Montagsfrage: Es wird immer nach den schönsten Buchcovern gefragt, aber welches ist für dich das mit Abstand hässlichste?

Montagsfrage

Heute ist zwar schon Dienstag, aber dennoch ist es wohl noch nicht zu spät für die aktuelle Montagsfrage von Buchfresserchen, die diese Woche auf der Suche nach den hässlichsten Buchcovern ist.

Die Frage ist nicht ganz einfach zu beantworten, weil es so viele Cover gibt, die mir nicht gefallen. Im Grunde sind mir Cover eigentlich egal, denn es kommt ja auf den Inhalt des Buches an. Mit Büchern ist es im Grunde wie mit Menschen – was nützt eine schöne Hülle, wenn innen alles hässlich, hohl und nichtssagend ist?
Ich habe in meinem reichen Fundus an Büchern mit hässlichem Cover nun doch eines gefunden, das alle anderen an Hässlichkeit überragt – es ist das von Martin Walsers Ehen in Philippsburg.
Walser - Ehen in PhilippsburgAlle, die mich kennen, wissen, dass ich Martin Walser und seine Bücher – formulieren wir es mal ein bisschen wohlwollend – nicht besonders gerne mag. Ich habe ihm wirklich viele Chancen gegeben, aber das wird einfach nichts mit uns. Dabei finde ich seine Sprache eigentlich sehr schön, seinen frühen Werken kann ich sogar noch etwas abgewinnen, aber spätestens seit Angstblüte empfinde ich seine Bücher als unerträglich, seine Altmännerphantasien sind geradezu peinlich und Ein liebender Mann habe ich abgebrochen und mir geschworen „Das war’s jetzt! Nie mehr Walser!“. Aber ich schweife ab, denn es geht ja nicht um Autoren, sondern um Cover.
Im Rahmen meines Studiums war ich gezwungen, meine Walser-Aversion kurzfristig abzulegen und seine Ehen in Philippsburg zu lesen. Ich fand das Buch überraschend gut, nicht brillant, aber zumindest erträglich und habe sogar beschlossen, eine Hausarbeit über das Frauenbild in Ehen in Philippsburg zu schreiben. Bei dem Beschluss und einer Einleitung blieb es dann allerdings auch, denn es ging einfach nicht! Ich habe die Hausarbeit nach einer Woche abgebrochen und sie auf meinen Stapel der begonnen und nie vollendeten Hausarbeiten gelegt. Schuld daran war nicht zuletzt das Cover. Allein dessen Anblick verursachte mir schon Bauchschmerzen – Martin Walser, der mich von einer Fotografie fordernd anglotzt, selbstgefällig angrinst und dabei genüsslich an seiner Pfeife nuckelt. Dass es sich hierbei um eine Fotografie von Stefan Moses handelt, macht die Sache nicht besser. So etwas will ich einfach nicht wochenlang auf meinem Schreibtisch sehen. Der soll gefälligst wegschauen! Tat er aber nicht. Im Hintergrund des Bildes steht ein Mädchen mit Zöpfen, das Walser über die Schulter schaut, den Leser anstarrt und wirklich geradezu gruselig ist. Was hat dieses Mädchen vor? Warum steht die da? Der Bezug des Covers zum Inhalt des Buches will mir bis heute nicht einleuchten. Warum macht ein Verlag so etwas? Sollte ein Cover die Aufmerksamkeit nicht vielmehr auf den Text und den Inhalt des Buches als auf die Person des Autors lenken? Ich will nicht vom Autor angestarrt werden – von keinem – schon gar nicht von Walser! Der Suhrkamp-Verlag hat eine Zeitlang häufig Autorenporträts auf den Covern abgebildet und keines davon hat mir gefallen. Vermutlich ging es dem Verlag um eine Inszenierung der Autoren zum Klassiker, denn auch Max Frisch, Hermann Hesse und Thomas Bernhard starren mich von den Covern ihrer Bücher an – schön sind sie alle nicht, aber Ehen in Philippsburg übertrifft sie dennoch alle.

© Claudia Bett