Montagsfrage: Wie geht ihr mit den allseits präsenten Liebesgeschichten um?

Montagsfrage

Eine Aktion von Buchfresserchen

„Im Grunde kennt die Literatur nur zwei große Themen: die Liebe und den Tod. Alles andere ist Mumpitz“, sagte einst Marcel Reich-Ranicki in seiner unvergleichlich barschen und gleichzeitig liebenswerten Art. Und Recht hatte er, denn natürlich geht es in der Literatur immer um Liebe und Tod, da es kaum Themen gibt, die uns Menschen mehr beschäftigen und bewegen als die Auseinandersetzung mit unserer eigenen Vergänglichkeit und mit einer der größten Triebfedern menschlichen Handelns – der Liebe. Sicher ist der Liebestod nicht zuletzt deshalb ein sehr zentrales Motiv in der Literatur, weil er diese beiden Themenkomplexe miteinander verbindet. Kaum ein anderes Gefühl ist stärker als das der Liebe, kein Leid größer als Liebesleid und kein Glück erfüllender als Liebesglück. Sei es nun die körperlich-erotische, leidenschaftliche, romantische, seelische, transzendente oder geistige Liebe, die Liebe zwischen Mann und Frau, Frau und Frau, Mann und Mann, die Liebe zum Kind oder die zu Gott – Liebe bestimmt das Handeln der Menschen und deshalb scheint es mir nur logisch, dass ständig über sie geschrieben wird. Worüber auch sonst?
Ich kann mich nicht erinnern, jemals ein Buch gelesen zu haben, in dem es nicht irgendwie, und sei es auch nur am Rande, um Liebe ging. Die Frage, ob über Liebe geschrieben werden soll, stellt sich für mich im Grunde gar nicht, sondern wie über sie geschrieben wird – und da gehen die Geschmäcker eben gehörig auseinander.
Ich persönlich hasse nichts mehr, als kitschige Liebesgeschichten mit Happyend und romantische Liebesschnulzen. Sie sind nicht nur fernab jeglicher Realität, sondern sie berühren mich auch nicht. Frau sucht Mann, findet den perfekten, charmanten und gutaussehenden Kerl, es gibt ein paar Widerstände und Konflikte, ein bisschen Tragik und Melancholie, aber letztendlich bekommt sie ihn dann meistens doch, und wenn nicht, ist man ein bisschen enttäuscht, aber mit einem kleinen Vorrat an Taschentüchern lässt sich das bewältigen. Solche Liebesgeschichten erfreuen sich großer Beliebtheit, denn anders ließe sich ein Erfolg wie der von Nicholas Sparks kaum erklären. Ich will das auch gar nicht schlechtreden, denn für manch einen mag es beglückend sein, solche Bücher zu lesen. Diese Liebesgeschichten appellieren an unsere Sehnsüchte, Träume und den stetigen Wunsch nach Harmonie, Geborgenheit und Glückseligkeit. Mich ärgern sie allerdings ein wenig, denn auch wenn sie mitunter dramatisch sein mögen, so fehlt es diesen Geschichten dennoch oft an Tiefe, einer Botschaft und allzu oft driften sie eben ins Klischeehafte ab. Ich habe durchaus nichts gegen Romantik und Liebesglück, gebe zu, dass auch ich sehr romantische und naive Vorstellungen von Liebe habe, aber es geht mir ziemlich auf die Nerven, wenn ein Autor, um jeden Preis eine romantische Liebesgeschichte in seine Bücher einbauen muss. Wenn in einem Krimi aus Liebe gemordet wird, finde ich das interessant und spannend, aber ob sich zwischen den Personen, die in einem Fall ermitteln nun auch noch eine romantische Liebesbeziehung entwickelt, interessiert mich dabei herzlich wenig und empfinde ich meistens auch als störend. Ich mag es, wenn in Büchern über Liebe geschrieben und reflektiert wird, über die Macht eines Gefühls, menschliche Abgründe, über Sehnsüchte und Hoffnungen, die Menschen umtreiben und antreiben, aber bitte nicht klischeehaft, vollkommen realitätsfern, unreflektiert und platt.

© Claudia Bett