten auf der gegenüberliegenden Straßenseite ihrer Wohnung und beobachtet sie. Er ist geradezu besessen von ihr und versucht alles, um immer in ihrer Nähe zu sein und ein vermeintlich zufälliges Wiedersehen zu arrangieren.
Beck merkt nicht, dass sie beobachtet wird, aber als sie sich in einer lebensgefährlichen Situation befindet, erweist sich der charmante Buchhändler, der gerade ‚zufällig‘ in der Nähe ist, als ihr Lebensretter. Sie ahnt nicht, dass Joe längst die Kontrolle über ihr Leben übernommen hat und ist sehr angetan von dem charismatischen Mann, der Bücher liebt und immer für sie da ist. Doch damit gibt sich Joe nicht zufrieden, denn er will Beck voll und ganz besitzen und ist bereit, alle Hindernisse aus dem Weg zu räumen, die zwischen ihm und seiner Angebeteten stehen – auch wenn er dafür töten muss…

Meine persönliche Meinung:

Ich habe You – Du wirst mich lieben von Caroline Kepnes im Rahmen einer Leserunde gelesen. Ich habe schon so viel Gutes von diesem Roman gehört, dass ich ihn nun unbedingt lesen wollte. Hätte ich dieses Buch alleine gelesen, hätte ich es vermutlich nach 100 Seiten abgebrochen, denn teilweise war es wirklich eine Zumutung. Dabei waren die ersten Kapitel noch außerordentlich spannend, und die Erzählung begann auch zunächst äußerst vielversprechend.
Das ganze Buch wird aus der Ich – Perspektive von Joe Goldberg erzählt, der einen inneren Monolog führt, bei dem er auch immer wieder das Wort an Beck richtet. Diese Form des Selbstgesprächs ermöglicht sehr tiefe Einblicke in die Gedankenwelt dieser gestörten Persönlichkeit und schafft eine Intimität, die ich als sehr unangenehm empfand, denn man will einem solchen Psychopathen eigentlich gar nicht so nahe kommen. Dennoch hat mir diese Form des Erzählens sehr gut gefallen und ist auch sehr raffiniert gewählt, denn obwohl sich Joe keineswegs als Identifikationsfigur eignet, ist man hin und wieder geneigt, sich auf seine Seite zu stellen und beginnt irgendwann seiner wahnhaften Logik zu folgen. Es ist äußerst verstörend, gezwungen zu sein, sich in diesen psychopathischen Charakter hineinzuversetzen und so unmittelbar in die Abgründe seiner Seele zu blicken. Leider waren seine Phantasien häufig so abstoßend, dass diese Nähe meistens nur schwer zu ertragen war.
Verliebte Menschen neigen ja häufig dazu, nach versteckten Botschaften zu suchen, mit denen das Objekt der Begierde ebenfalls Interesse signalisiert, aber aus welch banalen Verhaltensweisen Joe abzuleiten versucht, dass auch Beck sofort von ihm hingerissen ist, ist geradezu lächerlich und absurd. So ist er zum Beispiel davon überzeugt, dass sie ihren Einkauf in seiner Buchhandlung nur mit ihrer Kreditkarte bezahlt, damit er ihren Namen erfährt. Wenn man das liest und seinen Gedankengängen folgt, würde man am liebsten in jedem Ladengeschäft nur noch bar bezahlen. Sofort googelt er nach ihrem Namen, stößt auf ihr Twitter-Profil und ist verwundert, dass sie dort noch nicht die ganze Welt an ihrer geradezu magischen Begegnung mit dem charmanten Buchhändler teilhaben ließ. Den Gedanken, dass sie ihn längst wieder vergessen hat und diese alltägliche Begegnung für sie vollkommen bedeutungslos war, lässt er jedoch erst gar nicht zu und kommt deshalb schon im nächsten Augenblick zu der Überzeugung, dass sie über Dinge, die ihr besonders wichtig sind, ohnehin nie twittert, es also gerade ein Zeichen ihrer Liebe ist, dass sie die Begegnung mit ihm vor der Öffentlichkeit verbirgt. Da er auch herausfindet, wo sie wohnt, beobachtet er sie von nun an jeden Abend, dringt in ihrer Abwesenheit auch in ihre Wohnung ein und durchschnüffelt ihren Computer. Da er immer weiß, wo sie sich aufhält, gelingt es ihm auch, sie wieder zu treffen und es wie eine zufällige Begegnung aussehen zu lassen.
Bis zu diesem Moment war das Buch noch überaus spannend, denn in die Gedanken eines Stalkers einzudringen und hautnah mitzuerleben, wie er sich seinem Opfer nähert, war wirklich beängstigend. Allerdings handelt es sich dabei nur um die ersten 50 Seiten des Buches. Da Beck seine Annäherungsversuche gar nicht abwehrt, überhaupt nicht merkt, wie gestört ihr neuer Verehrer ist, sondern sich sogar noch zu ihm hingezogen fühlt, ist die Spannung danach nahezu dahin. Auch die Stalking-Thematik tritt vollkommen in den Hintergrund, denn Beck zeigt ja durchaus Interesse an Joe und sucht auch seine Nähe. Was Joe an dieser Frau findet, war mir jedoch ein Rätsel, denn sie hat nicht einen einzigen liebenswerten Charakterzug. Immer wieder lässt sie sich mit Joe ein, um ihn dann wieder am langen Arm verhungern zu lassen. Seine Besitzansprüche sind zwar äußerst bedenklich und die Mittel, zu denen er greift, um Beck an sich zu binden, sind beängstigend, aber sie merkt es eben nicht einmal. Hinzu kommt, dass Beck so selten dämlich, selbstverliebt, oberflächlich, sprunghaft und unsympathisch ist, dass man ohnehin nicht mit ihr mitfiebern kann und manchmal fast Mitleid für Joe empfindet. Obwohl man sie nur aus seiner Sicht kennenlernt und Joe natürlich stets ihre Vorzüge in den Mittelpunkt rückt, konnte ich nicht erkennen, was an dieser Frau so unwiderstehlich sein soll. Das Eigenartige ist jedoch, dass ihr offenbar niemand widerstehen kann, denn jeder in ihrem Umfeld vergöttert Beck.
Joe merkt jedenfalls recht schnell, dass er nicht der Einzige ist, der in sie verliebt ist und beschließt deshalb, jeden aus dem Weg zu räumen, der ihm gefährlich werden könnte. Da aber auch diese Personen so gestört, dämlich und unsympathisch sind, dass man sich geradezu wünscht, dass sie schnell wieder von der Bildfläche verschwinden, kann man mit Becks anderen Verehrern keinerlei Mitleid empfinden.
Völlig beiläufig und ohne lange Planung räumt Joe also alle Hindernisse aus dem Weg, um Beck endlich ganz für sich allein zu haben. Ein Mord wird in wenigen Sätzen abgehandelt, niemand stellt hinterher lästige Fragen oder scheint diese Morde mit Joe in Verbindung zu bringen, sodass es weder schockierend noch spannend ist, wenn wieder jemand zu Tode kommt. Leider wird die Geschichte damit auch vollkommen unglaubwürdig und geradezu lächerlich. Ich konnte das Buch jedenfalls nicht mehr ernstnehmen, sondern musste häufig einfach nur noch lachen. Ich glaube allerdings nicht, dass die Autorin beabsichtigte, eine schwarze Komödie zu schreiben, die den Leser amüsiert, sondern vermute, dass dieses Buch als ernsthafter und spannender Roman mit Thriller-Elementen gedacht war. Falls das beabsichtigt gewesen sein sollte, ist es jedenfalls gründlich missglückt, aber vermutlich habe ich auch einfach einen recht seltsamen Humor. Die Geschichte tritt leider ewig auf der Stelle, der Plot ist einfach nur langweilig, handlungsarm und auch vollkommen vorhersehbar. Ein Thriller ist dieses Buch jedenfalls nicht und auch als Roman ein äußerst zähes Lesevergnügen.
Eigentlich habe ich nur noch weitergelesen, weil es mir recht gut gefallen hat, wie Joe seine Mitmenschen analysiert. Seine Gedanken über Literatur, seine Liebe zu Büchern und seine zynischen Bemerkungen über manche Autoren, Leser und die Kunden in seiner Buchhandlung sind wirklich herrlich, denn sie strotzen nur so vor bösem Sarkasmus, waren äußerst amüsant und häufig auch sehr treffend. Da er sehr intelligent ist und eigentlich sehr hohe Ansprüche an seine Mitmenschen stellt, war mir noch schleierhafter, was er überhaupt an Beck findet.
Geradezu enttäuschend und leider auch sehr ekelerregend ist allerdings, dass er zwar immer von Liebe spricht und sich absurderweise auch für Becks Retter und Beschützer hält, aber sein eigentliches Interesse rein sexueller Natur zu sein scheint. Seine sexuelle Besessenheit, seitenlange Masturbationsphantasien und auch die recht ausführlichen Schilderungen seiner sexuellen Erlebnisse mit Beck nehmen leider einen sehr breiten Raum ein und sind ausgesprochen unappetitlich. Mit Erotik haben diese Passagen jedenfalls nicht das Geringste zu tun, und das Kopfkino, das beim Lesen unwillkürlich anspringt ist so abstoßend, dass ich manche Seiten nur noch überflogen habe und ganz froh bin, dass diese Bilder in meinem Kopf allmählich wieder verblassen. Auf blutige Details verzichtet Caroline Kepnes zwar in diesem Roman, aber ein solches Übermaß an anderen Körperflüssigkeiten ist wirklich eine Zumutung für jeden empfindlichen Magen. Leider ist das Buch auch sprachlich häufig kaum zu ertragen, denn die verwendete Vulgärsprache ist auf Dauer einfach anstrengend und auch nicht besonders erquicklich.
Bis auf die ersten Kapitel, die noch recht spannend waren und auf eine beklemmende Geschichte hoffen ließen, war dieser Roman leider sehr zäh und langatmig. Auch das Ende ist bedauerlicherweise schon sehr früh vorhersehbar. Die recht gut gewählte Erzählform des inneren Monologs hat mir allerdings gut gefallen. Auch die zynischen Gedanken von Joe, wenn er sich über den Literaturbetrieb und diverse Bücher äußert, sowie ein paar recht amüsante Textpassagen, die vielleicht auch nur unfreiwillig komisch waren, fand ich durchaus gelungen, aber ansonsten war dieser Roman leider eine ziemliche Enttäuschung.

© Claudia Bett

Meine Bewertung: ⭐ ⭐ (2 von 5 Sternchen)

Buchdetails:

Caroline Kepnes: You – Du wirst mich lieben
Verlag: LYX
Ersterscheinungsdatum: 07. Mai 2015
512 Seiten
ISBN 978-3-86396-079-7

Cover: Bastei Lübbe

Mein Monatsrückblick November 2016

Gelesen:

Mein Lesemonat November war eher durchwachsen, begann und endete leider ein bisschen zäh, sodass ich häufig einfach keine Lust zum Lesen hatte und an manchen Büchern ewig festklebte.

Ich habe im vergangenen Monat fünf Bücher gelesen – das waren 2052 Seiten, also durchschnittlich ca. 68 Seiten pro Tag (mit einem Klick auf das Cover oder den Buchtitel gelangt Ihr zu meinen Rezensionen)

Maedchentod von Julia HeaberlinIch bin mit Mädchentod von Julia Haeberlin in den November gestartet, einen Psychothriller, der wirklich hervorragend recherchiert, aber leider furchtbar langweilig war. Zwischendurch musste ich immer wieder zu einem anderem Buch greifen, um nicht in eine Leseflaute zu geraten und brauchte ewig, um Mädchentod endlich zu beenden.

 

Under Ground von SL GreyWeitaus spannender ging es dann weiter mit Under Ground von S. L. Grey, einem äußerst beklemmenden Thriller, der sich mit der Frage beschäftigt, wie sich Menschen in Extremsituationen verhalten. Leider waren die Protagonisten teilweise zu klischeeüberladen, zu typenhaft dargestellt und hatten nicht die nötige Tiefe, aber was die Spannung und das klaustrophobische Setting anbelangt, konnte mich dieser Thriller vollkommen überzeugen.

patricia-walter-kalte-erinnerungAn Kalte Erinnerung von Patricia Walter hatte ich allerdings gar nichts auszusetzen, denn ich habe selten ein so durchgehend spannendes Buch gelesen, das so raffiniert komponiert, gut durchdacht und gleichzeitig so unglaublich fesselnd war. Ein wirklich grandioses Debüt, das mich so in seinen Bann gezogen hat, dass ich es in einem Rutsch durchlesen musste, weil ich es einfach nicht aus der Hand legen konnte.

 

Girl on the TrainDu kennst sie nicht aber sie kennt dich von Paula HawkinsFast hätte es Kalte Erinnerung geschafft, mein Lesehighlight des Monats zu werden, doch dann habe ich Girl on the Train von Paula Hawkins gelesen, ein Buch, das sehr kontrovers diskutiert wird und man offenbar entweder hasst oder liebt. Ich habe es jedenfalls geliebt, denn es ist nicht nur spannend, sondern auch psychologisch ausgefeilt, teilweise sehr erschütternd und ergreifend und überzeugte mich nicht zuletzt aufgrund der großartig ausgearbeiteten Charaktere.

caroline-kepnes-you-du-wirst-mich-liebenUnd zuletzt habe ich dann You – Du wirst mich lieben von Caroline Kepnes gelesen. Das Buch wird als Thriller beworben, aber abgesehen von den ersten Seiten konnte ich leider nicht einmal ansatzweise erkennen, was an dieser Geschichte spannend sein soll. Hin und wieder fand ich den Zynismus des Hauptprotagonisten sehr amüsant, manche Passagen waren auch recht lustig, obwohl das vermutlich eher an meinem etwas seltsamen Humor lag und ich das Buch einfach nicht mehr ernstnehmen konnte. Auch der auf dem Klappentext angekündigte Schauer wollte sich bei mir nicht einstellen. Dafür war die im Überfluß verwendete Vulgärsprache äußerst unangenehm zu lesen und das Kopfkino bei den wirklich ekelerregenden pornografischen Szenen und den seitenlangen Masturbationsphantasien hätte ich auch nicht zwingend gebraucht.

Gehört:

Ich habe ja hier (klick!) schon von meinem Konzertbesuch bei Angelo Branduardi am 5. November in Tuttlingen berichtet. Ich bin noch immer so beseelt von diesem Abend, dass ich die Erinnerung daran möglichst lange festhalten möchte. Seine Musik erwärmt mein Herz, spendet Trost und Lebensfreude und inspiriert mich so sehr, dass ich momentan einfach nichts anderes hören möchte. Sie ist auch so facettenreich, dass ich ihrer niemals überdrüssig werde, auch wenn mich meine Mitmenschen mitunter für etwas eigentümlich halten, denn Angelo weckt mich morgens, trällert bei jedem Anruf aus meinem Handy und begleitet mich natürlich auch bei jeder Autofahrt. Beifahrer müssen das entweder aushalten oder eben laufen 😉

Gesehen:

Seit ich die letzte Staffel von Downton Abbey gesehen habe, suche ich verzweifelt nach einer Serie, die auch nur annährend an Game of Thrones oder Downton Abbey heranreicht, bin aber bislang nicht fündig geworden. Ich habe es im letzten Monat mit Die Tudors versucht, habe mich aber nur gelangweilt und nach der ersten Staffel abgebrochen. Outlander konnte ich leider überhaupt nicht aushalten und habe noch schneller aufgegeben. Das ist nicht erstaunlich, denn ich bin vor einigen Jahren schon an der Buchvorlage von Diana Gabaldon gescheitert, fand den ersten Band einfach nur langweilig und Claire und Jamie unerträglich. Nun wurde mir von allen Seiten mehrfach Lost empfohlen, eine Serie, die wirklich sehr spannend und vielversprechend klingt, und ich hoffe, dass sie mich begeistern kann. Kennt Ihr diese Serie und könnt sie ebenfalls empfehlen?