Buchrezension: Susanne Kliem – Das Scherbenhaus

Das Scherbenhaus von Susanne KliemInhalt:

Carla Brendel lebt allein in einem abgelegenen alten Bauernhaus vor den Toren ihrer Heimatstadt Stade und fühlt sich schon seit mehreren Monaten bedroht und beobachtet. Ein unbekannter Stalker lässt ihr immer wieder mysteriöse Nachrichten und Fotos zukommen, die ihr Angst machen – Bilder von menschlicher Haut und blutenden Wunden. Glücklicherweise findet Carla in ihrer Arbeit als Köchin im Restaurant ihres Schwagers ein wenig Ablenkung. Auch ihre beste Freundin Jule ist immer für sie da und versucht, sie ein wenig aufzumuntern und zu beruhigen.
Ihre Halbschwester Ellen, eine sehr erfolgreiche und vielbeschäftigte Architektin, meldet sich nur sehr selten bei Carla. Sie lebt in Berlin in dem luxuriösen und modernen Wohngebäude Safe Haven, das sie selbst entworfen hat. Umso verwunderter ist Carla, als Ellen eines Tages anruft und sie bittet, zu ihr nach Berlin zu kommen. Da ihre Halbschwester am Telefon sehr verzweifelt klingt, beschließt Carla, ihre Ängste zu überwinden und zu Ellen nach Berlin zu fahren, zumal sie sicher ist, dass ihr Stalker sie in der großen Stadt nicht finden wird.
Doch schon kurz nach Carlas Ankunft verschwindet Ellen plötzlich spurlos während eines gemeinsamen Restaurantbesuchs. Ein paar Tage später wird in einem Kanal ihre Leiche gefunden. Offenbar ist sie ertrunken – die Polizei geht zumindest von einem tragischen Unfall aus – aber Carla ist sicher, dass Ellen ermordet wurde, denn kurz bevor sie verschwand, erwähnte sie, dass sie einem gefährlichen Geheimnis auf die Spur gekommen sei und bat Carla, nicht an einen Unfall zu glauben, falls ihr etwas zustoßen sollte.
Carla beschließt, in Berlin zu bleiben und in Ellens Wohnung im Safe Haven zu ziehen. In dem perfekt geschützten, computergesteuerten und hochmodernen Wohnhaus und der engen Hausgemeinschaft fühlt sie sich zumindest sicher vor ihrem unbekannten Stalker. Aber Ellens rätselhafter Tod lässt ihr keine Ruhe. Was wollte ihre Halbschwester ihr mitteilen? Für wen war der Brief, den sie am Tag ihres Verschwindens noch bei sich trug? Carla hat den Eindruck, dass die Hausbewohner des Save Haven mehr wissen, als sie zugeben wollen, denn sie verhalten sich sehr eigenartig. Sie will der Sache auf den Grund gehen und beginnt, Fragen zu stellen. Noch ahnt sie nicht, dass im Safe Haven ganz eigene Gesetze herrschen und es gefährlich werden kann, wenn man zu viele Fragen stellt.

Meine persönliche Meinung:

Als ich Das Scherbenhaus von Susanne Kliem in der Verlagsvorschau entdeckt habe, landete das Buch sofort auf meiner Wunschliste, denn der Klappentext und auch das Setting klangen so vielversprechend, dass ich sicher war, dass mir dieses Buch gefallen würde. Manchmal liege ich da allerdings auch mächtig daneben, denn viele Bücher halten nicht, was die Klappentexte versprechen, aber bei Das Scherbenhaus habe ich mich nicht getäuscht. Abgesehen von dem leider etwas schwachen Ende, hat mich dieser Psychothriller durchaus überzeugt und auch sehr spannend unterhalten.
Susanne Kliem hat ihre Protagonistin Carla sehr präzise ausgearbeitet und einen Charakter entworfen, mit dem ich von der ersten Seite an mitfiebern konnte. Ihre Angst vor dem unbekannten Stalker, der sie seit Monaten bedroht, wurde sehr glaubwürdig und nachvollziehbar geschildert. Er hat sich zwar seit ein paar Wochen nicht mehr gemeldet, aber dennoch gelingt es Carla nicht, ihre Ängste abzulegen. Sie traut sich kaum, alleine das Haus zu verlassen und fühlt sich auch in ihren eigenen vier Wänden nicht mehr sicher. Obwohl ihre beste Freundin Jule immer für sie da ist, sie im Restaurant ihres Schwagers als Köchin arbeitet und die Arbeit sie ausfüllt und von ihren Sorgen ablenkt, fühlt sie sich oft einsam und alleine mit ihren Ängsten. Ein Neubeginn in Berlin kommt ihr sehr gelegen, denn sie glaubt, dass ihr Stalker sie in der großen Stadt nicht finden kann.
Die Wohnung ihrer Halbschwester Ellen in Berlin ist das genaue Gegenteil von Carlas abgelegenem alten Bauernhaus in Stade, das zwar wunderschön und idyllisch gelegen ist, ihr aber immer mehr zum Gefängnis wurde. Ich konnte sehr gut nachvollziehen, dass sie sich nach einer neuen Umgebung sehnte und sich im Safe Haven zunächst sicher wähnte.
Das Setting war überaus beeindruckend, denn das hochmoderne Wohnhaus, das Carlas Halbschwester Ellen selbst entworfen hat und nach ihren Vorstellungen bauen ließ, um dann selbst darin zu wohnen, löste bei mir äußerst beklemmende Gefühle aus. Das lag jedoch nicht nur an den architektonischen Besonderheiten, mit denen dieses Gebäude ausgestattet ist, sondern vielmehr an der recht eigentümlichen Hausgemeinschaft. Auf den ersten Blick scheint diese Wohnanlage jedoch sicher zu sein – sie ist computergesteuert, die Türen lassen sich über eine Handy-App schließen und öffnen, und das Haus ist gegen Eindringlinge von außen durchaus gut geschützt, aber seine Bewohner sind eben äußerst seltsam. Das erkennt Carla jedoch erst auf den zweiten Blick, denn die vermeintliche Sicherheit und die sehr zuvorkommend und freundlich wirkende Hausgemeinschaft verleiten sie zunächst zu mitunter recht unüberlegten und vertrauensseligen Handlungen. Carla ist davon überzeugt, dass der Tod ihrer Halbschwester kein Unfall, sondern Mord war, auch wenn die Polizei ihr keinen Glauben schenken will. Ellen hat ihr gesagt, dass sie sich bedroht fühlt, konnte ihr allerdings nicht mehr mitteilen von wem und warum, aber erst nachdem Carla im Safe Haven ein paar eigenartige Dinge beobachtet und im Keller eine grauenhafte Entdeckung macht, ist sie sicher, dass einer der Hausbewohner dahintersteckt.
Was die Bewohner des Safe Haven anbelangt, hat es die Autorin geschafft, äußerst plastische Figuren zu zeichnen, die jedoch sehr schwer durchschaubar und überaus rätselhaft sind. Die Macht- und Abhängigkeitsverhältnisse innerhalb dieser Hausgemeinschaft sind der eigentliche Dreh- und Angelpunkt der Geschichte. Das Beziehungsgeflecht der Personen untereinander, das von Kontrolle und Manipulation geprägt ist, wäre jedoch etwas nachvollziehbarer, wenn manche Charaktere ein bisschen mehr Tiefe hätten.
Obwohl Susanne Kliem versucht, den Verdacht immer wieder auf eine andere Person zu lenken, war mir recht schnell klar, wer hinter all den rätselhaften Vorkommnissen steckt und für Ellens Tod verantwortlich ist. Trotz dieser Vorhersehbarkeit fiel die Spannungskurve jedoch nicht ab, da das Motiv des Täters bis zuletzt im Dunkeln lag. Allerdings interessieren mich die Beweggründe einer Tat ohnehin meistens mehr als die Identität des Täters. Sein Motiv war für mich zwar durchaus glaubwürdig und auch sehr schockierend, aber trotzdem hat mich das schwache Ende dieses Psychothrillers leider ein bisschen enttäuscht, nicht zuletzt, weil es – zumindest teilweise – etwas zu überkonstruiert war. Das ist umso bedauerlicher bei einer Geschichte, die über mehr als 300 Seiten hinweg geradezu atemlos spannend und atmosphärisch dicht erzählt wird.
Der Schreibstil von Susanne Kliem ist einfach und schnörkellos und lässt sich sehr angenehm und flüssig lesen. Das Spannungslevel ist von der ersten Seite an sehr hoch und konnte trotz der teilweisen Vorhersehbarkeit über das ganze Buch hinweg gehalten werden. Ich war mir lange sicher, dass Das Scherbenhaus eines meiner Thriller-Highlights werden könnte, aber auf den letzten Seiten hat mich dieser überaus beklemmende Psychothriller dann bedauerlicherweise doch etwas enttäuscht, sodass ich ein Sternchen abziehen musste. Trotzdem kann ich für diesen hochspannenden Psychothriller auf jeden Fall eine Leseempfehlung aussprechen.

© Claudia Bett

Herzlichen Dank an den Verlag carl’s books, der mir das Rezensionsexemplar freundlicherweise zur Verfügung stellte!

Meine Bewertung: ⭐ ⭐ ⭐ ⭐ (4 von 5 Sternchen)

Buchdetails:

Susanne Kliem: Das Scherbenhaus
Verlag: carl’s books
Ersterscheinungsdatum: 20. März 2017
336 Seiten
ISBN 978-3-570-58566-5

4 Gedanken zu “Buchrezension: Susanne Kliem – Das Scherbenhaus

  1. Liebe Claudia,

    mir ging es bei diesem Buch so ähnlich wie dir. Ich fand es total spannend, aber das Ende fand ich eher unglaubwürdig. Es war nicht „stark“ genug für die Spannung, die vorher so gelungen aufgebaut worden ist. Ich habe dafür einen halben Stern weniger gegeben.

    Schön, dass du mich bei Twitter gefunden hast. Somit bin ich nun auch zu dir gekommen und werde mich gerne hier auf deinem Blog umschauen. Bisher gefällt er mir auf den ersten Blick nämlich sehr gut!

    GlG vom monerl

    Gefällt 1 Person

    • Hallo Monerl,
      schön, dass Du bei mir vorbeischaust 😉 Ich habe eben auch ein bisschen bei Dir rumgeschnüffelt. Dein Blog gefällt mir sehr gut. Natürlich musste ich auch gleich bei Deiner Rezension zu „Das Scherbenhaus“ vorbeischauen und bin fast beruhigt, dass es nicht nur mir so ging bei diesem Buch. Gerade diese „Verstrickungen“, die Du erwähnst, haben mich auch am meisten gestört. So schade, denn ich fand das Buch super spannend.
      Liebe Grüße
      Claudia

      Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s