Montagsfrage: Ein Blick zurück – wie bist du zum Bücherwurm geworden?

Montagsfrage

Nachdem ich in den letzten Wochen die Montagsfrage schmählich vernachlässigt habe, möchte ich die Frage, die Buchfresserchen diese Woche stellt, heute gerne beantworten.

MaxMoritzIch weiß gar nicht mehr genau, wie ich zum Bücherwurm geworden bin – ich weiß nur, dass ich es eigentlich schon immer war. Bücher fand ich bereits interessant und spannend, als ich noch gar nicht lesen konnte.
Meine Mutter hat mir abends vor dem Einschlafen oft etwas vorgelesen. Meistens waren es Märchen oder aber Geschichten von Wilhelm Busch – die liebte ich ganz besonders. Ich erinnere mich auch gerne an die Nachmittage, die ich bei meinen Großeltern verbrachte und an denen ich mit meinem Opa stundenlang in seinen Büchern blätterte. Bilderbücher für Kinder fand ich nicht besonders prickelnd, aber die Bücher meines Opas waren toll, denn es waren wunderschöne Fotografien von Tieren und Pflanzen darin abgebildet. Ich weiß noch, dass ich ein bisschen traurig war, weil ich nicht selbst lesen konnte, was unter all den bunten Bildern stand und immer darauf angewiesen war, dass es mir jemand vorliest oder erklärt, aber als ich in die Schule kam, lernte ich recht schnell lesen. Wenn ich etwas wirklich können will, dann klappt das auch recht mühelos – das ist übrigens bis heute so. Lesen war jedenfalls etwas, das ich unbedingt können wollte, und kaum hatte ich die Fähigkeit des Lesens erlernt, war ich nicht mehr zu bremsen und hatte eigentlich immer meine Nase in einem Buch. Meine Eltern wussten genau, dass man mir kein Spielzeug, sondern besser ein Buch schenken muss, wenn man mich richtig glücklich machen will. Puppen fand ich furchtbar doof, mein Bewegungsdrang ging schon damals gegen Null und da ich außerdem ein recht menschenscheues Kind war und nie das Bedürfnis hatte, mit anderen Kindern zu spielen, war Lesen meine liebste Freizeitbeschäftigung. Außerdem malte ich sehr gerne, verfügte allerdings über ein recht bescheidenes künstlerisches Talent und konzentrierte mich dann doch überwiegend aufs Lesen.
Das kleine GespenstIch fühle mich ein wenig wie Methusalem, während ich diese Zeilen schreibe, aber als ich in den 70ern aufgewachsen bin, hatte niemand einen Computer zuhause, geschweige denn einen Gameboy, eine Playstation oder gar Internet. Wir hatten einen uralten Schwarz-Weiß-Fernseher, mit dem man exakt drei Sender empfangen konnte, auf denen jedoch vor 16 Uhr ohnehin nichts gesendet wurde. Gefehlt hat mir aber nichts, denn ich hatte meinen Hund, drei Katzen, viele Buntstifte und natürlich jede Menge Bücher – mehr brauchte ich nicht, um mich zu beschäftigen. Ahhh, doch – irgendwann brauchte ich auch einen Leseausweis für die Stadtbibliothek und verbrachte dort dann häufig meine Nachmittage. Diese vielen Regale voller Bücher faszinierten mich sehr, stundenlang stöberte ich nach neuem Lesestoff und schleppte bergeweise Bücher nach Hause. Ich las eigentlich alles, was mir zwischen die Finger kam. Besonders mochte ich die Bücher von Michael Ende und Otfried Preußler. Nach der Fünf-Freunde-Reihe von Enid Blyton war ich regelrecht süchtig und habe jeden Band gleich mehrfach gelesen. Die Burg-Schreckenstein-Reihe von Oliver Hassencamp, die Drei-Fragezeichen-Reihe von Robert Arthur sowie die Trixie-Belden-Reihe von Julie Campbell liebte ich auch heiß und innig. Irgendwann entdeckte ich die Romantik-Thriller von Ursula Isbel. Die waren unheimlich spannend und gruselig, also ganz nach meinem Geschmack. Eigentlich konnte es mir gar nie gruselig genug sein, und bis heute liebe ich es, wenn mir beim Lesen ein eisiger Schauer über den Rücken läuft. Auch wenn es immer wieder Phasen in meinem Leben gab, in denen ich nicht so viel gelesen habe, hat mich die Liebe zu Büchern eigentlich mein ganzes Leben hinweg begleitet.

© Claudia Bett