Montagsfrage: Ein Blick zurück – wie bist du zum Bücherwurm geworden?

Montagsfrage

Nachdem ich in den letzten Wochen die Montagsfrage schmählich vernachlässigt habe, möchte ich die Frage, die Buchfresserchen diese Woche stellt, heute gerne beantworten.

MaxMoritzIch weiß gar nicht mehr genau, wie ich zum Bücherwurm geworden bin – ich weiß nur, dass ich es eigentlich schon immer war. Bücher fand ich bereits interessant und spannend, als ich noch gar nicht lesen konnte.
Meine Mutter hat mir abends vor dem Einschlafen oft etwas vorgelesen. Meistens waren es Märchen oder aber Geschichten von Wilhelm Busch – die liebte ich ganz besonders. Ich erinnere mich auch gerne an die Nachmittage, die ich bei meinen Großeltern verbrachte und an denen ich mit meinem Opa stundenlang in seinen Büchern blätterte. Bilderbücher für Kinder fand ich nicht besonders prickelnd, aber die Bücher meines Opas waren toll, denn es waren wunderschöne Fotografien von Tieren und Pflanzen darin abgebildet. Ich weiß noch, dass ich ein bisschen traurig war, weil ich nicht selbst lesen konnte, was unter all den bunten Bildern stand und immer darauf angewiesen war, dass es mir jemand vorliest oder erklärt, aber als ich in die Schule kam, lernte ich recht schnell lesen. Wenn ich etwas wirklich können will, dann klappt das auch recht mühelos – das ist übrigens bis heute so. Lesen war jedenfalls etwas, das ich unbedingt können wollte, und kaum hatte ich die Fähigkeit des Lesens erlernt, war ich nicht mehr zu bremsen und hatte eigentlich immer meine Nase in einem Buch. Meine Eltern wussten genau, dass man mir kein Spielzeug, sondern besser ein Buch schenken muss, wenn man mich richtig glücklich machen will. Puppen fand ich furchtbar doof, mein Bewegungsdrang ging schon damals gegen Null und da ich außerdem ein recht menschenscheues Kind war und nie das Bedürfnis hatte, mit anderen Kindern zu spielen, war Lesen meine liebste Freizeitbeschäftigung. Außerdem malte ich sehr gerne, verfügte allerdings über ein recht bescheidenes künstlerisches Talent und konzentrierte mich dann doch überwiegend aufs Lesen.
Das kleine GespenstIch fühle mich ein wenig wie Methusalem, während ich diese Zeilen schreibe, aber als ich in den 70ern aufgewachsen bin, hatte niemand einen Computer zuhause, geschweige denn einen Gameboy, eine Playstation oder gar Internet. Wir hatten einen uralten Schwarz-Weiß-Fernseher, mit dem man exakt drei Sender empfangen konnte, auf denen jedoch vor 16 Uhr ohnehin nichts gesendet wurde. Gefehlt hat mir aber nichts, denn ich hatte meinen Hund, drei Katzen, viele Buntstifte und natürlich jede Menge Bücher – mehr brauchte ich nicht, um mich zu beschäftigen. Ahhh, doch – irgendwann brauchte ich auch einen Leseausweis für die Stadtbibliothek und verbrachte dort dann häufig meine Nachmittage. Diese vielen Regale voller Bücher faszinierten mich sehr, stundenlang stöberte ich nach neuem Lesestoff und schleppte bergeweise Bücher nach Hause. Ich las eigentlich alles, was mir zwischen die Finger kam. Besonders mochte ich die Bücher von Michael Ende und Otfried Preußler. Nach der Fünf-Freunde-Reihe von Enid Blyton war ich regelrecht süchtig und habe jeden Band gleich mehrfach gelesen. Die Burg-Schreckenstein-Reihe von Oliver Hassencamp, die Drei-Fragezeichen-Reihe von Robert Arthur sowie die Trixie-Belden-Reihe von Julie Campbell liebte ich auch heiß und innig. Irgendwann entdeckte ich die Romantik-Thriller von Ursula Isbel. Die waren unheimlich spannend und gruselig, also ganz nach meinem Geschmack. Eigentlich konnte es mir gar nie gruselig genug sein, und bis heute liebe ich es, wenn mir beim Lesen ein eisiger Schauer über den Rücken läuft. Auch wenn es immer wieder Phasen in meinem Leben gab, in denen ich nicht so viel gelesen habe, hat mich die Liebe zu Büchern eigentlich mein ganzes Leben hinweg begleitet.

© Claudia Bett

Montagsfrage: Rätselst Du bei Krimis/Thrillern mit?

Montagsfrage

Diese Woche stellt Buchfresserchen auf ihrem Blog eine Frage, die sich vor allem an die Krimi- und Thrillerleser richtet, und möchte wissen, ob man bei Krimis und Thrillern gerne miträtselt oder sich lieber überraschen lässt.
Ich weiß gar nicht, ob sich das überhaupt ausschalten lässt, denn bei Krimis und Thrillern, in denen ein Verbrechen im Zentrum der Geschichte steht, rätsle ich ganz automatisch mit und versuche zu ermitteln, wer die Tat begangen haben könnte. Wenn ich eine Vermutung habe und sich diese am Ende eines Buches als richtig herausstellt, bin ich manchmal fast schon ein wenig enttäuscht, denn es gibt eigentlich nichts Langweiligeres als vorhersehbare Plots. Mir ist es lieber, wenn ein Autor zahlreiche Wendungen in die Handlung einbaut, mich immer wieder in die Irre führt, falsche Fährten auslegt und mich am Ende mit einer vollkommen unvorhersehbaren Auflösung des Falls überrascht. Allerdings ärgere ich mich, wenn auf den letzten Seiten plötzlich ein Zeuge aus dem Ärmel gezogen wird, von dem vorher nie die Rede war, mit dessen Hilfe die Tat aber plötzlich ratzfatz aufgeklärt werden kann oder der Autor einfach einen an den Haaren herbeigezogenen Zufall aus dem Hut zaubert, um sein Buch zu einem Ende zu bringen. Gerade in diesen Genres ist es wichtig, eine raffinierte Geschichte zu komponieren, glaubwürdige Charaktere zu gestalten, den Plot logisch und stimmig aufzubauen und ihn auf ein schlüssiges Ende hin anzulegen. Das ist sicherlich nicht ganz einfach, weshalb ich davon überzeugt bin, dass es für einen Autor eigentlich keine schwierigere Aufgabe gibt, als einen guten Kriminalroman zu schreiben. Bei Büchern jedes anderen Genres verzeihe ich Logikbrüche, aber bei Krimis finde ich sie geradezu fatal.

© Claudia Bett

Montagsfrage: Wie ist bei dir das Verhältnis zwischen Fiktion und Non-Fiktion, wenn du dein Leseverhalten betrachtest?

Montagsfrage

Buchfresserchen hat heute auf ihrem Blog wieder eine sehr interessante Frage gestellt, mit der ich nun gleich in die Woche starten möchte.

Bis vor ein paar Jahren hielt sich, was mein Leseverhalten anbelangt, das Verhältnis von fiktionalen Texten und reinen Sachbüchern noch ziemlich die Waage. Ich habe nicht nur Klassiker, Romane, Krimis und Thriller gelesen, sondern ebenso häufig auch Sachbücher zu Themen, die mich interessierten, oder Biografien interessanter Persönlichkeiten. Auch während meines Germanistikstudiums war dieses Verhältnis noch recht ausgeglichen, weil ich für dieses Studium eben beides gleichermaßen lesen musste. Danach habe ich mich allerdings vollkommen in mein Geschichtsstudium gestürzt, nebenbei noch als Besucherführerin im Museum gearbeitet und mich so akribisch auf meine Führungen vorbereitet, dass meine Nase nahezu den ganzen Tag in einem Fachbuch steckte. Außerdem habe ich hin und wieder auch wissenschaftliche Texte korrekturgelesen. Lesen wurde für mich im Grunde vom Hobby zum Beruf, was ich auch als durchaus angenehm empfand und mir großen Spaß machte. Ich habe das Interesse an fiktionalen Texten zwar nie verloren, hatte allerdings keine Zeit und auch keine Ruhe mehr dafür, weil immer ein Stapel Fachbücher und zig wissenschaftliche Texte neben mir lagen, die ich für diverse Nebenjobs oder für mein Studium lesen musste. Manchmal hätte ich schon lieber zwischendurch nach einem Krimi gegriffen, einfach mal ein Buch zur reinen Unterhaltung und Entspannung gelesen und mich in eine fiktive Geschichte fallen lassen, aber ein Blick auf meinen Schreibtisch reichte schon, um das schlechte Gewissen anzukurbeln und mir das Gefühl zu vermitteln, dass ich in diesem Metier nur dann erfolgreich sein kann, wenn ich das geballte Wissen in Form von Fachbüchern in mich eingesogen habe. Ich konnte mich einfach nicht entspannt zurücklehnen und einen Roman lesen, obwohl es irgendein Referat, eine Seminararbeit oder eine Führung vorzubereiten galt oder ich gebeten wurde, eine wissenschaftliche Publikation korrekturzulesen. Und so habe ich es geschafft, in zwei Jahren exakt vier (!) Romane zu lesen, aber dafür eben massenhaft Fachbücher.
Seit ich mein Studium abgeschlossen habe, meine Ambitionen, in diesem Bereich weiterhin beruflich Fuß zu fassen, sich jedoch weitgehend in Luft auflösten und mir meine jahrelange Lektüre von unzähligen Fachtexten, zwar ein recht umfangreiches Wissen und einen passablen Studienabschluss, aber sonst eben nicht viel eingebracht hat, ist mein Bedürfnis nach Fachbüchern für den Moment gestillt. Ich habe seit nunmehr sieben Monaten kein einziges Sachbuch mehr gelesen und genieße es momentan auch sehr, einfach wieder nur lesen zu dürfen und nicht mehr zu müssen. Ich verspüre ein riesengroßes Bedürfnis nach fesselnden und spannenden Geschichten, in denen ich versinken kann. Mag sein, dass sich das irgendwann wieder legt, wenn ich mein Nachholbedürfnis befriedigt habe und das Interesse für ein bestimmtes Thema wiedererwacht, aber im Moment fühle ich mich in erdachten Geschichten und fiktiven Welten einfach wohler.

© Claudia Bett

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Montagsfrage: Machen Lesespuren ein Buch für Dich wertvoller oder mindern sie den Wert?

Montagsfrage

Die Frage, die Buchfresserchen diese Woche auf ihrem Blog stellt, hat sich diesmal Shaakai von Bibliophiline ausgedacht, und meine Antwort darauf wird vielleicht so manchen Buchliebhaber ein wenig schockieren.

Ja, ich oute mich jetzt, denn obwohl ich Bücher liebe, gehe ich mir ihnen nicht sehr sorgsam um. Wenn ich ein Buch gelesen habe, sieht man ihm das häufig übergebührlich an – innen wie außen. Je besser mir ein Buch gefallen hat, umso schlechter ist sein Zustand nach der Lektüre. Meine Lieblingsbücher erinnern mich fast ein wenig an meinen Lieblingsteddy aus Kindertagen, denn der sieht auch recht mitgenommen aus.
Auf der ersten Seite eines Buches vermerke ich immer, wann ich es gelesen habe, und obwohl ich meine Bücher nur sehr ungern und äußerst selten verleihe, schreibe ich auch noch meinen Namen rein, um deutlich zu signalisieren – „meins!“ 😉
Ich weiß nicht, wie andere es schaffen, dass ihre gelesenen Bücher wie neu aussehen, aber um jedes Wort in einem Buch lesen zu können, muss man es doch aufklappen und dabei entstehen unweigerlich Leserillen. Mir ist vollkommen schleierhaft, wie man es hinbekommt, ein Buch zu lesen, ohne den Buchrücken zu brechen. Ob man dabei so gnadenlos zu Werke gehen muss, wie ich das gewöhnlich tue, sei mal dahingestellt, aber wie man geknickte oder rundgelesene Buchrücken gänzlich vermeiden und das Buch dennoch entspannt und vor allem komplett lesen kann, verstehe ich nicht.
Außerdem lese ich immer und überall, habe stets ein Buch in der Tasche, wo es gelegentlich mit anderen Utensilien kollidiert oder sich die Spitze eines Schlüssels ins Cover bohrt. Ein Buch fällt auch mal runter und da ich auch hin und wieder in der Badewanne oder an Regentagen an der Bushaltestelle lese, lassen sich diverse Wasserschäden nicht immer verhindern. Leserillen sind schon deshalb unvermeidlich, weil ich das Buch auch häufig aufgeklappt zur Seite lege. Auch wenn ich unzählige Lesezeichen besitze, habe ich nicht immer eines zur Hand und markiere mir die Seite, die ich zuletzt gelesen habe – welch ein Frevel! – mit einem Eselsohr.
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Ja, ich weiß, all das machen wahre Bibliophile für gewöhnlich nicht, aber ein Buch ist für mich ein Gebrauchsgegenstand und kein lebendiges Wesen. Der eigentliche Wert eines Buches besteht für mich aus seinem Inhalt, der Geschichte und der Sprache – das Papier, auf dem all dies steht, ist dagegen nur das materielle Medium, also lediglich Mittel zum Zweck und deshalb eher zweitrangig. Ich habe zwar Bücher, die auch, was das Material anbelangt, von besonderem Wert sind, weil sie besonders schön, künstlerisch und aufwendig gestaltet sind, gehe mit diesen Buchschätzen daher auch sehr sorgsam um, aber die breite Masse der Bücher, die ich besitze, sind schlichte Taschenbücher und handelsübliche Hardcover, deren Inhalt nicht an Bedeutung verliert, wenn die Buchrücken gebrochen, die Seiten geknickt oder die Sätze markiert und mit Randnotizen versehen werden. Gerade letzteres steigert für mich sogar den Wert eines Buches, denn ich markiere beim Lesen die Sätze, die mir wichtig erscheinen oder besonders gut gefallen haben und schreibe auch häufig Notizen an den Rand. All das mindert für mich den Wert eines Buches keineswegs, sondern steigert vielmehr seinen ideellen Wert, denn es wird dadurch zu meinem persönlichen und ganz individuellen Schätzchen. Mit Büchern, die ich mir ausgeliehen habe, verfahre ich natürlich nicht so, denn ich glaube kaum, dass meine Kritzeleien und Markierungen den Besitzer des Buches besonders erfreuen würden und er ihren Wert zu schätzen weiß, aber ich leihe mir ohnehin keine Bücher aus. Für mein Studium musste ich mir zwar welche ausleihen, habe die für mich relevanten Kapitel und Aufsätze allerdings stets kopiert, damit ich ungehindert rummalen und -schreiben konnte, denn ohne einen Stift in der Hand kann ich eigentlich gar nicht lesen.
Ab und an kaufe ich mir auch gebrauchte Bücher. Es stört mich nicht, wenn sie Leserillen oder ein paar Eselsohren haben und man deutlich sieht, dass sie bereits gelesen wurden. Auch Widmungen und Besitzvermerke machen mir nichts aus, finde ich sogar ganz nett, aber Markierungen und Randnotizen vom Vorbesitzer irritieren mich beim Lesen, stören meinen Lesefluss und mag ich deshalb gar nicht. Was ich besonders hasse, sind Flecken rätselhafter Herkunft. Flecken, egal welcher Art, sind einfach „bäh“, und wenn sich nicht ermitteln lässt, welche dubiosen Flüssigkeiten sie verursacht haben, kann ich das Buch nicht anfassen, geschweige denn lesen, denn das löst bei mir schlimme Würgereize aus.
Auch wenn mich Gebrauchsspuren an Büchern nicht stören, ist es mir aber am liebsten, wenn alle Lesespuren nur von mir selbst stammen. Ich finde es sehr spannend, nach Jahren wieder ein Buch aus dem Regal zu nehmen und zu sehen, wann ich es gelesen, welche Sätze ich mir markiert und welche Gedanken ich mir bei der Lektüre notiert habe. Das verleiht meiner Meinung nach jedem Buch einem ganz besonderen und sehr persönlichen Wert. Sieht ein Buch, nachdem ich es gelesen habe, allerdings wie neu aus und enthält keine Markierungen oder Notizen, ist das ein sicheres Zeichen dafür, dass es mir nicht gefallen hat und ich nicht einen Satz darin besonders gut, wichtig oder bemerkenswert fand, es also im Grunde – zumindest für mich – wertlos ist.

© Claudia Bett

Montagsfrage: Falls ihr Klassiker lest, habt ihr besondere Favoriten und wenn ja, warum?

MontagsfrageDiese Woche hat Buchfresserchen auf ihrem Blog eine sehr interessante Frage gestellt, die ich mit Freude beantworte.

Ich habe schon immer sehr gerne Klassiker gelesen und gehörte wohl zu den wenigen Schülern, für die klassische Schullektüre keine lästige Qual, sondern meistens ein reines Vergnügen war. Bereits als Schülerin habe ich nicht nur das gelesen, was ich für die Schule lesen musste, sondern auch freiwillig immer wieder zu Klassikern gegriffen. Meine Liebe zu den Werken von Johann Wolfgang von Goethe und E. T. A. Hoffmann, aber auch zu modernen Klassikern, allen voran Max Frisch, Franz Kafka und Hermann Hesse, begleitet mich seit meiner Schulzeit. Als ich im zarten Alter von 37 Jahren beschloss, Literaturwissenschaft zu studieren, tat ich dies nicht zuletzt, weil ich mich endlich ganz intensiv mit klassischer Literatur beschäftigen wollte und habe während meines Studiums natürlich unzählige Klassiker gelesen.

Wenn man mich aber nach meinem absoluten Lieblingsklassiker fragt, muss ich nicht eine Sekunde nachdenken, denn das ist zweifellos Goethes Roman Die Leiden des jungen Werthers. Ich glaube, ich war etwa zwanzig, als ich dieses Buch zum ersten Mal las und ich weiß nicht, wie oft ich es seitdem erneut gelesen habe. Vermutlich denkt Ihr jetzt, ich habe eine Vollmeise, weil ja der Text fast immer derselbe ist, aber ich besitze dieses Buch in fünf verschiedenen Ausgaben. Manche Passagen kann ich inzwischen auswendig, denn sie sind so wunderschön, dass ich sie mir nicht nur angestrichen und aufgeschrieben, sondern sie so häufig nachgelesen habe, dass sie sich mir tief ins Gedächtnis eingegraben haben.

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Titelblatt der Erstausgabe von 1774 (Wikipedia: Foto H.-P. Haack)

Goethes Werther ist der Schlüsselroman des Sturm und Drang, sozusagen das Kultbuch des 18. Jahrhunderts, das, indem es Ehebruch verteidigte und Selbstmord als Ausdruck von Freiheit verherrlichte und damit sowohl moralische und religiöse Wertvorstellungen als auch die Eintönigkeit und Beschränktheit des bürgerlichen Lebens anprangerte, den Nerv seiner Zeit traf. Als der Roman 1774 erschien, löste er eine Modewelle aus, denn viele begeisterte Leser wollten so sein wie Werther und sich auch so kleiden. Ähnlich dem Hype um literarische Figuren wie Harry Potter oder George R.R. Martins Epos Das Lied von Eis und Feuer, gab es damals auch eine ganze Palette von Fanartikeln, wie Hemden, Westen, Gürtelschnallen, Sammeltassen und Parfums. Viele Leser ahmten ihr literarisches Vorbild auch nach, indem sie ebenfalls Selbstmord begingen – ein Phänomen, das bis heute unter dem Begriff Werther-Effekt bekannt ist.

In wirklich großer Literatur geht es ja immer um Liebe und Tod, aber so eindringlich und empfindsam wie Goethe in seinem Werther Liebe und Tod zusammenführt, hat es vor und nach ihm kein Dichter oder Schriftsteller getan. Werther ist ein Außenseiter, ein Rebell und Freigeist, der gegen die Enge der bürgerlichen Gesellschaft aufbegehrt und die Grenzen seines Menschseins aufzubrechen versucht, indem er sich ganz der Liebe hingibt. In der Liebe, so glaubt Werther, liegt die Überwindung aller Grenzen und der Weg aus dem Kerker seiner Existenz. Die Tragik seines Schicksals liegt vor allem darin begründet, dass dieser Weg nicht frei ist, denn Lotte, die Frau, die er liebt, ist einem anderen versprochen. Doch seine Liebe zu ihr ist leidenschaftlich, besinnungslos und vor allem absolut. Der Konflikt zwischen individuellem Glücksanspruch und gesellschaftlich vorgegebenen Normen und Gesetzen kann aber nicht gelöst werden. Da diese Liebe, in der er die Befreiung von allen Einschränkungen sucht, also nicht sein darf, bleibt ihm als einziger Ausdruck von Freiheit und als letzter Weg aus seinem Kerker nur noch der Freitod. Das Beeindruckendste an Goethes Werther ist für mich die ungeheuer bildhafte Sprache. Mit welcher Empfindsamkeit und wie schwärmerisch, enthusiastisch, fast fieberhaft erregt Goethe über die Liebe und das Leiden an deren Unerfüllbarkeit schreibt, ist einfach unerreicht und rührt mich immer wieder zu Tränen.

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Montagsfrage: Zu welchem Buch hast du deine erste Rezension verfasst?

Montagsfrage

Nachdem ich in den letzten Wochen die Montagsfrage von Buchfresserchen schmählich vernachlässigt habe, möchte ich mich heute der Frage widmen, die sich diese Woche Lisa von Prettytigers Bücherregal ausgedacht hat.

Martin Kintzinger - Wissen wird MachtMeine allererste Rezension habe ich während meines Studiums verfasst, und zwar zu Wissen wird Macht. Bildung im Mittelalter von Martin Kintzinger. Sie wurde natürlich nirgends veröffentlicht, sondern diente lediglich dazu, zu lernen, wie man sowas möglichst professionell macht. Ich habe sie auch nicht mehr, es sei denn, sie schlummert noch auf der Festplatte eines altersschwachen Notebooks, das ich zwischenzeitlich in den Ruhestand verabschiedet habe. Meine Erinnerungen an dieses Buch sind leider inzwischen nur noch verschwommen, aber ich weiß noch, dass ich es sehr positiv rezensiert habe. Es ging, wie der Titel schon sagt, um Bildung im Mittelalter, um die Wissensvermittlung an mittelalterlichen Kloster- und Domschulen, bis hin zur Gründung der ersten Universitäten. Oft sind wissenschaftliche Texte ja sehr sperrig, man hat den Eindruck, der Autor will gar nicht verstanden werden und jeder noch so simple Sachverhalt müsse nur möglichst kompliziert und verworren genug dargelegt werden, um als wissenschaftlich zu gelten. Kintzingers Monografie hingegen ließ sich sehr flüssig lesen, ist anekdotenreich und leicht verständlich; ich weiß jedenfalls noch, dass ich das so bemerkenswert fand, dass ich die gute Lesbarkeit dieses Buches bei meiner Rezension besonders hervorgehoben habe.

Marcelle Sauvageot, Fast ganz die DeineAn die erste Rezension auf meinem Blog kann ich mich allerdings besser erinnern, denn das ist erst fünf Monate her. Ich weiß auch noch, dass ich lange darüber nachgedacht habe, welchem Buch diese Ehre zuteilwerden soll und entschied mich für Fast ganz die Deine von Marcelle Sauvageot, denn ich hatte es kurz zuvor zum wiederholten Mal gelesen und es ist für mich ein ganz besonderes Buch, das mich schon seit einigen Jahren begleitet. Meine Rezension fiel trotzdem sehr kurz aus, was allerdings vor allem daran liegt, dass es ein sehr dünnes Büchlein ist und es sich dabei nicht um einen Roman, sondern eigentlich nur um einen Brief handelt – um den Abschiedsbrief der Autorin an den Mann, den sie liebte. Ich kann nicht mehr sagen, wie oft ich dieses Buch in den letzten zehn Jahren gelesen habe, im Grunde ist es mein ständiges Reread, weil es so unfassbar schön und so voller kluger, poetischer und berührender Sätze ist, dass ich es sehr häufig zur Hand nehme und manchmal einfach nur darin blättere. Hier gelangt Ihr übrigens zu meiner Rezension von damals.

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Montagsfrage: Besitzt du Bücher, die hinten im Regal stehen, weil du dich insgeheim für sie schämst?

Montagsfrage

Eine Aktion von Buchfresserchen

Heute möchte ich die interessante und auch lustige Montagsfrage von Buchfresserchen beantworten, die sich in dieser Woche Aequitas et Veritas ausgedacht hat.

In meinen Bücherregalen stehen sehr viele Bücher in der hinteren Reihe, was schon alleine daran liegt, dass ich zu wenig Platz für all meine Bücher habe und sie deshalb zweireihig ins Regal stellen muss. Bei vielen Büchern finde ich das sehr schade, denn sie sind mir durchaus nicht peinlich, aber ich muss zugeben, dass ich manche Bücher auch ganz bewusst weit nach hinten verbannt habe, damit man sie nicht auf den ersten Blick sieht.
Eigentlich ist es ja reichlich bekloppt, mich für etwas zu schämen und dann ausgerechnet auf meinem Blog, also einem Medium, wie es öffentlicher kaum sein kann, etwas preiszugeben, was mir so peinlich ist, dass ich es selbst vor den wenigen Menschen zu verbergen versuche, die zu dem erlauchten Kreis derer gehören, denen ich den Zugang zu meinen Privatgemächern gewähre. Aber was soll’s…? So spannend bin ich vermutlich gar nicht, wirklich schämen muss ich mich dafür auch nicht und außerdem gibt es weitaus Peinlicheres, als etwas eigentümliche Bücher zu besitzen. Eigentlich verberge ich diese Bücher auch nicht nur vor den Blicken anderer, sondern will sie selbst einfach nicht ständig sehen.
Es gab unterschiedliche Phasen in meinem Leben, in denen mir ganz verschiedene Themen und damit auch Bücher wichtig waren. Somit erzählt mein Bücherregal also im Grunde die Geschichte all dieser Lebensphasen, die mir auch durchaus nicht alle peinlich sind. Manche Themen haben für mich einfach nur an Bedeutung verloren, sodass ich die Bücher nicht mehr ständig griffbereit und sichtbar im Regal stehen haben muss. Besonders verhasste Objekte, die mich an Phasen oder Menschen erinnern, die ich lieber vergessen würde, landeten erbarmungslos im Altpapier, aber an manche Zeiten erinnere ich mich auch sehr gerne, weshalb diese Bücher einfach bleiben dürfen, wenn auch nur im Geheimen.
Brantenberg - Die Töchter EgaliasGegen Ende der 80er- und zu Beginn der 90er-Jahre war ich zum Beispiel in meiner extrem feministischen Phase, las zu dieser Zeit alle Bücher von Anja Meulenbelt, Gerd Brantenberg, Alice Schwarzer und Simone de Beauvoir, wobei sich letztere den Platz in der vordersten Reihe meines Bücherregals bewahren konnte, während Brantenberg, Schwarzer und Meulenbelt nun etwas weiter hinten im Verborgenen schlummern. Männer rennen in der Regel weg und suchen das Weite, wenn sie im Regal einer Frau diese Bücher finden. Eigentlich sollten sie gerade deshalb deutlich sichtbar in Augenhöhe platziert werden, damit frau sofort die Spreu vom Weizen trennen kann (wieso fällt mir das erst jetzt ein?). Die Töchter Egalias und Die Scham ist vorbei sind außerdem wahre Klassiker der feministischen Literatur, und noch während ich diese Zeilen schreibe, habe ich beschlossen, dass sie eigentlich dringend wieder in die vordere Buchreihe umziehen müssten 😉

ALFEs gibt allerdings auch Bücher, die mir in der Tat ein wenig peinlich sind und die wohl in der hinteren Reihe bleiben werden. Kennt ihr noch ALF, den knuffigen Außerirdischen vom Planeten Melmac? 1988 flimmerte diese Serie erstmals über die Fernsehbildschirme und ich habe sie von der ersten Folge an geliebt. Man bedenke allerdings, dass ich 1988 bereits 18 war – achtzehn! Ich muss wohl nicht betonen, dass man in diesem Alter definitiv zu alt für ALF war und nicht mehr zur Zielgruppe gehörte. Während meine Klassenkameradinnen also Bobby Ewing von Dallas anschmachteten, schaute ich ALF und lachte mich schlapp. Ich schaute nicht nur jede Folge – nein – als richtiges Fangirl las ich natürlich auch alle Bücher zur Serie. Die besitze ich immer noch, würde mich niemals von ihnen trennen, aber irgendwie scheue ich mich doch ein wenig, sie an vorderster Front in mein Regal zu stellen. Ich muss zu meinem Erstaunen übrigens gerade feststellen, dass sich meine ALF– und meine Feminismus-Phase zeitlich überschnitten haben und suche nun verzweifelt nach inhaltlich-thematischen Ähnlichkeiten, die das erklären könnten.

Es ist ja nicht gerade schwer zu erraten, dass ich sehr gerne Thriller und Krimis lese. Ich John Saul - Bestienmag allerdings keine allzu blutigen, grausamen oder ekligen Horror- und Splatter-Romane, sondern lege Wert auf einen guten Plot, Glaubwürdigkeit, interessante Charaktere und etwas Tiefgang. Es gab jedoch Phasen in meinem Leben, in denen mir das alles vollkommen egal war und Bücher gar nicht brutal, blutig und flach genug sein konnten. Aus dieser Zeit besitze ich noch viele Bücher von Dean Koontz und alle Werke von John Saul, einem Horror-Autor, dessen Bücher inzwischen gar nicht mehr aufgelegt werden. Ich fand sie vor ca. 20 Jahren aber einfach nur großartig und habe sie alle verschlungen. Die Cover sind so unglaublich hässlich, dass mir wirklich die Augen schmerzen, wenn ich sie heute sehen muss, aber weggeben will ich sie auch nicht, weil ich einst so stolz war, dass ich all seine Bücher besitze und auch gelesen habe.

Meulenbelt - Die Scham ist vorbeiSo,  jetzt kennt Ihr also all meine Buchgeheimnisse, die mir ein wenig peinlich sind. Aber nun kann ich die oben gestellte Frage getrost mit den Worten des Titels eines der Bücher beantworten, die NOCH in den hinteren Reihen meiner Bücherregale verborgen sind – DIE SCHAM IST VORBEI 😉

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Montagsfrage: Wie kommst du mit Gewalt in Büchern zurecht? Magst du blutige Szenen oder lehnst du sie ab?

Montagsfrage

Eine Aktion von Buchfresserchen

Ich lese überwiegend Krimis und Thriller, zwei Genres also, bei denen meist ein Verbrechen im Zentrum der Handlung steht, Gewalt eine große Rolle spielt und auch die ein oder andere blutige Szene vorkommt. Meistens wird in diesen Büchern gemordet, hin und wieder auch bestialisch hingerichtet, aber ich kann das auch recht gut aushalten, weil es dabei um eine Form von Gewalt geht, der ich im realen Leben glücklicherweise noch nicht begegnet bin.
Dennoch verabscheue ich Bücher, bei denen kübelweise Blut und Eingeweide aus den Seiten strömen, denn blutige Massaker und Gewaltorgien sind meist nichtssagend, platt, langweilig und tragen nicht zur Spannung, geschweige denn zur Handlung bei. Einen guten Spannungsroman erkennt man meiner Meinung nach gerade daran, dass auf blutige Details und Gewaltszenen verzichtet wird. Edgar Allan Poe, der als Meister des Grauens und Begründer der modernen Kriminalliteratur gilt, kam jedenfalls vollkommen ohne Blutbäder aus.
Leider werden Thriller, vor allem die von amerikanischen Autoren, immer blutiger, brutaler und damit auch plumper und nichtssagender. Statt eines gut durchdachten, raffinierten Plots und fein gezeichneten Charakteren wird der Leser mit sinnlosem Gemetzel, seitenlangen Beschreibungen von Leichenteilen und ekligem Getier zu Tode gelangweilt. Ich habe Richard Laymon mehrere Chancen gegeben, aber ich halte seine Bücher einfach nicht aus, denn die sind reinster Splatter – schlecht konstruiert, sprachlich eine Katastrophe und inhaltlich flach. Ein paar deutschen, skandinavischen und auch britischen Autoren gelingt es aber ganz gut, eine düstere Atmosphäre zu erzeugen, Beklemmung hervorzurufen, den Leser zu fesseln und ihn dennoch weitgehend mit blutigen Details zu verschonen. Håkan Nesser, Minette Walters, Petra Busch und Petra Hammesfahr können das jedenfalls ganz gut.
Das Spannende an Krimis und Thrillern ist für mich nicht, wie jemand ermordet wird, sondern warum. Es ist, wenn man so will, die Faszination des Bösen und die Frage, was jemanden zum Gewalttäter werden lässt, die mich immer wieder zu diesen Genres greifen lassen. Ich interessiere mich vielmehr für die Abgründe menschlicher Seelen, die psychologischen Hintergründe und menschlichen Schicksale, die hinter einer Gewalttat stecken, als für das blutige Gemetzel, mit der sie begangen wurde, denn das ist meiner Meinung nach pure Effekthascherei.

© Claudia Bett

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Montagsfrage: Wie geht ihr mit den allseits präsenten Liebesgeschichten um?

Montagsfrage

Eine Aktion von Buchfresserchen

„Im Grunde kennt die Literatur nur zwei große Themen: die Liebe und den Tod. Alles andere ist Mumpitz“, sagte einst Marcel Reich-Ranicki in seiner unvergleichlich barschen und gleichzeitig liebenswerten Art. Und Recht hatte er, denn natürlich geht es in der Literatur immer um Liebe und Tod, da es kaum Themen gibt, die uns Menschen mehr beschäftigen und bewegen als die Auseinandersetzung mit unserer eigenen Vergänglichkeit und mit einer der größten Triebfedern menschlichen Handelns – der Liebe. Sicher ist der Liebestod nicht zuletzt deshalb ein sehr zentrales Motiv in der Literatur, weil er diese beiden Themenkomplexe miteinander verbindet. Kaum ein anderes Gefühl ist stärker als das der Liebe, kein Leid größer als Liebesleid und kein Glück erfüllender als Liebesglück. Sei es nun die körperlich-erotische, leidenschaftliche, romantische, seelische, transzendente oder geistige Liebe, die Liebe zwischen Mann und Frau, Frau und Frau, Mann und Mann, die Liebe zum Kind oder die zu Gott – Liebe bestimmt das Handeln der Menschen und deshalb scheint es mir nur logisch, dass ständig über sie geschrieben wird. Worüber auch sonst?
Ich kann mich nicht erinnern, jemals ein Buch gelesen zu haben, in dem es nicht irgendwie, und sei es auch nur am Rande, um Liebe ging. Die Frage, ob über Liebe geschrieben werden soll, stellt sich für mich im Grunde gar nicht, sondern wie über sie geschrieben wird – und da gehen die Geschmäcker eben gehörig auseinander.
Ich persönlich hasse nichts mehr, als kitschige Liebesgeschichten mit Happyend und romantische Liebesschnulzen. Sie sind nicht nur fernab jeglicher Realität, sondern sie berühren mich auch nicht. Frau sucht Mann, findet den perfekten, charmanten und gutaussehenden Kerl, es gibt ein paar Widerstände und Konflikte, ein bisschen Tragik und Melancholie, aber letztendlich bekommt sie ihn dann meistens doch, und wenn nicht, ist man ein bisschen enttäuscht, aber mit einem kleinen Vorrat an Taschentüchern lässt sich das bewältigen. Solche Liebesgeschichten erfreuen sich großer Beliebtheit, denn anders ließe sich ein Erfolg wie der von Nicholas Sparks kaum erklären. Ich will das auch gar nicht schlechtreden, denn für manch einen mag es beglückend sein, solche Bücher zu lesen. Diese Liebesgeschichten appellieren an unsere Sehnsüchte, Träume und den stetigen Wunsch nach Harmonie, Geborgenheit und Glückseligkeit. Mich ärgern sie allerdings ein wenig, denn auch wenn sie mitunter dramatisch sein mögen, so fehlt es diesen Geschichten dennoch oft an Tiefe, einer Botschaft und allzu oft driften sie eben ins Klischeehafte ab. Ich habe durchaus nichts gegen Romantik und Liebesglück, gebe zu, dass auch ich sehr romantische und naive Vorstellungen von Liebe habe, aber es geht mir ziemlich auf die Nerven, wenn ein Autor, um jeden Preis eine romantische Liebesgeschichte in seine Bücher einbauen muss. Wenn in einem Krimi aus Liebe gemordet wird, finde ich das interessant und spannend, aber ob sich zwischen den Personen, die in einem Fall ermitteln nun auch noch eine romantische Liebesbeziehung entwickelt, interessiert mich dabei herzlich wenig und empfinde ich meistens auch als störend. Ich mag es, wenn in Büchern über Liebe geschrieben und reflektiert wird, über die Macht eines Gefühls, menschliche Abgründe, über Sehnsüchte und Hoffnungen, die Menschen umtreiben und antreiben, aber bitte nicht klischeehaft, vollkommen realitätsfern, unreflektiert und platt.

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Montagsfrage: Es wird immer nach den schönsten Buchcovern gefragt, aber welches ist für dich das mit Abstand hässlichste?

Montagsfrage

Heute ist zwar schon Dienstag, aber dennoch ist es wohl noch nicht zu spät für die aktuelle Montagsfrage von Buchfresserchen, die diese Woche auf der Suche nach den hässlichsten Buchcovern ist.

Die Frage ist nicht ganz einfach zu beantworten, weil es so viele Cover gibt, die mir nicht gefallen. Im Grunde sind mir Cover eigentlich egal, denn es kommt ja auf den Inhalt des Buches an. Mit Büchern ist es im Grunde wie mit Menschen – was nützt eine schöne Hülle, wenn innen alles hässlich, hohl und nichtssagend ist?
Ich habe in meinem reichen Fundus an Büchern mit hässlichem Cover nun doch eines gefunden, das alle anderen an Hässlichkeit überragt – es ist das von Martin Walsers Ehen in Philippsburg.
Walser - Ehen in PhilippsburgAlle, die mich kennen, wissen, dass ich Martin Walser und seine Bücher – formulieren wir es mal ein bisschen wohlwollend – nicht besonders gerne mag. Ich habe ihm wirklich viele Chancen gegeben, aber das wird einfach nichts mit uns. Dabei finde ich seine Sprache eigentlich sehr schön, seinen frühen Werken kann ich sogar noch etwas abgewinnen, aber spätestens seit Angstblüte empfinde ich seine Bücher als unerträglich, seine Altmännerphantasien sind geradezu peinlich und Ein liebender Mann habe ich abgebrochen und mir geschworen „Das war’s jetzt! Nie mehr Walser!“. Aber ich schweife ab, denn es geht ja nicht um Autoren, sondern um Cover.
Im Rahmen meines Studiums war ich gezwungen, meine Walser-Aversion kurzfristig abzulegen und seine Ehen in Philippsburg zu lesen. Ich fand das Buch überraschend gut, nicht brillant, aber zumindest erträglich und habe sogar beschlossen, eine Hausarbeit über das Frauenbild in Ehen in Philippsburg zu schreiben. Bei dem Beschluss und einer Einleitung blieb es dann allerdings auch, denn es ging einfach nicht! Ich habe die Hausarbeit nach einer Woche abgebrochen und sie auf meinen Stapel der begonnen und nie vollendeten Hausarbeiten gelegt. Schuld daran war nicht zuletzt das Cover. Allein dessen Anblick verursachte mir schon Bauchschmerzen – Martin Walser, der mich von einer Fotografie fordernd anglotzt, selbstgefällig angrinst und dabei genüsslich an seiner Pfeife nuckelt. Dass es sich hierbei um eine Fotografie von Stefan Moses handelt, macht die Sache nicht besser. So etwas will ich einfach nicht wochenlang auf meinem Schreibtisch sehen. Der soll gefälligst wegschauen! Tat er aber nicht. Im Hintergrund des Bildes steht ein Mädchen mit Zöpfen, das Walser über die Schulter schaut, den Leser anstarrt und wirklich geradezu gruselig ist. Was hat dieses Mädchen vor? Warum steht die da? Der Bezug des Covers zum Inhalt des Buches will mir bis heute nicht einleuchten. Warum macht ein Verlag so etwas? Sollte ein Cover die Aufmerksamkeit nicht vielmehr auf den Text und den Inhalt des Buches als auf die Person des Autors lenken? Ich will nicht vom Autor angestarrt werden – von keinem – schon gar nicht von Walser! Der Suhrkamp-Verlag hat eine Zeitlang häufig Autorenporträts auf den Covern abgebildet und keines davon hat mir gefallen. Vermutlich ging es dem Verlag um eine Inszenierung der Autoren zum Klassiker, denn auch Max Frisch, Hermann Hesse und Thomas Bernhard starren mich von den Covern ihrer Bücher an – schön sind sie alle nicht, aber Ehen in Philippsburg übertrifft sie dennoch alle.

© Claudia Bett

Meditatives Ausmisten – Oder: Darf man Bücher wegschmeißen?

books-1052091_960_720Ich bin gerade damit beschäftigt, in meiner Wohnung etwas Platz zu schaffen und sie ein wenig umzugestalten. Wie bei so vielen bibliophilen Zeitgenossen, sind bei mir nahezu alle Wände in jedem Raum mit überquellenden Bücherregalen bedeckt, was mein Unterfangen zu einer recht kräftezehrenden Angelegenheit werden ließ. Regale mussten ausgeräumt, verrückt und wieder eingeräumt werden. Zwangsläufig nimmt man dabei jedes Buch in die Hand, und obwohl ich sehr viele Bücher besitze, kann ich zu jedem Buch eine kleine Geschichte erzählen, mich daran erinnern, wo, wann und warum ich es gekauft habe, wer es mir geschenkt hat und in welcher Phase meines Lebens ich es gelesen habe. Es gibt Bücher, die mich seit vielen Jahren begleiten, die ich immer wieder zur Hand nehme, sie erneut lese oder einfach nur darin blättere. Sie sind für mich fast so etwas wie Freunde geworden, denn manche Bücher konnten mir Trost spenden und haben mich teilweise so berührt, dass ich mich niemals von ihnen trennen könnte. Ich liebe aber auch Krimis und spannende Thriller, werde vermutlich die wenigsten davon ein zweites Mal lesen, aber wenn sie mir gut gefallen haben, möchte ich sie in meinen Regalen nicht missen. Bücherregale und Wohnungen haben allerdings ihre räumlichen Grenzen und bei jedem Besuch im Buchladen kommen neue Bücher hinzu, sodass meine Wohnung allmählich etwas zu eng wird.
Nun ist aber nicht alles, was zwischen zwei Buchdeckel gepresst wurde, eine Offenbarung oder etwas, das man unter den Begriff „Kulturgut“ fassen könnte. Viele Bücher finde ich eben einfach nur schlecht, langweilig und nichtssagend, breche sie irgendwann ab und ärgere mich, dass sie so viel wertvollen Stauraum verstopfen. Erst vor ein paar Jahren konnte ich mich überwinden und sah die Notwendigkeit, mich von diesen Buchleichen, die halb- oder ungelesen in meinen Regalen ihr Dasein fristeten, zu trennen. Ein Buch wegzuschmeißen kam für mich aber stets einer Todsünde gleich, sodass ich diese Bücher entweder verschenkte, für einen guten Zweck spendete, in einen öffentlichen Bücherschrank stellte oder sie verkaufte. Ich konnte sie aber nicht einfach wegwerfen, denn nur weil mir etwas nicht gefällt, muss es ja nicht generell schlecht sein und kann vielleicht einen anderen begeistern. Auch wenn Bücher im Grunde nichts anderes sind als ein Stapel Papier mit Buchstaben, weckt das Wegschmeißen und Vernichten von Büchern stets unangenehme Assoziationen und erinnert an nicht sehr ruhmreiche Zeiten in der Geschichte.
Inzwischen betrachte ich das jedoch nüchterner und bin ich etwas gnadenloser geworden, denn es gibt Bücher, die mich einfach nur ärgern und bei denen jede gelesene Zeile nichts anderes als die sinnlose Verschwendung wertvoller und vor allem endlicher Lebenszeit ist. Verbrennen ist ein absolutes Tabu, aber in den letzten Wochen habe ich das Wegwerfen von Büchern geradezu zur Perfektion gebracht. Ganze Regalmeter voller Bücher und damit verbundene Erinnerungen sind erbarmungslos in den Schlunden großer Altpapiercontainer verschwunden. Bücher zu Themen, mit denen ich mich nie mehr beschäftigen werde und Buchgeschenke von Menschen, an die ich nicht mehr erinnert werden möchte, mussten ebenso verschwinden wie Bücher, die mich jahrelang begleitet, mir teilweise sogar viel bedeutet haben, aber in eine Lebensphase gehören, an die ich einfach nicht zurückdenken will. Natürlich hätte ich sie verschenken oder verkaufen können, aber da es sich teilweise um Bücher handelte, die weitaus mehr als nur bedrucktes Papier waren, sondern voller Erinnerungen an Zeiten und Menschen steckten, an die ich nie wieder erinnert werden möchte, reichte es nicht, sie einfach wegzugeben – sie mussten vernichtet werden. Mag sein, dass das infantil ist, aber es war das Entledigen von einer Last und das Ritual, das bedruckte Papier dem Recycling zu übergeben, war ein Akt der Befreiung. Die neu geschaffene Ordnung in meinen Regalen hat auch etwas Ordnung in das in meinem Kopf herrschende Chaos gebracht. Und nun erfreue ich mich an den leeren Regalböden, die mich erwartungsvoll anschauen und neuer Bücher harren. Ich stöbere voller Begeisterung in Verlagsvorschauen, auf Blogs und Literaturforen und freue mich, dass ich momentan viel Zeit zum Lesen habe und gerade nicht lesen muss, sondern darf. Ich fürchte, meine Bücherregale werden nicht allzu lange leer bleiben, denn ich habe schon einige interessante Neuerscheinungen entdeckt, von denen die ein oder andere sicher bald bei mir einziehen wird.

© Claudia Bett

Montagsfrage: Wie wichtig sind dir Klappentexte/Inhaltsangaben auf der Rückseite?

Montagsfrage

Auch diese Woche möchte ich mit der Antwort auf die wöchentliche Montagsfrage von Buchfresserchen starten, die sich diesmal Laberladen ausgedacht hat.

Ja, Klappentexte bzw. die Texte, die sich auf der Buchrückseite befinden, sind für mich schon wichtig, denn sie sind für mich oft das entscheidende Kriterium, ob ich ein Buch kaufe oder nicht. Wer kauft schon gerne die Katze im Sack? Es gibt Autoren, deren Bücher ich mir anschaffe, ohne vorher den Klappentext gelesen zu haben, weil ich weiß, dass sie gute Bücher schreiben oder weil das Buch Teil einer Reihe ist, die ich gerne lese. Bei Autoren, die ich nicht kenne, informiere ich mich meistens in Literaturforen, auf Blogs oder Verlagsseiten über die Bücher, aber wenn ich einfach planlos im Buchladen nach neuem Lesestoff stöbere, lasse ich mich bei meiner Kaufentscheidung vor allem von den Klappentexten leiten. Dazu sind sie ja eigentlich auch da – sie sollen das Interesse und die Neugierde des potentiellen Käufers wecken, ihn zum Kauf anregen und sind deshalb natürlich in erster Linie Werbetexte. Leider sind sie jedoch oft so plump und nichtssagend, dass der Informationsgehalt nahezu gegen Null geht. Wünschenswert wäre es ja, wenn ein Klappentext kurz den Inhalt des Buches umreißen würde, damit ich ungefähr weiß, was mich erwartet und er in erster Linie sachlich und informativ wäre, was jedoch recht selten der Fall ist. Oft hat man nach der Lektüre eines Buches den Eindruck, dass der Autor des Klappentextes das vorliegende Buch gar nicht kannte, da nichts von dem was auf den Buchdeckeln angekündigt wurde, in dem Buch zu finden war. Da drängt sich die Frage auf, wer diese Klappentexte überhaupt schreibt? Wäre es nicht sinnvoll, der Autor selbst würde sie verfassen, da zumindest er hinreichend über den Inhalt des Buches Bescheid weiß? Auch ärgern mich Klappentexte, die bereits so viel vom Plot des Buches verraten, dass sich die komplette Lektüre eigentlich erübrigt. Oft merkt man das jedoch erst, wenn man die ersten 100 Seiten gelesen hat, was dann besonders erquicklich ist. Ganz besonders erhellend sind auch Zitate aus dem Buch, Pressestimmen wie „Grandioser Roman!“ (Bild am Sonntag) sowie einzeilige Lobeshymnen anderer Autoren. Die Botschaft des Buches transportieren sie jedenfalls nicht und über den Inhalt sagen sie auch nichts aus.
Generell finde ich Klappentexte jedoch wichtig, weil sie mir, zumindest, wenn sie gut geschrieben sind, ein Bild des Buches vermitteln und aussagekräftiger sind, als das Cover oder der Titel.

Montagsfrage: Print oder eBook, was bevorzugst du?

Montagsfrage

Ich bin bei Bücherfresserchen auf diese Aktion gestoßen und möchte mit meiner Antwort auf die aktuelle Montagsfrage in die Woche starten.

Eigentlich bevorzuge ich nach wie vor gedruckte Bücher, den Geruch des Papiers, das Geräusch beim Umblättern und den haptischen Reiz, wenn ich über das Cover streiche. Es ist schön, ein richtiges Buch in der Hand zu halten, den Lesefortschritt der bereits gelesenen Seiten zu sehen, das Buch am Ende zuklappen und sichtbar ins Regal stellen zu können. Es gibt nichts Schlimmeres als eine Wohnung ohne Bücher. Mir ist es immer ganz unheimlich, wenn ich bei Menschen eingeladen bin, bei denen keine Bücher in den Regalen stehen.
Die Digitalisierung und die damit verbundene Entmaterialisierung werten das Kulturgut Buch, den Wert und auch die Beständigkeit des geschriebenen Wortes ab. Ein Buch ist eine Anschaffung für die Ewigkeit, die Konservierung von Wissen, Kultur und Gedanken, kann aufbewahrt, weitergegeben und vererbt werden und wird auch in 100 Jahren noch Bestand haben. Ist eine heute erworbene ePub-Datei in 20 Jahren überhaupt noch lesbar? Mein eBook-Reader wird jedenfalls vermutlich nicht so lange durchhalten, also werde ich die elektronischen Bücher, die ich mir heute kaufe, vielleicht in einigen Jahren nicht erneut lesen können. Mit der Digitalisierung wird Literatur zur Gebrauchsware und zum Wegwerfprodukt.
Dennoch besitze auch ich einen eBook-Reader und möchte ihn nicht mehr missen, weil er durchaus seine Vorteile hat. Ich lese immer und überall, meistens parallel mehrere Bücher, möchte aber nicht ständig einen Stapel Bücher mit mir rumschleppen. Mit meinem elektronischen Lesegerät kann ich problemlos eine halbe Bibliothek bei mir tragen und je nach Stimmung an meinem Krimi, Thriller oder historischen Roman lesen. Außerdem leide ich zunehmend an einem Phänomen, das mein Optiker „Altersweitsicht“ nennt, weil es offenbar keinen charmanteren Begriff dafür gibt. Gekoppelt mit meiner Eitelkeit und meiner generellen Aversion gegen Brillen, ist es ganz praktisch, dass ich mit meinem eBook-Reader die Schriftgröße beliebig vergrößern und sogar im Dunkeln problemlos lesen kann. Ferner ist das Fassungsvermögen meiner Wohnung begrenzt und ich mache mir allmählich auch Sorgen um die Statik des Hauses.
Aber es gibt Bücher, die ich in gedruckter Form besitzen muss, weil sie für mich einen ideellen Wert haben, ich sie immer wieder lesen und darin blättern möchte. Das sind meist die Bücher meiner Lieblingsautoren und solche, von denen ich weiß, dass sie mir etwas bedeuten.
Meinen Reader nutze ich nur für Bücher, die ich zur reinen Unterhaltung lese, für Krimis, die ich nur einmal zur Hand nehme, weil ich danach ohnehin weiß, wer der Täter ist und für Romane, bei denen ich schon im Vorfeld sicher bin, dass es bei einem einmaligen Lesegenuss bleiben wird.

© Claudia Bett