Buchrezension: Jenny Milewski – Angstmädchen

Jenny Milewksi - AngstmädchenInhalt:

Die junge Studentin Malin ist überglücklich, als sie ihr Zimmer in einem Studentenwohnheim in Linköping bezieht. Monatelang hatte sie darauf gewartet, dass die Wohngenossenschaft ihr eine Wohnung zuweist und freut sich, dass das richtige Studentenleben nun endlich beginnen kann. Auch ihre Freundin Johanna beneidet sie um das schöne Zimmer, zumal es das einzige ist, das über ein Bad mit einer Badewanne verfügt. Obwohl Malin sehr schüchtern ist und nicht so recht weiß, wie sie sich gegenüber ihren neuen Mitbewohnern verhalten soll, gibt sie sich Mühe, sich in die Wohngemeinschaft zu integrieren.
Wenige Tage nach ihrem Einzug findet sie schwarze Haarbüschel im Abfluss, die nicht von ihr stammen können, und glaubt auch, gesehen zu haben, dass eine blasse Gestalt am Spiegel vorbeigehuscht ist. Sie ist sicher, sich das nur eingebildet zu haben, doch die rätselhaften Vorkommnisse häufen sich und bereiten ihr immer größeres Unbehagen. Als Malin dann erfährt, dass sich die japanische Austauschstudentin Yuko, die zuvor in ihrem Zimmer wohnte, die Pulsadern aufgeschnitten hat, ahnt sie bereits, dass mit ihrem Einzug in diese Wohnung etwas Unheimliches in ihr Leben getreten ist, das sie nie mehr loslassen wird.

Meine persönliche Meinung:

Ich liebe Thriller aus Skandinavien und bin immer auf der Suche nach neuen skandinavischen Thrillerautoren. Dass es sich bei Jenny Milewski um eine schwedische Autorin handelt, wusste ich nicht, der Schauplatz ihres Thrillers Angstmädchen geht aus dem Klappentext auch nicht hervor, und da ich ihr Debüt Skalpelltanz nicht gelesen habe, hatte ich mich sehr gefreut, durch Zufall auf einen skandinavischen Thriller gestoßen zu sein und eine neue schwedische Autorin entdecken zu dürfen.
Nach dem ersten Kapitel, das eigentlich ein Prolog ist und bereits Schlimmes erahnen lässt, springt die Geschichte im zweiten Kapitel in das Jahr 1992 zurück, als Malin in ihr Zimmer im Studentenwohnheim in Linköpping einzieht und zunächst voller Vorfreude auf ihr bevorstehendes Studentenleben ist.
Das ganze Buch wird aus Malins Ich-Perspektive geschildert, sodass man sich sehr gut in das schüchterne Mädchen einfühlen kann, das erst kürzlich aus ihrem behüteten Elternhaus auszog, zwar voller Tatendrang und Enthusiasmus in einen neuen Lebensabschnitt startet, aber dennoch ein wenig ängstlich und unsicher ist, nun auf eigenen Beinen stehen zu müssen. Sie bemüht sich, Anschluss zu finden, will sich mit ihren neuen Mitbewohnern gut verstehen, fühlt sich allerdings etwas verloren und alleingelassen.
Schon kurz nach ihrem Einzug ereignen sich recht mysteriöse Vorfälle, aber ansonsten passiert auf den ersten hundert Seiten leider nahezu nichts – zumindest nichts, was nur ansatzweise spannend wäre. Das erste Drittel des Buches plätschert also recht gemächlich und vor allem nahezu vollkommen ereignislos vor sich hin, und obwohl ich Malins Startschwierigkeiten in der neuen Umgebung sehr gut nachvollziehen konnte und sich das Unheimliche, das in ihr Leben tritt, bereits ankündigt, musste ich mich regelrecht zum Weiterlesen zwingen. Da Jenny Milewski ihre Hauptprotagonistin allerdings sehr gut ausgearbeitet hat und Malin eine liebenswürdige junge Frau ist, die mir sehr sympathisch war und in die ich mich gut einfühlen konnte, wollte ich dennoch wissen, wie es ihr im weiteren Verlauf der Geschichte ergehen wird. Alle anderen Figuren bleiben jedoch recht blass und konturlos, sind allerdings auch nur Staffage, da die Handlung überwiegend auf Malin fokussiert ist.
Glücklicherweise nimmt die Geschichte nach dem recht langwierigen Einstieg dann auch endlich Fahrt auf. Die Ereignisse überschlagen sich sogar förmlich. Malin macht dabei eine erstaunliche Entwicklung durch, wächst über sich hinaus und wird mutiger. Bedauerlicherweise erhält der Leser jedoch bereits im ersten Kapitel so konkrete Hinweise darauf, wie die Geschichte für sie enden wird, dass einfach keine Spannung mehr aufkommen will. Wenn man ohnehin weiß, welches Schicksal die Protagonistin ereilen wird, fällt es eben recht schwer, noch mit ihr mitzufiebern, auch wenn man sich wünschen würde, dass sich alles doch noch zum Guten wendet.
Trotz des bereits bekannten Ausgangs der Geschichte wollte ich aber wissen, was Malin denn nun genau widerfahren ist. Leider kann ich paranormalen Phänomenen nur wenig abgewinnen und hätte mir gewünscht, dass aus dem Klappentext hervorgegangen wäre, dass es sich bei Angstmädchen eigentlich um einen Mystery-Thriller mit Horrorelementen handelt. Ich will ja nicht abstreiten, dass übersinnliche Erscheinungen durchaus ihren Reiz haben und für schaurige Schockmomente sorgen können, aber ich habe mich leider auch nur sehr selten gegruselt. Man muss der Autorin zugutehalten, dass sie sich offenbar intensiv mit der japanischen Kultur und Mythologie beschäftigt hat, was am Ende des Buches auch deutlich wird, aber leider konnte mich Angstmädchen weder fesseln noch schockieren. Dazu ist die Idee, die diesem Buch zugrunde liegt, eben leider auch nicht innovativ genug und zu abgedroschen, um noch für Gänsehaut zu sorgen.
Die wenigen gruseligen Momente und die gut ausgearbeitete Hauptprotagonistin konnten das Buch leider auch nicht mehr retten, sodass Angstmädchen für mich eine ziemliche Enttäuschung war.

© Claudia Bett

Meine Bewertung: ⭐ ⭐ (2 von 5 Sternchen)

Herzlichen Dank an den Heyne Verlag, der mir das Rezensionsexemplar zur Verfügung stellte!

Buchdetails:

Jenny Milewski: Angstmädchen
Verlag: Heyne
Ersterscheinungsdatum: 09. Januar 2017
336 Seiten
ISBN 978-3-453-43880-4

Cover: Heyne Verlag

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9 Gedanken zu “Buchrezension: Jenny Milewski – Angstmädchen

  1. Hallo oder besser gesagt Guten Abend,

    ich finde das Cover und den Titel des Buches sehr ansprechend, aber ähnlich wie du, kann ich mit Mystery-Thrillern und darin eingebauten Horrorelementen nur wenig anfangen. Schade, denn skandinavische Literatur ist eigentlich auch bei mir sehr beliebt.

    Liebe Grüße

    Gefällt 1 Person

  2. Hey,
    wenn ich ehrlich bin, klingt deine Rezension sogar danach, als ob das Buch mich ansprechen könnte. Ich habe nichts gegen übernatürliche Elemente (wenn sie nicht einfach verwendet werden, um Lücken im Plot zu stopfen) und Hintergrundwissen über japanische Kultur ist bei mir auch nie verkehrt. Allerdings habe ich vor der Geschichte selbst etwas Respekt, werde ich demnächst möglicherweise in exakt die Situation der Protagonistin kommen (bloß ohne Badewanne, nehme ich an). Trotzdem aber eine schön informative Rezension!

    Eine kleine Bitte hätte ich aber: Könntest du für so Genies wie mich, die ständig in der Zeile verrutschen, vielleicht die ein oder andere Leerzeile oder mehr Absätze einbauen? Ich glaube, das würde mir auf deinem Blog echt weiterhelfen. ^^‘

    Liebe Grüße
    Seitenfetzer

    Gefällt 1 Person

    • Vielen Dank für Deine Nachricht und auch Deinen Hinweis mit den Absätzen. Ich bin immer dankbar für Verbesserungsvorschläge, denn ich habe bislang tatsächlich nie darauf geachtet.
      Die Hintergrundinformationen zur japanischen Mythologie haben mir sogar sehr gut gefallen und waren interessant herausgearbeitet. Übersinnliche Phänomene sind natürlich Geschmacksache. Mir gefallen sie leider nicht, und ich hätte sie in diesem Buch eben auch nicht erwartet. Es geht mir aber auch häufig so, dass mich gerade das anspricht, was andere eher abschreckt.
      In der Situation, in der sich die Protagonistin befindet, war ich auch schon und konnte das sehr gut nachfühlen. Die Badewanne hat bei mir alllerdings gefehlt – gruselig war es trotzdem, auch ohne übersinnliche Phänomene im Badezimmer 😉
      Ich wünsche Dir noch ein schönes Pfingstwochenende!
      Liebe Grüße
      Claudia

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