Montagsfrage: Print oder eBook, was bevorzugst du?

Montagsfrage

Ich bin bei Bücherfresserchen auf diese Aktion gestoßen und möchte mit meiner Antwort auf die aktuelle Montagsfrage in die Woche starten.

Eigentlich bevorzuge ich nach wie vor gedruckte Bücher, den Geruch des Papiers, das Geräusch beim Umblättern und den haptischen Reiz, wenn ich über das Cover streiche. Es ist schön, ein richtiges Buch in der Hand zu halten, den Lesefortschritt der bereits gelesenen Seiten zu sehen, das Buch am Ende zuklappen und sichtbar ins Regal stellen zu können. Es gibt nichts Schlimmeres als eine Wohnung ohne Bücher. Mir ist es immer ganz unheimlich, wenn ich bei Menschen eingeladen bin, bei denen keine Bücher in den Regalen stehen.
Die Digitalisierung und die damit verbundene Entmaterialisierung werten das Kulturgut Buch, den Wert und auch die Beständigkeit des geschriebenen Wortes ab. Ein Buch ist eine Anschaffung für die Ewigkeit, die Konservierung von Wissen, Kultur und Gedanken, kann aufbewahrt, weitergegeben und vererbt werden und wird auch in 100 Jahren noch Bestand haben. Ist eine heute erworbene ePub-Datei in 20 Jahren überhaupt noch lesbar? Mein eBook-Reader wird jedenfalls vermutlich nicht so lange durchhalten, also werde ich die elektronischen Bücher, die ich mir heute kaufe, vielleicht in einigen Jahren nicht erneut lesen können. Mit der Digitalisierung wird Literatur zur Gebrauchsware und zum Wegwerfprodukt.
Dennoch besitze auch ich einen eBook-Reader und möchte ihn nicht mehr missen, weil er durchaus seine Vorteile hat. Ich lese immer und überall, meistens parallel mehrere Bücher, möchte aber nicht ständig einen Stapel Bücher mit mir rumschleppen. Mit meinem elektronischen Lesegerät kann ich problemlos eine halbe Bibliothek bei mir tragen und je nach Stimmung an meinem Krimi, Thriller oder historischen Roman lesen. Außerdem leide ich zunehmend an einem Phänomen, das mein Optiker „Altersweitsicht“ nennt, weil es offenbar keinen charmanteren Begriff dafür gibt. Gekoppelt mit meiner Eitelkeit und meiner generellen Aversion gegen Brillen, ist es ganz praktisch, dass ich mit meinem eBook-Reader die Schriftgröße beliebig vergrößern und sogar im Dunkeln problemlos lesen kann. Ferner ist das Fassungsvermögen meiner Wohnung begrenzt und ich mache mir allmählich auch Sorgen um die Statik des Hauses.
Aber es gibt Bücher, die ich in gedruckter Form besitzen muss, weil sie für mich einen ideellen Wert haben, ich sie immer wieder lesen und darin blättern möchte. Das sind meist die Bücher meiner Lieblingsautoren und solche, von denen ich weiß, dass sie mir etwas bedeuten.
Meinen Reader nutze ich nur für Bücher, die ich zur reinen Unterhaltung lese, für Krimis, die ich nur einmal zur Hand nehme, weil ich danach ohnehin weiß, wer der Täter ist und für Romane, bei denen ich schon im Vorfeld sicher bin, dass es bei einem einmaligen Lesegenuss bleiben wird.

© Claudia Bett