Auf diese Neuerscheinungen freue ich mich im August 2017

Während ich sonst jeden Monat so viele Neuerscheinungen entdecke, die mich neugierig machen, dass ich mich zügeln muss, um meine Auswahl auf nur fünf zu beschränken, damit meine Wunschliste nicht utopische Ausmaße annimmt, musste ich beim Stöbern durch die Verlagsvorschauen dieses Mal sehr lange suchen, um überhaupt fündig zu werden. Trotzdem habe ich natürlich wieder genug Bücher entdeckt und muss nicht befürchten, dass mir der Lesestoff ausgehen wird 😉

U1_978-3-8052-5102-0.inddEr will dein Haus. Er will deine Frau. Er will dein Leben. Er ist der Housesitter
Stell dir vor, du kommst mit deiner Freundin aus dem Urlaub in dein Haus zurück. Du merkst sofort, dass irgendetwas anders ist: Die Möbel sind verrückt. In der Küche stehen benutzte Töpfe. Die Handtücher riechen fremd.
Dann spürst du einen jähen Schmerz – und es wird Nacht um dich.
Stell dir vor, du wachst erst nach Tagen im Krankenhaus auf.
Deine Freundin ist verschwunden – entführt.
Denn da draußen ist jemand, der sich nach einem warmen Heim sehnt. Nach einer liebenden Frau. Nach deinem Leben. Und er ist zu allem entschlossen… (Klappentext: Wunderlich Verlag)

Andreas Winkelmann: Housesitter
Verlag: Wunderlich
Ersterscheinungstermin: 18. August 2017
Klappenbroschur – 496 Seiten – 14,99 €
ISBN: 978-3-8052-5102-0


In ewiger Schuld von Harlan CobenMaya – Pilotin und nach einem umstrittenen Einsatz aus dem Militär entlassen – blickt fassungslos auf die Filmaufnahmen ihrer Nanny-Cam: Dort spielt ihre kleine Tochter seelenruhig mit Mayas Ehemann Joe. Doch Joe wurde zwei Wochen zuvor brutal ermordet – und Maya hat tränenblind an seinem Grab gestanden. Kann Maya ihren Augen trauen? Wer würde sie so grausam täuschen? Und was geschah wirklich in der Nacht, in der Joe ermordet wurde? Um Antworten auf all ihre Fragen zu finden, muss Maya sich den düsteren Geheimnissen nicht nur ihrer eigenen Geschichte stellen. Sie muss auch tief in die Vergangenheit von Joes reicher Familie eintauchen. Doch dort ist sie plötzlich nicht mehr willkommen … (Klappentext: Goldmann)

Harlan Coben: In ewiger Schuld
Verlag: Goldmann
Ersterscheinungstermin: 21. August 2017
Klappenbroschur – 416 Seiten – 14,99 €
ISBN: 978-3-442-20519-6


Ursula Poznanski - AquilaOhne Erinnerung an die letzten zwei Tage streift die Studentin Nika durch Siena. Sie vermisst ihr Handy, ihre Schlüssel und ihren Pass. Mitbewohnerin Jennifer ist ebenfalls verschwunden. Dafür steckt in Nikas Hosentasche ein Zettel mit mysteriösen Botschaften und Anweisungen.

Das Blut ist nicht deines.
Du weißt, wo das Wasser am dunkelsten ist.
Halte dich fern von Adler und Einhorn …

Welchen Sinn soll das ergeben? Und was, zum Teufel, ist geschehen zwischen Samstagabend und Dienstagmorgen?

Bestseller-Autorin Ursula Poznanski schickt ihre Heldin durch die engen Gassen und die unterirdischen Labyrinthe Sienas, die ebenso im Dunkel liegen wie Nikas Erinnerungen an die letzten zwei Tage. Ein unlösbar scheinendes Rätsel, ein monströser Verrat und die geheimnisvollen Symbole des mittelalterlichen Siena bilden das Gerüst dieses exzellenten Psychothrillers. (Klappentext: Loewe)

Ursula Poznanski: Aquila
Verlag: Loewe
Ersterscheinungstermin: 14. August 2017
Klappenbroschur – 432 Seiten – 16,95 €
ISBN: 978-3-7855-8613-6


Das verlorene Maedchen von Heather YoungMinnesota 1935: Die Familie Evans verbringt ihren Sommerurlaub mit ihren drei kleinen Töchtern Emily, Lucy und Lilith in einem Haus am See. Was paradiesisch beginnt, endet in einer Katastrophe: Die sechsjährige Emily verschwindet eines Tages spurlos. 64 Jahre später: Ihr ganzes Leben hat Lucy das Geheimnis um Emily mit sich herumgetragen. Doch als sie stirbt, hinterlässt sie ihrer Großnichte Justine ein Notizbuch mit Hinweisen, was damals geschah. Justines älteste Tochter Melanie ist von der Geschichte geradezu besessen. Um jeden Preis will sie die ganze Wahrheit erfahren. Aber manchmal ist es besser, die Toten ruhen zu lassen … (Klappentext: Goldmann)

Heather Young: Das verlorene Mädchen
Verlag: Goldmann
Ersterscheinungstermin: 21. August 2017
Taschenbuch – 480 Seiten – 9,99 €
ISBN: 978-3-442-48580-2


Stalker von Louise VossAlex Parkinson ist wie vom Blitz getroffen, als er seine Dozentin aus dem Schreibkurs zum ersten Mal sieht. Siobhan ist wunderschön, intelligent und teilt auch noch seine große Leidenschaft: das Schreiben. Niemals zuvor hat er jemanden so sehr geliebt. Doch wie kann er Siobhan davon überzeugen, dass sie zusammengehören? Besessen von der Idee, sein Leben mit ihr zu teilen, findet Alex heraus, wo Siobhan wohnt, verliert seinen Job für sie, macht ihr Geschenke, kümmert sich um ihre Katze, liest in ihrem Tagebuch. Alex würde alles für Siobhan tun – bis plötzlich eine junge Frau tot vor ihrem Haus liegt … (Klappentext: btb)

Louise Voss, Mark Edwards: Stalker
Verlag: btb
Ersterscheinungstermin: 14. August 2017
Taschenbuch – 416 Seiten – 9,99 €
ISBN: 978-3-442-74571-5

Buchrezension: Klaus-Peter Wolf – OstfriesenKiller

Klaus-Peter Wolf - OstfriesenKillerInhalt:

Ulf Speicher, der Gründer und Leiter des Vereins Regenbogen, einer Organisation, die behinderte Menschen und ihre Angehörigen betreut, wird während eines Schäferstündchens heimtückisch erschossen. Noch während Kommissarin Ann Kathrin Klaasen und ihr Team rätseln, wer einen Mann, der jahrelang so engagiert für die Rechte Behinderter gekämpft hatte, ermordet haben könnte, wird eine weitere Leiche gefunden – Kai Uphoff, der im Regenbogen-Verein seinen Zivildienst ableistete, ist mit einem Schwert grausam erschlagen worden. Doch es soll nicht bei diesen beiden Toten bleiben, denn offenbar hat es der Täter auf alle Mitarbeiter der Organisation abgesehen. Ann Kathrin Klaasen beschließt, den Verein Regenbogen etwas genauer unter die Lupe zu nehmen und stößt dabei auf heftigen Widerstand. Aber was hat dieser Verein zu verbergen? Geht es ihm wirklich um die Bedürfnisse behinderter Menschen oder werden sie nur systematisch ausgebeutet? Die Kommissarin muss alles daransetzen, den Mörder so schnell wie möglich zu finden, denn der hat sein nächstes Opfer bereits im Visier.

Meine persönliche Meinung:

Bei OstfriesenKiller handelt es sich um den ersten Band der erfolgreichen Ostfriesen-Krimireihe von Klaus-Peter Wolf und den ersten Fall für die beliebte Ermittlerin Ann Kathrin Klaasen. Kaum ein anderes Buch liegt nun schon so lange ungelesen in meinem Regal wie der Auftakt dieser Kult-Krimireihe, der inzwischen auch vom ZDF verfilmt wurde. Ich habe das Buch vor einigen Jahren geschenkt bekommen, und es wurde mir mit den Worten, es sei fast so gut wie diese allseits beliebte Krimireihe aus dem Allgäu, feierlich überreicht. Ich hoffe, man hat mir in diesem Moment meine Enttäuschung nicht allzu sehr angesehen, denn man will einen Schenker ja nicht verletzen, aber wenn man mir ein Buch richtig madig machen will, muss man es nur mit diesen unsäglich albernen Allgäu-Krimis vergleichen. Dummerweise bin ich dann nämlich dem Irrglauben aufgesessen, OstfriesenKiller sei einer dieser unerträglichen Regional-Schmunzel-Krimis mit viel Klamauk und einem übertrieben kauzigen und nervtötenden Ermittler. Da ich solchen Krimis nicht das Geringste abgewinnen kann, sie mich furchtbar langweilen und leider nicht einmal zum Lachen bringen, habe ich OstfriesenKiller in den hintersten Winkel meines Bücherregals verbannt und jahrelang ignoriert. Erst kürzlich habe ich nun allerdings erfahren, dass ich mich geirrt habe und es sich bei Klaus-Peter Wolfs Ostfriesen-Reihe keineswegs um alberne, sondern um gut durchdachte, spannende und durchaus ernstzunehmende Kriminalromane handelt, sodass ich beschloss, dem Autor nun doch endlich eine Chance zu geben. Das war eine sehr gute Entscheidung, die ich nicht bereut habe, denn OstfriesenKiller hatte alles, was ein guter Krimi braucht – Spannung, präzise ausgearbeitete Charaktere, einen gut durchdachten Plot, die nötige Portion Emotion und Tiefgang und ja, auch eine kleine Prise Humor, gegen die ich aber absolut nichts einzuwenden habe, solange ein Kriminalroman nicht gleich zur klamaukigen Slapstickkomödie verkommt.
Zu Beginn des Romans hatte ich allerdings ein paar Schwierigkeiten mit der Ermittlerin Ann Kathrin Klaasen, deren Eheprobleme mir ein bisschen auf die Nerven gingen. Ihr Mann Hero ist Psychologe, hat es satt, dass seine Frau kaum Zeit für ihn und ihren gemeinsamen Sohn Eike hat und ihr Beruf als Kommissarin ihr wichtiger zu sein scheint als ihre Familie. Ann Kathrin hat herausgefunden, dass Hero sie seit einiger Zeit betrügt, was er auch nicht leugnet, sondern nach einem Streit sogar beschließt, zu seiner neuen Freundin zu ziehen. Und nicht nur das – ihr Sohn Eike möchte unbedingt bei seinem Vater bleiben, denn auch er fühlt sich von seiner Mutter vernachlässigt. Ann Kathrin Klaasen muss sich eingestehen, dass sie tatsächlich Fehler gemacht hat, hat Schuldgefühle gegenüber ihrem Kind, ist aber auch voller Wut auf ihren Mann und natürlich auch auf die neue Frau an seiner Seite, die sie nicht nur als Ehefrau, sondern auch als Mutter zu ersetzen scheint. Klaus-Peter Wolf hat das Gefühlschaos, in dem sich die Kommissarin befindet, sehr nachvollziehbar geschildert, aber mir sind genau diese Ehe-und Familienprobleme weiblicher Ermittlerfiguren, die den Spagat zwischen Mutterrolle und Verbrecherjagd nicht schaffen, inzwischen leider einfach zu abgedroschen. Der Autor hat Ann Kathrin Klaasen allerdings sehr vielschichtig ausgearbeitet, sodass sie mir im weiteren Verlauf der Erzählung immer sympathischer wurde. Während ich zu Beginn des Romans noch den Eindruck hatte, sie sei einfach eine karriereversessene Powerfrau, musste ich diese erste Einschätzung dann schnell revidieren. Sie ist keineswegs so tough, wie ich zunächst dachte, sondern sehr verletzlich und empfindsam, neigt dazu, sich in Dinge zu verrennen, begeht dabei natürlich auch so manchen unbedachten Fehler und verstößt gegen Regeln, was sie allerdings umso liebenswürdiger macht.
Als nach und nach immer mehr Mitarbeiter des Vereins Regenbogen ermordet werden und Ann Kathrin Klaasen beginnt, die Arbeit des Vereins genauer unter die Lupe zu nehmen, lernt sie auch Sylvia Kleine kennen, eine geistig behinderte junge Frau, die vom Regenbogen-Verein betreut wird. Sylvia ist wunderschön und durch eine Erbschaft auch sehr wohlhabend, hat allerdings das Gemüt eines kleinen Kindes, ist vollkommen unbedarft und gutgläubig und merkt gar nicht, wenn sich andere ihre Behinderung zunutze machen, um sie sexuell und finanziell auszubeuten. Der Autor hat Sylvia Kleine sehr einfühlsam gezeichnet. Sie hat mich sehr berührt, und es war teilweise sehr schockierend, zu erfahren, wie schamlos ihre Situation ausgenutzt wird. Auch Ann Kathrin Klaasen fühlt sich der jungen Frau schnell sehr nahe, will sie davor bewahren, sich so benutzen zu lassen und vergisst dabei gelegentlich ihre Professionalität, was sie jedoch umso menschlicher und sympathischer macht.
Klaus-Peter Wolfs Erzählstil hat mir sehr gut gefallen und lässt sich leicht und flüssig lesen. Durch einen geschickten Szenenwechsel wird eine subtile Spannung aufgebaut, die bis zum Ende aufrechterhalten werden kann. Nüchtern, fast beiläufig, meldet sich dabei immer wieder eine allwissende Erzählerstimme zu Wort und kündigt an, wer das nächste Mordopfer sein wird und wie lange es noch zu leben hat, was mir jedes Mal einen Schauer über den Rücken jagte. Der Leser ist der Ermittlerin also stets einen kleinen Schritt voraus, aber Täter und Motiv bleiben bis zum Schluss im Dunkeln, sodass ich beim Lesen stets miträtselte, dabei die ein oder andere Theorie aufstellte, aber immer wieder über Bord werfen musste. Trotz des wirklich gut durchdachten und stimmigen Plots, schien mir die Auflösung des Falls zwar logisch, aber leider etwas unglaubwürdig. Dies war allerdings auch der einzige Wermutstropfen an diesem durchweg spannenden Kriminalroman, der nebenbei auch sehr interessante, ergreifende und teilweise auch schockierende Einblicke in die Arbeit mit behinderten Menschen gewährt.
Ich freue mich jedenfalls darauf, Ann Kathrin Klaasen auch bei ihrem nächsten Fall zu begleiten.

© Claudia Bett

Meine Bewertung: ⭐ ⭐ ⭐ ⭐ (4 von 5 Sternchen)

Buchdetails:

Klaus-Peter Wolf: OstfriesenKiller
Verlag: FISCHER Taschenbuch
Ersterscheinungsdatum: 01. April 2007
320 Seiten
ISBN 978-3-596-16667-1

Cover: S. Fischer Verlag

Buchrezension: Paula Hawkins – Into the Water

Paula Hawkins - Into the WaterInhalt:

Julia Abbott hat seit fünfzehn Jahren keinen Kontakt mehr zu ihrer Schwester Nel, die alleine mit ihrer fünfzehnjährigen Tochter Lena noch immer in ihrem Elternhaus in der kleinen englischen Gemeinde Beckford lebt. Julia hatte sich in London inzwischen ihr eigenes Leben aufgebaut, wollte einfach nur in Ruhe gelassen werden und Beckford und Nel für immer vergessen. Deshalb ignoriert die auch Nels Hilferuf auf ihrer Mailbox, denn sie wollte die Stimme ihrer Schwester einfach nicht hören und war sich sicher, dass Nel ohnehin nur wieder dramatisiert. Doch nun ist Nel tot, und Julia muss nach Beckford zurück und sich um ihre Nichte kümmern. Aber sie hat Angst vor dem Ort, den sie noch immer mit ihren schlimmsten Erinnerungen verbindet, vor dem alten Haus am Fluss und der Flussschleife, die die Dorfbewohner nur den „Drowning Pool“ nennen.
An dieser besonders tiefen Stelle des Flusses ereignen sich schon seit Jahrhunderten mysteriöse Todesfälle. Einst wurden der Hexerei verdächtige Frauen zum „Drowning Pool“ gebracht und dort der Wasserprobe unterzogen, aber auch Engelsmacherinnen, Mörderinnen, Ehebrecherinnen und zahlreiche Selbstmörderinnen haben an der Flussbiegung auf rätselhafte Weise den Tod gefunden oder sich von den Felsen in die Fluten gestürzt. Erst vor Kurzem ist ein junges Mädchen, das eng mit Lena befreundet war, hier ins Wasser gegangen. Nel war geradezu besessen von den Frauen, die im „Drowning Pool“ gestorben sind, hat ihre Geschichten gesammelt und aufgeschrieben und war davon überzeugt, dass Beckford ein Ort ist, um unbequeme Frauen loszuwerden. Nun starb Nel selbst an dieser Stelle des Flusses, aber obwohl alle im Dorf sicher zu sein scheinen, dass sie Selbstmord begangen hat, weiß Julia mit Gewissheit, dass ihre Schwester niemals gesprungen wäre…

Meine persönliche Meinung:

Mit ihrem Debüt Girl on the Train hat Paula Hawkins 2015 auf Anhieb einen Bestseller vorgelegt, der auch erfolgreich verfilmt wurde. Während der Film überwiegend positiv aufgenommen wurde, wurde die Buchvorlage sehr kontrovers diskutiert. Vielen Lesern war Girl on the Train zu langatmig, und auch die Protagonistin, eine schwer alkoholabhängige Frau, deren Wahrnehmungen man nicht immer trauen konnte, stieß auf wenig Sympathien. Mich hingegen hat Girl on the Train restlos begeistert, was nicht zuletzt an der ruhigen Erzählweise der Autorin, der düster-tristen Grundstimmung und den grandios ausgearbeiteten Figuren lag (hier geht es zu meiner Rezension → klick). Umso mehr habe ich mich natürlich nun auf ihren neuen Roman Into the Water gefreut. Allerdings habe ich schon kurz nach dem Ersterscheinungstag die ersten Verrisse gelesen. Selbst viele, die von Paula Hawkins Erstlingswerk begeistert waren, sind von ihrem aktuellen Roman nun sehr enttäuscht, was meiner Neugierde allerdings keinen Abbruch tat.
Inzwischen kann ich die kritischen Stimmen jedoch durchaus nachvollziehen, denn die Autorin verlangt dem Leser sehr viel Geduld, Durchhaltevermögen und Konzentration ab. Man kann es eigentlich niemandem verdenken, wenn er zwischendurch den Faden und auch das Interesse verliert. Nachdem ich mehr als hundert Seiten gelesen hatte, wollte auch ich schon aufgeben und das Buch abbrechen, denn der Einstieg in die Geschichte ist leider äußerst zäh und gleichzeitig auch sehr verwirrend.
Der Roman wird aus nicht weniger als elf Perspektiven erzählt – da fällt es mitunter schwer, den Überblick zu behalten. Manche Protagonisten schildern ihre Erlebnisse und Gedanken aus der Ich-Perspektive, anderen hingegen folgt man aus der Sicht der personalen Erzählinstanz. Auch Passagen aus dem Manuskript der kürzlich verstorbenen Nel wurden in die Geschichte eingeflochten und gewähren einen Einblick in das Schicksal all der Frauen, die im „Drowning Pool“ den Tod fanden. Eine Hauptfigur gibt es nicht, und auch die Suche nach einem Sympathieträger erweist sich als sehr schwierig. Die vielen Zeitsprünge, die in die Vergangenheit reichenden Vorgeschichten und auch die vielen Nebenschauplätze, die auf den ersten Blick nichts mit der Haupthandlung zu tun zu haben scheinen, verleiten dazu, manche Passagen nur zu überfliegen, was man allerdings tunlichst vermeiden sollte. Stattdessen kann ich nur dazu raten, jede scheinbar noch so kleine Nebensächlichkeit aufmerksam zu lesen, denn sonst wird es im weiteren Verlauf der Handlung schwierig, die Zusammenhänge und Verwicklungen noch zu überblicken. Das erfordert außerordentlich viel Geduld, weil im ersten Viertel des Romans eben recht wenig passiert. Diese schier unüberschaubare Menge an Protagonisten, die ständigen Perspektivwechsel und auch der recht ereignislose und langatmige Einstieg in die Geschichte, führte leider auch bei mir dazu, dass es mich irgendwann eigentlich gar nicht mehr interessierte, ob Julias Schwester Nel nun Selbstmord begangen hat, ermordet wurde oder ihr Tod ein tragischer Unfall war. Trotzdem habe ich durchgehalten und bin auch sehr froh darüber, denn nachdem diese anfängliche Durststrecke überstanden war, konnte mich die Geschichte dann doch packen und hat mir auch ausgesprochen gut gefallen.
Allerdings melden sich die Protagonisten weiterhin nur sehr kryptisch zu Wort, man weiß nie, wer lügt und wer der die Wahrheit sagt, und offenbar hat auch jeder in diesem kleinen Örtchen Beckford etwas zu verbergen. Wie bereits in ihrem ersten Roman, macht es Paula Hawkins dem Leser auch hier nicht gerade leicht, ihre Figuren zu mögen. Mir gefällt es allerdings, wenn Charaktere ambivalent angelegt sind und man nicht weiß, ob man sie nun lieben oder hassen soll. Obwohl mir außer Julia, die mit traumatischen Kindheitserinnerungen zu kämpfen hat, niemand so recht ans Herz wachsen wollte, waren alle Protagonisten sehr überzeugend und glaubwürdig ausgearbeitet.
Die Autorin hat ihr Buch allen unbequemen Frauen gewidmet, und unbequem waren nicht nur die Frauen, die seit Jahrhunderten an besagter Flussbiegung in Beckford den Tod fanden und deren Geschichten hier ebenfalls sehr eindrücklich erzählt werden, sondern eben auch die Protagonistinnen, die Paula Hawkins in ihrem Roman zu Wort kommen lässt. Auch Nel war eine unbequeme Frau, denn sie hatte es sich zur Aufgabe gemacht, die Geschichten all dieser Frauen aufzuschreiben und sich damit nicht gerade Freunde gemacht. Der Verdacht liegt nahe, dass sie deshalb sterben musste, denn zumindest ihre Schwester Julia ist davon überzeugt, dass Nel niemals gesprungen wäre und beginnt daraufhin, sich ebenfalls mit den Geschichten dieser unbequemen Frauen zu beschäftigen. Unbequem sind auch Nickie, eine recht verschrobene Alte, die glaubt, mit Toten sprechen zu können, Erin, die Ermittlerin, eine Fremde und Außenseiterin im Dorf, die an der Wahrheit interessiert ist, und Lena, die fünfzehnjährige Tochter von Nel, ein aufmüpfiges Mädchen, das sehr störrisch und voller Wut und Trauer ist. Sie hat nicht nur ihre Mutter verloren, sondern auch ihre beste Freundin, eine ebenfalls unbequeme junge Frau, die erst vor Kurzem Selbstmord begangen hat, weil sie einen Mann liebte, den sie nicht lieben durfte.
Die Schicksale all dieser unbequemen Frauen sind miteinander verwoben und waren teilweise sehr berührend. Stück für Stück gilt es die Zusammenhänge herauszufinden und die einzelnen bruchstückhaften Splitter zu einem stimmigen Ganzen zusammenzufügen. Ich will nicht behaupten, dass dieser Roman besonders spannend ist, wer einen rasanten Thriller erwartet, kann eigentlich nur enttäuscht sein, aber trotzdem entwickelte die Erzählung nach dem recht zähen Einstieg einen Sog, dem ich mich nicht mehr entziehen konnte. Das lag nicht nur an dem angenehmen Schreibstil der Autorin, sondern auch an dem raffinierten und äußerst gut durchdachten Plot, der am Ende zu einem runden Ganzen führt. Die Geschichte ist allerdings äußerst komplex. Der Roman lässt sich nicht einfach nebenbei zügig weglesen, sondern erfordert eben ein bisschen Durchhaltevermögen und Geduld.

Belohnt wird man aber mit einer sehr tiefgründigen und bewegenden Geschichte, um Freundschaft, Loyalität, verdrängte Erinnerungen, um lange zurückliegende Missverständnisse, die zu spät erkannt werden, und um eine verbotene Liebe mit verheerenden Folgen. All das hat Paula Hawkins in Into the Water zu einer äußerst komplexen und ergreifenden Erzählung verwoben, die mich trotz massiver Startschwierigkeiten dann doch noch überzeugen konnte.

© Claudia Bett

Meine Bewertung: ⭐ ⭐ ⭐ ⭐ (4 von 5 Sternchen)

Herzlichen Dank an den Blanvalet Verlag, der mir das Rezensionsexemplar freundlicherweise zur Verfügung stellte!

Buchdetails:

Paula Hawkins: Into the Water – Traue keinem. Auch nicht dir selbst.
Verlag: Blanvalet
Ersterscheinungsdatum: 24. Mai 2017
480 Seiten
ISBN 978-3-7645-0523-3

Mein Monatsrückblick Juni 2017

Gelesen:

Was das Lesen anbelangt, war ich im vergangenen Monat alles andere als erfolgreich. Ich habe 4 Bücher gelesen; das waren 1664 Seiten , also durchschnittlich 55,5 Seiten pro Tag. Immerhin blicke ich wenigstens auf einen sehr abwechslungsreichen Lesemonat zurück, denn vom spannenden Psychothriller, über blutigen Vampir-Splatter, bis hin zu einem wahrhaft literarischen Meisterwerk über die Qualen der Liebe war alles dabei. Allerdings habe mir jetzt fest vorgenommen, Bücher, die mir nicht gefallen, künftig noch rigoroser abzubrechen, statt mich bis zum Ende durchzuquälen und mich in eine Leseflaute ziehen zu lassen.

Jutta Maria Herrmann - Schuld bist duDabei begann der Juni so vielversprechend, denn Jutta Maria Herrmanns Psychothriller Schuld bist du hat mir sehr gut gefallen und war so spannend, dass ich das Buch kaum aus der Hand legen konnte und nahezu in einem Rutsch durchgelesen habe. Zwischendurch war ich ein wenig irritiert, denn die Geschichte drohte immer unglaubwürdiger und absurder zu werden, aber am Ende hat mich die Autorin dann mit einer schlüssigen und logischen Auflösung überrascht.

Mats Strandberg - Die Überfahrt

Danach habe ich allerdings Die Überfahrt von Mats Strandberg gelesen, einen Horror-Thriller, auf den ich mich wochenlang gefreut hatte und der mich dann ebenso lange auf Trab hielt, weil es so nichtssagend und langweilig war, dass es mich jedes Mal Überwindung gekostet hat, wieder ein paar Seiten lesen zu müssen. Die ersten Kapitel waren noch recht vielversprechend, aber dann reihte sich nur noch ein blutiges Szenario an das nächste. Reines Gemetzel ist für mich leider weder schockierend noch spannend, sodass ich mich eine gefühlte Ewigkeit durch diesen unappetitlichen Vampir-Splatter gequält habe. Das Einzige, was in diesem Buch ein bisschen Tiefgang hatte, war das Schiff. Gute Horrorliteratur geht definitiv anders!

Jonas Winner - Murder Park

Murder Park von Jonas Winner hat mir dann aber glücklicherweise gut gefallen, mich sehr spannend unterhalten und auch wieder aus meiner zeitweiligen Leseflaute gerissen. Vor allem das Setting war außerordentlich beklemmend und sorgte für eine äußerst bedrohliche Atmosphäre. Manchmal ging mir die Geschichte allerdings ein bisschen zu schnell, aber dennoch kann ich diesen fesselnden Thriller nur weiterempfehlen.

Lena Andersson - Unvollkommene VerbindlichkeitenFür Unvollkommene Verbindlichkeiten von Lena Andersson habe ich auch etwas länger gebraucht, aber nicht weil ich mich durch die Seiten quälen musste, sondern weil ich jeden einzelnen Satz genießen wollte. Wer mich kennt, weiß, dass ich Liebesromane eigentlich nicht mag. Dabei stört es mich gar nicht, dass über die Liebe geschrieben wird, sondern nur, wie über sie geschrieben wird. Niemand entzaubert die Liebe so gekonnt und klug wie Lena Andersson. Jenseits von Kitsch und Romantik und außerordentlich intelligent und philosophisch analysiert sie das Gefühl des Verliebtseins und das Unglück der Liebe. Schon ihr letzter Roman Widerrechtliche Inbesitznahme hat mich restlos überzeugt und war im vergangenen Jahr mein unangefochtenes Lese-Highlight, aber auch ihr neuster Roman, in dem sie ihre Protagonistin Ester Nilsson erneut den Qualen der Liebe aussetzt, hat die besten Aussichten, es wieder auf den ersten Platz zu schaffen. (Meine Rezension folgt in den nächsten Tagen)

© Claudia Bett

Buchrezension: Jonas Winner – Murder Park

Jonas Winner - Murder ParkInhalt:

Zodiac Island vor der Ostküste der USA war einst ein beliebter Vergnügungspark. Doch nun rosteten die alten Fahrgeschäfte, das Riesenrad und die Achterbahn zwanzig Jahre vor sich hin, denn nach einer brutalen Mordserie war der Freizeitpark 1997 geschlossen worden. Der Serienmörder Jeff Bohner, der auf Zodiac Island damals drei junge Frauen auf bestialische Weise ermordet hatte, konnte inzwischen überführt werden und wurde hingerichtet.
Jetzt soll die Insel jedoch wieder zum Leben erweckt werden. Der alte Park wurde aufwendig umgebaut und schon bald soll der neue Murder Park, ein Erlebnispark zum Thema Serienkiller, seine Tore öffnen. Die Faszination für Gewalt und Verbrechen sowie das Interesse an Serientätern wie Jack the Ripper oder Ted Bundy sind groß. Im Murder Park sollen die Besucher nun das Abenteuer, den Nervenkitzel und den Grusel hautnah miterleben dürfen und mit den eigenen Ängsten konfrontiert werden.
Wenige Wochen vor der Eröffnung soll jedoch zunächst eine Gruppe von Journalisten, Beratern und Experten dem Murder Park einen Besuch abstatten. Der Reporter Paul Greenblatt und elf weitere Personen wurden auf die Insel geladen, um sich von dem neuen Erlebnispark einen ersten Eindruck zu verschaffen. Bereits am Tag ihrer Ankunft ereignet sich der erste Mord. Keiner kann dem anderen trauen, denn nur einer aus der Gruppe kann der Mörder sein. Oder befindet sich außer ihnen doch noch jemand auf der Insel? Das Morden geht weiter, aber es gibt kein Entkommen, denn die nächste Fähre, die sie zurück ans Festland bringt, kommt erst in drei Tagen.

Meine persönliche Meinung:

Nachdem ich in der Verlagsvorschau Murder Park von Jonas Winner entdeckt hatte, konnte ich den Erscheinungstermin kaum noch abwarten, denn der Klappentext tönte sehr vielversprechend. Sobald es um Serienmörder geht, ist mein Interesse ohnehin geweckt, aber vor allem das Setting ließ auf einen außergewöhnlich beklemmenden Thriller hoffen.
Jonas Winner verwendet in Murder Park das klassische Muster der locked room mysteries und siedelt die Handlung seines Romans in einem hermetisch abgeschlossenen Raum an – in diesem Fall eben auf einer von der Außenwelt abgeschotteten Insel. Zwölf Personen wurden auf diese abgelegene Insel eingeladen, schon am ersten Tag wird einer von ihnen ermordet, und im weiteren Verlauf der Erzählung dezimiert sich die Gruppe weiter. Die Insel ist aber unbewohnt und nur mit einer Fähre zu erreichen; niemand kann sie unbemerkt betreten oder verlassen, sodass der Verdacht naheliegt, dass der Mörder unter den Anwesenden zu suchen ist und das Misstrauen untereinander mit jedem weiteren Mord kontinuierlich wächst. Das ist ein altbekanntes Schema, das an Agatha Christies Und dann gabs keines mehr erinnert, aber noch immer hervorragend funktioniert, zumal Jonas Winner den Schauplatz seines Thrillers ganz besonders gruselig gestaltet hat.
Dem Autor ist es sehr gut gelungen, diese Insel sehr bildgewaltig zu beschreiben und eine äußerst beklemmende Atmosphäre zu erzeugen. Besonders bedrohlich ist das Setting nämlich nicht nur, weil man dem Mörder auf der Insel hilflos ausgeliefert ist und weder fliehen noch auf Hilfe hoffen kann, sondern weil Winner den Handlungsort auch mit einer sehr schaurigen Geschichte versehen hat. Bis vor zwanzig Jahren befand sich ein Freizeitpark auf der Insel. Zodiac Island hätte eigentlich ein Ort sein sollen, an dem man sich amüsiert, Spaß hat und der von Kinderlachen erfüllt ist. Doch nachdem der Serienmörder Jeff Bohner dort drei alleinerziehende Mütter auf bestialische Weise ermordet hatte, musste der Vergnügungspark geschlossen werden.
Nun hat der Unternehmer Robert Levin den verfallenen Park gekauft und möchte sich gerade dessen schaurige Vorgeschichte zunutze machen, um auf der Insel einen neuen Erlebnispark zum Thema Serienkiller zu eröffnen. Er und sein Team haben ein Konzept erarbeitet, das sie nun im Vorfeld der Eröffnung einer auserwählten Gruppe von Presseleuten und Experten präsentieren wollen.
Ich muss ja zugeben, dass auch mir die Faszination am Makabren nicht ganz fremd ist und es durchaus interessant sein mag, sich mit Serienmördern zu beschäftigen und Einblicke in die Abgründe der menschlichen Seele zu bekommen, um zu erfahren, was Menschen überhaupt zu Mördern werden lässt und zu solch grausamen Taten veranlasst, aber von realen Morden zu profitieren, indem man sie zur Jahrmarktattraktion macht, finde ich doch äußerst abstoßend. Bereits das Museum, das auf der Insel eingerichtet wurde und in dem zahlreiche Murderabilia, also Gegenstände, die von berühmten Serienmördern stammen, ausgestellt werden, wirkte auf mich etwas befremdlich. Es soll ja tatsächlich Menschen geben, die solche Murderabilia sammeln, was allerdings der Stilisierung von Serienmördern zu Helden und Pop-Ikonen gleichkommt und meiner Meinung nach doch sehr fragwürdig ist, zumal es den Angehörigen der Verbrechensopfer wie blanker Hohn erscheinen muss. Noch geschmackloser ist allerdings das Grundkonzept des Murder Park, denn der Erlebnispark soll vor allem als eine Art Partnerbörse fungieren. Mir ist vollkommen schleierhaft, wie man sich in einer solch morbiden Atmosphäre und umgeben von Andenken an berühmte Serienmörder verlieben soll, halte es aber auch nicht für ausgeschlossen, dass es genug Menschen gibt, die an solchen makabren Unterhaltungsspektakeln Gefallen finden würden. Völlig abwegig erschien mir das Geschäftsmodell jedenfalls nicht.
Ich war jedoch sehr beruhigt, dass meine Bedenken auch im Buch thematisiert wurden und innerhalb der Gruppe schon die ersten kritischen Stimmen laut werden, als das Konzept präsentiert wird. Allerdings ahnt zu diesem Zeitpunkt noch niemand, dass sich diese dreitägige Pressereise zu einem wahren Albtraum entwickeln wird.
Die Geschehnisse auf der Insel werden aus der Sicht des Reporters Paul Greenblatt erzählt, der von Mördern und Mordgeschichten geradezu besessen ist und auch eine ganz besondere und persönliche Verbindung zu Zodiac Island hat. Dieser gegenwärtige Handlungsstrang wird immer wieder durch Interviews unterbrochen, die der Psychiater Sheldon Lazarus im Vorfeld der Vorbesichtigung geführt hat, um die richtigen Kandidaten für dieses Wochenende zu finden. Eigentlich hat es mir ausgesprochen gut gefallen, die Teilnehmer dieser Pressereise in Form dieser Gesprächsaufzeichnungen kennenzulernen. Allerdings halte ich es für ziemlich unrealistisch, dass ein Unternehmer tatsächlich einen Psychiater beauftragt, um die Bewerber für eine solche Pressepräsentation zu durchleuchten und von jedem Einzelnen ein psychiatrisches Profil zu zeichnen. Ich kann mir auch kaum vorstellen, dass jemand bereitwillig sein Innerstes nach außen kehrt, nur weil er an einer Firmenpräsentation teilnehmen möchte. Lässt man die Glaubwürdigkeit außer Acht, waren diese Interviews allerdings eine sehr gute Möglichkeit, Einblicke in Persönlichkeit der Teilnehmer zu erhalten, denn diese wurden keinesfalls zufällig ausgewählt, sondern stehen alle in Verbindung mit Zodiac Island und den Morden, die sich dort vor zwanzig Jahren zugetragen hatten.
Paul Greenblatt ist der Erste, den man auf diese Weise kennenlernt. Er ist eben auch der Protagonist, dem man in der Haupthandlung folgt und aus dessen Perspektive erzählt wird. Obwohl mich das traumatische Erlebnis, das er in seiner Kindheit durchleiden musste, sehr berührt hat, fiel es mir manchmal schwer, mich in ihn hineinzuversetzen und seine Handlungen und Gedanken nachzuvollziehen. Er ist mit elf anderen Personen auf dieser Insel, einer nach dem anderen wird auf grausame Weise ermordet und er muss jeden Moment damit rechnen, der Nächste zu sein, aber auf seine Libido scheint sich das erstaunlicherweise nicht negativ auszuwirken. Auch sonst kann ich nicht gerade behaupten, dass ich ihn besonders mochte, aber vor allem hatte ich oft den Eindruck, dass man seinen Wahrnehmungen nicht ganz trauen kann.
Auch alle anderen Charaktere waren mir nicht gerade sympathisch und verhalten sich auch äußerst merkwürdig. Selbst die Interviewausschnitte vermochten es nicht, dass ich zu einer der Romanfiguren eine Verbindung aufbauen konnte. Das soll jedoch keineswegs ein Kritikpunkt sein, denn zum einen muss ich die Protagonisten eines Buches gar nicht mögen, und zum anderen führt dies eben auch dazu, dass ich jeden von ihnen im Verdacht hatte, der Mörder zu sein – selbst Paul Greenblatt. Jonas Winner versteht es äußerst geschickt, den Leser immer wieder auf die falsche Fährte zu locken und einen sehr wendungsreichen Plot zu konstruieren. Sobald ich sicher war, den Mörder nun enttarnt zu haben, wurde diese Person entweder selbst ermordet oder der Verdacht wurde auf einen anderen aus der Gruppe gelenkt. Selbst als es kaum noch Überlebende gibt und der Kreis der Verdächtigen immer kleiner wird, hatte ich keine Ahnung, wer der Mörder sein könnte.
Was mich ein wenig gestört hat, war das Tempo des Romans, denn mir ging es häufig einfach ein bisschen zu schnell. Die Romanfiguren sterben wie die Fliegen, ein Mord jagt den nächsten, wird auf wenigen Zeilen abgehandelt, sodass es kaum noch schockierend war, wenn wieder jemand zu Tode kam.
Das Ende war dann sehr überraschend, allerdings auch ein bisschen enttäuschend.
Trotzdem hat mir dieser Thriller ausgesprochen gut gefallen, denn dem Autor ist es gelungen, das Spannungslevel kontinuierlich zu steigern und bis zum Schluss zu halten. Sein flüssiger Schreibstil und eine angenehme Kapitellänge lassen den Lesefluss nie ins Stocken geraten. Besonders beeindruckend waren aber vor allem das Setting und die außerordentlich bedrohliche Atmosphäre, die mich über kleine Unglaubwürdigkeiten gerne hinwegsehen ließen.

Ein rasanter und beklemmender Thriller voller überraschender Wendungen, der mich sehr gut und spannend unterhalten hat.

© Claudia Bett

Meine Bewertung: ⭐ ⭐ ⭐ ⭐ (4 von 5 Sternchen)

Herzlichen Dank an den Heyne Verlag, der mir das Rezensionsexemplar zur Verfügung stellte!

Buchdetails:

Jonas Winner: Murder Park
Verlag: Heyne
Ersterscheinungsdatum: 13. Juni 2017
416 Seiten
ISBN: 978-3-453-42176-9

Cover: Heyne Verlag