Montagsfrage: Wie ist bei dir das Verhältnis zwischen Fiktion und Non-Fiktion, wenn du dein Leseverhalten betrachtest?

Montagsfrage

Buchfresserchen hat heute auf ihrem Blog wieder eine sehr interessante Frage gestellt, mit der ich nun gleich in die Woche starten möchte.

Bis vor ein paar Jahren hielt sich, was mein Leseverhalten anbelangt, das Verhältnis von fiktionalen Texten und reinen Sachbüchern noch ziemlich die Waage. Ich habe nicht nur Klassiker, Romane, Krimis und Thriller gelesen, sondern ebenso häufig auch Sachbücher zu Themen, die mich interessierten, oder Biografien interessanter Persönlichkeiten. Auch während meines Germanistikstudiums war dieses Verhältnis noch recht ausgeglichen, weil ich für dieses Studium eben beides gleichermaßen lesen musste. Danach habe ich mich allerdings vollkommen in mein Geschichtsstudium gestürzt, nebenbei noch als Besucherführerin im Museum gearbeitet und mich so akribisch auf meine Führungen vorbereitet, dass meine Nase nahezu den ganzen Tag in einem Fachbuch steckte. Außerdem habe ich hin und wieder auch wissenschaftliche Texte korrekturgelesen. Lesen wurde für mich im Grunde vom Hobby zum Beruf, was ich auch als durchaus angenehm empfand und mir großen Spaß machte. Ich habe das Interesse an fiktionalen Texten zwar nie verloren, hatte allerdings keine Zeit und auch keine Ruhe mehr dafür, weil immer ein Stapel Fachbücher und zig wissenschaftliche Texte neben mir lagen, die ich für diverse Nebenjobs oder für mein Studium lesen musste. Manchmal hätte ich schon lieber zwischendurch nach einem Krimi gegriffen, einfach mal ein Buch zur reinen Unterhaltung und Entspannung gelesen und mich in eine fiktive Geschichte fallen lassen, aber ein Blick auf meinen Schreibtisch reichte schon, um das schlechte Gewissen anzukurbeln und mir das Gefühl zu vermitteln, dass ich in diesem Metier nur dann erfolgreich sein kann, wenn ich das geballte Wissen in Form von Fachbüchern in mich eingesogen habe. Ich konnte mich einfach nicht entspannt zurücklehnen und einen Roman lesen, obwohl es irgendein Referat, eine Seminararbeit oder eine Führung vorzubereiten galt oder ich gebeten wurde, eine wissenschaftliche Publikation korrekturzulesen. Und so habe ich es geschafft, in zwei Jahren exakt vier (!) Romane zu lesen, aber dafür eben massenhaft Fachbücher.
Seit ich mein Studium abgeschlossen habe, meine Ambitionen, in diesem Bereich weiterhin beruflich Fuß zu fassen, sich jedoch weitgehend in Luft auflösten und mir meine jahrelange Lektüre von unzähligen Fachtexten, zwar ein recht umfangreiches Wissen und einen passablen Studienabschluss, aber sonst eben nicht viel eingebracht hat, ist mein Bedürfnis nach Fachbüchern für den Moment gestillt. Ich habe seit nunmehr sieben Monaten kein einziges Sachbuch mehr gelesen und genieße es momentan auch sehr, einfach wieder nur lesen zu dürfen und nicht mehr zu müssen. Ich verspüre ein riesengroßes Bedürfnis nach fesselnden und spannenden Geschichten, in denen ich versinken kann. Mag sein, dass sich das irgendwann wieder legt, wenn ich mein Nachholbedürfnis befriedigt habe und das Interesse für ein bestimmtes Thema wiedererwacht, aber im Moment fühle ich mich in erdachten Geschichten und fiktiven Welten einfach wohler.

© Claudia Bett

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