Buchrezension: Chevy Stevens – Blick in die Angst

Chevy Stevens - Blick in die AngstInhalt:

Dr. Nadine Lavoie ist Psychiaterin und arbeitet in der psychologischen Ambulanz einer Klinik in Victoria. Als dort eines Tages eine junge Patientin eingeliefert wird, die versucht hat, sich umzubringen, muss sich Nadine unverhofft auch mit ihrer eigenen Vergangenheit auseinandersetzen. Ihre neue Patientin hat bis vor Kurzem der Kommune River of Life angehört, einer Sekte, die seit Jahrzehnten von Aaron Quinn angeführt wird. Diese spirituelle Lebensgemeinschaft ist auch Nadine bestens bekannt, denn sie hat als Kind mit ihrer Mutter und ihrem Bruder ebenfalls dort gelebt. Seitdem leidet sie unter Klaustrophobie und hat Angst im Dunkeln, vermutet zwar, dass sich dies auf ihre Erlebnisse in der Kommune zurückführen lässt, kann sich aber nicht erinnern, was ihr damals passiert ist. Doch je länger sie sich jetzt mit dem Schicksal ihrer Patientin beschäftigt, umso deutlicher drängen ihre eigenen traumatischen Erinnerungen nun an die Oberfläche. Nadine will sich unbedingt daran erinnern, was ihr in ihrer Kindheit widerfahren ist, nicht zuletzt, weil sie befürchtet, dass sich ihre drogenabhängige Tochter inzwischen ebenfalls in den Fängen der Sekte befindet. Allerdings ahnt sie zunächst nicht, in welche Gefahr sie sich begibt, wenn sie Aaron Quinn und seinen Anhängern in die Quere kommt.

Meine persönliche Meinung:

Ich habe vor einigen Jahren Chevy Stevens Debüt Still Missing – Kein Entkommen gelesen, einen Thriller, der wirklich unfassbar spannend war und mich so restlos begeistert hat, dass er mir bis heute in Erinnerung geblieben ist. Das will wirklich etwas heißen, denn viele Bücher dieses Genres sind fast ebenso schnell vergessen wie gelesen. In meiner Euphorie habe ich mir nach und nach alle anderen Bücher von Chevy Stevens gekauft, allerdings keines davon gelesen. Ich bewahre mir solche Bücher, bei denen ich sicher bin, dass sie mir gefallen werden, gerne auf, denn falls ich in eine Leseflaute gerate, möchte ich jederzeit zu einem Buch greifen können, das mich so fesselt, dass ich wieder Freude am Lesen gewinne. Ich war in den letzten Wochen in einer gehörigen Leseflaute und habe nacheinander zwei Bücher abgebrochen, die so gähnend langweilig waren, dass ich mehr als eine Woche überhaupt kein Buch in die Hand nehmen wollte. Und so habe ich beschlossen, endlich wieder zu einem Thriller von Chevy Stevens zu greifen. Ich habe mich für Blick in die Angst, den dritten Thriller der Autorin, entschieden, weil der Klappentext sehr spannend tönte und mich vor allem die Sekten-Thematik interessierte. Mein Vorhaben hat durchaus funktioniert, denn dieses Buch hat mich wieder aus meiner Leseflaute gerissen, weil es einfach unglaublich packend und fesselnd war, aber dennoch war ich ein bisschen enttäuscht.
Nadine Lavoie, die im Fokus dieses Thrillers steht, war mir bereits aus Stevens‘ Erstlingswerk bekannt, ist dort allerdings nur eine unbedeutende Randfigur, sodass man Still Missing nicht gelesen haben muss, um der Handlung in Blick in die Angst folgen zu können. Trotzdem sollte man das Debüt der Autorin unbedingt gelesen haben, denn es ist einfach um Längen besser, als ihr drittes Buch. Eines muss man Chevy Stevens trotzdem lassen – sie versteht es auch in diesem Thriller wieder ganz auszeichnet, den Leser schon von der ersten Seite an zu fesseln und eine enorme Spannung aufzubauen. Spannend war Blick in die Angst zweifellos, und der flüssige Schreibstil der Autorin und die angenehm kurze Kapitellänge sorgen für einen schnellen Lesefluss. Dennoch war ich ein wenig enttäuscht von diesem Thriller, was nicht zuletzt natürlich auch an meiner hohen Erwartungshaltung lag, der dieses Buch eben leider nicht gerecht werden konnte.
Die Protagonistin war mir durchaus sympathisch, sodass es mir leichtfiel, mit ihr mitzufiebern. Die Autorin hat Nadine Lavoie präzise ausgearbeitet, sehr fein gezeichnet und ihr auch die nötige Tiefe verliehen, um sich in sie einfühlen zu können. Sie ist eine erfahrene Psychologin, aber ihre Versuche, sich selbst zu analysieren und zu therapieren, schienen mir doch äußerst fragwürdig. Während sie sich mit dem Schicksal ihrer suizidgefährdeten Patientin beschäftigt, die bis vor Kurzem noch Mitglied einer Sekte war, der Nadine in ihrer Kindheit ebenfalls angehörte, drängen sich lange unterdrückte Erinnerungen an ein verdrängtes Trauma wieder in ihr Bewusstsein. Diese Erinnerungen, die sie nun Stück für Stück zu rekonstruieren versucht, waren äußerst erschütternd und auch sehr ergreifend. Sie möchte sich jedoch nicht nur erinnern, um endlich den Auslöser und die Ursache für ihre klaustrophobischen Ängste zu ergründen, sondern auch, um ihre drogenabhängige Tochter Lisa zu beschützen, die sich von ihr abgewandt hat. Nadine befürchtet, dass Lisa ebenfalls in die Fänge von Aaron Quinn, dem Sektenführer der River of Life Kommune, geraten könnte, und je mehr Erinnerungen in ihr Bewusstsein zurückkehren, umso sicherer ist sie, dass ihr Kind in großer Gefahr schwebt. Das wäre durchaus überzeugend, wenn Nadine nicht Psychologin, sondern einfach nur Mutter wäre und nicht immer wieder betont werden würde, wie fundiert ihre psychologischen Kenntnisse sind, denn im Umgang mit ihrer Tochter macht sie leider so ziemlich alles falsch, was man nur falsch machen kann. Bei den wenigen Gelegenheiten, die sich ihr bieten, um Lisa zu zeigen, wie sehr sie sie liebt, übersieht sie nämlich, dass ihre Tochter bereits schwer traumatisiert ist und erkennt nicht, warum ihr Lisa nicht mehr vertraut und immer wieder zu Drogen greift. Von einer erfahrenen Psychologin, die täglich mit traumatisierten Patienten arbeitet, hätte ich jedenfalls ein anderes Verhalten gegenüber der eigenen Tochter erwartet, zumal mehr als offensichtlich war, was Lisa zugestoßen ist und wer ihr das angetan hat.
Jeder gute Thriller steht und fällt jedoch nicht nur mit dem Protagonisten, sondern in erster Linie mit dem Antagonisten. Da es sich in Blick in die Angst hierbei um den Anführer einer Sekte handelt, war ich auf Aaron Quinn ganz besonders gespannt. Ich stelle mir immer die Frage, wie es Sektenführer eigentlich schaffen, andere so für sich einzunehmen, dass man ihnen blind folgt und in eine solche Abhängigkeit gerät, dass man seine Freiheit und seinen ganzen Besitz opfert, um zu einem willenlosen Jünger zu werden. Man könnte davon ausgehen, dass ein solcher Guru ganz besonders charismatisch ist, aber an Aaron Quinn konnte ich leider keine einzige Eigenschaft feststellen, die auch nur annährend erklären könnte, warum man in seinen Bann gerät. Ansonsten erfüllt er jedoch jedes gängige Klischee eines überaus fiesen und berechnenden Sektenführers. Allerdings konnte ich nicht nachvollziehen, wie er es anstellt, auf seine Anhänger einen solchen Druck auszuüben. Er ist einfach zu blass, konturlos und viel zu klischeeüberladen. Ich möchte nicht behaupten, dass die Darstellung dieser Sekte unglaubwürdig war, aber die subtilen Druckmittel, die angewendet werden, um die Sektenmitglieder zu manipulieren, hätten durchaus etwas besser und nachvollziehbarer geschildert werden können, zumal es in diesem Thriller primär um die Manipulation menschlicher Seelen geht.
Der Plot war zwar schlüssig und nicht vorhersehbar, aber dennoch fehlte es mir an überraschenden Momenten. Der Showdown am Ende von Blick in die Angst war sehr rasant, actiongeladen und so spannend, dass ich die letzten hundert Seiten in einem Rutsch gelesen habe und das Buch gar nicht aus der Hand legen konnte. Chevy Stevens versteht es zweifellos, enorme Spannung zu erzeugen. Das Schicksal der Protagonistin und auch ihrer Tochter Lisa ging mir stellenweise sehr unter die Haut und war sehr erschütternd. In ihrem Debüt Still Missing hat es die Autorin allerdings geschafft, auf den letzten Seiten noch mit einer Wendung aufzuwarten, die ich – obwohl es schon einige Jahre zurückliegt, dass ich das Buch gelesen habe – noch immer im Gedächtnis habe, weil sie so schockierend war. Auf eine solche Wendung, also die Kirsche auf dem Sahnehäubchen, habe ich in Blick in die Angst allerdings vergeblich gewartet. Vielleicht ist es nicht ganz fair, die Bücher eines Autors miteinander zu vergleichen. Hätte ich Still Missing nicht gelesen wäre mein Urteil vielleicht etwas milder ausgefallen, denn die Messlatte, die Chevy Stevens mit ihrem Erstlingswerk selbst gesetzt hat, war vielleicht etwas zu hoch. Trotzdem freue ich mich auch auf ihre anderen Thriller, denn mir Blick in die Angst trotz seiner Schwächen recht gut gefallen – ein solider, erschütternder und vor allem wirklich hochspannender Thriller, um Manipulation und Angst, dem ich trotz allem noch ganz knappe vier Sternchen verleihe.

© Claudia Bett

Meine Bewertung: ⭐ ⭐ ⭐ ⭐ (4 von 5 Sternchen)

Buchdetails:

Chevy Stevens: Blick in die Angst
Aus dem Amerikanischen von Maria Poets
Verlag: FISCHER Taschenbuch
Ersterscheinungsdatum: 16. Mai 2013
496 Seiten
ISBN 978-3-596-19379-0

Cover: S. Fischer Verlag

The Versatile Blogger Award

versatile-blogger-awardIch wurde von der lieben Sabine von Das Niliversum für den Versatile Blogger Award nominiert, worüber ich mich sehr gefreut habe. Deshalb möchte ich mich zunächst recht herzlich für die Nominierung bedanken. Das Schöne an diesem Award ist, dass man keine Fragen beantworten muss, die man vielleicht gar nicht beantworten möchte, sondern einfach 7 Fakten über sich selbst preisgeben soll, damit die Leser des Blogs ein bisschen mehr über die Person, die sich hinter dem Blog verbirgt, erfahren.

Die Regeln sind also ganz einfach:

  1. Danke dem Blogger, der dich nominiert hat
  2. Verrate 7 Fakten über dich
  3. Nominiere andere Blogger

Also nutze ich die Gelegenheit und offenbare nun 7 Fakten über mich, die heute mal nichts mit Büchern zu tun haben:

Fakt 1

Ich hasse Sport

Sportliche Betätigungen sind mir ein Gräuel – schon immer. Mir ist durchaus bewusst, dass ein bisschen Sport gesund wäre und ich mir und meinem Körper keinen Gefallen tue, wenn ich mich zu wenig bewege, aber ich kann sportlichen Aktivitäten einfach nichts abgewinnen. Der Keim für meine Aversion gegen Sport wurde bereits in meiner Schulzeit gelegt, denn Schulsport war der Albtraum meiner Kindheit und hat mir selbst die Sportarten verleidet, die ich eigentlich toll fand, wie zum Beispiel Schwimmen. Ich war nicht einfach nur zu langsam, sondern vor allem auch viel zu ängstlich, hatte regelrecht Panik vor manchen Sportarten und schlaflose Nächte vor jeder Sportstunde. Eigentlich war ich immer eine sehr gewissenhafte und fleißige Schülerin, aber dem Sportunterricht habe ich mich häufig komplett verweigert, habe geschwänzt, irgendwelche Krankheiten vorgetäuscht oder mich einfach bockig in die Ecke gesetzt und mich nicht einmal unter Androhung von Klassenbucheinträgen wegen Unterrichtsverweigerung, geschweige denn schlechter Noten, dazu bewegen lassen, mich am Sportunterricht zu beteiligen. Die demütigsten Erlebnisse meiner Kindheit und Jugend habe ich jedenfalls dem Sportunterricht zu verdanken, und so erstaunt es mich nicht, dass ich Sport nach wie vor verabscheue. Ich hasse es jedoch nicht nur, selbst Sport zu treiben, sondern finde es auch entsetzlich langweilig, anderen beim Sport zuzuschauen, obwohl manche Menschen wirklich erstaunliche körperliche Höchstleistungen vollbringen. Ich kann auch nicht ansatzweise nachvollziehen, was an einem Fußballspiel so spannend und aufregend sein soll, dass eine ganze Nation gebannt vor den Fernsehbildschirmen sitzt und so mancher Blutdruck in beängstigende Höhen steigt, wenn die gegnerische Mannschaft gewinnt.

Fakt 2

Ich bin Agnostikerin

Ich habe mich oft mit dem Thema Religion und Kirche auseinandergesetzt und schon viele Diskussionen darüber geführt. Während meines Studiums und auch bei meiner Tätigkeit als Museumsführerin habe ich mich viel mit Kirchengeschichte beschäftigt. Obwohl mich Religion interessiert und auch fasziniert und manche Kirchen für mich ganz besondere Orte sind, die ich gerne besuche (wenn auch nie zu Gottesdiensten), bin ich nicht sehr gläubig, sondern eher zweifelnd. Als Atheistin würde ich mich jedoch nicht bezeichnen, aber ich zweifle oft an der Existenz eines Gottes. Ich wurde protestantisch getauft, bin aber vor ein paar Jahren aus der Kirche ausgetreten – nicht wegen der Kirchensteuer, sondern weil ich mit Institution Kirche überhaupt nichts anfangen kann und mich auch nicht auf eine einzige Religion festlegen möchte. Eigentlich würde ich sehr gerne an etwas glauben, an eine höhere Macht, die allwissend ist, alles lenkt und auf die man sich immer verlassen kann, aber ich kann es eben einfach nicht. Ich belächle gläubige Menschen keineswegs, habe Respekt vor allen Religionen und finde es weder dumm noch naiv an einen Gott zu glauben, an welchen auch immer. Ich beneide gläubige Menschen sogar, denn aus einem Glauben Kraft, Hoffnung und Zuversicht zu schöpfen, ist eigentlich etwas Schönes, und die Gewissheit, nie tiefer zu fallen, als in Gottes Hand, hätte etwas Tröstliches. Ich weiß allerdings nicht, ob es einen Gott gibt, der das tatsächlich leisten kann, der Gebete erhört und das Schicksal der Welt lenkt. Allerdings muss es etwas oder jemanden geben, der diese Welt erschaffen hat und für alles verantwortlich ist, was sich mit dem Verstand nicht erfassen und weder wissenschaftlich noch logisch erklären lässt. Gerade wenn ich in der Natur bin oder Tiere beobachte, denke ich, dass es vermutlich doch einen Gott geben muss, der so etwas Wunderbares geschaffen hat, aber ich weiß es eben nicht.
Ich würde jetzt nicht unbedingt behaupten, dass ich ein besonders guter Mensch bin, aber ich versuche es zumindest und handle so, dass ich niemandem schade oder bewusst wehtue. Wie ich mich verhalte, muss ich jedoch nicht vor einem Gott verantworten, sondern nur mit meinem Gewissen vereinbaren können. Ich will nachts gut schlafen und mir im Spiegel selbst in die Augen schauen können. Seltsamerweise habe ich aber gerade mit Menschen, die sich selbst als besonders gute Christen bezeichnen, regelmäßig in die Kirche gehen und ihren Finger in jeden Weihwasserkessel tauchen, auf menschlicher Ebene bisher die schlechtesten Erfahrungen gemacht. Das mag Zufall sein, aber die Häufung ist schon recht auffallend. Mag sein, dass sie glauben, wenn sie sich regelmäßig zur Beichte begeben oder vor Gott ihre Verfehlungen bereuen, stünde der Zähler wieder auf Null, aber wenn es diesen Gott, an den sie glauben, tatsächlich gibt und er so gerecht ist, wie sie behaupten, sehe ich äußerst schwarz für ihr Seelenheil. Selbst für einen beruhigten Blick in den Spiegel dürfte es eigentlich schon nicht mehr reichen. Meiner Meinung nach hat moralisches und ethisches Handeln, Respekt vor dem Leben, Nächstenliebe, Mitgefühl und der Wille zum Guten nichts mit Religion zu tun. Es handelt sich dabei ja auch nicht explizit um christliche Werte, denn die großen Religionen unterscheiden sich kaum hinsichtlich solcher Gebote, Normen und Wertvorstellungen, die ein friedliches, harmonisches und respektvolles Miteinander regeln. Umso hirnrissiger ist es, dass seit Jahrhunderten im Namen der Religion Kriege geführt werden und Menschen sich die Köpfe einschlagen, weil sie sich nicht einig werden können, welcher Gott nun die einzig Wahre ist.

Fakt 3

Ich liebe Kitsch

In Büchern hasse ich nichts mehr als kitschige Geschichten, aber ansonsten umgebe ich mich sehr gerne mit Kitsch. Man sollte nicht glauben, dass ich bald 47 werde, denn in meiner Wohnung sieht es teilweise aus, wie in einem Kinderzimmer. Ich habe eine kleine Schwäche für Plüschtiere, kann nicht widerstehen, wenn ich irgendwo knuffige Plüschtierchen entdecke und denke immer, ich müsste ihnen allen ein Zuhause geben. Im Grunde finde ich es aber schön, sich auch im fortgeschrittenen Alter das innere Kind zu bewahren – wenn auch nur im Geheimen. Katzen sind meine absoluten Lieblingstiere, aber ich liebe auch Schweinchen und finde sie unglaublich süß. Außerdem sind Schweine sehr kluge und sensible Tiere, ich könnte ihnen auch ewig zuschauen, aber da ich mir keine Schweine halten kann, sammle ich sie eben – überall in meiner Wohnung befinden sich kleine Schweinchen aus Plüsch, Glas, Keramik oder Porzellan. So hat eben jeder seinen kleinen Spleen 😉.

Fakt 4

Ich hasse Shoppen

Die meisten Frauen, die ich kenne, lieben es, ausgiebig shoppen zu gehen und können stundenlang durch diverse Läden schlendern und einkaufen. Für mich ist das reinste Folter! Am schlimmsten ist es, wenn ich Klamotten oder Schuhe kaufen muss, aber selbst um Buchläden mache ich inzwischen einen großen Bogen, obwohl ich Bücher liebe. Es könnte daran liegen, dass ich selbst jahrelang im Buch- und Einzelhandel gearbeitet habe, nie Freude an diesem Beruf hatte und deshalb nicht mehr an diese Zeit erinnert werden möchte. Das Grauen fängt ja schon bei der Parkplatzsuche an, aber das Schlimmste sind die Menschenmassen, die sich durch die Einkaufsstraßen und die Läden schieben, die Gerüche, das unerträgliche Piepen der Scannerkassen, die Hintergrundmusik in manchen Geschäften und das unsägliche Warten an der Kasse. Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass es der lokale Einzelhandel sehr schwer hat, sich gegen die übermächtige Online-Konkurrenz durchzusetzen und hatte während meiner Selbstständigkeit selbst darunter zu leiden, dass immer mehr im Internet gekauft wird – trotzdem kaufe auch ich inzwischen überwiegend im Internet ein. Nur Lebensmittel kaufe ich im Supermarkt, und auch bei der Anschaffung von Elektrogeräten schwöre ich weiterhin auf die kompetente Beratung und den Service des Fachhandels vor Ort, aber alles andere kaufe ich nur noch online.

Fakt 5

Talente

Ich staune immer wieder über die Talente meiner Mitmenschen und bin ein wenig traurig, dass ich Fähigkeiten, die ich gerne hätte, einfach nicht habe. Manche Fertigkeiten kann man ja erlernen, wenn man sich Mühe gibt, aber für manche braucht man eben einfach das nötige Talent. So wie ich den Sportunterricht immer gehasst habe, so sehr habe ich den Kunstunterricht geliebt. Ich fand es großartig, mit Farben zu experimentieren und zu malen, war mit dem Ergebnis allerdings nie zufrieden. Über meine Noten konnte ich mich nicht beschweren, aber vermutlich hat mein Kunstlehrer auch nur honoriert, dass ich mit so viel Inbrunst, Leidenschaft und Freude an meinen Kunstwerken arbeitete. Ich male immer noch gerne, aber ich wünschte eben, ich könnte es auch.
Mit musikalischem Talent sieht es leider ähnlich dürftig aus. Dabei stamme ich aus einer äußerst musikalischen Familie und bin mit Musik großgeworden. Mein Großvater war ein großartiger Tenor und hat sogar an der Stuttgarter Oper gesungen; meine Mutter spielte früher hervorragend Klavier und hatte diverse Auftritte, aber leider habe ich ihr musikalisches Talent nicht geerbt. Ich habe es mit Gitarre versucht, aber nach ein paar Jahren Gitarrenunterricht frustriert aufgegeben – es scheiterte jedoch nicht an der Musikalität, sondern einfach an der Koordination, die eben bei vielen Instrumenten wichtig ist. Immerhin habe ich ein hervorragendes Gehör und höre jeden schiefen Ton, was beim Erlernen eines Instruments allerdings nur die halbe Miete ist. Aber ich singe gerne und oft, habe mir sagen lassen, dass die Töne auch sitzen, aber der Klang meiner Stimme ist eben einfach nicht besonders schön. Spaß macht es trotzdem, zumindest wenn niemand zuhört. Ich singe jedenfalls immer beim Autofahren, unter der Dusche und auch beim Staubsaugen 😉

Fakt 6

Eitelkeit

Ich mache mir absolut nichts aus Mode, trage ohnehin und aus Prinzip eigentlich nur schwarze Kleidung und verwende nicht viel Mühe auf die Auswahl meiner Garderobe. Allerdings bin ich ziemlich eitel und verbringe sehr viel Zeit vor dem Spiegel. Was gibt es Schlimmeres als einen Bad-Hair-Day? Wenn meine Haare nicht so sitzen, wie sie sollen, gehe ich nur ungern aus dem Haus und fühle mich den ganzen Tag unwohl. Außerdem färbe ich mir regelmäßig die Haare und finde es grauenhaft, wenn man einen Ansatz sieht. Das wird nun selbst die Menschen erstaunen, die mich schon sehr lange kennen, denn meine natürliche Haarfarbe hat seit fast dreißig Jahren niemand mehr gesehen, aber eigentlich bin ich blond. Ich bin nicht gerade hellblond, eher mittelblond, aber ich wollte eben nie eine Blondine sein. Ich war noch nicht einmal volljährig, als ich zum ersten Mal meine Haare schwarz färbte. Schwarze Haare ließen mich jedoch in Verbindung mit meiner schwarzen Kleidung aussehen wie eine Leiche, weshalb ich mich dann für einen dunkleren Braunton mit Rotstich entschieden habe, dem ich nun seit vielen Jahren treu bin. Die Färberei ist zwar lästig, aber wer schön sein will, muss eben ein bisschen leiden. Inzwischen wäre ich ohnehin nicht mehr blond, sondern schon ergraut, was mir jedoch noch weitaus weniger gefällt. In Würde altern kann ich auch noch später…
Mit zunehmendem Alter finde ich es deshalb auch immer wichtiger, diverse Alterserscheinungen, die ab 40 unweigerlich zutage treten, ein bisschen zu kaschieren. Ohne Make-Up, ordentlich getuschte Wimpern und einen schwarzen Lidstrich gehe ich jedenfalls nicht unter Menschen. Selbst wenn ich den ganzen Tag zuhause bin und mich eigentlich niemand sieht, schminke ich mich ein bisschen, weil ich mich dann einfach besser fühle.

Fakt 7

Ich bin eine Nachteule

Es ist vollkommen egal, wann ich ins Bett gehe oder wie lange ich schlafe – vor 12 Uhr funktioniert bei mir gar nichts. Ich habe morgens ohnehin schlechte Laune und bin eine furchtbare Trantüte, aber ich kann vormittags auch nicht denken und mich nicht konzentieren. Ab 20 Uhr abends laufe ich hingegen zu Hochtouren auf, habe die besten Ideen, bin kreativ und leistungsfähig und habe kein Problem, bis in die frühen Morgenstunden konzentriert zu arbeiten. Blöd ist, dass mein Tagesrhythmus mit dem meiner Mitmenschen und dem normalen Arbeitsalltag nicht kompatibel ist. Als ich noch im Handel gearbeitet habe und morgens um 9 Uhr auf der Matte stehen musste, war das die reinste Folter. Zwei Jahre lang hatte ich einen Bürojob, bei dem ich sogar schon um 7.30 Uhr an meinem Arbeitsplatz zu sitzen hatte und weiß bis heute nicht, wie ich es geschafft habe, mich wach zu halten, geschweige denn irgendwelche Leistungen zu erbringen. Als ich im zarten Alter von 38 Jahren erneut ein Studium aufgenommen habe, habe ich mir jedenfalls geschworen, dass diese Qual nun ein Ende finden muss. Glücklicherweise kann man sich an der Uni seinen Stundenplan überwiegend selbst zusammenbasteln, sodass Seminare, die vor 12 Uhr stattfanden, tunlichst vermieden wurden. In absoluten Ausnahmefällen bewegte ich mich auch mal um 10 Uhr an die Uni, aber selbst das kostete mich Überwindung. Gelernt und meine Seminar- und Abschlussarbeiten geschrieben habe ich jedenfalls nur nachts, und der Erfolg gab mir recht, denn das hat bestens funktioniert. Ich habe häufig versucht, mich ein wenig zu disziplinieren, bin um Mitternacht ins Bett und habe mir den Wecker auf 7 Uhr gestellt, um dann zu lernen oder zu schreiben, aber es hat nicht geklappt, weil mein Gehirn selbst mit ausreichend Schlaf morgens einfach nicht aufnahmefähig ist und ich nicht einen geraden Satz formulieren kann. Bei meiner freiberuflichen Tätigkeit als Museumsführerin und freie Journalistin war es mir glücklicherweise möglich, Termine so zu legen, dass ich nur nachmittags und abends arbeiten musste. Inzwischen habe ich mich damit abgefunden, dass es eben Lerchen und Eulen gibt, ich eindeutig zu letzteren gehöre und auf meine innere biologische Uhr keinen Einfluss habe, sondern mich einfach nach ihr richten muss.

So, das waren nun die 7 Fakten über mich… Kommen wir also zu meinen Nominierungen – ich würde mich über 7 Fakten von diesen Bloggern freuen und nominiere deshalb:

Kerstin und Janna von KeJas BlogBuch

Gabi von Laberladen

Rina von Ich lese

Fühlt Euch zu nichts verpflichtet – also nur, wenn Ihr Lust habt 😉

Auf diese Neuerscheinungen freue ich mich im Mai 2017

Der Mai macht nicht nur alles neu – er bringt sogar neue Bücher. Ich habe mich wieder auf die Suche nach Neuerscheinungen begeben und dabei so einige Bücher entdeckt, die mich neugierig machen und auf die ich mich freue.

Im vergangenen Jahr habe ich Girl on the Train von Paula Hawkins gelesen, einen Roman, an dem sich die Geister scheiden. Ich war jedoch restlos begeistert von diesem grandiosen Buch (hier geht es zu meiner Rezension) und freue mich deshalb ganz besonders, dass im kommenden Monat endlich ein neuer Roman von Paula Hawkins erscheint.

Into the WaterTraue keinem Auch nicht dir selbst von Paula HawkinsDer neue Spannungsroman von Paula Hawkins nach dem internationalen Nr.-1-Bestseller Girl on the Train.

»Julia, ich bin’s. Du musst mich anrufen. Bitte, Julia. Es ist wichtig …« In den letzten Tagen vor ihrem Tod rief Nel Abbott ihre Schwester an. Julia nahm nicht ab, ignorierte den Hilferuf. Jetzt ist Nel tot. Sie sei gesprungen, heißt es. Julia kehrt nach Beckford zurück, um sich um ihre Nichte zu kümmern. Doch sie hat Angst. Angst vor diesem Ort, an den sie niemals zurückkehren wollte. Vor lang begrabenen Erinnerungen, vor dem alten Haus am Fluss, vor der Gewissheit, dass Nel niemals gesprungen wäre. Und am meisten fürchtet Julia das Wasser und den Ort, den sie Drowning Pool nennen … (Klappentext: Blanvalet)

Paula Hawkins: Into the Water – Traue keinem. Auch nicht dir selbst
Verlag: Blanvalet
Ersterscheinungstermin: 24. Mai 2017
Klappenbroschur – 480 Seiten – 14,99 €
ISBN: 978-3-7645-0523-3


Mats Strandberg - Die ÜberfahrtDie Passagiere an Bord der schwedischen Ostsee-Fähre Baltic Charisma wollen vor allem eins: sich amüsieren, und zwar um jeden Preis. Ob sie mit der besten Freundin tanzen gehen oder Junggesellenabschiede feiern, ob sie nach der Liebe ihres Lebens suchen oder vor den Dämonen des Alltags fliehen – die Nacht ist lang, und der Alkohol fließt reichlich.
Fast bleiben dabei die beiden dunklen Gestalten unbemerkt, die sich übers Autodeck an Bord schleichen: eine Mutter und ihr Kind. Mit ihnen betritt ein uraltes Grauen das riesige Schiff, und es wird zur tödlichen Falle. Die Angst geht um auf der Baltic Charisma …

Hochkarätiger, suchterzeugender Thriller-Stoff aus Schweden für alle Fans von Justin Cronin, Sebastian Fitzek und Stephen King. (Klappentext: S. Fischer Verlage)

Mats Strandberg: Die Überfahrt
Verlag: Fischer TOR
Ersterscheinungstermin: 24. Mai 2017
Klappenbroschur – 512 Seiten – 14,99 €
ISBN: 978-3-596-29599-9


Babydoll von Hollie OvertonLily Risers neues Leben beginnt an einem kalten Winterabend: Nur mit einem dünnen Schlafanzug bekleidet tritt sie vor die Tür, drückt ihre Tochter an sich – und rennt los. Weg von dem Haus im Wald, weg von dem Mann, der sie acht Jahre lang gefangen hielt. Dem Vater ihrer Tochter Sky, dem Mann, der an diesem Abend zum ersten Mal einen Fehler machte, als er vergaß, die Tür zu verriegeln. Doch schnell wird klar, dass es für Lily kein Zurück zur Normalität gibt. Zu viel ist geschehen, zu tief sind die Wunden, die sie und ihre Familie durch die Entführung davongetragen haben. Schritt für Schritt tasten sie sich in eine mögliche Zukunft, ohne zu ahnen, dass die dramatischste Bewährungsprobe noch vor ihnen liegt. Denn selbst im Gefängnis plant Lilys Entführer bereits, wie er sie, seine Babydoll, für ihren Ungehorsam bestrafen wird … (Klappentext: Goldmann)

Hollie Overton: Babydoll
Verlag: Goldmann
Ersterscheinungstermin: 15. Mai 2017
Klappenbroschur – 352 Seiten – 15,00 €
ISBN: 978-3-442-20520-2


Die Spur der Luegen von Ben McPhersonAls Alex Mercers elfjähriger Sohn Max einer Katze hinterherläuft, die im Nachbarhaus verschwindet, folgt Alex dem Jungen notgedrungen in das fremde Haus. Dort ist alles still, doch dann hören sie ein Geräusch: Wasser tropft von der Decke. Die Badewanne im ersten Stock ist übergelaufen, und darin liegt der leblose Körper des Nachbarn. Als die Polizei einen Hinweis darauf findet, dass auch Max‘ Mutter vor kurzem im Haus gewesen sein muss, geraten seine Eltern in den Fokus der Ermittlungen – und die Familie in einen Konflikt, der sie zu zerreißen droht … (Klappentext: Goldmann)
Ben McPherson: Die Spur der Lügen
Verlag: Goldmann
Ersterscheinungstermin: 15. Mai 2017
Taschenbuch – 544 Seiten – 9,99 €
ISBN: 978-3-442-48613-7


Das Dunkel der Schuld von Carter WilsonNach einer traumatischen Kindheit scheint Hannah Parks in der Ehe mit dem smarten, erfolgreichen Unternehmer Dallin ihr Glück gefunden zu haben. Aber als Dallin eines Nachts im Schlaf spricht, erschüttert das, was sie hört, Hannahs ganzes Leben. Ist ihr Mann etwa ein sadistischer Mörder? Zutiefst verstört versucht Hannah zu fliehen, doch sie wird überwältigt und entführt. Unerwartet kommt ihr ein Fremder zu Hilfe. Er nennt sich Black und ist Experte darin, Menschen verschwinden zu lassen. Er ist Hannahs einzige Chance, Dallin zu entkommen. Doch kann sie Black ihr Leben anvertrauen? Einem Mann, von dem sie nichts weiß, außer dass er ohne zu zögern bereit ist zu töten … (Klappentext: Goldmann)

 

Carter Wilson: Das Dunkel der Schuld
Verlag: Goldmann
Ersterscheinungstermin: 15. Mai 2017
Taschenbuch – 416 Seiten – 9,99 €
ISBN: 978-3-442-48555-0


Buchrezension: Susanne Kliem – Das Scherbenhaus

Das Scherbenhaus von Susanne KliemInhalt:

Carla Brendel lebt allein in einem abgelegenen alten Bauernhaus vor den Toren ihrer Heimatstadt Stade und fühlt sich schon seit mehreren Monaten bedroht und beobachtet. Ein unbekannter Stalker lässt ihr immer wieder mysteriöse Nachrichten und Fotos zukommen, die ihr Angst machen – Bilder von menschlicher Haut und blutenden Wunden. Glücklicherweise findet Carla in ihrer Arbeit als Köchin im Restaurant ihres Schwagers ein wenig Ablenkung. Auch ihre beste Freundin Jule ist immer für sie da und versucht, sie ein wenig aufzumuntern und zu beruhigen.
Ihre Halbschwester Ellen, eine sehr erfolgreiche und vielbeschäftigte Architektin, meldet sich nur sehr selten bei Carla. Sie lebt in Berlin in dem luxuriösen und modernen Wohngebäude Safe Haven, das sie selbst entworfen hat. Umso verwunderter ist Carla, als Ellen eines Tages anruft und sie bittet, zu ihr nach Berlin zu kommen. Da ihre Halbschwester am Telefon sehr verzweifelt klingt, beschließt Carla, ihre Ängste zu überwinden und zu Ellen nach Berlin zu fahren, zumal sie sicher ist, dass ihr Stalker sie in der großen Stadt nicht finden wird.
Doch schon kurz nach Carlas Ankunft verschwindet Ellen plötzlich spurlos während eines gemeinsamen Restaurantbesuchs. Ein paar Tage später wird in einem Kanal ihre Leiche gefunden. Offenbar ist sie ertrunken – die Polizei geht zumindest von einem tragischen Unfall aus – aber Carla ist sicher, dass Ellen ermordet wurde, denn kurz bevor sie verschwand, erwähnte sie, dass sie einem gefährlichen Geheimnis auf die Spur gekommen sei und bat Carla, nicht an einen Unfall zu glauben, falls ihr etwas zustoßen sollte.
Carla beschließt, in Berlin zu bleiben und in Ellens Wohnung im Safe Haven zu ziehen. In dem perfekt geschützten, computergesteuerten und hochmodernen Wohnhaus und der engen Hausgemeinschaft fühlt sie sich zumindest sicher vor ihrem unbekannten Stalker. Aber Ellens rätselhafter Tod lässt ihr keine Ruhe. Was wollte ihre Halbschwester ihr mitteilen? Für wen war der Brief, den sie am Tag ihres Verschwindens noch bei sich trug? Carla hat den Eindruck, dass die Hausbewohner des Save Haven mehr wissen, als sie zugeben wollen, denn sie verhalten sich sehr eigenartig. Sie will der Sache auf den Grund gehen und beginnt, Fragen zu stellen. Noch ahnt sie nicht, dass im Safe Haven ganz eigene Gesetze herrschen und es gefährlich werden kann, wenn man zu viele Fragen stellt.

Meine persönliche Meinung:

Als ich Das Scherbenhaus von Susanne Kliem in der Verlagsvorschau entdeckt habe, landete das Buch sofort auf meiner Wunschliste, denn der Klappentext und auch das Setting klangen so vielversprechend, dass ich sicher war, dass mir dieses Buch gefallen würde. Manchmal liege ich da allerdings auch mächtig daneben, denn viele Bücher halten nicht, was die Klappentexte versprechen, aber bei Das Scherbenhaus habe ich mich nicht getäuscht. Abgesehen von dem leider etwas schwachen Ende, hat mich dieser Psychothriller durchaus überzeugt und auch sehr spannend unterhalten.
Susanne Kliem hat ihre Protagonistin Carla sehr präzise ausgearbeitet und einen Charakter entworfen, mit dem ich von der ersten Seite an mitfiebern konnte. Ihre Angst vor dem unbekannten Stalker, der sie seit Monaten bedroht, wurde sehr glaubwürdig und nachvollziehbar geschildert. Er hat sich zwar seit ein paar Wochen nicht mehr gemeldet, aber dennoch gelingt es Carla nicht, ihre Ängste abzulegen. Sie traut sich kaum, alleine das Haus zu verlassen und fühlt sich auch in ihren eigenen vier Wänden nicht mehr sicher. Obwohl ihre beste Freundin Jule immer für sie da ist, sie im Restaurant ihres Schwagers als Köchin arbeitet und die Arbeit sie ausfüllt und von ihren Sorgen ablenkt, fühlt sie sich oft einsam und alleine mit ihren Ängsten. Ein Neubeginn in Berlin kommt ihr sehr gelegen, denn sie glaubt, dass ihr Stalker sie in der großen Stadt nicht finden kann.
Die Wohnung ihrer Halbschwester Ellen in Berlin ist das genaue Gegenteil von Carlas abgelegenem alten Bauernhaus in Stade, das zwar wunderschön und idyllisch gelegen ist, ihr aber immer mehr zum Gefängnis wurde. Ich konnte sehr gut nachvollziehen, dass sie sich nach einer neuen Umgebung sehnte und sich im Safe Haven zunächst sicher wähnte.
Das Setting war überaus beeindruckend, denn das hochmoderne Wohnhaus, das Carlas Halbschwester Ellen selbst entworfen hat und nach ihren Vorstellungen bauen ließ, um dann selbst darin zu wohnen, löste bei mir äußerst beklemmende Gefühle aus. Das lag jedoch nicht nur an den architektonischen Besonderheiten, mit denen dieses Gebäude ausgestattet ist, sondern vielmehr an der recht eigentümlichen Hausgemeinschaft. Auf den ersten Blick scheint diese Wohnanlage jedoch sicher zu sein – sie ist computergesteuert, die Türen lassen sich über eine Handy-App schließen und öffnen, und das Haus ist gegen Eindringlinge von außen durchaus gut geschützt, aber seine Bewohner sind eben äußerst seltsam. Das erkennt Carla jedoch erst auf den zweiten Blick, denn die vermeintliche Sicherheit und die sehr zuvorkommend und freundlich wirkende Hausgemeinschaft verleiten sie zunächst zu mitunter recht unüberlegten und vertrauensseligen Handlungen. Carla ist davon überzeugt, dass der Tod ihrer Halbschwester kein Unfall, sondern Mord war, auch wenn die Polizei ihr keinen Glauben schenken will. Ellen hat ihr gesagt, dass sie sich bedroht fühlt, konnte ihr allerdings nicht mehr mitteilen von wem und warum, aber erst nachdem Carla im Safe Haven ein paar eigenartige Dinge beobachtet und im Keller eine grauenhafte Entdeckung macht, ist sie sicher, dass einer der Hausbewohner dahintersteckt.
Was die Bewohner des Safe Haven anbelangt, hat es die Autorin geschafft, äußerst plastische Figuren zu zeichnen, die jedoch sehr schwer durchschaubar und überaus rätselhaft sind. Die Macht- und Abhängigkeitsverhältnisse innerhalb dieser Hausgemeinschaft sind der eigentliche Dreh- und Angelpunkt der Geschichte. Das Beziehungsgeflecht der Personen untereinander, das von Kontrolle und Manipulation geprägt ist, wäre jedoch etwas nachvollziehbarer, wenn manche Charaktere ein bisschen mehr Tiefe hätten.
Obwohl Susanne Kliem versucht, den Verdacht immer wieder auf eine andere Person zu lenken, war mir recht schnell klar, wer hinter all den rätselhaften Vorkommnissen steckt und für Ellens Tod verantwortlich ist. Trotz dieser Vorhersehbarkeit fiel die Spannungskurve jedoch nicht ab, da das Motiv des Täters bis zuletzt im Dunkeln lag. Allerdings interessieren mich die Beweggründe einer Tat ohnehin meistens mehr als die Identität des Täters. Sein Motiv war für mich zwar durchaus glaubwürdig und auch sehr schockierend, aber trotzdem hat mich das schwache Ende dieses Psychothrillers leider ein bisschen enttäuscht, nicht zuletzt, weil es – zumindest teilweise – etwas zu überkonstruiert war. Das ist umso bedauerlicher bei einer Geschichte, die über mehr als 300 Seiten hinweg geradezu atemlos spannend und atmosphärisch dicht erzählt wird.
Der Schreibstil von Susanne Kliem ist einfach und schnörkellos und lässt sich sehr angenehm und flüssig lesen. Das Spannungslevel ist von der ersten Seite an sehr hoch und konnte trotz der teilweisen Vorhersehbarkeit über das ganze Buch hinweg gehalten werden. Ich war mir lange sicher, dass Das Scherbenhaus eines meiner Thriller-Highlights werden könnte, aber auf den letzten Seiten hat mich dieser überaus beklemmende Psychothriller dann bedauerlicherweise doch etwas enttäuscht, sodass ich ein Sternchen abziehen musste. Trotzdem kann ich für diesen hochspannenden Psychothriller auf jeden Fall eine Leseempfehlung aussprechen.

© Claudia Bett

Herzlichen Dank an den Verlag carl’s books, der mir das Rezensionsexemplar freundlicherweise zur Verfügung stellte!

Meine Bewertung: ⭐ ⭐ ⭐ ⭐ (4 von 5 Sternchen)

Buchdetails:

Susanne Kliem: Das Scherbenhaus
Verlag: carl’s books
Ersterscheinungsdatum: 20. März 2017
336 Seiten
ISBN 978-3-570-58566-5

Buchrezension: E. O. Chirovici – Das Buch der Spiegel

Das Buch der Spiegel von EO ChiroviciInhalt:

Den New Yorker Literaturagenten Peter Katz erreichen tagtäglich unzählige unverlangt eingesandte Buchmanuskripte, doch als er eines Tages eine Anfrage von Richard Flynn erhält, ist er von dem angehängten Manuskript mit dem Arbeitstitel Das Buch der Spiegel sofort fasziniert. Es geht darin um die Ermordung des berühmten Psychologieprofessors Joseph Wieder, die nahezu dreißig Jahre zurückliegt und nie aufgeklärt wurde.
Joseph Wieder war ein berühmter Gedächtnisforscher und einer der wichtigsten Dozenten in Princeton. Er beschäftigte sich mit der Analyse verdrängter Erinnerungen, forschte über die Manipulierbarkeit von Erinnerungen bei Traumapatienten und führte auch geheime Forschungsexperimente durch.
Richard Flynn kannte den ermordeten Wissenschaftler persönlich und hatte während seines Studiums in Princeton für ihn gearbeitet, nachdem seine Mitbewohnerin und Geliebte Laura Baines ihn mit ihrem Professor bekannt gemachte hatte. Laura war Wieders wissenschaftliche Hilfskraft und verehrte den exzentrischen Wissenschaftler, aber Flynn hatte häufig den Verdacht, dass sie ihm auch privat sehr nahestand und vielleicht eine Affäre mit ihm hatte.
Der Mord an Wieder konnte bislang nie aufgeklärt werden, aber Flynn scheint inzwischen mehr über den Fall in Erfahrung gebracht zu haben und möchte nun in seinem Buch endlich die Wahrheit offenbaren.
Katz ist fasziniert von dem Text, doch leider bricht das Manuskript unvermittelt ab – ausgerechnet an der Stelle, an der Flynn die Ereignisse in der Mordnacht schildert. Noch bevor Katz den Autor um den Rest des Manuskripts bitten kann, verstirbt Flynn an seinem Krebsleiden. Seine Lebensgefährtin wusste offenbar nicht, dass er an einem Buch über seine Vergangenheit arbeitete und hat in seinem Nachlass kein Manuskript gefunden. Katz möchte jedoch unbedingt herausfinden, was Flynn über diesen spektakulären Mordfall enthüllen wollte. Kannte er Wieders Mörder? Wollte er in den letzten Wochen seines Lebens endlich offenbaren, wer den bedeutenden Wissenschaftler damals ermordet hat? Oder hat Flynn den Professor womöglich selbst getötet und das Manuskript ist nun ein verspätetes Geständnis? Katz ist geradezu besessen von der Geschichte und setzt alles daran, zu erfahren, wie sie endet.

Meine persönliche Meinung:

E. O. Chirovici hat in seinem Heimatland Rumänien bereits fünfzehn Romane veröffentlicht. Das Buch der Spiegel ist jedoch sein erster Roman in englischer Sprache, wurde bereits in 38 Länder verkauft und ist in der deutschen Übersetzung nun kürzlich bei Goldmann erschienen. Inzwischen ist dieser Roman in aller Munde, selbst Denis Scheck lobte ihn über den grünen Klee und meinte, er sei etwas „Besonderes“ und „im Thrillergenre ein herausragendes Buch“. Obwohl ich Herrn Scheck sehr schätze, treffen seine Buchempfehlungen nicht immer meinen Geschmack, aber bei Chirovicis Roman kann ich ihm nur zustimmen, denn er ist wirklich in jeder Hinsicht herausragend. Allerdings würde ich das Buch nicht als Thriller, sondern eher als Kriminalroman bezeichnen, denn im Zentrum der Handlung steht ein fast dreißig Jahre zurückliegender Mordfall, der nun aus unterschiedlichen Perspektiven erneut beleuchtet wird.
Als der Literaturagent Peter Katz eines Tages das Manuskript von Richard Flynn in den Händen hält, ist er sofort fasziniert von dem Text, denn Flynn behauptet bereits in seinem Anschreiben, sich nun wieder genau an die Ereignisse von damals zu erinnern und die Wahrheit über den Mord an dem berühmten Psychologieprofessor Joseph Wieder enthüllen zu können. Im Verlauf der Handlung müssen Katz und auch der Leser jedoch feststellen, dass es mehr als nur eine Wahrheit gibt und Erinnerungen sehr trügerisch sein können.
Während man im ersten Teil des Romans gemeinsam mit Peter Katz Flynns Exposé liest, zweifelt man trotz der höchst subjektiven Darstellung der Ereignisse jedoch zunächst nicht am Wahrheitsgehalt von Flynns Worten und der Zuverlässigkeit seiner Erinnerungen.
Das Manuskript bricht allerdings genau an der Stelle ab, an der Flynn seine Erinnerungen an die Mordnacht rekonstruiert. Peter Katz möchte nun natürlich unbedingt wissen, was Flynn über die Ermordung Wieders weiß oder ob sein Buch womöglich mit einem Mordgeständnis endet. Außerdem würde sich ein Roman über ein wahres Verbrechen auch sehr gut verkaufen lassen. Da Flynn inzwischen verstorben und das vollständige Manuskript unauffindbar ist, beauftragt Katz seinen Freund, den Reporter John Keller, Nachforschungen anzustellen. Keller soll entweder den Rest des Manuskripts finden oder aber so viel über den Mord an Wieder in Erfahrung bringen, dass er anhand der zusammengetragenen Informationen Flynns Buch als Ghostwriter vollenden kann.
Im zweiten Teil des Buches folgt der Leser nun Keller bei seinen Recherchen, die aus der Ich-Perspektive geschildert werden. Der Reporter sucht zunächst die Personen auf, die damals in den Fall involviert waren und Wieder kannten. Doch die Aussagen der Befragten widersprechen sich, und offenbar ist auch Flynn in seinem Manuskript nicht ganz bei der Wahrheit geblieben. Kellers Nachforschungen ergeben kein stimmiges Bild. Stattdessen wird der Fall immer noch verworrener und die Liste der Verdächtigen immer länger. Je mehr Keller in Erfahrung bringt, umso undurchsichtiger erscheint ihm alles, sodass er schließlich entnervt aufgibt. Doch bevor er seine Recherchen einstellt, befragt er noch Roy Freeman, den inzwischen pensionierten Detective, der damals erfolglos in dem Mordfall ermittelte und den Eindruck hat, vor nahezu dreißig Jahren etwas übersehen zu haben.
Im dritten Teil des Buches begleitet man dann Roy Freeman, der nun erneut die Ermittlungen aufnimmt und alles daran setzt, sein schlechtes Gewissen zu beruhigen und den Mord an Wieder endlich aufzuklären.
Chirovici spielt sehr raffiniert mit unterschiedlichen Perspektiven und hat seinen Roman äußerst klug konstruiert. Die Handlung wird aus drei verschiedenen und zeitlich versetzten Ich-Perspektiven geschildert, wobei der Leser immer wieder mit höchst subjektiven Wahrnehmungen, widersprüchlichen Vermutungen, Halbwahrheiten und Fehleinschätzungen konfrontiert wird. Kein Detail passt zum anderen, obwohl sich alle Beteiligten zu den selben Sachverhalten äußern. Da die Ereignisse jedoch völlig unterschiedlich dargestellt werden, muss man sich stets erneut fragen, wessen Worten man eigentlich Glauben schenken darf. Allerdings scheinen manche Beteiligten gar nicht bewusst zu lügen, sondern bewerten und deuten die Fakten, an die sie sich erinnern, nur auf völlig unterschiedliche Weise.
Der Roman kreist immer wieder um die Frage, wie zuverlässig unsere Erinnerungen eigentlich sind und ob das, woran wir uns erinnern, bzw. zu erinnern glauben, auch tatsächlich passiert ist. Ohne dass wir es wollen, entwickeln sich völlig falsche Erinnerungen, die wir dann aber für die Wahrheit halten, und so schönen und verfälschen wir immer wieder die Realität.
Mich hat Das Buch der Spiegel von der ersten bis zur letzten Seite gefesselt und begeistert. Gebannt folgte ich diesem raffinierten Verwirrspiel und versuchte die einzelnen Puzzleteile zu einem stimmigen Ganzen zusammenzusetzen. Das Ende war jedoch absolut nicht vorhersehbar, für meinen Geschmack vielleicht ein bisschen zu konstruiert, aber dennoch glaubwürdig und schlüssig.
Ich bin absolut begeistert von diesem Roman und kann ihn nur jedem empfehlen, der kluge Spannungsliteratur auf hohem Niveau zu schätzen weiß. Ein sprachlich versierter und intelligent erzählter Roman um Wahrheit, trügerische Erinnerungen und die subjektive Wahrnehmung von Liebe.

© Claudia Bett

Herzlichen Dank an den Goldmann Verlag, der mir das Rezensionsexemplar freundlicherweise zur Verfügung stellte!

Meine Bewertung: ⭐ ⭐ ⭐ ⭐ ⭐ (5 von 5 Sternchen)

Buchdetails:

E. O. Chirovici: Das Buch der Spiegel
Verlag: Goldmann
Ersterscheinungsdatum: 27. Februar 2017
384 Seiten
ISBN 978-3-442-31449-2

Buchrezension: Jenny Blackhurst – Das Mädchen im Dunkeln

Jenny Blackhurst - Das Mädchen im DunkelnInhalt:

Karen Browning arbeitet als Psychiaterin am Cecil-Baxter-Institut, ist beruflich sehr erfolgreich und steht kurz vor ihrer Beförderung. Als sie eines Tages von Jessica Hamilton aufgesucht wird, die aufgrund ihrer Spannungskopfschmerzen therapeutische Hilfe sucht, hält Karen ihre neue Patientin zunächst für einen Routinefall, fühlt sich allerdings schon während der ersten Therapiesitzung ein wenig unbehaglich. Die junge Frau gesteht ihr, dass sie ein Verhältnis mit einem verheirateten Mann hat, ihn zwar nicht liebt und auch nicht will, dass er sich scheiden lässt, aber von der Ehefrau ihres Liebhabers geradezu besessen ist und sie abgrundtief hasst.
Kurz darauf geschehen in Karens privatem Umfeld seltsame Dinge. Nicht nur Karens, sondern vor allem das Leben ihrer beiden besten Freundinnen Bea und Eleanor gerät plötzlich vollkommen aus den Fugen. Karen ist sicher, dass nur Jessica für all die mysteriösen Vorkommnisse verantwortlich sein kann, unter denen ihre Freundinnen zu leiden haben. Die Freundschaft der drei Frauen, die seit ihrer Kindheit durch dick und dünn gehen, wird vor eine harte Zerreißprobe gestellt, denn privat wäre es eigentlich Karens Pflicht, ihre Freundinnen vor Jessica zu warnen, aber beruflich ist sie an die ärztliche Schweigepflicht gebunden. Noch ahnt sie jedoch nicht, in welcher Gefahr Bea und Eleanor schweben und ihre neue Patientin sie nicht zufällig ausgewählt hat, sondern im Begriff ist, Karen alles zu nehmen, was ihr etwas bedeutet – ihre Karriere, ihre Beziehung zu Michael und auch ihre beiden besten Freundinnen.

Meine persönliche Meinung:

Ich habe Jenny Blackhursts Debütroman Die stille Kammer zwar nicht gelesen, aber von vielen Seiten gehört, dass die Autorin einen brillanten Thriller vorgelegt hat. Da es sich bei ihren Büchern um Einzelbände handelt und der Klappentext von ihrem aktuellen Psychothriller Das Mädchen im Dunkeln sehr vielversprechend tönte, war ich sehr gespannt, ob Jenny Blackhurst auch mich begeistern kann. Allerdings ist der Klappentext des Verlags ein wenig irreführend und vor allem sehr ungeschickt formuliert, denn einerseits geht aus ihm nicht hervor, dass eigentlich die Freundschaft von Karen zu ihren beiden besten Freundinnen im Zentrum der Handlung steht, während er andererseits bereits so viel vom Plot verrät, dass man fast schon von einem Spoiler sprechen kann, sodass ich in meiner Inhaltsangabe auf diese Hinweise verzichtet habe. Den Klappentext kann man der Autorin jedoch ebensowenig anlasten wie die vielen Rechtschreib- und Grammatikfehler in der deutschen Übersetzung ihres Buches, die auf ein äußerst mangelhaftes Lektorat schließen lassen. Ich habe jedenfalls noch nie ein Verlagsbuch gelesen, das so viele Fehler enthält, dass man beim Lesen immer wieder ins Stocken gerät und manche Sätze erneut lesen muss, um ihren Sinn zu erfassen. Über vereinzelte kleine Fehlerchen, die durchaus vorkommen können, kann ich entspannt hinwegsehen, aber in dieser Häufigkeit sind sie äußerst störend und hemmen leider auch den Lesefluss.
Inhaltlich gibt es an diesem Thriller weitaus weniger auszusetzen, denn Das Mädchen im Dunkeln ist ein durchaus spannender und lesenswerter Psychothriller.
Bereits das erste Kapitel ist etwas irritierend, denn es handelt sich dabei um ein Therapiegespräch, bei dem Karen jedoch selbst die Patientin ist. Schnell wird klar, dass etwas Schreckliches vorgefallen sein muss und sich die Psychologin nun selbst in therapeutische Behandlung begeben musste. Das Buch wird dann abwechselnd aus der Perspektive von Karen und ihren beiden besten Freundinnen Bea und Eleanor erzählt und immer wieder durch das Therapiegespräch unterbrochen, das Karen mit ihrem Therapeuten führt. Stück für Stück offenbart sich nun, was Karen und ihren Freundinnen zugestoßen ist und was Karens Patientin Jessica mit all den rätselhaften Vorkommnissen zu tun hat. Manche Kapitel werden auch aus der Perspektive einer unbekannten Person geschildert, die die Freundinnen schon seit langer Zeit beobachtet, fotografiert und auch ihre Spuren im Internet verfolgt. Was diese Person im Schilde führt und ob es sich dabei um Jessica handelt, bleibt jedoch lange im Dunkeln. Diese Passagen sind vor allem deshalb so verstörend, weil diese Person alles von den Frauen zu wissen scheint, selbst Begebenheiten, die schon viele Jahre zurückliegen, und auch ganz genau weiß, wo sie ansetzen muss, um die Frauen zu verunsichern und in Angst und Schrecken zu versetzen.
Jenny Blackhurst hat Karen, Bea und Eleanor sehr fein gezeichnet und präzise ausgearbeitet. Der Leser erhält sehr tiefe Einblicke in ihre jeweiligen Gedanken, Ängste und die Probleme, mit denen sie aktuell zu kämpfen haben, aber auch in ihr bisheriges Schicksal sowie die Beschaffenheit ihrer außergewöhnlichen Freundschaft. Die drei Frauen sind seit mehr als dreißig Jahren miteinander befreundet, immer wieder wird betont, wie besonders eng die Bindung zwischen den drei Freundinnen ist, aber seltsamerweise verbergen sie gerade das voreinander, was sie am meisten belastet.
Bea mochte ich besonders gerne, und ihr Schicksal berührte mich auch sehr, während mir Eleanor, die mit ihrer Mutterrolle vollkommen überfordert zu sein scheint und äußerst überspannt ist, häufig ein wenig auf die Nerven fiel. Trotzdem tat sie mir leid, denn ihr Leben gerät im Verlauf der Geschichte so aus den Fugen, dass sie fast den Verstand verliert. Obwohl Karen im Fokus der Handlung steht, ist sie besonders schwer zu durchschauen und war mir leider auch sehr unsympathisch. Was ihre Tätigkeit als Psychologin anbelangt, fand ich sie äußerst unprofessionell und gleichzeitig zu karriereversessen, aber auch privat hat sie so einige Leichen im Keller. Diese könnte man ihr durchaus verzeihen, wenn sie sich nicht selbst als Hüter von Moral und Anstand verstünde und nicht immer wieder betonen würde, wie wichtig es ihr ist, anderen selbstlos zu helfen. Eigentlich mag ich ambivalente und vielschichtige Charaktere, aber diese Frau verhält sich einfach in jeder Hinsicht so widersprüchlich, dass es mir sehr schwerfiel, mich in sie hineinzuversetzen und mit ihr mitzufühlen.
Die rätselhafteste Figur ist natürlich Jessica, die mysteriöse Patientin, die eines Tages bei Karen auftaucht und vorgibt, therapeutische Hilfe zu suchen. Auch wenn ihre wahre Identität erst am Schluss enthüllt wird, war mir sehr schnell klar, wer sie ist und warum sie es auf Karen abgesehen hat. Allerdings war mir vollkommen schleierhaft, warum sie Bea und Eleanor schaden möchte, sodass die Spannung trotzdem bis zum Ende aufrechterhalten werden konnte.
Eines muss man diesem Psychothriller nämlich lassen – er ist durchgehend spannend, und das Ende hält trotz mancher Vorhersehbarkeiten noch eine erstaunliche Überraschung parat. Leider verblieb aber meiner Meinung nach noch eine kleine Ungereimtheit, die vom Ende her betrachtet, keinen Sinn ergab. Besonders tiefgründig ist Das Mädchen im Dunkeln leider nicht. Das Thema Ehebruch steht immer wieder im Zentrum der Handlung, wobei der moralische Zeigefinger für meinen Geschmack ein bisschen zu sehr erhoben wurde. Trotzdem hat mir Das Mädchen im Dunkeln gut gefallen und sehr spannende Lesestunden bereitet.
Ein fesselnder Psychothriller für Zwischendurch, nicht besonders überragend, aber dennoch solide und lesenswert.

© Claudia Bett

Meine Bewertung: ⭐ ⭐ ⭐ (3 von 5 Sternchen)

Herzlichen Dank an NetGalley und den Bastei Lübbe Verlag, der mir das Buch freundlicherweise als Rezensionsexemplar zur Verfügung stellte!

Buchdetails:

Jenny Blackhurst: Das Mädchen im Dunkeln
Verlag: Bastei Lübbe
Ersterscheinungsdatum: 16. Februar 2017
431 Seiten
ISBN 978-3-404-17416-4

Cover: Bastei Lübbe

Mein Monatsrückblick März 2017

Gelesen:

Leider startete ich mit einer kleinen Leseflaute in den Monat März, denn gleich das erste Buch, dem ich mich zuwandte, war eine so zähe Angelegenheit, dass ich manchmal tagelang gar keine Lust zum Lesen hatte und deshalb auch nicht vorankam. Glücklicherweise hielt diese Leseflaute nicht allzu lange an, sodass ich trotz anfänglicher Startschwierigkeiten im März doch noch 6 Bücher gelesen habe; das waren insgesamt 2427 Seiten, also durchschnittlich 78 Seiten pro Tag (zu meinen ausführlichen Rezensionen gelangt Ihr mit einem Klick auf das Cover oder den Buchtitel)

Amy Gentry - Good as GoneIch hatte mich sehr auf Good as Gone von Amy Gentry gefreut, war aber leider etwas enttäuscht von diesem Roman. Die Geschichte beginnt zwar sehr vielversprechend, ist auch durchaus originell konstruiert, aber leider geht gerade das auf Kosten der Spannung. Kann man lesen – muss man aber nicht.

 

L. U. Ulder - Ein dunkler TriebAbsolut spannend ging es dann aber weiter mit Ein dunkler Trieb von L. U. Ulder, dem ersten Band einer neuen Reihe um den Ermittler Björn Liebermann. Dieser Ermittlungsthriller hat mich in jeder Hinsicht überzeugt und hat alles, was ein Buch dieses Genres braucht – einen abgrundtief bösen Serientäter, der von wahrlich dunklen Trieben geleitet wird, interessante und glaubwürdige Charaktere sowie einen spannenden und gut durchdachten Plot.

Jenny Blackhurst - Das Mädchen im DunkelnAuch Jenny Blackhursts Das Mädchen im Dunkeln war wirklich fesselnd und hat mich auch sehr gut unterhalten. Allerdings haben mich die Protagonisten nicht überzeugt, und auch der Plot war nicht immer stimmig. Gestört haben mich aber vor allem die auffallend vielen Rechtschreib- und Grammatikfehler in der deutschen Übersetzung, die man der Autorin zwar nicht anlasten kann, aber den Lesefluss und das Lesevergnügen leider sehr gemindert haben. Schade, denn eigentlich ist es ein solider Psychothriller, nicht gerade überragend, aber durchaus lesenswert.

Marina Heib - Drei Meter unter NullDass es sich bei Marina Heibs Drei Meter unter Null um einen in jeder Hinsicht herausragenden Thriller handelt, habe ich schon auf den ersten Seiten gemerkt. Das sprachlich hohe Niveau ist schon mehr als beeindruckend und auch außergewöhnlich in diesem Genre. Dieser Thriller geht wirklich unter die Haut, ist von der ersten bis zur letzten Seite nicht nur spannend und schockierend, sondern gleichzeitig auch sehr berührend. Zweifellos einer der besten Thriller, die ich je gelesen habe und deshalb auch mein unangefochtenes Lesehighlight des Monats!

Gillian Flynn - Gone GirlVon Gone Girl von Gillian Flynn hätte ich eigentlich erwartet, dass es mich vollkommen umhaut, denn der Hype, der um dieses Buch gemacht wurde, war enorm. Gillian Flynn schafft es in diesem Buch sehr gekonnt, den Leser immer wieder zu verwirren und mitten in ein böses Psychospiel eines vermeintlich glücklichen Ehepaars zu reißen. Die Charaktere sind sehr gut ausgearbeitet, was aber vor allem am Anfang sehr zulasten der Spannung geht. Abgesehen von dem recht zähen Einstieg und ein paar bedauerlichen Längen, hat mir dieser Roman allerdings sehr gut gefallen, auch wenn ich ihn für ein wenig überbewertet halte.

Das Buch der Spiegel von EO ChiroviciWirklich umgehauen hat mich hingegen Das Buch der Spiegel von E. O. Chirovici. Der Autor spielt in seinem Kriminalroman sehr gekonnt mit verschiedenen Perspektiven und beschäftigt sich dabei immer wieder mit der Frage, wie zuverlässig und manipulierbar unsere Erinnerungen sind. Ein wirklich grandioser und intelligent erzählter Roman, der mich restlos begeistert hat.

 

© Claudia Bett